Beschreibung des Oberamts Urach/Kapitel B 29

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29. Zainingen,

ein evangelisches Pfarrdorf auf der Alp 31/4 St. östlich von Urach, mit 870 Einw., den großen Zehenten hat der Staat, den kleinen, den Heu- und Öhmd-Zehnten die Pfarrey zu beziehen. An den Grundgefällen, die zusammen 325 fl. betragen, haben die Heiligen, die Gemeinde des Pflege-Orts und einige auswärtige Stiftungspflegen kleine Antheile.

Die Lage von Z. ist eine der rauhesten auf der Alp. Der Ort liegt zwar am Ende eines flachen Thälchens, die Au genannt, und ist von Anhöhen geschützt; aber auf den Anhöhen umher, über welche sich die Markung ausdehnt, wehen fast immer rauhe und schneidende Winde, und das sumpfige Thal selber ist meist mit kalten Nebeln bedeckt, s. S. 42 und 43. Z. ist übrigens einer der ansehnlichsten Orte der Alp, hat ein Rath- und Schulhaus, eine Schildwirthschaft, 61 Leinwebermeister und die bedeutendste Schafwaide des Oberamts. Es gehört auch unter diejenigen Orte, welche Überschuß an Gemeinde-Einkünften haben s. S. 75 und 98. Der Flachsbau, der sonst sehr bedeutend war, hat seit einiger Zeit auch hier, wie fast überall, sehr abgenommen.

Die Pfarrkirche ist von einem festen Kirchhofe umgeben, an dessen südöstlicher Ecke ehemals ein starker Thurm gestanden haben soll. Das Patronat der Kirche war früher in verschiedenen Händen, theilweise auch der Schilling von Canstatt: 1446 vertauschte es Hans von Sachsenheim an Graf Ludwig v. W. gegen dessen Theil an der äußern Burg zu Sachsenheim. Ehemals war auch eine Kaplaney oder Frühmeß mit der Kirche verbunden. Nachdem ihrer schon i. J. 1453 Erwähnung gethan ist, wird ihre Stiftung i. J. 1497 von der Gemeinde erneuert. Bey der Reformation wurde sie aufgehoben und das Kaplaney-Haus 1540 an einen Bürger verkauft.

Z. ist einer derjenigen Orte, welche schon in frühester Zeit, namentlich schon i. J. 788. erscheinen s. S. 6. | Ob es einst zu der Grafschaft Urach, oder zu dem Gebiet der Grafen von Ruck oder Helfenstein gehört habe? möchte schwer zu entscheiden seyn. Die Grundherrschaft war vertheilt. Anfänglich sollen die von Sperberseck im Besitze gewesen seyn, und von dem Thurm aus an der Kirchmauer einen Straßenzoll erhoben haben; urkundlich findet man die Harscher, die von Sachsenheim, die Truchsessen von Bichishausen u. a. daselbst begütert: 1363 verkauft Heinrich Harscher Hof und Gut an Graf Eberhard von W., 1435 Fritz von Sachsenheim (s. o.) seine Güter und Gülten an die Heiligenpflege daselbst, 1446 Hans von Bichishausen ein Drittheil des Zehnten daselbst, und in demselben Jahre, 4 Wochen früher, eignete Graf Ulrich von W. dem Truchsessen seine Güter zu Z. Eine Gegend von Z. heißt noch „im Galgen“ und man will daraus den Schluß ziehen, daß ehemals der Blutbann mit dem Besitze von Zainingen verbunden gewesen sey. Im dreyßigjährigen Kriege wurde Z. bis auf wenige Häuser abgebrannt, und es hatte bis 1680 keinen eigenen Pfarrer mehr. – Über das an dem Orte vorbeyführende Hochgesträß s. S. 13.
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