Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 1

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B.


Ortsbeschreibung.
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1. Riedlingen,


eine kath. Oberamtsstadt, 121/2 Meilen, oder 25 geogr. Stunden von Stuttgart, unter dem 27° 8′ 56″ der Länge und 48° 9′ 18″ der Breite, mit 1720, darunter 19 evang., Einwohnern. Die Stadt ist Sitz der Oberamtsstellen, eines kath. Dekanats, eines Postamts, und zugetheilt zum Cam Amt Heiligkreuzthal, Forstamt und Revier Zwiefalten. Die Zehnten, den großen beziehen: jenseits der Donau der Grh. von Baden (s. o.); diesseits der Donau, den großen und kleinen 1/2 die Stadtpfarrey, 1/2 der Spital und aus 78 Jch. der Staat, vormals Kl. Zwiefalten, die Wiesen sind meist zehentfrey; von 22 Msm. Spitalwiesen haben die Stadtpfarrey und die Stadt den Heu- und Öhmdzehnten.

Gefälle beziehen: der Staat 162 fl. 28 kr., 11/4 Sch. und 51/2 Sch. Haber; die Stadtpfarrey 19 fl.; die Cathar. Kaplaney 20 fl. 24 kr.; die Nikolauskapl. 21 fl. 14 kr.; die Michaelskapl. 20 fl. 40 kr.; die Pfar. Altheim 40 kr. und Hailtingen 4 fl. 42 kr.; die Kapl. Unlingen 20 kr.; Baden 12 kr.; Taxis 2 Sch. 31/4 S. glatte Früchte; Spital Riedl. 11 fl. 53 kr., 61/2 Sch. glatte Fr.; Kirchenpfl. 16 fl. 53 kr.; Präsenz 25 fl. 23 kr.; Stiftungspfl. Dürmentingen 42 kr. und Altheim 4 fl. 57 kr.; Stadt Riedl. 729 fl. 52 kr. und 83/4 Sch. glatte Fr.| Zusammen in Geld 1136 fl. 42 kr. Dazu kommen: ein Gefälle des Staats aus dem Rathhaus 5 fl. 20kr., Landgarbengefälle des F. von Th. und Taxis mit 137 fl. 56 kr., des F. von Fürstenberg mit 269 fl. 12 kr. Die Zehnten der Stadtpfarrey sind mit 501 fl. 24 kr., von Baden mit 1091 fl. 7 kr., des Spitals mit 533 fl. 56 kr. im Kataster. Dem Staat gehört auch das Fischwasser von der Markung Neufra bis zur Daugendorfer Brücke[2], es ist dermalen für 38 fl. 45 kr. verpachtet.

Der Name Riedlingen kommt offenbar von dem Riede her, an dem die Stadt liegt. In alten Urkunden ist er gemeiniglich Rudelingen, Riudelingen geschrieben. Die Stadt hat eine freye und heitere Lage an und auf einer Anhöhe an der Donau, 1/2 St. südl. vom Fuße der Alp. Sie ist von vielen freundlichen Ortschaften umgeben. Die Poststraßen von Ehingen, Biberach, Buchau, Saulgau, Mengen, Sigmaringen, Gamertingen und Zwiefalten vereinigen sich in Riedlingen. Schade! daß gerade die Hauptstraße, die Dauphinestraße, die Stadt 1/4 St. bey Seite läßt, ein Nachtheil, den die Stadt sich selber zugezogen hat, indem sie sich der Anlegung der Straße durch die Stadt aus übel verstandenem Interesse widersetzte.

| Die Stadt ist mit einer Mauer, und gegen die Landseite mit einem tiefen Graben umgeben. Sie hat 4 Hauptthore: das Bruckthor, Weilerthor, Mühlthor und Zwiefalterthor, und zwey kleine Vorstädte – die Weiler und die Mühlvorstadt. Sie ist uneben und unregelmäßig, und weder Straßen noch Gebäude zeichnen sich besonders aus. Unter den öffentlichen Gebäuden befinden sich:

2 Kirchen und 3 Capellen: 1) die Pfarrkirche zum h. Georg, am nördlichen Ende der Stadt. Sie ist 203′ lang, 92′ breit, übrigens ohne besondere Auszeichnung. Über einem der Eingänge ist die Jahrzahl 1486 in Stein gehauen, die jedoch nur von einer Erweiterung des Gebäudes zeugen kann; 2) Die Kapuzinerkirche, nördlich außerhalb der Stadt bey dem Kapuz. Kloster. Sie ist nun Eigenthum der Stadt und dient dermalen noch 4 Kapuzinern zum Messelesen; 3) die Weiler Capelle in der Weiler Vorstadt. Sie wurde 1721 erbaut; aber schon 1398 stiftete Kunz der Grüninger eine Messe, und 1401 Johann Harlung von Riedlingen, Dekan des Landcap. Ehingen, eine Caplaney mit jährlichen 20 Pfd. H. darin. Der in der Folge angewachsene Stiftungsfond wurde mit dem der Pfarrkirchenpflege vereinigt, welche deßwegen auch die Capelle zu erhalten hat. Es werden wochentlich noch 2 Messen darin gelesen; 4) die St. Veitscapelle in der Mühlvorstadt, eine kleine Capelle, zu welcher 1504 von der Gemeinde mit Zehnten zu Burgau eine eigene Caplaneypfründe gestiftet wurde; 5) die St. Catharinen-Capelle zu den Sondersiechen. Sie ward 1430 von den Brüdern Härtlin von Riedlingen mit einem eigenen Priester für die Leprosen gestiftet. Das Leprosenhaus besteht nicht mehr, und der Gottesdienst in der Capelle hat aufgehört. Eine weitere Capelle zum h. Nikolaus vor dem Bruckthor ward 1515 gestiftet, 1809 aber abgebrochen.

