Beschreibung des Oberamts Rottenburg/Kapitel B 19

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19. Remmingsheim,

evang. Pfarrdorf, 1 St. vom Oberamtssitz, zählt 524 Einw. Das Dorf liegt erhaben über dem Neckarthale, und überschaut eine große Strecke desselben, so wie die lange Kette der Alp; es befinden sich einige gut gebaute Häuser daselbst. Die Nähe der Oberamtsstadt bringt dem Orte Vortheil, aber auch Nachtheil, und bey Manchen dürfte Häuslichkeit und Sparsamkeit mehr zu wünschen seyn. Der Wohlstand ist in neuerer Zeit im Sinken. Der Ackerbau ist beträchtlich, und Spinnen und Stricken gewähren einigen Verdienst.

Am Großzehnten nehmen der Staat, der Spital zu Rottenburg, die Universität Freyburg und die hiesige Pfarrey Theil. Diese bezieht auch den Klein- und den Heuzehnten. Der Zehnte des Staats ist auf 9 Jahre an die Gemeinde um 167 Sch. Dinkel, 54 Sch. Haber, 68 Sch. Gerste und 4 Fdr. Stroh verpachtet. Die Einwohner hatten eine Holzberechtigung in dem Abtswalde, wurden aber neuerlich mit einer ihnen eigenthümlich überlassenen Strecke Waldes dafür abgefunden.

Remmingsheim war von jeher der Hauptort des sogenannten Stäbchens, wo Würtemberg mitten in der Grafschaft Hohenberg, in den 4 Orten dieses Gerichtsbezirks, | nämlich Remmingsheim, Wolfenhausen, Nellingsheim und Eckenweiler, die volle Gerichtsbarkeit ausübte, und zugleich der Sitz des Stabsvogts [1]. 1321 wurde Remmingsheim mit Wolfenhausen von Graf Burgin von Hohenberg, an Graf Eberhard von Würtemberg verpfändet; 1350 verkaufte Otto und Burkhard von Hohenberg, Brüder, 46 Pfd. ewigen Geldes aus Remmingsheim und Wolfenhausen, ihren Dörfern, um 460 Pfd. an Pfalzgrafen Conrad zu Tübingen, und 1362 verkaufte beyde Ortschaften Otto, Graf von Hohenberg, Herr zu Nagold, um 2000 Pfd. an eben denselben. Von diesem kommen beyde Orte mit Herrenberg 1382 durch Kauf an Würtemberg, bey dem es bis auf die neueste Zeit verblieb. Remmingsheim ist ein sehr alter Ort. Ob aber der Name noch aus den Zeiten des Aufenthalts der Römer in unserer Gegend, oder vielmehr von dem h. Remigius möchte abzuleiten seyn, ist sehr zweifelhaft. Besser begründet mag die Sage seyn, daß es in ältesten Zeiten in die Pfarrey nach Sülchen möchte gehört haben. Der sogenannte Todtenweg, auf der Anhöhe von Remmingsheim in der Richtung nach Sülchen, dürfte ein Beweis für die Sage seyn. Indeß war dennoch Remmingsheim in den ältesten Zeiten schon eine Pfarrey, und es war auch Obernau dahin eingepfarrt; auch bestund dort eine Frühmesserey. In einer Urkunde über die Jahrtagsstiftung auf dem Wurmlinger Berge von 1348 kommt auch vor: Walter Incuratus der Kirche in Remmingsheim. 1377 stiftet Johann Seidenfaden, Pfarrer zu Remmingsheim, die Kaplaney zu Obernau. Nach dem Verkauf an Tübingen und Würtemberg muß der Kirchensatz noch bey der Grafschaft Hohenberg verblieben seyn; denn 1420 wurde von Anna von Braunschweig, Herzogs Friedrichs von Östreich Ehegemahl, dem Stift zum h. Moriz zu Rottenburg die Inkorporation der Pfarrey und des derselben zustehenden Zehentbezugs verwilligt [2]. Das Stift hatte | auch bis auf die neueste Zeit das Ernennungsrecht zur Pfarrey, welches nun auf den Staat überging, welchem auch die Bau- und Unterhalts-Verpflichtung an der Kirche, so weit die Kirchenpflege nicht zureicht, und dem Pfarrhause obliegt. Die Reformation ward durch Würtemberg eingeführt, und der Ort litt viel von beyden kriegführenden Theilen während des dreyßigjährigen Krieges. Die Einwohner flüchteten sich meist nach Rottenburg.

In Remmingsheim war früher auch eine Burg, die dem adelichen Geschlechte der Hippen, die sich Hippen von Remmingsheim schrieben, gehörte, und, dieses Geschlecht hauste lange Zeit hier und in Rottenburg [3].

Zur Markung Remmingsheim gehört auch die Brunnmühle, im Neckarthale bey Rottenburg. Diese Mühle hat früher große Streitigkeiten wegen hoher und niederer Jurisdiktion zwischen Östreich und Würtemberg veranlaßt [4].



  1. Jetzt ist es Sitz eines Amtsnotariats. A. d. H.
  2. Das Patronatrecht war also schon früher bey dem Stift. A. d. H.
  3. Die Hippe kommen übrigens zwar häufig in Urkunden, jedoch selten (1593 und 1410) mit dem Beysatz „von Remmingsheim,“ vor. Ein Sigeboto von Remmingsheim ist Zeuge in der bekannten Bempfinger Urkunde (1090), worin auch ein Conrad von Würt. zum ersten Mal erscheint. Ein Feldbezirk bey Remmingsheim heißt noch „auf der Burg,“ und ein Waldbezirk, 1/2 St. von dem Orte, gegen Wolfenhausen, „auf dem Burgstall.“ A. d. H.
  4. Die Mühle, welche von einer eigenen Quelle getrieben wird (S. 43.), liegt im Umkreise der Markung Rottenburg, ist aber 1528 durch Kauf von dem Kloster Allerheiligen zu Schaffhausen an die Universität Tübingen gekommen, und darum wohl zu Remmingsheim getheilt worden. Ihre Lage verursachte die erwähnten Streitigkeiten. A. d. H.
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