Beschreibung des Oberamts Rottenburg/Kapitel B 20

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 19 Beschreibung des Oberamts Rottenburg Kapitel B 21 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
20. Schwalldorf,
auch zuweilen Schwaldorf geschrieben, ein kath. Pfarrdorf mit 676 Einw., 11/2 St. von der Oberamtsstadt, mit Frommenhausen auf einer so ziemlich rings erhöhten Fläche, vom Katzenbach und von der Starzel und ihren Thälchen umschlossen. Hoch gelegen, hat es nicht immer hinlänglich| Wasser in mehreren Brunnen, der Feldbau ist gut. Die Einwohner sind sparsam, nahrhaft und nicht mittellos (S. 73. 116.), doch ohne besondere Gewerbe. Die Häuser liegen zerstreut [1].

Der Großzehnten gehört dem Staat (vormals der Commende). Der Kleinzehnte gehört zum Theil der Pfarrey Schwalldorf, zum Theil der Pfarrey Bieringen und der Heuzehnte der Pfarrey Schwalldorf. Zehentfrey sind 15 M. Äcker; 4 M. Wiesen zehnten nur alle 2 Jahre. Der Klee ist durchaus zehentfrey. Im 12. Jahrhundert stifteten die Gebrüder Burkhard und Hesso ihre Güter zu Schwalldorf an das Kloster Hirschau. 1383 schlichtete Benz der Amman, Richter zu Rottenburg, einen Streit zwischen dem Commenthur und dem Kloster Stetten bey Hechingen über den Zehnten zu Schwalldorf. 1877 verkauft Vollkart von Ow, genannt der Wittfuß, seine Rechte zu Schwalldorf u. s. w. an Grafen Rudolph von Hohenberg; dieser löst 1400 den von Leutpold von Östreich versetzten Theil des Dorfes Schwalldorf von Conrad Pöpplin, genannt Heppeler, ein, und erhält solchen, so wie den Flecken selbst, 1404 als Pfandschaft. 1419 verkauft Wolf von Ow seine eigene Leute zu Schwalldorf an seines Bruders Söhne, Hans und Conrad von Ow. Die Gemeinde hatte viel Streit wegen Weide, Markung und Wege, und es liegen deshalb Vergleiche von 1594 mit Frommenhausen, 1699 mit demselben, und 1733 mit Hirrlingen vor.

Schwalldorf war früher ein Filial von Dettingen, doch ward schon 1387 eine Frühmesse hier gestiftet. 1437 wurde dieselbe gemehrt und zur Kaplaney erhoben. 1507 wurde wegen der Seelsorge zu Schwalldorf zwischen der Commenthurey zu Hemmendorf, der Pfarrey zu Dettingen und der Gemeinde zu Schwalldorf ein Vertrag dahin abgeschlossen, daß Schwalldorf als eine Pfarrey angesehen werden solle, | jedoch das an Vierfesten fallende Opfer zu ewigen Zeiten nach Dettingen überbracht werden müsse. Hinsichtlich des Patronats stund der Gemeinde das Ernennungsrecht, der Comthurey Hemmendorf das Vorstellungsrecht zu: nun übt der Staat beyde Rechte aus. Die Baupflicht an der Kirche liegt dem Staate als Zehentherren, unter Concurrenz der Gemeinde nach dem Verhältniß ihres Zehentbezugs, die Unterhaltung der Kirchenpflege, Baupflicht und Unterhaltung des Pfarrhauses aber der Gemeinde allein ob.

Die Chronik von Lutz von Lutzenhardt sagt: „bey Schwaldorf liegt ein Mayerhof, der heißet Schneckenhofen, darauf sein die Linßemann geadelt worden, die schreiben sich Linßemann von Schwaldorf oder Schneckenhofen [2]." Noch führt ein Theil von Schwalldorf den Namen Schneckenhofen. S. auch S. 37.



  1. Auf dieser Höhe, besonders gegen Frommenhausen hin, bey dem Kreuz, hat man eine außerordentlich schöne Aussicht. A. d. H.
  2. Ein Fridericus de Swaldorf schenkte ums J. 1125 dem Kloster Hirschau ein Gut zu Virnsul (Fürnsaal?).Cod. Hirs. Fol. 35. Daß auch die von Fürst zu Schwalldorf begütert waren, ist oben bemerkt. Sollte der Name Schwaldorf nicht auch von einer Mineralquelle herrühren? Schwalbrunnen wurden ehemals gemeiniglich die Schwefel- und andere Mineralbrunnen genannt. So hieß auch die Mineralquelle zu Göppingen der Schwalbrunnen, s. Schwalbach etc. A. d. H.
« [[Beschreibung des Oberamts Rottenburg/|]] Beschreibung des Oberamts Rottenburg Kapitel B 21 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).