Das Oberamtsgerichtsgebäude, Eigenthum der Stadt. Es liegt an dem Stadtgraben, war früher Magazin,| von 1806 an eine Zeit lang Kaserne, und wurde 1819 für seine dermalige Bestimmung eingerichtet.

Die Oberamtey. Sie liegt in der Donaustraße, und ward 1813 von der Stadt neu gebaut, in Folge eines Vertrags mit der K. Finanzkammer, die der Stadt das Kapuzinerkloster überließ und noch 3000 fl. bezahlte.

Das (Rath- und) Kornhaus, ein altes, massives Gebäude am Markte, worin gut eingerichtete Fruchtböden und die Fruchtschranne sich befinden, im mittlern Stocke seit 1812 das Rathhaus, und in dem obern die Zeichnungs- und weibliche Industrieschule eingerichtet sind.

Der Spital, ein zur Aufnahme von 30 Hospitaliten eingerichtetes, unregelmäßiges Gebäude mit einer Hauscapelle, am nördlichen Ende der Stadt. Es wurde nach dem Brand des älteren 1570 erbaut.

Ehemals hatten auch die Klöster Kreuzthal und Zwiefalten Höfe in der Stadt, die jetzt Privateigenthum sind.

Der Kreuzthaler Hof, ein sehr massives steinernes Gebäude, steht an der Stadtmauer. Laut Urkunde von 1255 vergabt Graf Wolfrad von Veringen eine Hofraithe und Haus in der Stadt Riedlingen an das Kloster H. Kreuzthal. Im J. 1803 wurde der Hof verkauft.

Der Zwiefalter-Hof ist die jetzige Post. 1408 kaufte das Kloster Zwiefalten von der Wittwe Hayle Böger Haus, Scheuer und Garten in der Stadt um 500 Pf. H.[3]. Nach| der Auflösung des Klosters kaufte der Posthalter Mennet den Hof, und schuf ihn zu dem jetzigen Gasthofe zu den 3 Kronen um.

Auch einige Edelleute – die von Hornstein, von Reischach, die Truchseßen von Ringingen, und noch 1599, Graf Rudolph von Helfenstein, hatten Wohnsitze in Riedlingen. Die von Andelfingen und von Enslingen waren Bürger.

Die Bevölkerung der Stadt und ihre Verhältnisse sind oben schon näher berührt. Der Nahrungsstand der Einwohner beruht größtentheils auf Ackerbau und Viehzucht. Die Gewerbe sind unbedeutend; das Hauptsächlichste besteht in einer Druckerey, worin wöchentlich zweymal ein polit. Blatt erscheint, 2 Apotheken, 1 Färberey, 1 Mahlmühle an der Donau, mit 5 G., 1 bey Zollhausen, mit 4 G., ferner 1 Säge-, 1 Gyps-, 1 Öhl-, 1 Schleif-, 1 Loh- und 2 Walkmühlen, deren Betrieb aber gering ist, eine gut eingerichtete Ziegelhütte, viele Wirthschaften und Brauereyen (s. o.) und 1 Kleemeisterey. Der Handel beschränkt sich fast ganz auf den Verkehr in der Stadt und in dem nächsten Umkreis, das Handelshaus Grasselli allein macht auch auswärtige Geschäfte. Die Stadt hat 6 besuchte Roß-, Vieh- und Krämermärkte und einen ziemlich lebhaften wochentlichen Fruchtmarkt. Auf letzterm werden im Durchschnitte jährlich 25.000 Sch. Früchte, meist Kernen und Gerste, verkauft, und mit Ausnahme der Gerste, größtentheils in die Schweiz geführt.

Das Gemeindewesen ist geordnet, die Gemeindeschuld in starkem Abnehmen. S. Tab. IV. Die Einkünfte fließen hauptsächlich aus eigenthümlichen Gütern und Zinsgütern und aus dem Kornhause, das nach einem zehnjährigen Durchschnitte 1876 fl. erträgt. Zu den Zinsgütern, ehemaligen Erblehen, gehören: die meisten Mühlen, die Ziegelhütte etc. Die Wagmühle erhielt die Stadt 1415 von Hans dem Truchseß zu Lehen. Wie sie zu dem übrigen Besitzthum gekommen, ist unbekannt.

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Kirchliche Einrichtung, Schulen und andere Anstalten.

a. Kirchen. Nur in der Pfarrkirche hat der volle Gottesdienst statt; in der Spitalkapelle wird an Sonn- und Feyertagen ein Frühgottesdienst gehalten. Die Pfarrkirche hat kein Filial; der Dienst wird von einem Stadtpfarrer, der zugleich Dekan ist, nebst einem ständigen Vikar und 2 Caplanen versehen. Von den Caplanen ist der eine zugleich Präceptor.

