Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 43

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43. Unlingen,
ein kath. Pfarrdorf an der Kanzach, und in der Ausmündung des Kanzachthals, an der Ehinger Poststraße, 1 St. von Riedlingen, mit 963 Einw. C. A. Heiligkreuzthal, F. Tax. Standesherrsch. Amtsbezirk und R. A. Marchthal, F. V. Buchau. Die Zehnten beziehen die Pfarrey und 3 Kaplaneyen, die Kirchenpflege, die Gemeinde (vormals das Nonnenkloster), der Staat, der F. Taxis und einige Bürger. Die Grundherrschaft ist getheilt: 3 Lehenhöfe gehören Taxis, 2 zur Pfarrey, 4 große und 21 kleinere der Gemeinde (von dem aufgehobenen Nonnenkloster) und 2 der Heiligenpflege. Ungefähr 1/3 von Grund und Boden ist freyes Eigenthum der Bürger. Die ehemaligen Kloster Reichenauischen Huben, ungefähr| 176 Jch. werden von den Bürgern als veräußerliche Erblehen besessen, unter Entrichtung der Hubgefälle an Taxis.

Gefälle beziehen: Staat 5 fl. aus einem Weiher, Fst. von Sigmaringen 8 fl. 34 kr. und 10 Sch. D., 8 Sch. H., 1 Sch. R. und Erbsen; Taxis 112 fl. 32 kr., 40 Sch. D., 143/8 Sch. H., 295/8 Sch. R.; Pfarrey 28 fl. 13 kr. Die Kaplaneyen 26 fl. 30 kr., 334/8 Sch. D., 42/8 Sch. H., 26/8 Sch. R., 106/8 Sch. Gerste; Klosterpflege 72 fl. 47 kr., 85/8 Sch. D., 8 Sch. H., 132/8 Sch. R. Kirchenpflege Dürmentingen 12 fl. 57 kr., 6 Sch. D. 47/8 Sch. H. Präsenz Riedlingen 1 fl. 16 kr. Dazu Landgarben des Fst. Taxis im Betrag von 299 fl., der Pfarrey 165 fl. 8 kr., der Klosterpfl. Unlingen 589 fl. 3 kr., der Kirchenpfl. Dürmentingen 193 fl. 3 kr. Auch bezieht der Staat an Vogtrecht von dem Pfarrer und Widdummaier 65/8 Sch. 1 V. Roggen.

Unlingen zeichnet sich, wie durch Bevölkerung, so durch Bauart aus. S. 60. Der Ort hat 4 Schildw. mit 4 Brauereyen, 1 Essigsiederey, 1 Salpetersiederey, 3 Mahlmühlen mit 11 G., 4 Öhl- und Gypsmühlen und 1 Sägemühle. Die Mühlen liegen zum Theil abwärts an der Kanzach, gegen die Donau. Am Ende des Orts liegt ein ehemaliges Nonnenkloster. An der Kirche sind neben dem Pfarrer 2 Kaplane angestellt; die Kaplaneyen wurden 1468 von dem Unlinger Bürger Herrmann Mayer gestiftet. Das Patronatrecht darüber hatte sonst die Gemeinde, jetzt übt es der Staat. Das Patronat der Pfarrey hatte früher das Kloster Reichenau, mit dem es an Constanz und von da an Baden kam; von Baden erhielt es Würtemberg durch Ausgleichung 1807.

