Beschreibung des Oberamts Waldsee/Kapitel BK2

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel BK1 Beschreibung des Oberamts Waldsee [[Beschreibung des Oberamts Waldsee/|]] »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
2. Gemeinde Thannhausen,
386 Einw.
  • 1) Thannhausen, ein k. Dorf mit 110 Einw., 23/8 St. nordwestlich von Waldsee, Filial von Aulendorf, C. A. Waldsee, F. V. Königseckwald. Den großen und kleinen Zehenten beziehen die Geistlichen zu Aulendorf. Th. liegt am nordwestlichen Ende des Aulendorfer Tanns, an der Vicinalstraße von Waldsee nach Aulendorf; es hat eine Schildwirthschaft mit beträchtlichem Weinhandel, eine Ziegelhütte und eine Kleemeisterei. Der Ort gehörte mit seinen Parzellen immer zur Herrschaft Aulendorf.
  • 2) Brandhaus, ein einzeln stehendes Haus mit 7 k. Einw., es gehört zur Parzelle Thannweiler, deren Verhältnisse es theilt.
  • 3) Eichbühl, zwei vereinzelt stehende Häuser mit 12 Einw., Filial von A. Den großen und kleinen Zehenten beziehen die Geistlichen zu Aulendorf. Es wird hier ein beträchtlicher Garnhandel getrieben. Der Unternehmer ist Johann Krebser. Er kauft in der ganzen Umgegend Garn aller Art auf. Aus dem feinen läßt er Leinwand weben, die er verkauft, das grobe Garn aus Abwerk u. sogen. Hecheln-Klotzen, bei weitem die größere Menge, jährlich 5 bis 6 vierspännige Wagen voll, verkauft er in die Schweiz, wo es meist zu Packtuch verwoben wird. Gemeiniglich nimmt er dagegen Schweizer Fabrikate – Baumwollenzeuge etc., womit er wieder Handel treibt.
  • 4) Eisenfurt, ein Hof mit 25 k. Einw., an der Ach, bestehend aus einer Mahl- und Sägemühle, sammt Hanfreibe und einem Eisenhammer. Filial- und Zehent-Verhältnisse wie oben.
  • 5) Geblisberg, ein Hof mit 10 k. E., Filial von A. Den großen und kleinen Zehenten bezieht die Kirchenpflege zu Aulendorf.
  • 6) Herdtle, ein k. W. mit 28 Einw., am südlichen Ende des Aulendorfer Tanns; Filial und Zehent-Verhältnisse| wie bei 2. Es befindet sich daselbst ein gräfl. Cameral-Gut mit Schäferei und einer Försters-Wohnung. Zwei Häuser wurden 1708 auf gräfl. Waldgrund erbaut und einige Grundstücke dazu gegeben. Diese beiden neuen Lehen wurden als Kammer-Güter behandelt, welche ihre Steuern nicht zur Landschaft Aulendorf, sondern an das Rentamt zu entrichten hatten.
  • 7) Lippertsweiler, ein k. W. mit 56 k. Einw., Filial von Michelwinnenden. Den großen Zehenten, welcher früher der Land-Commende Altshausen gehörte, bezieht der Staat, den kleinen Sternberg. Die Güter sind, mit Ausnahme eines Waldes lauter Lehen. L. hat eine schöne freie Lage und ist vereinödet, doch so, daß nur 1 Hofgebäude und ein kleines Haus außerhalb Etters verlegt wurden. Daselbst befindet sich eine 1757 wieder neu aufgebaute, dem h. Blasius geweihte Capelle, in welcher jährlich zwei Messen gelesen werden. Die Capellenpflege besitzt 513 fl. Capital-Vermögen. 1380 tauscht das Kloster Schussenried ein Gut zu Lütprechtswiler gegen einen Hof zu Witschwendi von Hannsen von Obernheim ein. Auch der Hospital Waldsee besaß daselbst 3 Höfe, welche 1678 Graf Anton Euseb von Königsegg an sich kaufte. 1748 vergleichen sich Aulendorf und Schussenried über den Austausch von dem Hof zu Lippertsschweiler gegen das Atzenberger Mitjagen; siehe Atzenberg.
  • 8) Thannweiler, ein k. W. mit 134 Einw., Filial von A. an der Ach. Den großen und kleinen Zehenten beziehen die Geistlichen zu Aulendorf. Der Ort hat mehrere geschickte Weber.
  • 9) Thiergarten, ein gräfl. Jagdhaus mit 4 Einw., und einem Thiergarten von Damwild, der größtentheils mit einer Mauer umgeben und mit verschiedenen Alleen und Pflanzungen versehen ist, welche ihm ein freundliches Aussehen geben.
  • 10) Ziegelhof, eine unweit Thannhausen liegende gräfliche Ziegelbrennerei, welche in eigenem Betriebe des gräfl. Rentamts steht, mit 5 Einw. Seit 1831 ist der Gemeinde Th., auch der Waldburgische Weiler Haslach, der oben unter Reute beschrieben ist, zugetheilt.