Riedlingen war lange Filial von Altheim; doch hatte es, wie Altheim, seinen eigenen „Leutpriester mit einem Gesellen“, und selbst das Landcapitel hatte seinen Namen von Riedlingen. Der gemeinschaftliche Rector oder Kirchherr von beyden Kirchen war häufig ein Adeliger, der bald da, bald dort sich aufhielt, 1439 Graf von Ulrich von Werdenberg. Von seiner Zeit an ist Riedlingen als fester Pfarrsitz beurkundet, und Altheim erscheint von nun an bis 1794 als Filial. Mit dem Jahre 1340 begann die Stiftung einzelner Altäre und Caplaneyen. Schon 1391 waren 4, i. J. 1455 bereits 9 Caplane vorhanden. Ihre Zahl wuchs in der Folge bis auf 13. Jeder hatte seine eigene Wohnung, und die Gasse, worin sie wohnten, wird noch jetzt die Pfaffengasse genannt. Die Stellen wurden alle von den Bürgern und der Gemeinde gestiftet. Aus einer Menge andrer kleiner Stiftungen von Vigilien und Jahrtagen bildete sich ein eigener Fond, Präsenz genannt, dessen Ertrag sämmtliche Geistliche in gleichen Theilen genoßen. Indeß waren die Caplaneyen so gering gestellt, daß man nöthig fand, mehrere zu vereinigen. Im Jahr 1605 bestanden nur noch 5; bald darauf wurden sie bis auf 3 vermindert. Von diesen wurde 1819 eine noch in ein ständiges, mit der Dekanats- und Pfarrstelle verbundenes, Vikariat verwandelt. Lehensherr der Pfarrkirche war der Abt der Reichenau, von dem das Patronat durch die Vereinigung der Abtey im Jahre 1538 an Constanz, und von da 1803 an Baden, durch Übereinkunft endlich 1807 von Baden an die Krone Würtemberg kam. Auch| von den Caplaneyen wurden anfänglich einige von dem Abte der Reichenau, andere dagegen, und zuletzt sämmtlich noch übrig gebliebene von dem Stadtrath vergeben; dermalen aber vergibt sie der Staat. Die Häuser der aufgehobenen Caplaneyen sind an Bürger verkauft worden.

b. Schulanstalten. Zum Erstenmal ist 1439 eines Schulmeisters und seiner Schüler Erwähnung gethan; 1531 wurde in der Pfaffengasse ein neues Schulhaus für 6 lateinische Klassen gebaut; 1748 erließen Bürgermeister und Rath eine Schulordnung, nach welcher die lateinische und deutsche Schule von einander getrennt, und alle Kinder bis zum 13 oder 14 J. zum genauen Besuch der Schule verpflichtet wurden. Hierauf folgte bald die vom Kaiser Joseph ausgegangene allgemeine Schulordnung, und brachte auch hier regeres Leben in diesen Zweig des öffentlichen Unterrichts. Dermalen besteht hier eine lateinische Schule mit 1 Lehrer, und 3 Elementarschulen mit 3 Lehrern; eine Mädchenschule, eine Knabenschule, und eine Klasse der jüngsten Knaben und Mädchen. Damit ist für Knaben eine Zeichnungs-, für die Mädchen eine Industrie-Schule verbunden, und für erstere ein Zeichnungsmeister, für letzere eine eigene Industrielehrerin bestellt. Die 3 Elementarschulen sind in einem eigenen städtischen Gebäude vereinigt. Wie überall, so haben sich unter Würt. Regierung auch in Riedlingen die Schulanstalten sehr vervollkommnet.

c. Wohlthätigkeits Anstalten. 1) der Spital. Den Grund zu dieser jetzt wohlhabenden Anstalt haben die Brüder Conrad und Nikol. Monopp, Caplane zu R. 1378 gelegt, indem sie ihr ganzes Vermögen dazu stifteten, wobey Hz. Leopold von Östreich die Anstalt von Steuer, Dienst, Schatzungen frey erklärte. Im J. 1399 schenkte Nikolaus Monopp noch seinen Groß- und Kleinzehnten zu Riedlingen, die er von den Brüdern Ital und Wernher von Andelfingen an sich gekauft hatte, dazu, und durch die Wohlthätigkeit der Bürgerschaft wuchsen die Vergabungen so schnell, daß noch 1378 ein Theil von Erisdorf, 1398 der übrige Theil, und nachher| auch die Orte Möhringen und Aderzhofen gekauft werden konnten.

Das Einkommen des Spitals fließt deßhalb aus Gülten und Landgarben, von 73 Zins- und Lehengütern, aus Zehnten, aus eigenen, dermalen verpachteten, Gütern, aus dem Ertrag von 622 Jauchert Waldung und einigen Capitalien. Mit dem Spital wurde im Jahr 1807 die s. g. Spende verbunden, welche Martin Weinschenk 1479 mit jährl. 15 Eymern Seewein, die an gewissen Tagen des Jahres an Arme des Orts, und vorzüglich an arme Kranke, vertheilt werden sollen, gestiftet hat, so wie eine zweyte 1534 von der Bürgerschaft gestiftete Spende, welche 1804 in 15.346 fl. Capital, 1 fl. 7 kr. Grundzinsen, und 80 Sr. Früchten aus der Wagmühle und aus 2 Kellhöfen in Unlingen bestund. Eine gleiche Vereinigung war früher auch mit den Capitalien von 4 Brüderschaften im Betrage von 1872 fl. geschehen, die aber von der östr. Regierung in den allgemeinen Religionsfond nach Wien gezogen wurden, und mit einem Betrag von 1506 fl. rückständigen Zinsen noch dort stehen.

