Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart/IX.

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IX. Unterrichts-Anstalten.


Der hiesige Schul-Unterricht ging anfänglich von dem Chor-Stift aus, indem ein Chorherr des Stifts zugleich die Stelle eines Scholastikers und Cantors bekleidete; doch scheint dieser sich nur dem Unterrichte junger Geistlicher gewidmet und einen Lehrgehilfen gehabt zu haben, welcher zuweilen auch Chorherr oder Vikar war, und die damals nur von Knaben besuchte eigentliche Stadt-Schule versah. In diese Kategorie gehörte namentlich der 1387 verstorbene Schulmeister Burkhardt Spieß, welcher den Beinamen „Pfaff“ (Weltgeistlicher) führte. Der später vorkommende Mengold von Klübern, Schulmeister und kaiserlicher Notar, war Chorherr. Das Schulhaus stand anfänglich in dem sogenannten Schulhofe, oben in der Schul-Gasse (s. S. 129). Der Schulmeister hatte schon 1483 einen Provisor und hieß damals auch Rector scholarum oder Paedagogus. Nach der Schul-Ordnung für Stuttgart von 1501 (Sattler H. I. Beil. S. 76) war er von Vogt und Gericht zu ernennen, dem Stift zu präsentiren und von der Regierung zu bestätigen; sein Provisor soll ein guter Baccalaureus, der Cantor ein gelehrter, in Gesang und Musik geübter Mann sein, der auch nach Rücksprache mit dem Sänger im Stifte den Kirchengesang mit seinen Schülern auszuführen hatte. Weitere Lehr-Gehilfen waren die „Locaten“, aus der Zahl geschickter Schüler. Nächst Gesang war Latein so sehr die Hauptsache, daß in der Schule nur diese Sprache geduldet war. – Eine zweite Schule – die erste deutsche Schule wurde 1535 errichtet, als Herzog Ulrich der Stadt das Beguinenhaus bei den hohen Krähen (S. 134) mit dem Rechte, die Schule mit der Herrschaft Wissen zu besetzen, abtrat, wo dann beide Schulen einige Zeit vereinigt blieben. – An der lateinischen Schule stand 1521 der gelehrte Stuttgarter Prediger-Mönch Alexander Marcoleon (Märklin), der mit 3 Gehilfen lehrte; sein Nachfolger (1551–1574) war der eben so tüchtige Johannes Wacker, ein geborener Stuttgarter und Verfasser einer lateinischen Grammatik. Herzog Christoph erhob 1558 die Anstalt zu einem Pädagogium von fünf Classen, welchen H. Ludwig eine sechste beifügte. (Die Ordnung des Pädagogiums s. in der großen Kirchen-Ordnung, Ausgabe von 1559 und 1582). Der Vorsteher hieß Pädagogarch, und hatte mit dem zweiten Lehrer, alljährlich im „Land-Examen“ die Schüler zu prüfen, welche in eine Kloster-Schule aufgenommen werden wollten; die übrigen Lehrer hießen Collaboratoren. Im Jahr 1611 zählte die Anstalt 318 Schüler; die Unterrichts-Stunden waren Sommers von 6–8, 9–11 und 1–3 Uhr. Herzog Friedrich Carl, Administrator und| Obervormund des jungen Herzogs Eberhard Ludwig, erhob 1686 das Pädagogium zu einem Gymnasium mit 7 Classen, wovon 2 mit 5 Professoren und 4jährigem Curs das obere Gymnasium bildeten[1]. Im J. 1796 wurden die achte und neunte Classe, unter Erhöhung der Zahl der Professoren auf 11, errichtet. Im J. 1818, wo die Schülerzahl selten unter 500 war, wurde die Zahl der Lehrer am mittleren und unteren Gymnasium, außer den Hilfs-Lehrern, auf 12 erhöht, die zehnte Classe errichtet und die hienach zu erwähnende Real-Schule ausgeschieden. – Was die deutschen Schulen betrifft, so fügte Herzog Christoph um 1551 der ersten oder „Stürmlins-Schule“ in dem ehemaligen Beguinenhaus unter der Mauer (S. 130) eine zweite, „die Krähen-Schule“ (im städtischen Armbrust-Haus S. 131) bei und errichtete auch, zum Unterricht im Schönschreiben und Rechnen, 1554 hier[2], wie durch die große Kirchen-Ordnung von 1559 in Tübingen und Urach, eine „Modisten-Schule“ auf dem Turnier-Acker. Eine vierte Schule, „die Armen-Kasten-Schule“ für arme Kinder, in der Thurm-Straße, wurde 1750 errichtet. Eine französische Schule wurde 1723 auf Bitte der französischen Gemeinde errichtet, und ging erst um 1824 wieder ganz ein. Außerdem waren, z. B. 1735, sechs Neben-Schulen vorhanden. Die Mädchen wurden zur Zeit der Reformation durch die Beguinen, sowie durch die Ehefrauen der Schulmeister und durch besondere „Schul-Frauen“ unterrichtet. Schon 1441 wird „Els die Schulmeisterin“ genannt; 1686 waren es ihrer 3; noch 1755 wird eine Schul-Frau genannt. Schon im Jahr 1723 waren mit den Neben-Schulen 12 städtische Volks-Schulen vorhanden, 1796 war die Zahl der Schul-Kinder 1456. Durch den Schul-Plan vom 15. Nov. 1797 wurden unter Trennung der Geschlechter eigene Knaben- und Mädchen-Schulen errichtet, die Zahl der Provisoren und der Schulmeister je auf 12 bestimmt und zur| nächsten Aufsicht ein eigener Schul-Inspector aufgestellt. – Die nichtstädtische, bald nach Errichtung der Garnisons-Pfarrei gegründete, evangelische Garnisons-Schule ist in Folge des Gesetzes über die Volks-Schulen vom 29. Sept. 1836 eingegangen. – Von europäischem Rufe war die Carls-Academie[3]. Ursprünglich