Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel A 6

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VI. Nahrungsstand.

1. Vermögen.

Der Bestand und die Vertheilung des hier in Betracht kommenden Vermögens ist am deutlichsten aus den beygeschlossenen Tabellen zu ersehen.

Der Geldwerth desselben beträgt nach dem früher zu Grunde gelegten Anschlag: [1].

  1) Grundeigenthum 10.964.988 fl.
2) Gebäude 3.516.175 fl.
3) Vieh      668.546 fl.
15.149.709 fl.
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 Davon kommen auf den Staat an
  Grundeigenthum 499.660 fl.
Gebäude      182.100 fl.
682.060 fl.
 
Das steuerbare Vermögen macht an
Grundeigenthum 10.394.453 fl. [2]
Gebäude      2.853.775 fl.
13.248.228 fl. [3]

mithin auf 1 Einwohner (freylich meist nur lehnbarem Besitz und mit Einschluß der Grundherrn) a) ohne Vieh 550 fl.; b) mit Vieh 578 fl.

Der Vermögensstand der Einzelnen hat sich zwar, wie überall, bedeutend vermindert, doch herrscht im Allgemeinen noch Wohlhabenheit. Die vermöglichsten Orte sind dermalen: Riedlingen, Bechingen, Grüningen, Großtissen, Zell, Zwiefaltendorf; die unvermöglichsten Pflummern, Binswangen, und Andelfingen. Die Einwohner der beyden letztern Orte fanden früher größtentheils in dem Kloster Heiligkreuzthal, dem sie angehörten, Arbeit, Erwerb und Unterstützung; seitdem nun diese Quelle nicht mehr fließt, ist fast allgemeiner Nothstand eingetreten. Die Anzahl der im öffentlichen Almosen stehenden Personen des unmittelbaren Oberamtsbezirks – von den standesherrsch. Ämtern ist sie nicht bekannt – beträgt gegenwärtig 430. Allein weit die geringere Zahl der Bedürftigen empfängt ein öffentliches Almosen.


2. Wirthschaft.
A. Landbau.
c. Gewinnung von Mineralien.
Die Eisenerze des Oberamts wurden sonst für das| Sigmaringische Eisenwerk im Lauchertthale benutzt, und es fand eine Übereinkunft zwischen den Regierungen von Würtemberg und Sigmaringen statt, wonach, vor dem gemeinschaftlich Zollsystem beyder Staaten, von Würtemberg die freye Ausfuhr der Egelfinger und Emerfelder Erze, von Sigmaringen aber die der Ringinger Erze für Friedrichsthal zugestanden war. Durch die eigenen Erze, welche Würtemberg in neuern Zeiten in der Gegend von Willmandingen entdeckt hat, sind für dieses die Ringinger Erze entbehrlich geworden, und wegen angeblichen Mangels an Ausbeute hat auch das Graben zu Egelfingen schon vor 7 und zu Emerfelden vor 10 Jahren aufgehört.

Steinbrüche finden sich zu Riedlingen, Taugendorf, Grüningen, Altheim, Pflummern, Dollhof, Andelfingen, Neufra, Zwiefaltendorf, Binswangen etc. etc.; sie liefern aber, mit Ausnahme der Brüche von den vier letztern Orten, alle nur Kalksteine, wovon die von dem herrsch. Bruch beym Dollhof zum Bauen die besten und beliebtesten sind. Die Brüche zu Andelfingen, Neufra und Zwiefaltendorf liefern Tuffsteine, der letztere die vorzüglichsten, so daß sie weit und breit geholt werden, und eine nicht unerhebliche Nahrungsquelle für den Ort sind. Zu Binswangen befinden sich zwey Steinbrüche in dem Mergelsandstein, die ehemals stark benutzt wurden, jetzt aber brach liegen, nachdem sie in Folge eines Streits verlassen worden sind; die Steine sind übrigens so hart und glasartig, daß sie schwer zu bearbeiten sind, und der Dollhofer Kalkstein vorgezogen wird.

Kies- und Sandgruben findet man an den meisten Orten, diesseits der Donau hauptsächlich bey Daugendorf, Riedlingen, Grüningen, Andelfingen, Waldhausen, Dollhof, jenseits in den Unlinger, Uttenweiler Waldungen; bey Neufra, Marbach, Dürmentingen, Kappel, Oggelshausen, Tiefenbach, Sauggart etc. etc. Sie werden nicht nur zum Straßenbau, sondern auch zum Hochbauwesen benutzt.

Erden. Der häufig vorkommende, übrigens, wie schon bemerkt worden, nirgends vorzügliche Thon wird von den| Hafnern, hauptsächlich aber von den Zieglern des Oberamts benutzt. Die Benutzung des Mergels hat neuerlich ziemlich aufgehört. Auf dem rechten Donauufer befinden sich Leimengruben zu Göffingen, Dürmentingen etc., eine Mergelgrube bey dem Hennauhofe.

Torfstiche findet man sowohl diesseits der Donau, bey Grüningen, in dem Becken des Biberbachs und beym Dollhof, als noch mehr jenseits, zu Erisdorf, Ertingen, Marbach, Tissen, hauptsächlich aber um den Federsee herum zu Bischmannshausen, Betzenweiler, Kanzach, Seelenhof, Dürnau, Kappel, Buchau, Moosburg, Brackenhofen, Seekirch, wo die Gewinnung des Torfs zum Theil einen bedeutenden Handels- und Erwerbsgegenstand ausmacht. Das größte Torfried ist das Seelenhofer, F. Taxisscher Herrschaft, das ungefähr 400 Morgen enthält, mit einem 4 bis 7 Fuß mächtigen Torflager, worauf sich ein Abraum von 6 Zoll Moorgrund befindet. Es werden jährlich ungefähr 700.000 Stück darauf gestochen. In der Regel wird am Federsee ein Bezirk alle 40 Jahre, häufig aber auch in kürzerem Zeitraume abgestochen; 1 Morgen gibt dann 100 Haufen, den Haufen zu 1000 Stück, à 5″ im Durchmesser; das Tausend kostet 1 fl. 30 kr. In der Zwischenzeit wird das Feld als schlechte Weide benutzt, oder wie das Seelenhofer Ried dem Anwuchse von Birken und Nadelholz überlassen.