Der Ertrag der Spitalstiftung beträgt nach 9jährigem Durchschnitt 7000 fl. Noch i.J. 1804 lasteten auf dem Spital 36.200 fl. Schulden, die jetzt bis auf die Summe von 12.000 fl. vermindert sind. Mit den erwähnten Einkünften werden einer Seits nicht nur 30 Personen in dem Spitalgebäude gänzlich verpflegt, sondern auch an 80 Hausarme unterstützt, anderer Seits die stiftungsmäßigen Verbindlichkeitn in Beziehung auf Communal-Leistungen und Schulanstalten erfüllt. Ohne das Hungerjahr 1817 und die Kriegskosten-Ausgleichung 1819 wäre der Spital schuldenfrey.

2) Besondere Stiftungen:

1) Die Jerinsche Stiftung, ein Capital von 1000 fl., 1589 gestiftet von Andreas Jerin, Bischof zu Breßlau und Bürgerssohn von Riedlingen, mit der Bestimmung, daß die jährlichen Zinse mit 50 fl. an 6 arme Schulkinder vertheilt werden sollen, die den Choralgesang erlernen.

2) Die Rottersche Stiftung, ein Capital von 1600 fl., von Mathias Rotter, ebenfalls Bürgerssohn und Pfarrer in Unlingen| zu dem wohlthätigen Zwecke gestiftet, daß die Zinse mit 80 fl. einem Bürgerssohn gereicht werden, der sich dem geistlichen Stande widmen wolle.

3) Die Millersche Stiftung, ein Capital von 2478 fl., das 1788 der damalige Stadtpfarrer Ignaz Miller zur Unterstützung armer Bürgerskinder bey ihrer Verheirathung, oder für solche, die sich dem geistlichen Stande widmen, vermachte. Im Jahre 1820 vermehrte die Bürgerstochter Frau Elisabeth Depai, ehemalige Nonne im Kloster zu Unlingen, diese Stiftung mit einem Capital von 200 fl. und es betrug der gesammte Capitalstock auf den 1. Jan. 1826 die Summe von 3216 fl. 53 kr.

4) Die Kaufmännische Stiftung, welche der 1822 verstorbene ledige Wendelin Kaufmann, Taglöhner und ehemaliger Postknecht machte, und zwar 1200 fl. an die Kirche und 1000 fl. für diejenigen Arme, welche im Hauszinse leben. – Der Zustand der Stiftungen im Allgemeinen ist aus der beygefügten Tabelle IV. zu ersehen.

d) Klöster. Riedlingen hatte ehemals zwey Klöster:

1) Ein Nonnenkloster, das in der Stadt stand. Eine fromme Wittwe, Hutta Klinger, hatte i. J. 1420 eine kleine Gesellschaft sogenannter Seelschwestern zu dem wohlthätigen Zwecke gestiftet, die Kranken der Stadt zu pflegen, und die Gestorbenen anzukleiden. In einem Bürgershause wohnten sie, ohne besondere klösterliche Regel, und lebten von dem Ertrage, den ihnen 4 Jchert. Äcker und die Arbeit ihrer Hände gewährten. Mit Vermehrung ihres Stiftungsgutes, vermehrte sich auch ihre Zahl. Es wurden 12–15 Schwestern, sie bauten ein eigenes Kloster, führten den Orden des h. Franziskus 3r Regel unter sich ein, und wurden aus barmherzigen Schwestern betende Nonnen. 1780 wurde das Kloster aufgehoben; das Gebäude kam an das Handlungshaus Grasselli, die einzelnen Güter wurden an Bürger verkauft.

2) Ein Kapuzinerkloster, das vor der Stadt steht. Im Jahr 1644 hatten die Väter Kapuziner in einem Bürgerhause in der Weilervorstadt die erste Aufnahme gefunden. Im folgenden Jahre begann der Bau des noch bestehenden| Klosters, das aber erst 1655 vollendet wurde. Vier alte Priester und 2 Layenbrüder sind die letzten noch übrigen Reste dieser, sonst sehr belebten Anstalt. Das Klostergebäude sammt Kirche sind seit 1812 Eigenthum der Stadt geworden. S. o. Das Kloster wurde, nachdem Riedlingen an Würtemberg gekommen war, aufgehoben.

e. Der Begräbnißplatz. Er liegt nördlich außer der Stadt bey dem Kapuzinerkloster, und ward dorthin im Jahr 1787 verlegt. Er hat ein heiteres, freundliches Aussehen. Mitten durch denselben führt einer der gangbarsten Wege, unter den freundlichen Schatten einer Pappel-Allee.

Von ehemaligen Anstalten bemerken wir noch 2 Badestuben, die eine am Brückenthor, die andere am Weilerthor. Aus jener verkaufen 1360 Hartmann Klaus von Enslingen, aus dieser 1386 Clas Witting Zinse und Gefälle.

