Beschreibung des Oberamts Rottenburg/Kapitel B 2

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2. Bodelshausen mit Oberhausen.
Bodelshausen, evang. Pfarrdorf, mit 1348 Einw., 23/4 St. von Rottenburg und 5/4 St. von Hechingen, CAmt Tübingen, zum Theil in der Ebene (im Thale am Krebsbach), zum Theil auf einer beträchtlichen Anhöhe, besonders die Kirche und das Pfarr- und Schulhaus, von wo man eine der reizendsten Aussichten auf den Hohenzollern, die ganze Gebirgskette der Alp hinab zu dem Hohenstaufen hat; es ist nördlich an einen waldigen Berg gelehnt, welcher der Stoffel genannt wird, und wo in den frühesten Zeiten eine Burg soll gestanden haben; es ist Gränzort gegen das Fürstenthum Hohenzollern Hechingen, und die Straße von Rottenburg nach Hechingen läuft mitten durch das Dorf. Bodelshausen ist altwürtembergisch und wird schon zur Steinlach | gerechnet. Es ist Sitz eines Revier-Försters, sieht ziemlich gut aus; hat starken Flachsbau, und die Einwohner beschäftigen sich viel mit Spinnen und Weben. S. o. Die Schule, in welche auch das Filial Oberhausen gehört, hat 3 Abtheilungen und einen eigenen Knaben- und einen Mädchen-Schulmeister. In einiger Entfernung von dem Orte treibt der Bach 1 Mahl- und 2 Ölmühlen. Auch hat der Ort eine Ziegelhütte.

Der Großzehnte steht mit Ausnahme von 151/4 M., welche der Herrschaft Hechingen zehnten, und 183/4 M., welche zehentfrey sind, dem Staate zu [1] der Kleinzehnte der Pfarrey, der Heuzehnte dem Staate (für 240 fl. verpachtet), bloß 93/4 M. Wiesen zehnten nach Hechingen, 395/8 M. der Pfarrey Ofterdingen, 1861/2 M. aber sind zehntfrey.

Crusius gibt unter den Schenkungen des zwölften Jahrhunderts an das Kloster Hirschau auch an, daß Egiloff von Pfullingen 2 Huben bey Bodelshausen gestiftet habe [2]. Eine Linie der Freyherrn von Ow hatte in Bodelshausen früher ihren Aufenthalt. In einer Urkunde von 1442 heißt es: „Ich Caspar von Ow zu Bodelshausen gesessen.“ Die Burg stund, wo jetzt die Zehntscheuer steht. Im J. 1409 tragen die beyden Volkardt von Ow, wovon einer der Wütfuß genannt ist, Grafen Eberhard dem Milden von Würtemberg, ihre Burg, das Dorf Bodelshausen und die Dörfer Oberhausen etc. zu Lehen auf. Im J. 1453 kauft Graf | Ulrich der Vielgeliebte von Würtemberg von Caspar von Ow die Burg Bodelshausen mit dessen Antheil an dem Dorfe gleiches Namens, und die Weiler Stein, Sickingen und Bertholdsweiler um 3100 fl.

Die Grafen von Zollern machten aber Ansprüche an letztere Dörfer, welche Graf Ulrich 1472 gegen Bezahlung von 1863 fl. an Graf Niklas von Zollern abtrat. Hans von Emmershoven hatte Theil an Bodelshausen, und verkaufte denselben 1463 an Rudolph von Fridingen, und 1483 wird dieser Theil auch dem Martin von Fridingen für ihn und seine Brüder verliehen; er verkauft aber denselben 1497 an Würtemberg für 800 fl. In Bodelshausen war früher auch ein Nonnenkloster, welches zur Zeit der Reformation einging, und das Klostergebäude wurde, nachdem die Nonnen abgestorben, zur Pfarrwohnung bestimmt.

Oberhausen, ein evang. Weiler, 1/4 St. von Bodelshausen, mit 126 Einw. Es ist Filial von Bodelshausen und hat dort Kirche und Schule, bildet mit diesem auch Eine bürgerliche Gemeinde, so wie es auch eine gemeinschaftliche Markung mit demselben hat, und seine Schicksale immer mit ihm theilte. Auf der Markung von Bodelshausen liegt auch der Buzzersee mit der Schwefelquelle. S. 58.



  1. Anm. Sämmtliche Orte, wobey die Eintheilung nicht besonders bemerkt ist, gehören zum Cam. Amt Rottenburg und zum Forstamt Tübingen. Mühlen und Werke, Brauereyen, Wirthschaften finden sich in der besondern Tabelle. Er ist für 260 Sch. Dinkel, 130 Sch. Haber, 10 Sch. Gerste und 4 Fuder Stroh, auch 78 fl. 21 kr. Zehntsurrogatgelder, verpachtet. Die Gemeinde hat das Recht des Viehtriebs in 32 M. Staatswaldungen. Für eine auf ewige Zeiten gepachtete Jagd zahlt sie dem Cam. Amt 126 fl. A. d. H.
  2. Die Schenkung wird bestätigt durch den Cod. Hirs. Fol. 69 b.
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