Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 2

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 1 Beschreibung des Oberamts Riedlingen Kapitel B 3 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
2. Alleshausen mit Brasenberg, Seekirch und Ödenalen.
a. Alleshausen,

ein kath., vormals Kloster Marchthalisches, Dorf, am Federsee, 31/4 St. von Riedlingen, mit 482 Einw., Filial von Seekirch; Cam. Amt Ochsenhausen, F. Tax. Standesherrschaft, Amtsbezirk und Forstverwaltung Buchau, Rentamt Marchthal. Die Zehnten, den großen und kleinen zu Alleshausen und Brasenberg, welche zusammen Eine Markung haben, bezieht der Fürst.

Gefälle an beyden Orten beziehen: der Staat 12 kr., die Heiligenpflege Seekirch 6 fl. 6 kr., und 1 Sch. 6 S. 21/2 V. Haber, 4 Sri. glatte Früchte; der Fürst 364 fl. 18 kr., und 106 Sch. 33/4 S. Haber, 1051/2 Sch. glatte Früchte. Die Fürstl. Zehnten sind mit 814 fl. 33 kr. im Kataster.

Die Gegend ist sehr sumpfig und hat viel Torfgrund. S. o. Der Ort soll einst Thore gehabt haben. Er hat eine eigene Kirche zum h. Blasius und eine Schule. Die Kirche wurde 1485 neu aufgebaut. Sie soll einst Pfarrkirche gewesen seyn. Der sehr geringe Kirchenfond wurde mit dem der Pfarrkirche| zu Seekirch vereinigt, und die dortige Kirchenpflege hat daher auch die Baulast der hiesigen Kirche. Der Ort hat eine Öhlmühle, 2 Schildw., 1 Brauerey.

Alleshausen bildete ehemals eine freye Gemeinde, und noch wird die Stelle des obern Thores, gegen Brasenberg, gezeigt, durch welches der Abt von Marchthal nicht habe einfahren dürfen, ohne vorher die Erlaubniß dazu von dem Vorstande der Bürgerschaft erhalten zu haben. Wegen der Rechte und Freyheiten des Orts kam es öfters zu heftigem Streit zwischen dem Abte und der Gemeinde, bis endlich ein, unter fremder Vermittlung i. J. 1520 abgeschlossener, Vertrag die gegenseitigen Verhältnisse festsetzte. Diesen Vertrag nannten die Bauern ihren großen Brief (magna charta). Es war darin namentlich bestimmt, daß der Abt zwar einen eigenen Amman in dem Orte haben möge, so oft es jedoch zwischen Herrn und Unterthanen zum Streit komme, und diese den Gehorsam verweigern, soll nicht von dem Abte, sondern von den Dorfgerichten Marchthal, Sauggart und Reutlingen entschieden werden. Wie die Bauerngüter ehemals größtentheils freyes Eigenthum gewesen, und allmählig erst, hauptsächlich nach dem dreyßigjährigen Kriege in Lehen verwandelt worden sind, ist schon oben gezeigt worden.

In ältern Zeiten hatten Alleshausen und Brasenberg den Allemannischen Herzogen, und früher, wie Oggelshausen und Tiefenbach, zur Herrschaft oder Grafschaft Warthausen gehört, welche 1168 dem Herzogthum einverleibt worden ist[1]. Herzog Rudolph von Rheinfelden (wird Herzog 1057) schenkte die grundherrlichen Rechte dem Kloster St. Blasien. Die Vogtey kam mit Warthausen und der Landvogtey Schwaben 1479 an Östreich, und wurde von Hz. Albrecht von Östreich 1446 dem erwähnten Kloster überlassen, mit Einwilligung der von Stein, die damals Warthausen von Östreich| als Pfandschaft inne hatten[2]. S. Uttenweiler. 1477 verkaufte das Kloster St. Blasien Alleshausen und Brasenberg nebst Bischmannshausen für 6500 fl. an das Kloster Marchthal, und mit diesem kam die Besitzung 1803 an den Fürsten von Th. und Taxis, und 1806 unter würt. Oberherrschaft.

In der Nähe von Alleshausen liegen der Mühlbrunnen und das Mühlweiherle, s. o.; auf einem andern Theile der Markung bemerkt man 2 Hügel, wovon der eine Hungerberg, der andere die Schatzgrub genannt wird.

b. Brasenberg,

ein kath., vormals Marchthalischer, Weiler, der mit Alleshausen eine gemeinschaftliche Markung und ganz gleiche Verhältnisse hat, mit 84 Einw. Im Jahr 1806 erbaute der Bürger J. Strohm eine kleine Capelle, und stiftete 600 fl. dazu. Es wird nun wöchentlich eine Messe darin gelesen. Die Geschichte des Örtchens hängt ganz an der von Alleshausen.

c. Seekirch,

ein kath. vormals Marchthalischer Pfarrweiler, am Federsee 31/2 St. von Riedlingen, mit 168 Einw. und 1 Schildw. C. A. Ochsenhausen; F. Tax. Standesherrschaft, Amtsbezirk und F. V. Buchau, R. A. Marchthal. Patronatsherr: Taxis. Die Zehnten bezieht der Fürst.