Geschichte und frühere Verhältnisse der Stadt.
Riedlingen ist ein sehr alter Ort. Der Name der Stadt wurde von den Alten häufig durch Tarodunum übersetzt, und eine vorliegende Chronik beruft sich deßhalb auf ein, dem Commentar des Julius Cäsar angehängtes Verzeichniß der Städte; auch wird angeführt, Riedlingen sey von den Römern, zu den Zeiten der beyden Kaiser Valentinian und Valens 345–375 erbaut worden. Auch Crusius sagt: daß schon die alten römischen Kaiser, diesen Ort mit ihren Legionen besetzt haben. Allein diese Behauptungen werden auch nicht durch eine einzige sichere Spur unterstützt. Nach Öheims Chronik der Reichenau schenkt König Ludwig der Fromme an dieses Kloster unter andern Orten auch Riedlingen, und die in der Bibliothek zu München in Handschrift befindlichen Monum. augiens. setzen diese Schenkung auf das Jahr 832, und führen zum Jahr 842 die Urkunde an, in welcher König Ludwig der Deutsche des Vaters frühere Vergabung bestätigt[4]. Es scheint aber, daß| jene Schenkung blos in der Kirche zu Riedlingen und ihrer Lehenschaft bestanden habe, die das Kloster auch bis zu seiner Auflösung behielt. Die Stadt selber gehörte den Grafen von Veringen, welche sie wahrscheinlich als Gaugrafen und Abkömmlinge der alten Gaugrafen-Familie als erbliches Besitzthum an sich gebracht haben. Als Stadt kommt Riedlingen schon in der oben angeführten Urkunde von 1255 vor, worin Graf Wolfrad von Veringen dem Kloster Heiligkreuzthal eine Hofstette in Civitate Riedlingen schenkt. In einer andern Urkunde von 1266 erscheint Cuno Münzmeister von Riudlingen, und 1278 ist Hiltibold der Amann von Ruodilingen als Zeuge genannt. In der Zeit von 1290 bis 1300, und wahrscheinlich 1291, verkauften die Grafen von Veringen, Heinrich, Mangold und Wolffrad auch Riedlingen an Kaiser Albrecht von Östreich, den Sohn Rudolphs von Habsburg, und von nun an war die Stadt eine öster. Besitzung. Sie hatte aber das Schicksal anderer schwäb. Besitzungen dieses Hauses, wiederholt verpfändet zu werden. Und so kam, nach einer Riedlinger Urkunde, die Stadt mit Mengen und Munderkingen 1384 als Pfandschaft auch von dem Herzog Leopold für 4000 fl. an Hans den Truchsessen von Waldburg, nachdem sie vorher längere Zeit im pfandschaftlichen Besitze der Grafen von Hohenberg gewesen war. Die Söhne Leopolds, Leopold und Friedrich bestätigten 1406 diese und andere Pfandschaften[5], und Herzog Sigmund verschrieb sie den Truchsessen sogar 1454 als ewige Mannsinhabung[6]. Dessen ungeachtet wurden theils von Östreich, theils von den unzufriedenen Städten wiederholte Versuche zur Wiederauslösung gemacht, und durch den Vertrag von 1680 kehrten denn wirklich auch die 5 Donaustädte gegen Bezahlung des darauf liegenden Pfandschillings, welchen übrigens die Städte selber zusammen zu legen hatten, | wieder unter öster. Herrschaft zurück, und ebendamit auch Riedlingen, nachdem es beynahe 300 Jahre lang unter Truchseßischer Herrschaft gestanden hatte[7]. Von dieser Zeit an trat keine Veränderung mehr ein, bis die Stadt durch den Preßburger Frieden 1805 an die Krone Würtemberg fiel.
Verfassung und Verwaltung der Stadt.
Schon 1255 ist, wie wir schon gesehen haben, Riedlingen eine Stadt genannt, und als solche erhielt sie allmählig ansehnliche Rechte und Freyheiten: 1276 von K. Rudolph das Recht der Wochen- und Jahrmärkte; 1334 von Ludwig dem Baier Befreyung von fremden Gerichten; 1375 von Herzog Leopold das Recht des freyen Zuges, so wie das Recht, einen eigenen Rath zu setzen; 1377 das Recht, ihren Rath auch ohne den Amman zu haben[8], 1379 die Erlaubniß ein Rathhaus zu bauen, an dem Markt, wo die Brodlauben sind[9]; 1380 das Recht, Jeden, der in der Stadt sitzt, mit Steuer, Wache und Dienst zu belegen; 1397| die Begünstigung, daß ein Jeder, der in ihre Stadt ziehe, an den städtischen Freyheiten Theil nehmen solle; 1422 gewährt Kaiser Maximilian die Freyheit der Ablosung aller ewigen Gülten, worauf keine geistliche Pfründ gestiftet sey; 1434 ertheilt Kaiser Sigmund dem Rathe der Stadt die Befugniß, alle die schädlichen Leute, „die nutzer und besser todt sind, als lebend, zu tödten nach Recht und Ausspruch des mehreren Theiles des Raths, oder sie sonst zu strafen an ihrem Leib mit Augenausstechen, Ohrenabschneiden u. s. w.“, also den Blutbann.