ein 1770 von Herzog Carl Eugen gegründetes militärisches Waisenhaus auf der Solitude, in welchem nur die schönen Künste gelehrt wurden, 1771 zur „militärischen Pflanz-Schule“ erhoben, und mit weiteren Lehr-Fächern auch Ausländern geöffnet, und 1774 zur „Militär-Academie“ erweitert, wurde die Anstalt 18. Nov. 1775 hierher (in die sog. Academie-Gebäude, S. 159) verlegt und der Unterricht auf fast alle Fächer der Kunst und Wissenschaft ausgedehnt. Kaiser Joseph II., der sie 1777 besuchte, erhob sie am 22. December 1781 zur Hochschule, worin alle Facultäten, mit Ausnahme der Theologie, vertreten waren. Dabei wurden auch Staats-Wirthschaft, Handels-Wissenschaft und Kriegs-Wissenschaft vorgetragen; sogar die bildenden Künste, die Tonkunst, die Schauspiel- und Tanz-Kunst wurden gelehrt. Seit 1774 fanden auch Söhne aus den gebildeten Ständen des Inlandes und Auslandes kostenfreie Aufnahme, und erst später waren, ohne daß es jedoch zur ausschließlichen Regel wurde, Pensions-Gelder zu entrichten. Bald war eine Zeit, wo über 1/3 der älteren Zöglinge aus Fremden von fast allen Theilen Europa’s bestand[4]. Es war auch für den Elementar-Unterricht gesorgt und der Zutritt auch Nicht-Zöglingen gestattet. Die Zöglinge aber, gewöhnlich etwa 300 an der Zahl, wohnten, lernten und speisten gemeinschaftlich in großen Sälen, erholten sich in geräumigen Höfen und einem Garten, wo Jeder sein Stückchen zur freien Benützung hatte. Die Aufsicht und ganze äußere Einrichtung war und blieb militärisch. Der Herzog besuchte (bis 1791) die Anstalt täglich, leitete die Erziehung unmittelbar und wohnte den Vorträgen und Mahlzeiten bei. Aus dieser Schule sind Männer hervorgegangen, die zu den ausgezeichnetsten des Jahrhunderts gehören, sowohl Schiller, Cuvier und| Kielmayer, als Dannecker, Hartmann, Hetsch, Koch, Müller, Scheffauer, Thouret, Wächter und Zumsteeg. Nach des Stifters Tod wurde sie an Ostern 1794 aufgehoben. – Eine weitere Schöpfung Carls war die 1761 im neuen Schloß errichtete Academie der Künste, mit der Bestimmung, theils Gelegenheit zu Erlernung der Malerei, Bildhauerei und Baukunst, theils einen Vereinigungs-Punkt für Künstler und Kunst-Liebhaber darzubieten. In ersterer Hinsicht war sie mit der Carls-Academie verbunden, in der Art, daß sie die Facultät der Künste derselben bildete. Sie hatte einen Haupt-Aufseher, einen Rector, und mehrere öffentliche Lehrer, s. auch oben S. 250. Die Academie der Künste hielt alle drei Monate öffentliche Versammlung und hatte ordentliche und außerordentliche Mitglieder, ging aber mit der Carls-Academie ein. – Was die Carls-Academie der männlichen Jugend war, sollte die von Herzog Carl Eugen 1770 auf der Solitude gegründete, 1775 in das hiesige alte Schloß verlegte, meist aus Töchtern von Offizieren bestehende, école des demoiselles für die weibliche Jugend sein, doch so, daß die Ausbildung für das Theater die Haupt-Bestimmung wurde. Sie ging aber noch vor der Carls-Academie ein. – Eine 1809 im Waisenhaus errichtete Sing-Schule für das Theater, aus welcher manche tüchtige Künstler hervorgingen, wurde 1818 aufgehoben. – Ein 1805 in den ehemaligen Academie-Gebäuden errichtetes Cadetten-Institut war zu Bildung von Edelknaben, künftigen Offizieren und Forst- und Berg-Leuten bestimmt. Es zählte 1809 16 Pagen, 76 Militär- und 8 Berg- und Forst-Cadetten, wovon 54 auf Königliche Kosten erzogen wurden. Die Anstalt wurde 1817 aufgelöst. – Eine andere höhere Lehr-Anstalt, welcher zu Ende des vorigen Jahrhunderts eine Forst-Lehr-Anstalt für die Leibjäger, an der noch 1806 Ober-Forstrath Hartig thätig war, vorangegangen, ist die am 2. Juli 1818 gegründete, mit der Feldjäger-Schwadron verbunden gewesene, Forst-Schule, welche jedoch schon 1820 mit der landwirthschaftlichen Lehr-Anstalt in Hohenheim in Verbindung gesetzt wurde. – Die 1821 errichtete, mit der Landes-Vermessung verbundene K. lithographische Anstalt (S. 257) hatte neben den Cataster-Arbeiten die Bestimmung, die nöthige Zahl der Lithographen selbst zu bilden, und war auf wirkliche Kunst ausgedehnt. Nach Erreichung dieses Zweckes wurde die Lehr-Anstalt noch vor Vollendung der Vermessung aufgehoben. – Von Privat-Anstalten für besondere Zwecke sind die Anatomie, 1764 von Hofmedicus Breyer im Lazareth und die Schule für Geburtshelfer 1786 von Dr. Riecke im Seel-Haus errichtet, zu erwähnen, an welche sich 1788 Vorlesungen für Heb-Ammen| von Leib-Chirurg Klein und Stadt-Chirurg Roßnagel anreihten. – Die Zahl der Privat-Lehrer war schon 1764 38. Eine Privat-Lehr-Anstalt für Mädchen errichtete 1789 Professor Kausler; von größerem Erfolge und längerem Bestande war diejenige, welche 1802 M. Tafinger gründete, neben der das 1810 von M. Rößler gegründete, nachmals Ölenschläger’sche, dann Ramsauersche Institut bestand, aus welchem das Catharinen-Stift hervorgegangen ist.