Gefälle beziehen: der Fürst v. Th. und Taxis 151 fl. 21 kr. und 481/2 Sch. Haber, 48 Sch. 41/3 S. glatte Früchte; der Heilige 5 fl. 52 kr. und 31/4 Sch. Haber, 21/4 Sch. glatte Früchte, der Staat 12 kr.

| Der Ort hat eine schöne Lage auf dem ansteigenden Gestade des Sees, unter vielen Obstgärten. Zur Pfarrey gehören Alleshausen, Tiefenbach und Brasenberg. I. J. 1803 ward von dem Fürsten nicht nur die Pfarrey, sondern neben derselben auch eine Caplaney ansehnlich dotirt.

Nördlich von der Kirche erhebt sich auf der Hochfläche ein Hügel, worauf in frühern Zeiten eine alte Burg gestanden hatte. Der Abt Johann von Marchthal baute 1516 auf die Stelle ein neues Schlößchen, wo er sich in der Regel aufhielt. Er nannte es Burgberg, die Bauern aber, gedrückt von der Last schwerer Dienstbarkeit, gaben ihm den Namen Fluchberg. Das Schloß ist vor ungefähr 50 Jahren abgebrochen worden.

Von den alten Gaugrafen, die schon 805 die Kirche am See an das Kloster St. Gallen vergaben, kam Seekirch auf die Grafen von Veringen. Neben ihnen aber findet man auch die Freyh. von Krenkingen zu Thengen im Besitze; von beyden trugen die von Pflummern den Ort theilweise zu Lehen. Wolfrad von Veringen ertheilte 1373 seine lehensherrliche Genehmigung, da Heinrich von Pflummern seine Hausfrau mit der Heimsteuer und Morgengabe auf seine Güter zu Seekirch versichert, und 1406 gab er auch die Lehenschaft eines Hofes frey. 1373 hatte Heinrich von Pflummern auch Burg und Burgsäß von Johann von Krenkingen inne, und letzterer selbst vertauscht 1390 Kirche und Kirchensatz an Ludwig von Hornstein zu Neuffern. Dieser verkaufte aber den Besitz noch in demselben Jahre an Wolf von Stein zu Rechtenstein, und Steins Sohn vergabte ihn nebst den Zehenten an das Kloster Marchthal, dem hierauf, 1395, die Kirche einverleibt wurde. 1407 kaufte endlich das Kloster den ganzen Ort vollends von Heinrich v. Pflummern und dem Bürger Rudolph Holl zu Biberach, des erstern Theil um 750 fl., des letztern um 245 Pfd. Diethelm von Krenkingen, Frh. zu Tengen, und für seinen Theil Graf Wolfrad von Veringen lösen den Lehensverband auf, so daß von nun an das Kloster im vollen Besitze von| Seekirch war. Nach Marchthaler Urkunden. Mit dem Kloster kam der Ort 1803 an den F. v. Th. und Taxis und 1806 unter W. Oberherrschaft.
d. Ödenalen,

zwey Bauernhöfe mit 9 kath. Einw., in stiller, zurückgezogener Lage, Fil. von Ahlen, Oberamts Biberach; übrige Verhältnisse wie bey Alleshausen. Die Zehenten bezieht die Pfarrey Ahlen.

Gefälle beziehen, die Heiligenpflege Seekirch 13 fl. 40 kr., und 14 Sch. Roggen, 11 Sch. 71/2 S. 2 E. Haber; Taxis 18 fl. 34 kr. für Frohnen.

Herzog Albert schenkte die beyden Höfe 1445 der Kirchenfabrik zu Seekirch, welche Lehensherr ist und die angezeigten Gefälle davon bezieht. Eben dadurch kamen sie auch unter die Herrschaft des Klosters Marchthal und mit diesem an Taxis.


  1. Otto de St. Blasio ad a. cit.
  2. Es geschah zur Vergütung des in den Schweizerkriegen erlittenen Schadens. In der Urkunde wird erzählt, wie das Dorf Alleshausen mit den Höfen Brasenberg, an dem Buchauer See gelegen, vor langen Zeiten von wiland Herzog Rudolph von Rhinfelden dem Gotteshaus gegeben und beygefügt worden sey, und aber die Vogtey desselben Dorfs Alleshausen und Brasenberg jetzo in des Herzogs von Östreich Herrschaft Warthausen gehöre.