Diese Freyheiten wurden auch von allen nachfolgenden Königen und Kaisern bestätigt, und es bildete sich hieraus ein eigenes Dominium der Stadt, zu welchem auch die Spital-Orte Erisdorf, Möhringen und Aderzhofen gehörten, das städtische Gebiet bildend. In diesem Gebiete übte die Stadt durch ihren Rath bürgerliche und peinliche Gerichtsbarkeit, die Polizey etc.; die Landeshoheit aber, Collectation und Mannschafts-Recht das Haus Östreich. In dieser Beziehung war Riedlingen der Landvogtey Altdorf und dem dortigen Rentamte zugetheilt. Der Magistrat war in den innern und äußern Rath abgetheilt, wovon der erstere 5, der andere 8 Mitglieder zählte; an der Spitze der gesammten Geschäftsführung stand der Bürgermeister. Ein, von dem Magistrat gewählter, Syndikus hatte als Rechtsgelehrter die Untersuchung und den Vortrag in Rechtssachen. In peinlichen Fällen wurden 2 benachbarte Rechtsgelehrte berufen, um mit dem Syndikus im Namen des Magistrats das Urtheil zu fällen.

Der Besoldungsstand bey der Stadt betrug 1833 fl., bey dem Steueramte 141 fl., bey dem Spital 1544 fl. Die Rustikalsteuer in der Stadt und in den 3 Dorfschaften hatte 1669 fl., die Dominikalsteuer 932 fl. betragen. Die Einkünfte des gesammten Dominium, mit Einschluß der Ortschaften, wurden, ohne die Steuern und Stiftungen, auf 13.000 fl. berechnet, und die erhobenen Anlagen beliefen sich auf 5500 fl.| Die Schulden der Stadt hatten 1804. 36.115 fl., jene des Steueramtes 54.000 fl. betragen.

Den Maaspfennig bezogen die schwäbisch östr. Landstände zu Ehingen, das Umgeld der Landesfürst.

Das Wappen der Stadt enthält 2 Ruder in weißem, und einen Löwen in rothem Felde. Ersteres ohne Zweifel als Anspielung auf den Namen (Rudelingen).

Die Schicksale der Stadt betreffend, stellt sich wenig besonders dar.

Daß die Stadt in den blutigen und verheerenden Kämpfen der Hohenstaufen und Welfen sehr Noth gelitten habe, läßt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit vermuthen, da der Schauplatz der Verheerungen mehrmals in der Umgegend war, und die Grafen von Veringen immer in der engsten Verbindung mit den Welfen standen.

In große Noth gerieth Riedlingen auch durch den oben schon berührten Widerwillen, welchen es gegen die Truchsessische Herrschaft mit den andern Donaustädten bey jeder Gelegenheit, besonders aber i. J. 1580 zeigte. Als in diesem Jahre der Truchseß Karl die Erbhuldigung in der Stadt einnehmen wollte, die Einwohner aber auf Anstiften Östreichs, die Huldigung verweigerten, überfiel Karl die Stadt mit gewaffneter Hand, plünderte sie aus und erzwang sich nicht nur die Huldigung, sondern auch eine Verschreibung von dem Magistrat, wodurch die bisherigen Freyheiten sehr beeinträchtigt wurden. Mittlerweile hatte Graf Wilhelm von Zimmern Befehl erhalten, gegen den Truchsessen auszuziehen, die Riedlinger selbst hatten sich aber schon vorher in Masse erhoben, und verjagten den Truchsessen mit seiner ganzen Schaar, welche aus 400 Mann bestand. Die gegebene Verschreibung wurde hierauf für nichtig erklärt und der Truchseß selbst neben einer bedeutenden Geldstrafe zu 3000 fl. Schadenersatz für die Stadt verurtheilt.

Ein empfindliches Brandunglück traf die Stadt i. J. 1804, da 11 Gebäude abbrannten.

| Außer der Stadt, und innerhalb ihrer dermaligen Markung, lagen die 3 Weiler Zollhausen, Ostheim und Binhausen, nebst der Burg Neuveringen.

Zollhausen ist jetzt eine zinseigenthümliche Mühle nicht weit von der Stadt. Ehemals aber stand hier ein kleiner Weiler, der aus mehreren Hofgütern bestanden haben muß, und von den Grafen von Veringen zu Lehen ging; denn laut Heiligkreuzthaler Urkunden schenkt Hermann von Hornstein, Kirchherr zu Seekirch 1229 den Hof zu Zollenhusen mit andern Gütern dem Kloster Heiligkreuzthal und Salmansweil; 1331 verkauft der Bachritter von Canza seinen Antheil an Zolnhausen, mit Bewilligung Gr. Eberhards von Nellenburg (weil es Veringisches Lehen gewesen sey) an Hans von Hornstein von Göffingen, und 1343 verkauft Hans von Hornstein sein Gut zu Zollhausen, das man nennt das Grimmengut um 35 Pfd. an Heiligkreuzthal, und Heinrich von Veringen leistet Verzicht auf die Eigenschaft des Guts. Weitere Käufe und Schenkungen an das Kloster Kreuzthal kommen in Urkunden von 1346 bis 1384 vor. In der Folge scheinen diese Güter von dem Kloster an Riedlinger Bürger verkauft worden zu seyn. Der Name Zollhausen kommt vermuthlich von einem Zollhause her, das vielleicht hier gestanden hatte.