Die gegenwärtig bestehenden öffentlichen Unterrichts-Anstalten sind

a. Volks-Schulen.
Außer den bei den Armen-Anstalten erwähnten Klein-Kinder-Schulen befinden sich in der Stadt selbst 14 evangelische Volks-Schulen[5], einschließlich der s. g. Mittel-Schule, mit 16 Schulmeistern und 25 Schul-Gehilfen. Sie sind in 2 in neueren Zeiten erbauten, größeren Schul-Gebäuden untergebracht, deren eines 17, das andere 26 Schul-Zimmer, auch je eine Wohnung für einen Schulmeister und einen Famulus begreift. Die Schüler-Zahl belief sich im Jahr 1836 auf 1840, 1844 auf 1970, 1850 auf 2628, 1853 auf 2672. Die auf Kosten des Armenkastens erhaltene Armen-Schule zählte 1853 300 Kinder in 4 Abtheilungen. In allen Schulen, mit Ausnahme der letztgenannten, findet getrennter Unterricht nach Geschlechtern in wöchentlichen 24–26 Stunden Statt, und die Schüler kommen im Laufe der Schulzeit zu 4–5 Lehrern. Die Mittel-Schule hat 2 Abtheilungen (vom 10.–12. und 12.–14. Jahre), jede mit 48–50 Knaben, und 32 Lehrstunden, welche dieselben Fächer, wie die Real-Schule, mit Ausnahme der fremden Sprachen, zum Gegenstande haben. Das Schul-Geld beträgt, außerhalb der Armen-Schule, 3 fl., bei Geschwistern 2 fl. bis 2 fl. 24 kr. jährlich. Der Schul-Fonds ist nach der Rechnung 450 fl. Die Schulmeister beziehen, mit Einrechnung der Wohnung, doch ausschließlich der Belohnung für Organisten- und Cantor-Dienste, 550 fl., die Lehrer an der Mittel-Schule 600 fl. und 700 fl., die Gehilfen, ohne Wohnung, 220 fl. Bei Besetzung der Schul-Stellen hat die Gemeinde nur hinsichtlich der Mittel-Schule, auf welche ihr ein Vorschlagsrecht zusteht, mitzuwirken. Die genannten Schulen stehen unter dem Schul-Inspectorat (S. 266). Der Schulen im Waisenhaus ist S. 358 gedacht. – Die unter dem kathol. Stadt-Pfarr-Amte stehende katholische Schule, jetzt in dem S. 198 erwähnten neuen Gebäude, wurde| 1826 errichtet und hat einen Schulmeister, einen Unterlehrer und einen Gehilfen. Die Schülerzahl war 1840 75, 1846 112, 1849 143, 1853 190. – Die Schul-Stiftungen s. S. 345. – Was die unter den Ortsgeistlichen und dem Stadtdekan stehenden Schulen in den Weilern betrifft, so hat jene in Heslach, die 1663 als Winter-Schule errichtet ward und 1701 20, 1777 110, 1830 193, 1843 279 Schüler zählte, 4 Abtheilungen mit 1 Schulmeister, 2 Unterlehrern und 1 Lehr-Gehilfen mit 327 Schülern. Die Schule in Gablenberg, welche 1809 120, 1815 160 Schüler hatte, ist mit 1 Schulmeister, 1 Unterlehrer und 1 Lehrgehilfen besetzt und zählt in 3 Abtheilungen 259 Schüler. Die Schule in Berg zählt in zwei Abtheilungen unter 1 Schulmeister und 1 Lehr-Gehilfen 178 Schüler. Der Gehalt der Schulmeister ist neben freier Wohnung und nach allen Abzügen in Heslach 385 fl. Gablenberg 360 fl., Berg 280 fl. Das bis jetzt allein noch weniger entsprechende Schulgebäude in Berg wird demnächst umgebaut werden.

Größer ist das vorerst nur für Schüler von 6–14 Jahren eingerichtete Privat-Gymnasium[e 1] mit 4 Classen und je 2 Jahrescursen, mit 1 Director, 3 ordentlichen und 4 außerordentlichen Lehrern. Es wurde 1850 von einem Vereine von 23 Männern, der seine Jahresberichte veröffentlicht, auf Actien mit der Absicht gegründet, „auf dem Grunde des göttlichen Wortes“ eine solide Gymnasialbildung zu schaffen, und zählte 1853 im Ganzen 114 Schüler.

Die Stelle der anderwärts den Volks-Schulen zur Seite gehenden Sonntags-Schule vertritt in der Stadt, ausschließlich der Weiler, die Sonntags-Gewerbeschule (in dem Local der Legions-Kaserne und Realschule), welche den Zweck hat, die Gewerbs-Gehilfen und Lehrlinge an Sonntagen die zu vollkommener Erreichung ihrer Bestimmung erforderlichen wissenschaftlichen Kenntnisse und Fertigkeiten zu lehren; sie wurde unter rühmlichen Bemühungen des Kaufmanns Schweizerbarth, Assessors H. Lotter und Antiquars Heußer 1825 gemeinschaftlich durch die Stadt und die Königliche Central-Leitung des Wohlthätigkeits-Vereins in zwei im Jahre 1828 vereinigten Abtheilungen errichtet und mußte bei ihrem wohlthätigen Einflusse schon nach wenigen Jahren erweitert werden, so daß sie 1832 bereits 365 Schüler zählte. Nunmehr hat sie neun Classen für den wissenschaftlichen Unterricht (deutsche und französische Sprache, Mathematik und Chemie) und 12 Classen für den artistischen Unterricht (Zeichnen und Modelliren). Dazu kommen zwei weitere Classen für junge Weingärtner mit 70–80 Schülern, welche| 1852 der Güterbesitzer-Verein (S. 206) zunächst zu Fortbildung im Rechnen und Schreiben auf seine Kosten gegründet hat. Im October 1853 zählten die erstgedachten Classen 465, die letztern 310 Schüler, worunter beziehungsweise 380 und 276 Lehrlinge. Die 21 Lehrer gehören zugleich andern Anstalten an. In die Kosten (1852 1787 fl. 45 kr.) theilen sich die Stadt und die Central-Leitung mit etwa einer und durch Abtretung von Gebühren beim Ein- und Aus-Schreiben der Lehrlinge die Zünfte mit der andern Hälfte. Die Königin gibt einen Jahres-Beitrag von 33 fl. Die Arbeiten der Schüler werden bei den Prüfungen öffentlich ausgestellt.

Für Solche, welche sich weiter ausbilden wollen, als in den vorgedachten Sonntags-Schulen möglich ist, besteht seit 9. Januar 1854 eine erweiterte gewerbliche Fortbildungs-Schule. Sie hat ihr Local in dem Gebäude der polytechnischen Schule, wird unter Aufsicht einer Königl. Commission und eines gemeinschaftlichen Schulraths auf Kosten des Staats und der Gemeinde erhalten und hat einen untern Curs für Lehrlinge und einen durch gewisse Vorkenntnisse bedingten obern Curs für Gehilfen und junge Meister, sowie eine neuerlich abgesonderte Abtheilung für Handlungs-Lehrlinge. Lehrgegenstände sind: Buchführung, Zeichnen, Mathematik, Geometrie, gewerbliche Physik, gewerbliche Chemie und französische und englische Sprache. Die Schule wurde mit 250 Schülern meist reiferen Alters eröffnet und verspricht einen guten Fortgang. Die Zahl der Lehrer, die übrigens meistens ihren Hauptberuf an der Königl. polytechnischen Schule haben, ist vorerst neun. Der Unterricht wird alle Abende von 8–10 Uhr gegeben; der Jahres-Curs dauert neun Monate. Das Schulgeld beträgt vorerst 4 fl., beziehungsweise 6 fl. Der Local-Gewerbe-Verein ist für unentgeldliche Aufnahme braver mittelloser Leute besorgt.

b. Höhere Schulen.

