Beschreibung des Oberamts Waldsee/Kapitel BW6

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6. Gemeinde Heidgau,
522 Einw.
  • 1) Heidgau, ein kath. Dorf, 13/4 St. südöstl. von Waldsee an der Landstraße von Waldsee nach Wurzach, mit| 253 Einw., C. A. Waldsee, F. A. Ochsenhausen. Den großen und kleinen Zehenten bezieht der Graf Erbach-W.-Roth. Patron ist derselbe. Die Grundlasten von dem ganzen Gemeindebezirk betragen 1178 fl. in Geld und 1740 fl. in Natural-Abgaben, wovon der Fürst 3/4, das Übrige die Armen-Verwaltung Waldsee und der Fürst Salm-Dyck, kleinere Theile auch der Graf Erbach-W.-Roth, die Kirchenpflegen Molpertshaus und Heidgau u. a. beziehen. H. besteht einschließlich der Brandhöfe, die sonst immer dazu gerechnet wurden, aus 28 fürstl. Lehen- und 15 fürstl. Söldgütern, einem Lehengut der Herrschaft Roth, einem der Herrschaft Baindt und einem der Kirchenfabrik Heidgau. Der ganze Gemeindebezirk gehört in die Pfarrei Heisterkirch und in die Schule zu Heidgau, mit Ausnahme von Zwings. H. liegt am Fuße des zwischen Heisterkirch und H. liegenden Bergs, dessen Höhe 2358 P. Fuß über dem Meere beträgt, an der Spitze des großen Wurzacher Rieds. Nicht weit davon entspringt eine Quelle der Aitrach, „der Ursprung“ genannt. Die Felder sind ergiebig. H. gehört mit seinen Parzellen zur Grafschaft Wolfegg und bildete in derselben das Gericht Heidgau. Es hat eine eigene Kirche, ein Schulhaus und eine Schildwirthschaft. Die Baulast an der 1710 erbauten Kirche hat der Graf Erbach-W.-Roth, soweit die Kirchenfabrik nicht zureicht. In der Kirche werden alle pfarrlichen Gottesdienste gehalten. Es ist damit von alten Zeiten her eine Caplanei verbunden, die aber unbesetzt ist, und durch einen Vikar von Heisterkirch versehen wird. Die Gemeinde sucht gegenwärtig eine eigene Pfarrei zu erhalten. Auch hier hat die Gemeinde kein eigenes Gemeinde-Vermögen, letzteres ist gleichfalls im Besitze einzelner Gemeindeberechtigten, der sogenannten „Gemeinder“; dagegen hat die Gemeinde Antheil an dem Wolfegg’schen Armen- und Schulfond. H. gehört zu denjenigen Orten, welche sehr frühe hervortreten; schon am 30. Oktober 797 schenkt ein gewisser Pebo dem Kloster St. Gallen seine Güter zu Heidauge und Essindorf, ebenso kommt Heidcauwe in der schon früher angeführten Urkunde der Grafen Wago und Chadaloch von 805| vor, und eben diese Grafen schenken laut Urkunde vom 17ten November 817 dem Kl. St. Gallen, was sie in den beiden Essendorf und in Heidcauwe besitzen. S. Neugart Cod. dipl. Nro. 132, 155, 193, und vorn S. 71. In späterer Zeit machte H. immer einen Bestandtheil der Grafschaft Wolfegg aus. S. Wolfegg.
  • 2) Brandhöf, ein aus verschiedenen zerstreut auf der Heidgauer Markung herumliegenden Höfen bestehender k. W. mit 81 Einw., dessen Verhältnisse ganz dieselben sind, wie zu H. Der Boden ist naß und kalt, die einzelnen Höfe sind: Bulachs, Gores, Harzes, Kromers, Rothenhäusler, Schuhmacher, Schuhjoggens, Winters.
  • 3) Ehrensberg, ein k. W. mit 93 Einw., den großen und kleinen Zehenten bezieht der Graf Erbach-W.-Roth. Der Weiler besteht aus 5 fürstl. Lehen, 4 fürstl. Lehen-Sölden, einem Spital Waldsee’schen, einem Herrschaft Baindt’schen und einem Kirchenfabrik Molpertshaus’schen Lehengut. Der Ort hat Mangel an gutem Wasser. Am St. Ulrichstag 1481 vertauscht Lorenz Wild, Pfarrer zu Altthann, den dieser Pfarre zugehörigen Hof in E. an das Gotteshaus Waldsee gegen den Groß- und Kleinzehenten zu Altthann.
  • 4) Riedschmiede, ein Söldnerhaus auf dem Heidgauer Ried, an dessen Stelle ein Hammerwerk stand, das 1693 erbaut, in der Folge aber nach Höll bei Wolfegg versetzt worden ist.
  • 5) Wengen, ein k. W. in einer bergigen Lage, mit 21 Einw., aus 2 fürstl. W.-W.-W. und einem Baindt’schen Lehenhof bestehend. Den großen und kleinen Zehenten bezieht die Standesherrschaft, den Novalzehenten aber und ungefähr 1/10 des Großzehentens der Graf v. Erbach-W.-Roth. Der Weiler hat eine Mahl- und eine Sägemühle; letztere wurde 1610 errichtet. 1371 hat Rudger von Humratsried den kleinen Zehenten zu W., welchen sein Ohm, Conrad v. Graben, dem Kloster zu einem Seel-Geräth, gegeben hat, an das Gotteshaus Waldsee übergeben.|
  • 6) Zwings, ein k. W. mit 74 Einw., Filial von Molpertshaus, wo auch die Schule ist, bestehend aus 5 f. Lehengütern, 2 f. Sölden, einem Lehengut der Kirche Molpertshaus und einer eigenthümlichen Sölde. Die großen und kleinen Zehenten bezieht Erbach-W.-Roth. Unterm 21. September 1530 verleiht der Kaiser dem Truchseßen Georg von W. den Zoll zu Röthenbach, Zwings und Einthürnen.