Oschheim, auch Ostheim geschrieben, wird schon von Ludwig dem Frommen i. J. 832 zugleich mit Riedlingen, Altheim und Waldhausen an die Reichenau vergabt, und ist auch mit denselben Orten in derselben Urkunde K. Ludwigs des deutschen v. J. 842 genannt. Es lag nach allen Umständen in der Nähe des Österbergs bey Riedlingen, mit dem auch sein Name Gemeinschaft zu haben scheint. Im Jahr 1105 erhält das Kloster Zwiefalten von Erlevin von Erdingen 4 Mansus zu Ostheim[10]. In dem Habsburgischen Urbar ist unter der Rechtung von Riedlingen aufgeführt: „zu Oschheim ligent Güter, die gelten zu Vogtrecht| 4 Mut Haber, erkauft von den Grafen von Veringen“. Der Reichenau geschieht keine Erwähnung mehr, und der gesammte Bezirk bildet in der Folge einen Hof, von dessen Gütern das Kloster Zwiefalten i. J. 1399 den Zehenten an Peter Huber, Bürger von Riedlingen, vertauscht. 1407 erhält Heinrich Kramer, Burgermeister von Riedlingen, den Hof auf Lebenszeit, um einen jährlichen Zins[11]. Um diese Zeit müssen die Gebäude des Hofes zerstört worden seyn, und 1413 verkauft Abt Wolfhart von Zwiefalten den Hof, gelegen zu Oßhain, mit Haus, mit Hofraithe, Scheuern und Gärten, zu Grüningen gelegen, um 900 Pfd. Heller an Bürgermeister und Rath zu Riedlingen. Es wurde aber, nach einer Urkunde von 1459 ein Zehnt-Antheil zu Oßhain auch dem hiesigen Spital zu Lehen getragen, aus der Hand Burkharts von Ellerbach.

Binhausen. Der Ort stand in dem Markungsbezirke jenseits der Donau, und war einst Filial von Hailtingen, daher auch die Pfarrey daselbst jetzt noch den kleinen Zehenten hat, und ehemals auch den großen hatte, den nachher Constanz an sich zog. S. Hailtingen. In einer amtlichen Schrift des Domkapitel’schen Prokurators v. J. 1671 ist angeführt: „dieser Zehent wird der Binhauserzehent genannt, von dem Ort, allwo vor diesem ein Schloß, und eine Capelle gestanden, und ist zwar das Schloß dermalen nicht mehr zu sehen, von der Kapelle aber sind noch die Rudera vorhanden.“ Eine kleine Feldkapelle steht auch jetzt noch auf dem Bezirke.