Unter der unmittelbaren Leitung des Königl. Studienraths stehen folgende allgemeine und Fach-Bildungs-Anstalten:

Die altberühmte Gymnasial-Anstalt, in den S. 175 angegebenen Gebäuden untergebracht, welche früher in zehn Classen, aus den untern, mittlern und obern Abtheilungen bestand, hat nach der neuern Einrichtung 16 Classen, wovon vier die obere und zwölf die untere Abtheilung bilden. Die Schülerzahl beider Abtheilungen, welche im Jahr 1820 541 betrug, stellte sich im Sommer-Halbjahr 1853 auf 519. Vorstand, zugleich Inspector der lateinischen Schulen des Neckarkreises, ist der Rector (1800 fl. Gehalt und Amtswohnung). Die Classenlehrer am untern und| mittlern Gymnasium (Präceptoren, Oberpräceptoren und Professoren) sind je zwei mit 1200 fl., 1100 fl., 1000 fl., 900 fl., 800 fl. und 700 fl. besoldet. Dazu kommen 3 Lehrer der französischen Sprache, der Arithmetik und des Schönschreibens mit je 600 fl., ein Vicar (300 fl.) und einige Hilfslehrer für den Gesang. Die Zahl der am obern Gymnasium stehenden Hauptlehrer (Professoren) wurde 1853 von 9 auf 7 herabgesetzt und 2 dieser Stellen mit 1600 fl., 3 mit 1500 fl. und 2 mit 1400 fl. Gehalt ausgestattet, auch ein eigener Vicar (500 fl.) bestellt. Dazu kommen ein Lehrer der französischen Sprache (900 fl.), ein Lehrer der Naturgeschichte (600 fl.) und ein Hilfslehrer für die englische Sprache. – An Lehrmitteln sind, neben den Intercalar-Gefällen erledigter Lehrstellen, 600 fl. jährlich ausgesetzt, wovon 150 fl. für die Bibliothek. Den ganzen Aufwand bestreitet mit wenigen Ausnahmen der Staat. Das Schulgeld beträgt für die untere und mittlere Abtheilung 20 fl., für die obere 22 fl. und 30 kr. Bibliothek-Beitrag. Für ärmere Schüler bestehen in der untern und mittlern Abtheilung 15 und in der obern 7 „Gratianer Portionen“, welche sich von 1/3 bis zum ganzen Betrage des Schulgeldes belaufen. – Die Stiftungen s. o. S. 345. Die Bibliothek zählt gegen 5000 Bände. Auch sind für den Unterricht in der Chemie, Physik und Naturgeschichte genügende Apparate und Sammlungen vorhanden.

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Die Realschule[6] (größern Theils in dem S. 175 erwähnten Gebäude) wurde 1795 gegründet und lief mit der mittlern Abtheilung des Gymnasiums parallel. Zu Erweiterung der Anstalt wurde sie 15. Oct. 1818 vom dem Gymnasium getrennt und unter einen eigenen Rector gestellt, so daß sie, als 1829 eine Gewerbe-Schule mit ihr verbunden ward, 8 Classen hatte. Bei der 1833 geschehenen Lostrennung der Gewerbe-Schule und der 1845 erfolgten Gründung der Ober-Realschule erhielt die Anstalt die noch jetzt bestehende Einrichtung, wonach sie in eine obere und untere Abtheilung zerfällt. Sie hatte 1820 180, 1830 331, 1840 510, 1845 561 Schüler. – Die untere Realschule, für Schüler bis zum 14. Jahre bestimmt, hat 6 Jahres-Curse mit 21 Classen und 718 Schülern, worunter 79 Nicht-Stuttgarter. Der Leitung durch den Kgl. Studienrath unbeschadet ist der städtischen Behörde Gelegenheit gegeben, bei Besetzung der Lehrer-Stellen ihre Erinnerungen und Wünsche auszusprechen. Der Rector hat 1600 fl.| Gehalt und 300 fl. für Wohnung: die 21 Hauptlehrer (Real-Lehrer, Oberreal-Lehrer und Professoren) haben 700–1200 fl. Gehalt. Dazu kommen ein Vicar und 7 Hilfslehrer. Zu Lehrmitteln sind außer den Intercalar-Gefällen von erledigten Lehrstellen 240 fl. bestimmt. Das Schulgeld beträgt in den drei ersten Classen 16 fl., in den übrigen 18 fl. Befreiungen vom Schulgelde finden bis zu 1/15 der gesammten Schulgeld-Einnahme Statt. Die Kosten der Anstalt werden in der Art bestritten, daß die Stadt einen ordentlichen Beitrag von 300 fl. und der Staat einen Zuschuß bis zum Jahres-Betrage von 5400 fl. geben, jeder weitere Aufwand aber von der Stadt zu bestreiten ist. Die Hälfte der Besoldungen kann durch das Schulgeld bestritten werden. – Die Ober-Realschule besteht aus zwei Classen mit drei Haupt- und einigen Hilfs-Lehrern, einem einjährigen Vorbereitungs-Curse für die polytechnische Schule und einem zweijährigen Curse für Solche, welche ohne diese die für eine bessere gewerbliche Bildung dienlichen Kenntnisse, hauptsächlich in Physik, Mechanik und Chemie, erwerben wollen. Die Schülerzahl ist 66, worunter 26 Nicht-Stuttgarter. Die Gehalte der Hauptlehrer sind 1200 fl., 1100 fl. und 1000 fl. Für Lehrmittel sind 100 fl. ausgesetzt. Das Schulgeld beträgt beziehungsweise 20 fl. und 25 fl. Die Befreiungen davon können bis zu 1/10 des gesammten Unterrichtsgeldes betragen. Die Kosten hat, unter einem jährlichen Beitrag des Staats von 1800 fl., die Stadt zu bestreiten. Die Lehrer-Bibliothek hat 887, die Bibliothek der Schüler 875 Bände. Die Sammlungen und Lehrapparate sind von genügender Zahl und Beschaffenheit.

