Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 44

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44. Uttenweiler mit der Runkenmühle, Dettenberg und Minderreuti.
a. Uttenweiler, ein kath. vormals Marchthalisches Pfarrdorf, an der Landstraße und alten Salzstraße nach Biberach, 23/4 St. von Riedlingen, mit 1078 Einw., C. A. Ochsenhausen; F. Tax. Standesh. Amtsbezirk und R. A. Marchthal, F. V. Buchau; Sitz eines F. Revierförsters.| Grundherr: F. v. Th. und Taxis; Patronats- und Zehentherr: der Landesfürst.

Gefälle beziehen: der Staat, aus Fall-Lehen und Zinsgütern 129 fl. 1 kr., 26/8 Sch. D., 315/8 Sch. H., 317/8 glatte Früchte; Fürst Taxis 678 fl. 45 kr., 4 Sch. D., 148 Sch., 2/3 Sr. H. 165 Sch. 21/3 Sr. Roggen; Ortsheilige 7 fl. 32 kr., 4 Sch. 71/3 Sr. H. und ebensoviel glatte Früchte; Heiligenpflege Sauggart 42/3 Sr. H. und ebensoviel glatte Fr. Dazu kommen Landachten des Staats ungefähr 22 Sch. Roggen und 22 Sch. Haber, F. Taxissche Landgarbengefälle mit 9 fl. 51 kr.; ferner Vogthaber des Staats von 13 Lehenbauern etc.

Uttenweiler ist, wie Minderreuti, Würt. Lehen. Der ansehnliche Ort liegt am Reutibach, nicht weit von dessen Ursprung, in dem flachen Anfange des romantischen Thals, das nach Sauggart hinabzieht. Der Name Uttenweiler kommt ohne Zweifel entweder von Ottonis villa, oder Uttae villa her. Eine Utta wird bey Manlius unter den Heiligen aus der Constanzer Diözese angeführt, und ihr Bildniß ist in der Pfarrkirche von U. aufgestellt. Der Sage nach soll auf dem sogen. Käpelberg bey dem Orte ein Schloß und eine der h. Utta geweihte Kapelle gestanden haben. In dem Orte selber standen früher 2 Schlösser, das eine wurde 1817 abgebrochen, der Rest des andern, das 1617 von den von Stein erbaut worden ist, dient dem Förster zur Wohnung. Die ansehnliche Kirche hat 2 Thürme, und enthält verschiedene Denkmähler, auch eine Grabhöhle, das Dautengrab genannt, vielleicht der Utta Grab. Eine Kapelle steht auf dem Gottesacker. Kirche und Pfarrhaus werden von dem Zehentherrn gebaut. An der Kirche ist auch ein ständiger Vikar angestellt. In die Pfarrey gehören: Dettenberg, Minderreuti und die Runkenmühle. Der Ort hat starken Flachsbau, Flachsspinnerey, viele Handwerksleute, 2 Mahlmühlen, jede mit 4 G., 2 Öhlmühlen, wovon die eine von Pferden getrieben wird, 1 Ziegelhütte, 3 Schildw. mit 3 Brauereyen.

Ehedem befand sich auch ein Augustiner-Kloster in U., welchem der Kirchensatz und der Antheil an dem Grundbesitze gehörte, den nun der Staat hat. Es wurde 1453/60 (die Stiftungsurkunde ist von 1460) von Berthold von Stein,| dem damaligen Herrn von U. gestiftet und mit der Kirche des Orts verbunden. Der Stifter gab dazu die eben genannten Güter und den Zehnten zu U. und Dettenberg, die Mühle unter dem Kloster und anderwärtige Gefälle. Das Kloster kaufte später auch noch den halben Laienzehnten zu Bischmannshausen und einiges Andere dazu. Die Pfarrey U. wurde nun von einem der Mönche versehen. Gewöhnlich waren 8 Patres und 3 Laienbrüder, nebst einigen jungen Zöglingen in dem Kloster. Im J. 1803 wurde das Kloster dem Deutschorden zugetheilt, 1806 von Würtemberg in Besitz genommen und aufgehoben. Für die Kirche wurde wieder eine Pfarrstelle und Kaplaney errichtet, letztere aber 1814 in ein ständiges Vikariat verwandelt.

Von dem Klostergebäude, welches aus 4 Flügeln bestand, wurden 1822 3 Flügel abgebrochen, der vierte aber zu einem Pfarrhause eingerichtet.