Die Jahrbücher von Marchthal erwähnen, daß i. J. 1209 die Edelknechte (Milites) der Pfalzgrafen von Tübingen Gruezinger genannt, dem Kloster 1 Mansus in Villa Binhausen zum Geschenke gegeben; das Habsburgische Urbar aber von 1303 führt unter der Rechtung von Riedlingen, als von dem Grafen von Veringen erkauft, an: zu Binhausen ligent Gut, die in das Gotteshaus zu Petershausen hörent,| die geltend Vogtrecht 7 Mut Roggen. Nach der Zerstörung des Orts haben sich die Bewohner vermuthlich nach Riedlingen gezogen, wodurch der Bezirk zur Stadtmarkung gekommen ist. Neu-Veringen. In mehreren Urkunden kommt die Burg Neu-Veringen im Gegensatze von Alt-Veringen vor. So schreibt sich Graf Heinrich der jüngere in Heiligkreuzthaler Urkunden von 1275, 1295 und 1296 Heinr. Comes de Novo Veringen, während sein Vater Heinrich 1272 sich von Altenvergen nennt. Alt-Veringen lag bekanntlich im Lauchartthale bey dem Städtchen Veringen (jetzt Vöhringen), wo die weitläufigen Ruinen des Schlosses noch zu sehen sind. Über die Lage von Neuveringen aber war man bisher im Ungewissen. Wir glauben beweisen zu können, daß es in der Nähe von Riedlingen und zwar 1/2 St. unterhalb der Stadt, am rechten Donauufer, auf einem Vorsprunge der dortigen Anhöhe, Aichert genannt, wo sich jetzt ein Steinbruch befindet, lag. Nach dem Östr. Habsburgischen Pfandschaftsrodel von 1313 hatte Graf Mangold von Veringen eine Mühle (die Wagmühle) zu Riedlingen und die Vischenz zu Neuveringen als Leibgeding im Besitze behalten; in dem deutschen Östr. Habsburgischen Urbar aber von 1303 heißt es bey der Rechtung von Riedlingen: da – zu Ruidelingen – ist auch eine Vischenz etc., und diese Fischenz wird als dieselbe bezeichnet, wovon Graf Mangold das Nutzeigenthum habe. Herr Director von Raiser zieht in seinen trefflichen Sammlungen von Archivalien, deren gefällige Mittheilung wir schon bey Ehingen gerühmt haben, den Schluß: Folglich lag Neuveringen an der Donau bey oder zu Riedlingen, und indem wir diesem Schlusse nicht nur vollkommen beystimmen, finden wir die Lage selbst durch folgende Thatsachen noch näher bestimmt. In dem erwähnten Urbar von 1303 heißt es noch weiter: „die Burg zu der Newenveringen, die köffet ist umb (gekauft ist von) die Grafen von Veringen, ist der Herrschaft eigen. Zu der Burg hörent 36 Jauch., die giltent etc.“ Nun wird die Burg in dem| Urbar nicht nur in der Reihe der benachbarten Orte Unlingen, Göffingen etc. aufgeführt, sondern es gibt auch das Lagerbuch von Riedlingen den Meßgehalt von dem Bezirke Aichert gerade zu 36 Jch. an, und bezeichnet davon 41/4 J. als Aichertgarten (Schloßgarten) und 25/8 J. als im Einfange (der ehm. Burg) gelegen. Endlich zeigt der Platz selbst noch deutliche Spuren einer ehemaligen Burg, und der Weg, der von Unlingen her an dem Platze vorbey führt, heißt noch jetzt der Neuveringer Weg. Überdieß belehnte nach einer Riedlinger Urkunden noch i. J. 1406 Graf Wolfrad von Veringen, der letzte seines Geschlechts, einen Riedlinger Bürger mit 8 Mannsmad Wiesen im Greuth daselbst. Es ist also wohl nicht zu zweifeln, daß Neuveringen auf der bezeichneten Stelle gestanden hatte, wobey wir nur noch eines Funds von Aschenkrügen i. J. 1760 erwähnen wollen.
  1. Anm. Das Patronatrecht hat, wo es unbemerkt geblieben ist, überall der König. Die Baulast der Kirchen und Pfarrhäuser liegt in der Regel auf den Kirchenpflegen, und im Falle ihrer Unzulänglichkeit auf den Zehntherren. Ausnahmen sind bemerkt.
  2. In dem Östr. Habsburgischen Urbar von 1303 sind die herrsch. Gefälle und Rechte folgender Maßen beschrieben: „Nutze und Güter die koffet sind umb (gekauft sind von) die Grafen von Veringen zu Rudelingen: die Stat zu R. ist der Herrschaft eigen, die Hofstettzins nirent (inner) der Stat geltent järlich 4 Pfd. 5 ß. 4 d. Cost. die Hofstat vor der Stat 3 Pfd. 17 ß. 1 d. Cost. so geltet der Lobenzins (Laubenzins, der obige Rathhauszins) 5 Pfd. 4 ß. Cost. 10 Schultra, der jeglich 6 d. werth seyn soll – noch jetzt erhebt der Staat Hofstättzinse und für Schweinsschultern 3 fl. 40 kr. – Vff dem ried ist och ein gelt, das hat vergülten bi den meisten eins jars 8 Pfd., bi den minsten 6 Pfd. Cost. Da ist och ain Muli, die gültet zu Zinse 18 Pfd. Cost. – Noch jetzt bezieht der Staat aus der Wagmühle 13 fl. 20 kr. Da litt och Vischenz, die giltet 19 Libr. 3 ß. Die Herrschaft hat da Twing und Bann und richtet Dübe und Vrevel. Da litt och ain Vischenz und Äckerlin und 1 Matte, die geltet miteinander 7 Libr. 19 ß Cost.“
  3. Sulger Annal. Zwif. I. 560. II. 16. Schon 1304 hatte die Stadt dem Kloster die Erlaubniß ertheilt, ein Haus in Riedlingen zu erwerben, mit der Befreyung von allen bürgerlichen Lasten. Aber um eben diese Zeit war große Zwietracht zwischen Kloster und Stadt entstanden. Die Riedlinger hatten Leibeigene des Klosters in ihr Bürgerrecht aufgenommen, und der Abt zur Vergeltung einen Frucht- und Viehmarkt auf dem Teutschbuch errichten lassen, wodurch die Riedlinger so aufgebracht wurden, daß sie mit gewaffneter Hand ins Kloster einfielen und sengend und brennend sich rächten. Durch diesen lange währenden Zwist wurde auch die Erwerbung des Klosters in Riedlingen verzögert.
  4. Das nach Neugart Cod. Dipl. Nr. 226, i. J. 826 an St. Gallen vergabte Riutilingun ist ohne Zweifel Reutlingendorf.
  5. Pappenheims Chronik der Truchsessen B. II, S. 18.
  6. Ebend. I. 83, II. 71.
  7. Die 5 Donaustädte sind, wie auch die obigen Verhandlungen beweisen: Riedlingen, Munderkingen, Mengen, Saulgau und Waldsee. Daß Ehingen nicht dazu gehörte, ist früher schon gezeigt worden. Die Benennung Donaustädte hat mehr ihren politischen, als geographischen Grund; denn bekanntlich liegen Saulgau und Waldsee weit von der Donau. Es waren Municipalstädte, welche ihr eigenes Dominium mit ansehnlichen Freyheiten hatten. Sie schickten zusammen einen Deputirten zu den Landständen in Ehingen. Eine weitere Verbindung fand übrigens nicht statt, eine solche ausgenommen, wozu sie die gemeinschaftliche Lage trieb, wie z. B. das Schutz- und Trutzbündniß, das sie 1509 gegen ihre Pfandherrn machten, und später gemeinschaftliche Versuche zu ihrer Auslösung.
  8. Der Amman übte früher die hohe und niedere Obrigkeit im Namen der Herrschaft und bezog die herrsch. Einkünfte. Vergl. Ehingen.
  9. Daraus sollen sie zahlen jährl. 8 Pfd. Heller und 13 Schwein Schultern, auf die Zeit als die vormalen die Schuhmacher, Salzmesser und Mezger gegeben haben.
  10. Sulger Annal. Zwif. I. p. 43.
  11. Ib. II. S. 16.