Zu Vorbereitung auf das Gymnasium und die Realschule besteht seit 22. März 1817 eine Elementar-Schule, in dem ehemaligen Stadtschreiberei-Gebäude. Nach der Organisation vom 18. Juni 1835 hat diese Anstalt zwei Jahres-Curse mit je vier Parallel-Abtheilungen und acht vom König ernannten Hauptlehrern. Vorstand ist der Rector der Realschule. Die Schülerzahl war 1820 80, 1845 306, 1853 293. Die Lehrer haben 600 und 500 fl. Gehalt. Den ganzen Aufwand hat wie bei den Volks-Schulen die Stadt zu tragen. Das Schulgeld beträgt beziehungsweise 12 und 14 fl. Stipendien bestehen nicht. Arme fleißige Schüler werden bisweilen durch den Stadtrath von dem Schulgeld freigesprochen.

Die polytechnische Schule, aus der Realschule hervorgegangen, seit 1829 eine mit der Kunst-Lehranstalt verbundene Gewerbe-Schule, wurde, um den raschen Fortschritten in jeder Art der Technik mehr zu genügen, 25. Sept. 1832 zu einer selbstständigen| Anstalt enhoben. Im Jahre 1838 wurde die Zahl der Jahres-Curse von 3 auf 4 erhöht und eine Lehrstelle für Handelsfächer errichtet; 1840 erhielt die Anstalt ihre jetzige Benennung, und es wurde zugleich durch Überlassung des elementaren Unterrichtes an die Realschule die Zeit des Eintritts auf das 15. Jahr vorgerückt; 1845 wurde, unter Ausscheidung der Winter-Baugewerke-Schule, ein fünfter Curs errichtet. – Die Schule ist Staats-Anstalt, die Spitze aller gewerblichen Bildungs-Anstalten des Landes, und hat, unbeschadet ihrer Leitung durch den K. Studienrath, einen Schulrath von Industriellen. Die ordentlichen Schüler haben eine Aufnahme-Prüfung zu erstehen und durchlaufen in der Regel sämmtliche 5 Classen, wovon die beiden letzten ausschließlich der practischen Richtung gewidmet und als Fach-Schulen zu betrachten sind. – Die Fächer, für welche die ordentlichen Schüler umfassenden Unterricht erhalten, wenn sie alle Classen durchlaufen, sind: a) Hochbau, b) Straßen-, Brücken- und Eisenbahn-Bau, c) Mechanik und Maschinenbau, d) Technische und pharmaceutische Chemie, Mineralogie in Verbindung mit Natur-Wissenschaften, e) das Lehrfach für Real-, Oberreal- und Zeichnungs-Schulen, f) das Berg- und Hütten-Wesen. Den Handelszöglingen wird ein mit der ersten Classe gleichlaufender Unterricht ertheilt. Künftige Forstleute, Militärs, Künstler u. dgl. können an dem einen oder andern höhern Curs als außerordentliche Zöglinge Theil nehmen. – An der Anstalt stehen: ein Vorstand (mit 1800 fl. Gehalt und 300 fl. Entschädigung für Wohnung), 11 ordentliche Lehrer (zu 1400 fl., 1300 fl., 1200 fl. und 1100 fl. Gehalt): für Mathematik (2), Naturgeschichte, Physik und Mechanik, Chemie, Hoch-Baukunde, praktische Mechanik, und für Straßen-, Brücken- und Wasser-Bau; 1 artistischer Hauptlehrer, 1 Hauptlehrer für Handelsfächer, 5 außerordentliche Professoren, 6 Hilfslehrer und 5 Repetenten oder Assistenten. Für Lehrmittel sind 3050 fl., wovon 700 fl. für die Bibliothek, jährlich ausgesetzt. Die Zahl der Schüler bewegt sich seit 1845 zwischen 150 und 200, wovon 20–30 Ausländer. Das Unterrichtsgeld beträgt 30 fl. für die ordentlichen Schüler. Die Summe des Nachlasses kann bis zu 1/10 des gesammten Unterrichtsgeldes betragen. Die Stipendien s. S. 345. Die Bibliothek, obgleich nur einige tausend Bände stark, ist sehr werthvoll. Außerdem sind vorhanden: ein umfassendes physikalisches Cabinet, Sammlungen von mathematischen Instrumenten, Bau- und Maschinen-Modellen, Baumaterialien; sehr bedeutende, theilweise ausgezeichnete, Naturalien-Sammlungen; eine Waaren- und Producten-Sammlung; eine reiche Sammlung von Gypsabgüssen und Ornamenten; Vorlegeblätter aus dem Gebiete der Baukunst;| Sammlungen von Kupferwerken, Hütten-Producten etc. Das neue chemische Laboratorium an dem Alleenplatz, die mechanische und die Holzmodellir-Werkstätte, der Modellir-Saal und der freilich kleine botanische Garten hinter dem Lehr-Gebäude sind zweckmäßig eingerichtet und ausgestattet.

Die Winter-Baugewerkeschule[7] (im Local der ehemaligen Legions-Kaserne) hat die Bestimmung, den Zöglingen derjenigen Gewerbe, welche in das Baufach einschlagen, in den Wintermonaten Unterricht in den für ihre bessere gewerbliche Ausbildung dienlichen Fächern zu ertheilen. Im J. 1832 gegründet und bis 1836 mit der Sonntags-Gewerbeschule, dann bis 1845 mit der polytechnischen Schule verbunden, besteht sie seit 1848 aus 4 Classen mit einem eigenen Vorstande, indeß die Lehrer auch hier zugleich andern Anstalten angehören. Die Schülerzahl war 1851/52 102, 1852/53 98, meist in einem Alter von 16 bis 22 Jahren. Aus der Stadt sind 20–25, aus dem Neckarkreise 25–30, aus den übrigen Kreisen je 15 Procent. Etwa 60 Procent sind Steinhauer; ebenso viele haben früher Realschulen und Gymnasien besucht. An dem Unterricht im Ornamentenzeichnen und Modelliren können auch Zöglinge anderer Gewerbe Theil nehmen. Für Lehrmittel sind 150 fl. ausgesetzt. Die Stadt gibt einen jährlichen Beitrag von 800 fl.; die übrigen Kosten trägt der Staat. Das Unterrichtsgeld ist 12 fl. Stipendien sind nicht vorhanden; doch kann statt solcher 1/10 der Schulgeld-Einnahme verwendet werden. Bei dem jährlichen Schlusse der Schule findet eine Ausstellung der von den Schülern gefertigten Zeichnungen und Modelle Statt. Die bessern Schüler können die Meisterprüfung erster Classe erstehen.