B. Pflanzenbau und Viehzucht.
1) Zustand des Feldbaues im Allgemeinen.

Über den Flächenraum, die Eigenthums- und Ertragsverhältnisse, sowohl des ganzen Grund und Bodens, als der einzelnen Markungen, so wie über das Verhältniß der Grundfläche zur Bevölkerung und zum Viehstand geben die angeschlossenen Tabellen die nöthige Auskunft.

Das Verhältniß des ungebauten Landes zum gebauten ist, ohne Einrechnung der Waldungen, und wenn man die Wechselfelder als gebaut betrachtet = 1:177/10.

Das Verhältniß der Waldungen zu dem ganzen| Grund und Boden ist = 1:36/10 – in Ehingen = 1:4 in Münsingen = 1:42/10, in Reutlingen = 45/10.

Das Verhältniß der verschiedenen Bauarten unter sich ist:

Gärten und Länder  1
Äcker 293/7
Wiesen 116/7
Waldungen 181/3

Die Vertheilung des Grundeigenthums ist von gleicher Art, wie in dem Oberamte Ehingen[4]. Wie dort, bestehen die Güter auch hier größtentheils in mehr oder minder großen Falllehen – Bauern- oder Söldgütern. Nur in den vormals Östreichischen Orten, in Buchau, und in dem alten Orte Pflummern findet eine freye Vertheilung statt.

Im Ganzen kommen auf 1 Menschen 54/5 Morgen gebautes und ungebautes Land. Dieses Verhältniß steigt von 12/5 M. (Buchau) bis 344/5 M. (Ödenalen).

Der Stand der landwirthschaftlichen Cultur ist im Allgemeinen ziemlich gut, vorzüglich aber kann er nur an wenigen Orten genannt werden, und wird es auch bey dem großen Güterumfang der Lehenshöfe, und so lange die landwirthschaftliche Industrie sich nicht noch regsamer zeigt, nicht werden. Indeß sind die Fortschritte, welche die Cultur seit 30 bis 40 Jahren auch in dem diesseitigen Oberamtsbezirke gemacht hat, nicht zu verkennen. Nach allgemeinen Wahrnehmungen wird jetzt die Hälfte mehr Getreide erzeugt, als noch vor 40 Jahren. Diese Fortschritte sind hauptsächlich dem größern Futterkräuterbau, der Einführung der Stall-Fütterung und der dadurch möglich gewordenen Cultivirung des großen Donaurieds und anderer Riede und Weideplätze, so wie der dadurch gewonnenen größeren Düngermasse zuzuschreiben, S. Weidewirthschaft.

In Riedlingen, Großtissen, Sauggart und an andern Orten sind seit einiger Zeit die Dungstätten nach Grundsätzen, mit Gillenlöchern versehen, angelegt. Im Allgemeinen aber ist der Oberamtsbezirk hierin fast noch so weit zurück, als der| von Ehingen, besonders in Vergleichung mit dem angrenzenden Oberamt Saulgau. Doch mehren sich die bessern Einrichtungen von Jahr zu Jahr, und es ist in dieser, wie in anderer, Beziehung von den höhern Stellen viel gewirkt worden. Von künstlichen Düngungsmitteln wird, wie überall an der Donau hin, der Gyps angewendet, in neuern Zeiten auch Knochenmehl. Eine merkwürdige Maßregel haben i. J. 1819 die Bewohner von Braunenweiler vorgenommen. Um von dem Zelgzwang frey zu werden, und ihre Äcker und Wiesen zusammenhängend zu besitzen, suchten und erhielten sie die Erlaubniß zur Vereinödung und führten diese mit Umsicht und Eintracht aus, ohne jedoch, wie dieß früher anderwärts geschehen ist, auch ihre Wohnungen zu vereinöden, oder von der Dreyfelderwirthschaft abzugehen. Wie wenig übrigens dieses Vereinödungssystem für unser Zeitalter mehr paßt, geht an ebendiesem Orte schon daraus hervor, daß durch neuerlich eingetretene Käufe und Verkäufe bereits wieder neue Zerstücklungen eingetreten sind. Bis jetzt ist Braunenweiler der einzige Oberamtsort, wo Vereinödung statt findet.

Wesentliche Verdienste haben sich um die Beförderung des Landbaues, durch Cultivirung von Rieden, Einführung des Kleebaus, der Stallfütterung etc. etc. zu Ende des vorigen Jahrhunderts der Geheime Rath Scheffold zu Buchau, der Oberamtmann Clavel zu Scheer und der Pater Großkeller zu Zwiefalten, Bonifacius Schaich gemacht. Ersterer ist der Schöpfer eines ganz neuen Weilers (Moosburg), letzterm verdankt man hauptsächlich die Cultivirung des großen Donaurieds.

Der Reinertrag von 1 Morgen Land beträgt nach der Katasterschätzung, ohne Zehnten, 3 fl. 45 kr., und zwar von

Äckern 4 fl. 20 kr.
Gärten und Ländern 9 fl. 20 kr.
Wiesen 5 fl. 26 kr.
Wald 1 fl. 15 kr.

Demnach würden, nach den frühern Berechnungen, der Capitalwerth ausmachen von 1 Morgen

Äcker 103 fl.
Gärten 186 fl. 40 kr.
Wiesen 120 fl. 40 kr.
Wald 25 fl.
zusammen im Durchschnitt 84 fl. 12 kr.
| Nach den oberamtlichen Bemerkungen stimmen diese Werthe mit den gegenwärtigen Preisen ziemlich überein, nur die Waldungen dürften im Durchschnitt zu 40 fl. anzunehmen seyn.
2) Einzelne Kulturarten.
Ackerbau.