Es ist schon bey dem Bussen bemerkt worden, wie nach der Urkunde v. J. 811 auch Unlingen von Graf Gerold an das Kloster Reichenau vergabt worden seyn soll. Eine Bestätigung obiger Schenkung liefert, ausser dem nachherigen Besitzstande, auch das Gefälleverzeichniß, welches der Abt Wallafried Strabo von Reichenau, der 842 zur Abtey gelangte, verfertigen ließ, worin auch Unlangen mit Gefällen, 100 Keeß, 1 Som Hung (Honig) etc. aufgeführt ist. Der Ort gehörte also zum Besitze der alten Dynasten vom Bussen und die Gerichtsbarkeit über den ganzen Ort,| so wie die Schutzvogtey über die Kirche und die Reichenauischen Güter nebst einem Theil des Grundeigenthums, blieb auch ferner mit der Herrschaft Bussen verbunden, und kam mit dieser von den Grafen von Veringen an Östreich, wie das Östr. Habsb. Urbar von 1292 beweist. Auch in der Folge theilte Unlingen sein Schicksal mit der Herrschaft Bussen und kam so 1786 von den Truchsessen von Waldburg an das Taxissche Haus. Das Reichenauische Besitzthum wurde verschiedenen Edelleuten von dem Kloster zu Lehen gegeben, und endlich mit dem Burgstall Bussen und Gefällen zu Munderkingen von Martin v. Friedingen an Bruno von Hertenstein und von diesem i. J. 1500 für 348 fl. an die Truchsessen verkauft. Mit diesem Besitzthum war die Verleihung des Hirtenstabs nebst verschiedenen Rechten verbunden. Im J. 1735 verkauften die Truchsessen die Reichenauischen Huben mit denen zu Altheim und einem Hofe zu Günzkofen, unter Vorbehalt der Auslösung, für 20.526 fl. an das Kloster Habsthal, und der Bischof von Constanz gibt seine lehensherrliche Einwilligung dazu. Erst 1791 wurde von Taxis diese Veräußerung wieder vollständig zurückgelöst. Die Reichenauische Lehensherrlichkeit ist auf Würtemberg übergegangen. Einen Lehenhof, wovon jetzt der Fürst von Sigmaringen die Gefälle bezieht, besaß auch das aufgehobene Kloster Enzigkofen. Das Nonnenkoster zu Unlingen hat seinen Ursprung i. J. 1414 durch 3 Schwestern erhalten, welche in einem Bürgerhause zusammen wohnten und zum ehelosen Stande sich verpflichteten. Ihre Zahl vermehrte sich und 1461 überließ Walter von Erbach „den grauen Schwestern“ seine Behausung neben der Kirche. Bald suchten auch adelige Fräulein ihre Unterkunft in der Anstalt, welche jetzt die Regel des h. Franciskus annahm und ihr Besitzthum so vermehrte, daß es am Ende aus 25 Lehenhöfen und einer Mühle zu Unlingen, 2 Bauerngütern zu Altheim, 2 solchen zu Hailtingen und 1 Hof zu Braunenweiler bestand. Der dreyßigjährige Krieg hat das Kloster und Dorf hart mitgenommen, so daß beyde längere Zeit ganz entvölkert waren. Im J. 1669| wurde der Grundstein zu einem neuen, dem jetzigen stattlichen Klostergebäude gelegt. Durch Kaiser Joseph aber wurde das Kloster, wie viele andere, ganz aufgelöst und das Gebäude mit sämmtlichen Gütern an die Gemeinde für 69.000 fl. verkauft, jedoch so, daß über das Gebäude erst nach Absterben der letzten Nonne verfügt werden darf, deren jetzt noch 2 darin sich befinden. S. 88f.

Ein Markungsbezirk von Unlingen, in der Nähe der Donau, führt noch den Namen Burr, Burgstall, und man findet dort von Zeit zu Zeit noch Reste von Mauerwerk und Spuren von unterirdischen Gewölben. Es sind dieß die Rest der alten Burg.

Asenheim, später auch Ensenheim, Ensisheim genannt, welchen letztern Namen noch ein, zwischen Zell und Unlingen getheilter, Feld- und Waldbezirk führt. Diese Burg, womit eine kleine Niederlassung verbunden gewesen zu seyn scheint, kommt schon (s. S. 7 u. 9) 805 und 826, und später häufig in Zwiefalter Urkunden vor. Nach letztern hatte 1298 „Berthold von Stein von Ensheim“ dort seinen Sitz, und 1314 vermachte er seinen Enkelinnen, Hans von Hornsteins Töchtern, sein Gut zu Asenheim. In der Folge hatten verschiedene von Hornstein ihren Sitz zu Asenheim. Allmählig erwarb aber auch das Kloster Zwiefalten Güter und Gefälle, und 1425 von Ludwig von Adershofen auch „die Veste Ensenheim.“ Schon 1322 hatte Manz von Hornstein von dem Frauenkloster zu Zwiefalten Güter zu Ensenheim zu Lehen empfangen. Die Burg scheint erst im dreyßigjährigen Kriege vollends zerstört worden zu seyn.