Unter der Direction der K. Kunst-Schule steht: die Kunstlehranstalt (im Museum der bildenden Künste S. 172), mit der Bestimmung, die im artistischen Theile der polytechnischen Schule oder anderwärts bereits entwickelten und erwiesenen Naturanlagen zu den bildenden Künsten, sowohl in Beziehung auf Gewerbszöglinge, als in Beziehung auf Zöglinge der höheren Kunst, weiter zu befördern. Sie stand, wie schon bemerkt, bis 1832 mit der Gewerbeschule in Verbindung, und bildet einen Theil der Staatskunstanstalt. Ihre Schüler von 16–25 Jahren erhalten in 3 den obern Gymnasien und theilweise der höheren Abtheilung der polytechnischen Schule zur Seite stehenden Alters- und Fortschritts-Classen Anleitung im Zeichnen und plastischen Modelliren nach Mustern| und nach der Natur, und in einer den Zöglingen der bildenden Kunst ausschließlich gewidmeten höheren Abtheilung in der Historien-, Genre- und Landschafts-Malerei und in der Plastik. Für ihre wissenschaftliche Bildung bestehen Vorträge in der Muskellehre, Perspective und Schattenlehre und in der Kunst-Geschichte. Auch werden ihre Lecture und wissenschaftlichen Vorstudien mittelst eines mit der Schulbibliothek verbundenen Lese-Instituts geleitet und die Kunst-Sammlungen des Staats für den Unterricht sowohl, als für das Selbststudium benützt. Die Zahl der Hauptlehrer, wovon einer das Vorsteheramt bekleidet, ist 4, die der Zöglinge, einschließlich der Hospitanten, durchschnittlich 35. Mit der Jahresprüfung und Preisvertheilung ist seit 1852 die festliche Ausstellung der Prüfungsarbeiten verbunden.

Mit dem Theater steht eine dramatische und eine Sing-Schule, für den unentgeldlichen Unterricht begabter erwachsener Personen beiderlei Geschlechts, in Verbindung.

Mit dem Waisenhause ist seit 1840 eine Schullehrer-Bildungsanstalt verbunden, welche 3 Jahrescurse mit je 12 Zöglingen evangelischer Confession hat. In jedem Jahrescurs befinden sich 4 frühere Waisenhauszöglinge, die auch als Schulamtszöglinge nach allen Theilen auf Kosten des Waisenhauses unterhalten werden; die 8 übrigen kommen von auswärts her, und haben Kost, Kleidung und Lernmittel selbst zu bestreiten, erhalten aber hiezu einen jährlichen Staatsbeitrag von 50 fl. An dieser Anstalt stehen, unter dem Oberinspector des Waisenhauses, ein Oberlehrer und ein Unterlehrer, und sind auch die Lehrer des letztern dabei thätig.

Das Catharinen-Stift, Nr. 34 u. 36 der Friedrichsstraße, mit einem hübschen theilweise durch den König 1853 erkauften Garten, ist eine Anstalt für die Erziehung und den Unterricht der weiblichen Jugend aus den gebildeten Ständen, welche hier nach einem festgesetzten Lehr- und Erziehungs-Plane (Reg.Bl. 1818 S. 381) eine der weiblichen Bestimmung angemessene Bildung erhält. Sie wurde durch die höchstselige Königin Catharina, unter Beirath des Rectors v. Zoller, aus den S. 377 erwähnten Privatanstalten, welche dem Bedürfnisse nicht mehr entsprachen, gegründet, 17. August 1818 mit 7 Classen und 203 Schülerinnen eröffnet, und unter die unmittelbare Leitung der Königin gestellt. Nach Catharina’s Tod übernahm der König die Sorge für die Anstalt, und es trat auf Seinen Wunsch 15. October 1821 die Königin Pauline als Beschützerin an die Spitze derselben. – Die Anstalt steht unter dem besondern Schutze Ihrer Königlichen Majestäten. Die Oberaufsicht| ist einem königlichen Commissär übertragen, und ein aus der Mitte der Eltern der Schülerinnen gewählter Ausschuß bewacht das Gedeihen der Anstalt. Ein Staatsbeitrag von 2000 fl. wurde 1. Januar 1849 zurückgezogen; den Ausfall in den Kosten deckt die K. Ober-Hofkasse. Die Unterrichts-Anstalt zählt 8 Classen, und für Kinder von 6–7 Jahren eine Vorclasse, und hat einen Rector, 4 Hauptlehrer, mehrere Hilfslehrer und 8 Lehrerinnen und Classen-Aufseherinnen. Die Zahl der Schülerinnen ist seit 1845 nie unter 300, dermalen (1853) 345. Das Unterrichtsgeld beträgt jährlich 20 bis 50 fl., bei Geschwistern 16 bis 40 fl. Es ist ein physikalisches Cabinet, eine geognostische, eine oryctognostische und eine Conchylien-Sammlung und eine Bibliothek von etwa 2000 Bänden vorhanden. Die Tafinger’sche Stiftung s. S. 345. – An der Erziehungs-Anstalt stehen eine Vorsteherin und 5 Gouvernanten. Die Zöglinge, welche übrigens die Unterrichts-Anstalt besuchen, haben, wenn sie Inländerinnen sind, 400 fl., im andern Falle 450 fl. jährlich zu entrichten; bei Geschwistern ist die Summe um 50 fl. geringer. Die Zahl der Zöglinge ist gegenwärtig 30.