Bewirthschaftung, Pflug und Bespannung, Gegenstände des Ackerbaues etc. sind ganz dieselben, wie sie schon bey Ehingen geschildert worden sind, wir bemerken noch, daß man bey den leichten Böden die Ackerwalze fast überall eingeführt findet.

Das Brachfeld wird nach den Aufnahmen für das Kataster zur Hälfte eingebaut. Den stärksten Brachbau haben Riedlingen und die Umgegend, Unlingen, Sauggart. Wechselfelder gibt es nur noch auf der Alp und zu Reutlingendorf, die meisten zu Upflamör, Ittenhausen, Friedingen, Mörsingen, wo sie die Zahl der Öschfelder ums Doppelte und Vierfache übersteigen. Friedingen hat auch eine nicht unbedeutende Morgenzahl ganz ungebauter Äcker. Die Getreidearten sind die gewöhnlichen, doch wird außer der Alp und der Federseegegend wenig Haber, dagegen mehr Gerste, hauptsächlich Sommergerste, gebaut. Die Alporte bauen auch Einkorn. Die besten Kartoffeln erzeugen die Alporte, ferner Binswangen, Neufra, hauptsächlich die gelben. Rüben werden auch hier wenig gebaut, die beliebtesten für die Küche sind die Altheimer. Der Repsbau, bisher sehr bedeutend, besonders in Binswangen, Alleshausen, Betzenweiler, Uttenweiler etc., hat neuerlich ebenfalls etwas abgenommen. Flachs wird überall sehr viel gebaut, hauptsächlich in Ertingen, Reutlingendorf und um den Bussen herum, wo er ein wichtiger Erwerbszweig ist. Hanf wird dagegen nicht viel gebaut, am meisten noch auf der Alp zu Egelfingen, Emerfeld und Upflamör. Von Hopfenpflanzungen sieht man kleine Versuche zu Buchau, Binswangen, Grüningen, Hailtingen, Heiligkreuzthal, Tiefenbach, Unlingen. Tabak wird gar nicht gebaut. Der Bau der künstlichen Futterkräuter ist| am stärksten zu Heudorf, Offingen, Neufra, Erisdorf, Riedlingen; er besteht in dem dreyblättrigen Klee, ewiger Klee ist selten, auf der Alp wird auch Esper gebaut.

Die Aussaat und der Ertrag ist wieder fast eben so, wie bey Ehingen; in der Gegend von Riedlingen soll ein guter Morgen Ackers auch 14 bis 15 Schl. Dinkel tragen.

Nach den für die Katastereinschätzung des Ackerfelds gelieferten Angaben beträgt der jährliche Rohertrag desselben in

Geld 556.676 fl. 21 kr.  
die Produktionskosten   450.762 fl.  8 kr.
der Reinertrag 105.914 fl. 13 kr.
hiezu der reine Brachertrag 1 Jahrs mit   47.536 fl. 39 kr.
thut 153.450 fl. 52 kr.

die Wirkungen des Katastergesetzes erhöhen denselben aber auf 225.259 fl. 56 kr.

Wird zu der Summe von 556.676 fl. 21 kr. 1/12 derselben für den Zehnten und der Werth von 4 Schl. Frucht (à 2 fl. 45 kr.) für jeden der 8965 Morgen, welche jährlich in der Brache gebaut werden, geschlagen, so erscheint ein roher Geldertrag des Ackerfelds von 701.681 fl.; und zieht man von dem Rohertrage einschließlich des Zehntens (= 603.066 fl.) den Betrag des Strohs mit 2/9 ab, so kommt, den Scheffel Frucht zu 2 fl. 45 kr. gerechnet, ein Kernertrag von 170.564 Schl. heraus.

Gartenbau.

Er beschränkt sich auf die Anpflanzung von Gemüsen und Küchengewächsen für den eigenen Bedarf; kunst- und gewerbsmäßig betriebene Gärtnerey ist nicht zu finden. Aber in den standes- und grundherrschaftlichen Gärten zu Heudorf und Grüningen sieht man hübsche Zierpflanzungen und andere Anlagen, mit Gewächshäusern verbunden. Der Ertrag von Gärten und Ländern beträgt nach dem Kataster rein 13.390 fl., roh 35.707 fl.

Wiesenbau.
Die Morgenzahl der Wiesen verhält sich zu der von den| Äckern wie 1 : 21/2. Sie sind größtentheils zweymähdig. Unter den einmähdigen Wiesen sind in unsrer Tabelle auch 976 Morgen Torf- und 652 Morgen Holzwiesen begriffen. Rein einmähdige Wiesen haben hauptsächlich nur Bechingen, Bischmannshausen, Buchau, und, unrühmlicher Weise bey weitem die meisten, die Stadt Riedlingen. Die besten, aber auch die wenigsten haben die Alporte; die Beschaffenheit der Donauwiesen und anderer Riedwiesen ist früher schon geschildert worden. Die meisten Wiesen haben Ertingen, Neufra, Altheim und die Orte um den Federsee. Die große Anzahl von Wiesen bey Ertingen und andern Orten ist eine nothwendige Wirkung der, häufigen Überschwemmungen ausgesetzten, Lage.

Der Rohertrag der steuerbaren Wiesen macht nach dem Kataster in Geld 210.172 fl. 34 kr., somit, den Ctnr zu 36 kr. gerechnet, in Natur 350.288 Ctnr., dazu 1/20 für den Zehnten gerechnet, macht der ganze Ertrag 220.681 fl. 12 kr., oder 367.802 Ctr. Der Reinertrag läuft im Kataster mit 112.993 fl. 30 kr. Nach den für die Einschätzung gelieferten Angaben aber würden die Produktionskosten 129.744 fl. 6 kr. betragen, wonach dann nur ein Reinertrag von 80.428 fl. 28 kr. übrig bliebe.