Die erste urkundliche Nachricht von U. ist in der Bulle des Gegenpapsts Calixt III. v. J. 1173 enthalten, worin die Kirche zu Utinwilare unter denen aufgezählt wird, welche zu dem Kloster St. Blasien gehören[1]. Im Jahr 1215 entschied Graf Egeno von Urach, als erbetener Schiedsrichter in einem Streit über das Patronatsrecht zwischen St. Blasien und dem Ritter Heinrich von Gephingen, (Göffingen) dahin, daß die Lehenschaft wechseln solle[2]. Der Ort U. selber war Östr. Lehen, das früher vermuthlich zu dem Schwäbischen Herzogthum gehörte, und daher auch in neuern Zeiten noch unter die s. g. Schwabenlehen gerechnet wurde. 1382 verkaufte Ulrich von Lothon und sein Sohn Uttenweiler das Dorf mit Kirchensatz und Gericht sammt Dettenberg, „die sint recht Lehen von unser Herrschaft von Östreich,“ und auch die Vogtey zu Bischishusen (Bischmannshausen) und alles was sie daselbst hatten, „das ist recht Lehen von unser Herrschaft zu Habspurg“, an die Brüder Burkhard, Berthold und Conrad von Stein, Söhne Bertholds| von Stein zu Klingenstein, für 2000 Pfd. H. K. Sigismund verlieh 1415 Berthold v. St. Stock und Galgen und einen Jahr- und Wochenmarkt. Im J. 1446 trat auch das Kloster St. Blasien seinen Antheil an dem Kirchenlehen nebst 20 Gütlein und den 3 Mühlen (die dritte die Runkenmühle) an Conr. und Berth. v. Stein gegen deren Rechte auf die Vogtey Alleshausen und Brasenberg ab. Noch besaß das Kloster Reichenau 101 Jch. Lehen-Äcker auf der Markung; auch diese wurden vollends 1614 von Hans v. St. erkauft. Im J. 1487 wurde U. zwischen Conr. von Stein und Wilh. von Rechberg getheilt; 1567 aber wurde Hans v. Stein auch wieder mit dem heimgefallenen Rechbergischen Antheil belehnt. Nachdem mit Ferdinand von St. die Uttenweiler Linie der v. Stein erloschen war, verlieh Östreich 1693 dem Grafen Jak. v. Hamilton, Landvogt von Burgau, das Lehen, der es 1695 dem Const. von Ulm für 87.000 fl. überließ. Die Allodien wurden 1697 an den letztern von der Tochter Ferd. v. Stein für 22.926 fl. verkauft. C. v. Ulm kaufte nachher auch Dietershausen und Minderreuti dazu, verkaufte aber 1702 das ganze Besitzthum mit dem Burggesäß auf dem Bussen, der Schutz- und Kastenvogtey über das Aug. Kloster und mit Dobel und Dettenberg an das Kloster Marchthal für 184.942 fl. und 1500 fl. als Ehrschatz ans Reich, 300 fl. an Östreich, 2000 fl. Kanzleykosten. Von dieser Zeit an besaß Marchthal die Herrschaft Uttenweiler mit allen Rechten, und verwaltete sie durch einen Statthalter, einen Ordensgeistlichen aus dem Kloster, der seinen Sitz in dem Schlosse hatte. Die Herrschaft blieb aber in Verbindung mit der Ritterschaft, und steuerte zum Canton Donau. 1803 kam die Besitzung mit Marchthal an Taxis, und 1806 unter Würt. Oberherrschaft. Der Badequelle und der Weiher bey U. ist schon S. 33, 45 gedacht. In der Nähe lag auch

Ummenhofen, ein abgegangenes Örtchen, wovon noch ein Markungsbezirk den Namen hat. Es kommt öfters in Urkunden, auch in dem Östr. Habsburgischen Urbar von 1303 vor.

| b. Die Runkenmühle, auch Runkelmühle genannt, ist eine zu Uttenweiler gehörige Mahlmühle mit 4 Gängen, deren oben schon Erwähnung geschehen ist, mit 8 Einw. Sie liegt am Reutibach, 1/4 St. unter dem Ort, und ist mit dem Gute Fst. Tax. Lehen.

c. Dettenberg, ein F. Taxischer Cameralhof, 1/2 St. östlich von Uttenweiler, wovon er Filial ist, mit 5 Einw. Der Hof ist verpachtet. Der Zehnte gehört dem Staat, von dem Uttenw. Kloster her. S. o. Dettenberg war immer mit dem Besitze von Uttenweiler verbunden.

d. Minderreuti,

ein kath. vormals Marchthalischer Weiler, in einer Vertiefung, 3/4 St. sdl. von Uttenweiler, wohin es in die Kirche und Schule gehört, und 3 St. von Riedlingen, mit 107 Einw. Amtverhältnisse, wie Uttenweiler. Grundherr F. Taxis, 3 Lehenhöfe sind Badisch (s. S. 82), andere und Zinsgüter gehören zum Staat, im Übrigen aber, wie jene auch zur Tax. Standesherrschaft. Die Zehnten bezieht der Staat.

Gefälle beziehen: Der Staat 20 fl. 11 kr., 9 Sch. 13/4 Sr. H., 8 Sch. 13/4 Sr. glatte Früchte; F. Taxis 31 fl. 10 kr., 123/8 Sch. H., 12 Sch. 11/3 Sr. glatte Früchte; Grh. Baden 22 fl. 15 kr., 121/4 Sch. H., 101/4 Sch. gl. Früchte.

Der Ort hat 1 Öhlmühle. Er hatte ebenfalls den von Stein-Uttenweiler gehört, und wurde von den von Ulm, die ihn von den Stein erwarben, mit Uttenweiler an Marchthal verkauft. Er war Allodium, und wurde erst 1701 von den von Ulm gegen Eignung des Thurms zu Ober-Sulmentingen zu Lehen von Östreich gemacht. Das Stift Buchau besaß hier drey, von Caspar Gräter von Biberach 1534 um 1100 fl. erkaufte Höfe, welche 1744 an das Domstift Constanz und nachher von diesem an Baden kamen. Der Antheil der K. Kammer an dem Orte rührt von dem Augustiner-Kloster in Uttenweiler her.



  1. Gerbert Hist. s. n. III. p. 85.
  2. Ibid. p. 130.