An größeren Privat-Anstalten für den weiblichen Unterricht sind vorhanden: die Jauß’sche, seit 1833, mit 8 Classen, 8 Lehrern, 6 Lehrerinnen und 324 Schülerinnen; die Kölle’sche, seit 1840, mit 7 Classen, 6 Lehrern, 3 Lehrerinnen und 140 Schülerinnen; die Weidle’sche, seit 1841, mit 9 Classen, 7 Lehrern, 5 Lehrerinnen und 244 Schülerinnen; und die Wetzel’sche, seit 1849, mit 6 Classen, 5 Lehrern, 3 Lehrerinnen und 235 Schülerinnen.

c. Specielle Bildungs-Anstalten.
In der mit der Gebäranstalt im Catharinen-Hospital verbundenen, 1. März 1828 eröffneten Hebammenschule, welche seit der am 3. April 1847 erfolgten Aufhebung der Tübinger Hebammenschule für den Schwarzwald- und Donau-Kreis das ganze Land begreift, findet, nach einer vorläufigen Prüfung durch den Oberamtsarzt, jede Württembergerin Aufnahme, welche entweder auf eigene Rechnung, oder auf Kosten ihrer Gemeinde die Hebammenkunst erlernen will. Der Unterricht ist unentgeldlich und wird von 2 Hauptlehrern und 2 Hebammen in dem Lehrsaale des Catharinen-Hospitals ertheilt. Jährlich finden 4 Curse von je 12 Wochen und 25 Schülerinnen Statt, an deren Schluß diese geprüft und, wenn sie bestanden, zur Praxis ermächtigt werden. Sie haben, mit Ausnahme einer Woche, die jede bei einer Wöchnerin zubringt, für Wohnung und Verpflegung, welche die Anstalt nach| einer alljährlich zu regelnden Taxe für sie außerhalb des Hauses besorgt, Ersatz zu leisten, ausschließlich der dem Oberamtsbezirk Ulm Angehörigen, für welche dieser ein Aversum entrichtet. Von 1828 bis Ende 1852/53 wurden in 73 Cursen 1412 Schülerinnen unterrichtet. Die nächste Leitung der Anstalt hat der erste Hauptlehrer mit dem Verwalter des Catharinen-Hospitals, unter der Oberleitung der Kreisregierung.

Die 1827 von Schullehrer Wagner errichtete, seit 1850 unter Leitung und Verwaltung eines Vereines und dem Protectorat der Frau Kronprinzessin stehende, Blinden-Anstalt nimmt arme blinde Kinder von hier und dem Land auf, um denselben bis zum 14. Lebensjahre Schulbildung und bürgerliche Brauchbarkeit zu ertheilen. Ihre Einnahmen (1500–2000 fl.) fließen nächst einem Staatsbeitrage von 100–150 fl. aus der Privatwohlthätigkeit[8], namentlich der Königlichen Familie. Die Anstalt besitzt ein Capitalvermögen von 2958 fl. und einen Garten. Im J. 1853 waren 12 Pfleglinge, worunter 9 männlichen Geschlechtes, vorhanden, von welchen 3 unentgeldlich und 3 gegen theilweises Kostgeld verpflegt wurden.

Die Thierarznei-Schule[9] wurde zu Ende des Jahres 1821 eröffnet und hat die Bestimmung: praktische Thierärzte sowohl für den Civil- als Militär-Dienst zu bilden. Sie befindet sich in einem Theile der früheren K. Menagerie-Gebäude, zwischen dem sogenannten Stöckachweg und der nach Canstatt führenden Hauptstraße. Das Parterre des Hauptgebäudes enthält vornämlich einen amphitheatralisch eingerichteten Saal zu Vorträgen über Anatomie u. s. w.; der zweite Stock den gewöhnlichen Hörsaal, den Schlafsaal für die Civil-Zöglinge, das Bibliothekzimmer, eine Lehrers-Wohnung und einen Saal für die anatomische Sammlung. Die Operations- und Beschlag-Wand ist in Hördt’s Lehrbuch des Hufbeschlags (Stuttgart 1829) beschrieben und abgebildet. Außer einigen andern Gebäuden, Stallungen etc. gehört zu der Anstalt ein etwa 4 Morgen großer, mit Obstbäumen bepflanzter und durch Stangen in 13 Abtheilungen oder Koppeln getheilter, Weideplatz, welcher grünes Futter liefert, und zum Aufenthalt kranker Pferde im Freien| benützt wird. – Der Unterrichtsplan war früher, um dem Mangel an Local-Thierärzten möglichst schnell abzuhelfen, auf einen Jahrescursus eingerichtet; seit 1842 aber ist er auf 2 Jahre ausgedehnt. Die der Fassungskraft und den Vorkenntnissen der Schüler angemessenen Vorträge erstrecken sich über die Fächer: Anatomie, Physiologie, Operationslehre, Hausthiere-Zucht und Diätetik, Arzneimittellehre, Chirurgie, allgemeine und specielle Pathologie und Therapie, äußern Bau des Pferdes, theoretischen und praktischen Hufbeschlag, pathologische Anatomie, gerichtliche und polizeiliche Thierheilkunde, Geburtshilfe, Klinik. (Über die Klinik der Anstalt s. S. 332.) Für Inländer ist der Unterricht frei; Ausländer haben halbjährlich 5 fl. dafür zu entrichten. Über die Mehrzahl der Vorträge werden Repetitionen in der Form von Examinatorien gehalten. Die Ferien beginnen in der Mitte des Monats September und dauern bis zu Anfang November. – In der Schmiede, wo jährlich 300–400 Pferde beschlagen werden, haben nicht nur diejenigen Zöglinge, welche das Hufschmied-Gewerbe erlernt, Gelegenheit, ihre Kenntnisse zu vermehren (durch Schmieden von Hufeisen und Beschlagen von Pferden unter Aufsicht des Beschlaglehrers), sondern auch die Nichtschmiede erhalten Anleitung, um Hufeisen abnehmen, aufrichten und aufnageln zu lernen. Die ersteren sind, wenn sie die Lehrvorträge der Thierarzneischule besucht und nach vorangegangener Prüfung Zeugnisse ihrer Tüchtigkeit als Thierärzte und Hufschmiede erhalten haben, von der für die Hufschmiede eingeführten Meisterprüfung befreit. Von Sammlungen besitzt die Schule: eine Bibliothek mit 1320 Werken thierärztlichen, medicinischen, naturwissenschaftlichen und landwirthschaftlichen Inhalts; eine Sammlung physikalischer, chirurgischer Instrumente; eine solche von Hufeisen, und eine anatomische und pathologische Sammlung. Der Aufnahme geht eine Prüfung in den nöthigen Schulkenntnissen voran. Für 12 Civil-Zöglinge, welche in der Anstalt wohnen wollen, sind in dem Schlafsaal 12 Betten nebst dem dazu gehörigen Weißzeug zur unentgeldlichen Benützung vorhanden. Die Militär-Zöglinge wohnen in der Kaserne des Reiter-Regiments. Als Hospitanten werden sowohl Inländer als Ausländer zur Theilnahme am Unterricht in für sie geeigneten Fächern zugelassen. Von 1821/53 war die Schule von 1236 Schülern besucht. Die geringste Zahl betrug 20, die höchste 64. Am Ende eines Lehrcursus wird mit denjenigen Zöglingen, welche die Anstalt 2 Jahre besucht hatten, eine Prüfung vorgenommen, und die tüchtig befundenen mit einem Zeugniß nach den drei Stufen I. Classe: sehr gute, II. Classe: gute, III. Classe: zureichende Kenntnisse, entlassen. – Die ordentlichen Lehrer der Anstalt bilden ein Collegium als| „Vorsteher der K. Thierarznei-Schule“. Die Anstalt steht rücksichtlich der Verwaltung unmittelbar unter dem Ministerium des Kirchen- und Schul-Wesens, in wissenschaftlicher Hinsicht zunächst unter dem Medicinal-Collegium. Das Budget ist mit Einschluß einiger, jedoch unbedeutender, Neben-Einnahmen 5700 fl. Das Personal der Schule besteht gegenwärtig aus 4 ordentlichen Lehrern, einem außerordentlichen und einem Lehrer des Hufbeschlags, welcher zugleich Öconom und Aufseher der Anstalt ist.