Obstzucht.
Obstbäume findet man in allen Orten des Oberamts, selbst auf der Alp, in Ittenhausen und Upflamör, in Dürrenwaldstetten sogar feineres Obst, von dem vormaligen Pfarrer Rief hauptsächlich gepflanzt. Das Obst gedeiht aber wegen der, schon bey Ehingen näher bezeichneten, klimatischen Verhältnisse, wenig und bey der Beschaffenheit des Bodens, besonders da, wo unter dem moorigen Grunde eine Lettenschicht liegt, kommen an vielen Orten auch die Bäume ungern fort. In Folge der klimatischen Verhältnisse gewinnen noch die etwas höher liegenden Orte, wie Alleshausen, Seekirch, Offingen, Reutlingendorf etc. und vorzüglich Pflummern am meisten Obst. In dem letztern, einem altw. Orte, scheint auch von frühern Zeiten her mehr Sinn für die Obstzucht| geherrscht zu haben. Dieser Sinn verbreitet sich übrigens neuerlich immer mehr auch in andern Orten und wie überall, so ist auch in dem diesseitigen Oberamte die Obstzucht in sichtbarem Zunehmen begriffen. Auch die Hauptstraßen sind jetzt meist mit Obstbäumen besetzt. In mehreren Orten, besonders zu Ertingen von dem Kaplan Walter, der sich um die Obstbaumzucht sehr verdient gemacht u. i. J. 1822 auch einen, von S.M. dem König auf die Baumzucht ausgesetzten Preis erhalten hat, sind Baumschulen angelegt; zu Zwiefaltendorf, Uttenweiler, Dieterskirch, Offingen, Hailtingen und Wilflingen befinden sich neuerlich auch sogenannte Kinderbaumschulen.

Weinbau ist, als mit dem Klima unverträglich, in dem Oberamte nicht zu suchen. Doch scheint es, daß ehemals Wein gebaut worden sey; denn bey dem Landauhof heißt noch eine Halde die Weinhalde und Graf Heinrich von Veringen hatte 1313 einen Weingarten zu Langenenslingen im Besitze.

Waldbau.

Die Waldfläche des Oberamts ist eine der bedeutendsten im ganzen Donaukreise, s. T. II. Die größten Waldungen befinden sich diesseits der Donau auf der Alp, wo sich hauptsächlich der Teutschbuch auszeichnet, jenseits zeichnet sich der große Dürmentinger Wald aus.

Die Beschaffenheit der Waldungen zeigt sich folgendermaßen[5]:

A. Diesseits der Donau.
a) der nordwestliche Theil des Oberamts, die Alp, entspricht mit ihrem Kalkboden der Buche am besten, nur die südlichen Bergwände, woran theils der erforderliche Humus| bey heftigem Regen weggeflößt wird, theils weil sie in frühern Zeiten kahl abgeholzt und durch Viehhütungen schonungslos in Anspruch genommen worden sind, bestocken sich durch Birken, Aspen, Salen, Haseln und durch die oben benannten Sträucher. Der Betrieb dieser Waldungen war bisher, mit Ausnhame der Gräfl. Stauffenbergischen Waldungen bey Wilflingen, auf Niederwald. Nachdem aber die Erfahrung gezeigt hat, daß wenn gleich nur alle 7 bis 10 Jahre ein Buchensamenjahr zu erwarten ist, dennoch die Nachzucht der Buchenwaldungen aus dem Samen von besserem Erfolg ist, als von den Stumpen- und Wurzel-Ausschlägen; so werden nun alle Staatswaldungen, wo es nur immer thunlich ist, zu Hochwaldungen wieder angezogen. Die Eiche ist in diesen Waldungen nur selten, und immer in hohem Alter zu sehen.

b) Der Fuß der Alp, begünstigt durch seinen zwar mit Kalkstein vermischten, aber durch größern Zusatz von Thon mehr Feuchtigkeit haltenden, Boden neben der Buche und Eiche, mehr die Birke, Hagenbuche, Aspe, wie dieß bey Pflummern, Taugendorf, Bechingen, Zwiefaltendorf bemerkbar ist. An und auf dem Teutschbuch hat es ziemlich viele Nadelholz- und gemischte Waldungen. In den beträchtlichen Staatswaldungen zwischen Heiligkreuzthal und Beuren bildet wieder die Birke, vermischt mit Aspen, Erlen, Eichen und Fichten den Hauptbestand. Das Nadelholz ist durch künstliche Saat dahin verpflanzt, indem die vormalige Klosterherrschaft alle Ödungen mit Fichtensaat kultiviren ließ. Neuerlich wird auf Entwässerung der Moorgründe, deren es bedeutende Strecken gibt, sehr gedrungen, da das Gelingen der Birken und Erlenpflanzungen in solchen entwässerten, wenn gleich sauren Böden keinem Zweifel mehr unterworfen ist; der Betrieb in obigen Bezirken ist auf 30, auch nur 25 Jahre festgesetzt.

B. Jenseits der Donau.
a. Der Bezirk Bussen – Göffingen, Hailtingen, Dentingen, Möhringen, Unlingen, Uigendorf, auch Reutlingendorf,| enthält größtentheils wieder Laubwaldungen, worin theils die Weiß- und Rothbuche, noch mehr aber die Eiche, die man von jedem Alter findet, und die weichen Laubhölzer gut gedeihen. Es sind fast lauter Niederwaldungen, mit außerordentlich üppigem Wuchse. Die Umtriebszeit ist auf 25, auch 30 Jahre festgesetzt. Auffallend ist, daß diese Waldungen nur selten von Insekten, desto öfter dagegen von Mäusen Schaden leiden.

b. Der südliche Bezirk, und die östliche Gränze – Ertingen, der große Dürmentinger Wald, Kanzach, Dürnau, Alleshausen, Sauggart, Wachingen etc. enthalten theils gemischte, größtentheils aber reine Nadelholzwaldungen, worin die Rothtanne vorherrschend ist. Die letztern werden nach einem 80jährigen Umtriebe als Hochwaldungen bewirthschaftet, die gemischten Waldungen sucht man entweder in reine Nadelholz- oder reine Laubholzwaldungen umzuwandeln.

