Beschreibung des Oberamts Urach/Kapitel B 6

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6. Donnstetten,

ein evangelisches Pfarrdorf auf hoher Alp an der Landstraße von Kirchheim nach Blaubeuren, 33/4 St. östlich von Urach, 2530 P. Fuß über der Meeresfläche, mit 668 Einw. Der Großzehnte gehört dem Staat, der kleine und der Heu- und Öhmd-Zehente der Pfarrey. An den Gefällen haben mit dem Staat das Spital Wiesensteig und 6 Stiftungs-Pflegen Theil; sie betragen zusammen 233 fl. Der Name des Orts steht vermuthlich mit dem des benachbarten Don- oder Dunthals in Verbindung. Der Ort hat ein Rathhaus und ein Schulhaus, eine Schildwirthschaft mit einer Brauerey und eine Ziegelhütte, starken Flachsbau und eine bedeutende Schafweide. Er ist zugleich ein Haupt-Weberplatz und zählt 67 Weber-Meister. Übrigens ist Donnstetten kraft seiner hohen Lage einer der rauhesten Alporte, wo der Schnee zu großem Nachtheil der Felder oft bis ins späte Frühjahr liegen bleibt. Da der Ort überdieß in einer Art von Kessel und an der großen Wasserscheide liegt, und die Unterlage des Bodens meist aus Letten besteht, so ist der Bezirk auch großentheils naß und sumpfig. Auf den Wiesen hinter dem Dorfe liegt das s. g. Seelein, dessen schon S. 30 erwähnt ist.

| Donnstetten kommt unter dem Namen Tunestat schon im Jahr 861 in der Stiftungs-Urkunde des Klosters Wiesensteig vor, und es scheint, daß es ursprünglich zu den Helfensteinischen Besitzungen gehört habe, wie es denn theilweise auch im Helfensteinischen Wildbann lag. Indeß war es zu dem Schloß Urach frohnpflichtig. Wenn behauptet wird, daß Graf Ulrich von W. 1465 Donnstetten gegen den halben Kirchensatz zu Ober-Riexingen eingetauscht habe, so ist dieß eine Verwechslung mit dem Ort Dornstatt, OA. Blaubeuren. Im Jahr 1603 kaufte der Herzog Friedrich I. von W. 1/4 von Donnstetten und Ennabeuren von Phil. Rupr. von Remchingen für 6000 fl.; das Übrige war vorher schon Würtembergisch. Die Pfarrey wurde im Jahr 1447 errichtet; bis dahin war Donnstetten Filial von Zainingen, hatte aber doch schon eine Kirche und einen Caplan oder Frühmesser. In dem erwähnten Jahre bewilligt Graf Ludwig von W., „daß die Kirche zu Tunstetten von der Pfarr Zainingen separirt und ihr vergönnt wird, ein aigen Pfarr aufzurichten, doch daß der Herrschaft Würtemberg die Collatur bleibe.“ In demselben Jahre erfolgte noch die bischöfliche Bestätigung der Trennung. Die Pfarrer zu Zainingen und Donnstetten genießen noch gemeinschaftlich die s.g. Frühmeßwiese zu D. In Folge der Verheerungen des dreyßigjährigen Kriegs hatte D. von 1636 bis 1672 keinen eigenen Pfarrer mehr. In keinem Alporte war die Noth in dem Jahre 1816/17 so groß, wie zu D., indem nach mehrjährigen Mißjahren 1816 noch Mißwachs und gänzlicher Wetterschlag zusammentrafen, und der karge Rest der Ernte unter dem Schnee begraben wurde. Die Einwohner nahmen zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln ihre Zuflucht.

Die Ziegelhütte liegt 1/8 St. südwestlich von dem Orte.



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