In dem ganzen Oberamte dürfte sich bisher die Fläche der Hochwaldungen zu der von Niederwaldungen wie 1 : 10 verhalten haben. Das Verhältniß der Laub- und Nadelholzwaldungen ist aus der Tabelle II zu ersehen, wobey wir jedoch bemerken, daß unter den Nadelholzwaldungen 7100 Morgen gemischte Waldungen enthalten sind. Die meisten gemischten Waldungen haben die Orte am Federsee, ferner Uttenweiler, Ertingen, Mörsingen.

Die Nebennutzungen sind jenseits der Donau nicht erheblich und bestehen, außer Weide, Gras und Streu, höchstens in einer unbedeutenden Einnahme für Färbeginster, aber auf der Alp ist das Gerathen der Bucheln ein wahrer Erntesegen. Eine Person kann 30 bis 40 Sri. sammeln, die theils für den eigenen Öhlbedarf verwendet, theils verkauft werden. Das Sri. kosten 18–24 kr., 30 bis 32 Sri. geben 1 Ctr. Öhl. Die letzten Bucheljahre waren 1807, 1811, 1819, 1823, hauptsächlich das erste und letzte. Harznutzungen, Theerschwellen etc. finden nicht statt.

Das Eigenthum der Waldungen ist so vertheilt, daß von 39.0863/4 M. wie Tab. II. zeigt, den größten Theil der| Staat, die Grundherrschaften und Körperschaften besitzen und nur 1025 Morgen bürgerliches Eigenthum sind; von den grundherrlichen Waldungen besitzt Taxis die Hälfte.

Diejenigen Gemeinden, die keine eigenen Waldungen besitzen, haben fast alle Beholzungsrecht.

Die Holzfrevel sind nicht zahlreich, vermuthlich wegen der Gerechtigkeits-Holzgaben und des mäßigen Holzpreises. Auf dem Markte zu Riedlingen kostet 4 Meß Buchenholz in der Regel 8 fl., Birken 7 fl., Tannen 6 fl., Eschen 5 fl. Der Reinertrag von 1 Morgen Wald beträgt nach dem Kataster 1 fl. 15 kr. und von der ganzen steuerbaren Waldfläche 34.376 fl. 10 kr.; der Rohertrag 104.928 fl. 30 kr.

Weidewirthschaft.
Die Weidewirthschaft vermindert sich immer mehr, ansehnliche Weidestrecken sind in neuern Zeiten in angebautes Feld verwandelt, und auf den meisten Wiesen, die früher einmähdig waren, ist, statt der Beweidung, die Öhmdung eingeführt worden. In den allermeisten Orten findet die Stallfütterung statt und nur nach der Ernte wird in denselben zum Theil noch das Vieh ausgetrieben. Ungefähr 20 Gemeinden haben bis jetzt entweder ganz oder theilweise die Weidewirthschaft beybehalten. Unter diesen befindet sich auch die Oberamtsstadt Riedlingen. Vor einigen Jahren sollte zwar daselbst, nach dem Wunsche des größten Theils der Bürgerschaft, die Weidefläche vertheilt und die Stallfütterung allgemein eingeführt werden; allein ein Theil der Bürger, gerade der vermöglichere, widersetzte sich aus blindem Vorurtheil dieser Maßregel und behielt seinen Antheil als Weide bey. Demselben Vorurtheil ist es auch zuzuschreiben, daß dort eine große Fläche der Wiesen noch einmähdig ist, weil sie nach der ersten Schur ebenfalls beweidet werden[6].| Viele Gemeinden besonders in der Fürstl. Taxisschen Standesherrschaft sind im Besitze des Waldweiderechts und können es zum Theil aus Mangel an Wieswachs auch nicht leicht unausgeübt lassen. S. Waldbau. Unter der in der Tab. angegebenen Weidefläche sind übrigens nur 1422 M. eigentliche Grasweiden, 1550 M. sind mit Holz bewachsen, 2110 M. reine Öden. Schafweiden hat nur der wenigste Theil der Orte, und meistens unbedeutend; der häufig nasse und sumpfige Boden eignet sich nicht dazu. Die bedeutendsten und zugleich die besten Schafweiden haben die Alporte Friedingen, Upflamör, Pflummern und Emerfeld, sodann die Stadt Riedlingen und Altheim. Nach dem Kataster laufen auf sämmtlichen Weiden des Oberamts nicht mehr als 3554 Stück. Die Pachtsumme sämmtlicher Gemeinde-Schafweiden beträgt dermalen 4719 fl. Vergl. damit Ehingen S. 56. Das Schafweiderecht besitzen mit Ausnahme von Wilflingen, wo es die Gutsherrschaft hat, überall die Gemeinden. Zu Grüningen und Zwiefaltendorf und in | einigen Taxisschen Orten ist Streit darüber. Der Ertrag der Weiden ist in dem Kataster zu 3889 fl. 19 kr. angesetzt.

Der ganze Rohertrag von dem steuerbaren Grund und Boden beträgt somit

 von  Äckern 701.681 fl.
 –  Gärten und Ländern 35.707 fl.
 –  Wiesen 220.681 fl. 12 kr.
 –  Wald 104.928 fl. 30 kr.
 –  Weide   3.889 fl. 18 kr.
1.066.887 fl.
3. Viehzucht.

Pferdezucht. Das Oberamt Riedlingen ist in Beziehung auf Pferdezucht eines der ersten im ganzen Königreiche, sowohl rücksichtlich der Menge, als der Güte der Pferde, in ersterer Beziehung wetteifern nur Waldsee und Biberach mit ihm. Es kommt auf 291/3 Morgen Feld 1 Pferd, während im ganzen Königreiche erst auf 107 M. eines kommt. Die meisten Pferde haben im Verhältnisse zur Bodenfläche Beuren, Heudorf, Taugendorf, Waldhausen, Zell, die wenigsten die Alporte; die besten Bechingen, Zell, Grüningen, Heudorf Taugendorf, Sauggart, Uttenweiler und einige weiter aufwärts gelegenen Orte. Sehr zu statten kommen der Pferdezucht die in dem Oberamte errichteten Beschalplatten. Die Hindernisse der Pferdezucht sind dieselben, wie sie schon bey Ehingen und Münsingen bemerkt worden sind. Ein Haupthinderniß ist auch hier die zu frühe Benutzung der jungen Thiere; der Handel mit Pferden besteht deßwegen auch mehr in Fohlen, als in erwachsenen Thieren.

Rindvieh. Auch in Rindvieh ist das Oberamt eines der stärksten im Königreiche, zwar nicht in Ochsen und Stieren, desto mehr aber in Kühen und Jungvieh. Im Verhältnisse zu dem Flächenraum steht es freylich gegen manche andere Oberämter, so wie gegen das Ganze zurück[7], übertrifft| aber auch wieder manche, namentlich die benachbarten Oberämter Münsingen und Ehingen. Es kommt auf 91/10 M. Landes 1 St. Rindvieh. Den stärksten Rindviehstand haben im Verhältnisse zum Grund und Boden, Beuren, Waldhausen, Andelfingen und Erisdorf, den geringsten die Alporte und Wilflingen; die meisten Ochsen findet man am Federsee: zu Buchau, Kappel, Oggelshausen, Tiefenbach, Brasenberg; die gewöhnliche Art von Rindvieh ist auch hier die rothbraune, stark gehörnte. Schöne Rindviehhaltungen von Schweizer- und Algäuer-Rassen sieht man bey dem Wirth und Weinhändler Baumeister in Großtissen und bey dem herrsch. Bräuhausbeständer Daigeler zu Heiligkreuzthal.

Die Stallfütterung ist schon S. 73. abgehandelt.

Mastung findet man wenig und nur in den Brauereyen zu Heiligkreuzthal und Dürmentingen; auch in dem diesseitigen Oberamte ist die Zucht und der Handel mit Jungvieh die Hauptsache. Käsereyen gibt es nur 1, auf dem Buchaier Hofe, die gute Käse liefert, jedoch nicht mehr, als jährlich ungefähr 6 Ctr.[8]

Die Schafzucht ist unbedeutend, in dem ganzen Oberamte befinden sich nicht mehr, als 2640 eigenthümliche Schafe, der größte Theil davon zu Wilflingen.

Die Schweinszucht hat in neuern Zeiten sehr zugenommen und wird jetzt in vielen Orten, namentlich zu Riedlingen, Alleshausen, Altheim, Binswangen, Buchau, Taugendorf, Dürmentingen, Erisdorf, Ertingen, Göffingen, Hundersingen, Heiligkreuzthal, Marbach, Neufra, Pflummern, Unlingen, Uigendorf, Uttenweiler, Wilflingen, betrieben. Die Einfuhr von Baierischen Schweinen ist deßwegen auf den 4ten Theil herabgesunken. Die Art der Schweine besteht meist in den gewöhnlichen Landschweinen; der Bräumeister zu Heiligkreuzthal hält auch chinesische Schweine.

Ziegen besitzt das Oberamt nur 336; Esel gar keine.

| Die Geflügelzucht ist nicht unbedeutend, aber nirgends so, daß eine Ausfuhr von Geflügel oder Federn statt fände.

Die Bienenzucht ist ansehnlich; man zählt fast noch so viele Bienenstöcke, als im OA. Ehingen, die meisten in Ertingen und Binswangen, sodann in Marbach, Kappel, Unlingen, Hailtingen und Friedingen.

Schnecken werden in den Schneckengärten zu Friedingen, Grüningen und Ittenhausen für den Verkauf gesammelt und gefüttert.

Fischerey. Sie findet theils in Flüssen und Bächen, theils in den Seen und Weihern des Oberamts statt, in der Donau hauptsächlich zu Riedlingen und Binswangen. Am stärksten war sonst die Fischerey im Federsee, sie hat aber, wie schon oben bemerkt worden ist, mit der Fällung des Sees sehr abgenommen. Bemerkenswerth ist die Art, wie die Fische, in der Donau, hauptsächlich die Hechte, häufig gefangen werden. Es geschieht dieß mit einer Art von Harpunen oder langen Spießen, Gerren genannt, welche sich in 4 Spitzen mit Wiederhaken enden; die Donaufischer wären also noch im eigentlichen Sinne Germanen.

Jagd. Die hohe Jagd ist nur noch in den Alpbezirken und gegen die Sigmaringische Gränze hin von einiger Bedeutung; die niedere Jagd hingegen ist in günstigen Jahrgängen sehr ergiebig. In einem Theile des Oberamts, insbesondere in dem vormaligen Kloster Heiligkreuzthalischen Gebiete, diesseits der Donau, auch in Wilflingen und theilweise in Altheim besitzt der Fürst von Hohenz. Sigmaringen das Jagdrecht. Dagegen besitzt die Krone Würtemberg die Jagdbarkeit auf einem Theile der Sigmaringischen Markungen von Veringen Dorf und Stadt, Inneringen, Hettingen, Hermadingen. Der Bezirk jenseits der Donau gehört beynahe ganz zur freyen Pürsch. Ein Theil, und zwar der Bezirk zwischen Buchau, Dürnau, Kanzach und Betzenweiler und zum Theil der Revier Bussen gehört ganz zu dem alten Forst, worin der Fürst v. Taxis allein das Jagdrecht hat. Die unter der vorigen Regierung aufgehobene freye Pürsch| wurde 1819 wieder zurückgegeben, und es steht nun dem Staat, den Grundherrn, den Gemeinden, jedem in seinem Eigenthume, das Jagdrecht zu, den Gemeinden auch in den Privatwaldungen in der Art, wie schon bey Ehingen S. 59. gemeldet worden ist. Die Kronjagden sind, wie fast überall, verpachtet. Ehedem war auch die Wasserjagd am Federsee, ehe derselbe gefällt war, bedeutend. Aus der Gegend vom Bussen kommen viele Speisevögel – Schnepfen, Halbvögel etc. nach Stuttgart.
B. Kunst- und Gewerbsfleiß.
a. Hauptgewerbe.

Fabriken gibt es keine, auch die handwerksmäßig betriebenen Gewerbe sind von wenig Bedeutung. Das stärkste Handwerk ist auch hier das der Leineweber, besonders zu Ertingen, das 59 Webermeister zählt. Wie im Oberamt Ehingen, weben sie aber nicht auf den Handel, sondern meist nur für Kunden. Sie erzeugen in der Regel nur glatte Leinwand, doch wird zu Kanzach, Dürmentingen und Heudorf auch schöner Tischzeug, Barchet und Trilch gewoben. Eine besondere Erwähnung verdient das Gewerbe des Nagelschmids Metzler in Marbach, der sein Geschäft fabrikmäßig betreibt und gewöhnlich mit 5 bis 6 Gesellen arbeitet.

In Hailtingen, Dürmentingen und der Gegend werden häufig Gebäude auf Bestellung, besonders der Alpbewohner gezimmert und zum Aufstellen vollständig ausgearbeitet. Durch mehrere zum Theil städtische Gewerbe zeichnet sich das Dorf Uttenweiler aus. Nicht unbedeutend ist auch das Gewerbe der Wachszieher in Uigendorf und deren Absatz in nähere und entferntere Kirchen. Nachstehendes Verzeichniß gibt eine Übersicht sämmtlicher Gewerbe des Oberamts, wie sie das Gewerbkataster an die Hand gibt, wobey jedoch zu bemerken ist, daß einzelne Gewerbetreibende, wahrscheinlich wegen der Geringfügigkeit ihres Betriebs, gar nicht katastrirt sind, wie z. B. die Fischer am Federsee, deren Oggelshausen allein 24, Tiefenbach 18 zählt. Die zweyte Zahl bedeutet die Gehülfen.

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Barbierer 27 3   Kornmesser 11   Schreiner 69 9
Bäcker 118 5   Kübler 66 6   Schuhmacher 198 51
Bortenwirker 1   Küfer   Seckler 15
Buchbinder 5   Kupferschmiede 3   Seifensieder 5
Bürstenbinder 2   Leineweber 280 22   Seiler 23 2
Caminfeger 5   Maurer 141 13   Siebmacher 7
Dreher 13   Melber 2   Steinhauer 1
Färber 4   Messerschmiede 1   Strumpfstricker 7
Fischer 6   Mezger 106 2   Strumpfweber 8
Flaschner 4   Nagelschmiede 12 8   Tuchmacher 3
Gärtner 4   Peitschenstöckm. 1   Uhrenmacher 6
Glaser 23 1   Rechenmacher 28   Wachszieher 3
Gürtler 6   Rothgerber 5 1   Waffenschmiede 1
Hafner 6 2   Schäfer 2   Wagner 53 12
Hufschmiede 58 29   Sattler 30 3   Weißgerber 4
Hutmacher 2   Scheerenschleifer 4   Ziegler 12 10
Keßler 10   Schirmmacher 1   Zimmerleute 122 7
Kürschner 1   Schlosser 15 3   Zinngießer 1
Knopfmacher 3 2   Schneider 113 14   Zirkelschmiede 1
Korbmacher 9     Zuckerbäcker 1 1

Dazu kommen Apotheker 3, ohne die des Klosters Heiligkreuzthal, (Riedlingen 2, Buchau 1). Buchdruckereyen und Buchdrucker 2 mit 1 G. (Riedlingen und Buchau). Feldmesser 3, Lumpensammler 7, Kohlenbrenner 4, zu Oggelshausen und Tiefenbach, Salpetersieder 1, zu Unlingen. Auch befinden sich in dem Oberamte 3, in dem Kataster nicht gezählte, Kleemeistereyen. Die Zahl der Ziegelhütten ist gleich der Zahl der Ziegler. Bleichen gibt es, außer den Hausbleichen, keine. Aber Getränkefabriken, und zwar Bierbrauereyen 66, davon in Riedlingen 18; Branntweinbrennereyen 178, Essigsiedereyen 3: in Buchau, Unlingen und Uttenweiler. Heiligkreuzthal, Dürmentingen und Uttenweiler stehen im Rufe, daß sie gutes Bier liefern. Wirthschaften a) Schildwirthschaften 111, davon 30 in Riedlingen, b) Schenken 66, mit 1 Billard zu Riedlingen. Mühlen und Werke: a) Mahlmühlen 36 mit 135 Gängen, b) Öhlmühlen 35 mit 36 Pressen, Sägmühlen 8, Gypsmühlen 6, Lohmühlen 1, Schleifmühlen 1, Walkmühlen 2, zusammen 90 Mühlen und Werke.

b. Nebengewerbe.
Spinnen und Sticken sind die gewöhnlichen Nebenerwerbszweige, doch wird letzteres, die Musselinstickerey, weit| nicht so stark betrieben, als weiter aufwärts in dem Oberamt Saulgau. Dagegen wird überall sehr viel gesponnen, so, daß in der Regel wenig Flachs und Hanf, desto mehr aber Schneller verkauft werden. Als Nebengewerbe kann zum Theil auch die Beschäftigung der Korb- und Rechenmacher, welche zu Ertingen, Pflummern und mehreren andern Orten sich finden, betrachtet werden. Einen Nebenerwerb gewährt auch das Einsammeln von Waldbeeren, Schnecken, Färbeginster und hauptsächlich von Bucheln. S. 72.
C. Handel.

Der Aktivhandel besteht hauptsächlich in Naturprodukten: Getreide und Vieh. Das Getreide, meist Dinkelkernen, wird von Fruchthändlern aufgekauft und zur Ausfuhr in die Schweiz gebracht; der Viehhandel besteht meist in Jungvieh, welches ebenfalls größtentheils in die Schweiz geht; auch die Pferde werden meist schon als Fohlen verkauft, und finden auch Absatz nach Baden, Frankreich etc. Von Dürmentingen aus findet auch ein nicht unbedeutender Holzhandel von Eichen und Fichtenstämmen, Schnittwaaren, Baumstotzen, Bohnenstecken etc. in die Umgegend und vorzüglich auf die Alp statt. Torf wird von Bischmannshausen, Betzenweiler und andern Orten in die Nachbarschaft verkauft. Außerdem wird viel Öhl, Lein- und Repsöhl, hauptsächlich von Händlern zu Uigendorf, in die Schweiz abgesetzt. Von Ebendenselben wird auch Kleesamen und Reps etc. verkauft. Eine Menge Schneller werden von Schnellerhändlern aufgekauft und theils nach Ulm, Blaubeuren, Biberach, theils auch in die Schweiz abgesetzt. Hier und da wird auch Leinwand verkauft. Die Schnecken gehen aus den Schneckengärten den gewöhnlichen Weg, die Donau hinab. Mancherley Speisevögel, (S. 78.) werden nach Stuttgart und in andere Städte geliefert.

Der Passivhandel besteht in den gewöhnlichen Gegenständen. Wein wird meist aus Baden und der Schweiz bezogen, Neckarwein trifft man selten; auch die schwarzen| Strohhüte, welche fast allgemein sind, kommen aus dem Auslande. Zu Großtissen befindet sich eine bedeutende Weinhandlung von J. G. Baumeister.

Jahrmärkte haben die beyden Städte und Heiligkreuzthal; Riedlingen hat noch sehr bedeutende Fruchtwochenmärkte.

Die Anzahl sämmtlicher Kaufleute des Oberamts beläuft sich auf 64, in Buchau, wo es viele Juden gibt, allein 33, in Riedlingen 18, in Kappel 8. Dazu kommen noch 201 Krämer und Kleinhändler, ferner 31 Kornhändler, wovon Uigendorf 6 hat.

Die Summe der gewerbsmäßig betriebenen Beschäftigungen und deren Steuerkataster macht

Handwerker und Kleinhändler 1880, 201 G. 1827 fl. 24 kr.
Handlungen nebst Apotheken 95   –  525 fl. 11 kr.
Wirthschaften 186   –  582 fl. 42 kr.
Getränkefabriken 247   –  305 fl. 20 kr.
Mühlen und Werke  90  509 fl. 36 kr.
2498   –  3750 fl. 13 kr.

Eine Vergleichung des Gewerbskatasters mit jenen der früher beschriebenen Oberämter Reutlingen, Münsingen, Ehingen, liefert nicht unwichtige Ergebnisse über die Gewerbsthätigkeit in jedem Oberamte.


  1. Beschreib. des OAmts Ehingen S. 44.
  2. Das Provisorium, obgleich zum Theil schon auf die Vermessung gegründet, enthält doch allein an steuerpflichtigem Grundeigenthum 12.000 Morgen weniger als sich in Folge der vollendeten Vermessung ergeben hat, und im Ganzen erscheint das Oberamt durch letztere beynahe um 14.000 Morgen größer.
  3. Die Zahl der steuerfreyen Gebäude ist aus der Tabelle I zu ersehen; das steuerfreye Grundeigenthum, außer dem des Staats, beträgt noch 8113/4 Morgen.
  4. S. Beschr. des OA. Ehingen S. 46.
  5. Diese Schilderung ist aus einem, von dem Herrn Oberförster Fr. v. Moltke gefälligst mitgetheilten, Aufsatze gezogen, der uns nur bedauern läßt, daß wir ihn hier nicht ganz wiedergeben können. Damit sind auch Notizen verbunden, die wir der Güte des Herrn Rath und Oberförster Häckel in Buchau verdanken.
  6. Einer der ausgedehntesten Weideplätze war ehemals das sogenannte Breitried zwischen Ertingen und Binswangen, das eine eigene Markung, die Riedmarkung, bildete, deren Grenzen auch auf unserer Oberamtskarte angegeben sind. Mehrere Gemeinden hatten das gemeinschaftliche Weiderecht auf dem Ried (alte Hirtengenossenschaft), nämlich Riedlingen, Altheim, Binswangen, Erisdorf, Ertingen, Heiligkreuzthal, Neufra, Waldhausen u. a.; die Grafschaft Friedberg-Scheer hatte die Gerichtsbarkeit. Im Jahre 1794 wurde der gemeinschaftliche Viehtrieb aufgehoben, und das Ried den berechtigten Gemeinden zum Anbau, gegen eine jährliche Abgabe der Nutznießer in eine gemeinschaftliche Riedkasse, überlassen. Diese Maßregel, welche anfänglich nur auf bestimmte Zeit genommen worden war, wurde endlich 1816 für bleibend erklärt. Zugleich wurde die Riedkasse aufgehoben, und die Gemeinden wurden mit dem Antheil, den sie daraus zogen, auf die Güterbesitzer unmittelbar verwiesen. Da der Flächeninhalt des Rieds nach altem Meß 4483/8 Jch. (nach der Landesvermessung ist er 8585/8 M.) betrug, und die Abgabe von 1 Jch. auf 1 fl. jährlich herabgesezt wurde, so macht der Ertrag für die Gemeinden 448 fl. 22 kr. Dieser Ertrag wurde nun zu gleichen Theilen unter die 7 s. g. Riedgemeinden, Waldhausen und Erisdorf als 1 gerechnet, vertheilt, wobey die Gemeinden und die vormalige Klosterherrschaft, jezt Cam. Verwaltung Heiligkreuzthal, sich wieder so zu theilen haben, daß leztere jährlich 27 fl. 31 kr. daran erhält.
  7. Vergl. Würt. Jahrb. 1825. S. 410. u. f.f.
  8. Daß ehemals die Käserey im Oberamt bedeutend gewesen seyn muß, beweist das bey Unlingen angeführte Gefälle.