Zu wissenschaftlicher Ausbildung der Militär-Unterärzte der Garnison besteht seit 1801 (im Militär-Hospital) eine Lehr-Anstalt, in welcher die Regiments-Ärzte Vorlesungen über Anatomie an Leichen, praktische Gegenstände der Chirurgie, militärischen Sanitätsdienst etc. halten. An dem Unterrichte können auch andere Chirurgen frei und unentgeldlich Theil nehmen, wovon etwa 20 Gebrauch machen. Für Künstler und Gewerbeschüler werden abgesonderte Vorlesungen auf der Anatomie des Militär-Hospitals gehalten. Die Anstalt besitzt eine pathologische Sammlung, und eine von Dr. Frank gestiftete chirurgische Bibliothek. – Auch von einigen städtischen Wundärzten wird jungen Chirurgen wissenschaftlicher Unterricht (im Bürger-Hospital) unentgeldlich ertheilt.

Von Privat-Anstalten sind zunächst die beiden Vorschulen zur Elementarschule von Bauzenberger und Kerner zu erwähnen.

Eine Handelslehranstalt mit einjährigem Curs, dermalen 16 Schüler zählend, hat 1844 F. W. Steinbuch errichtet. Eine Bauzeichnungsschule hat Architect Arnet; eine Maler- und Zeichnungs-Schule Obach. Eine 1830 gegründete Reitschule besitzt Bereiter Fritz. Größere Musiklehranstalten haben Hofsänger Schucker, Bossert und Zweigle. Hofrath Schilling hat eine Bildungs-Anstalt für künftige Musiklehrer, wo die Musik in ihrem ganzen Umfange gelehrt wird. Die Zahl der Privatlehrer in allen Zweigen der Wissenschaften und Künste (S. 64) genügt dem Bedürfnisse vollkommen.

Die Haupt-Summe der Schüler und Schülerinnen in den hier erwähnten Anstalten ist zu 8200 anzunehmen. Über die mit wohlthätigen Anstalten und Vereinen verbundenen Schulen mit etwa 2500 Kindern s. Abschnitt VIII.


  1. S. Fundation und Ordnung des neu aufgerichteten fürstlichen Gymnasii zu Stuttgart, anno 1686, 4. Auf die Feier des Jubiläums 13. Septbr. 1786 wurden zwei goldene Münzen mit den Brust-Bildern des Stifters und des Herzogs Carl Eugen geschlagen. Im Übrigen zu vergl. Schwäbisches Museum 1776. S. 523. B. Haug, histor. literar. Gymnasii illustris Stuttgardiani etc. 1786. 8. – J. W. Camerer, Beitr. z. Gesch. des Stuttg. Gymn. 1834. 8. – Die alljährlichen im Druck erscheinenden Gymnasial-Programme, namentlich auf 1830 und 1831. – Die Stadt hatte ursprünglich den ersten lat. Lehrer und die beiden Provisoren zu besolden. Bei Errichtung des Gymnasiums wurde (nach Pfaff) der Besoldungs-Beitrag der Stadt auf 311 fl. und 12 E. Wein festgesetzt, wozu 1714 noch 4 Kl. Brennholz kamen. (S. auch oben S. 268 u. 270.)
  2. „Damit man anstatt der Sudler bey der Canzley vnd sonst im Fürstenthumb bessere Schreiber ziehen möge, vnd Ihre Fürstliche Gnaden des Sudlens sich bey andern Fürsten vnd Herrn nit schämen müßen“.
  3. S. Beschreibung des Säcular-Festes der Geburt Herzogs Carl etc. in Paulus Sophronizon 1828. II. S. 3 etc. und Schlözers Briefwechsel V. 109. 149. 331. VI. 274.
  4. In der Zeit von 1770 bis 1793 war die Zahl der Zöglinge 1496, die der Studirenden aus der Stadt 462, zusammen 1958; darunter Württemberger 1004, Mömpelgarder 63, aus anderen Theilen Frankreichs 90, aus den österreichischen Staaten 49, aus anderen deutschen Ländern 571, Schweizer 68, Russen 38, Polen 19, Engländer 22, Italiener 9, Holländer 4, Dänen 3, Schweden 2, Griechen 2, Ostindier 7, Westindier 5.
  5. Nach Mittheilungen des Schul-Inspectors, Diaconus Heigelin.
  6. Vergl. Kieser, die Realschule in Stuttgart, ihre Entwicklung etc. Stuttgart 1846.
  7. Nach Mittheilungen von dem Vorsteher, Professor Egle.
  8. Größere Beiträge sind: 1000 fl. vom Staat, 600 fl. von der Centralleitung des Wohlthätigkeits-Vereins, 600 fl. von dem Könige, 990 fl. von der Königin, 1605 fl. von der Frau Kronprinzessin, 100 fl. von der Königin von Holland, 175 fl. von den Großfürsten Nicolaus und Michael von Rußland, 300 fl. von Kaufmann J. Ch. Haueisen, 200 fl. von Kronmobil.-Verwalter Richard, 1000 fl. von Hofbank-Kassier Götz, 300 fl. von Cath. Mack, ledig.
  9. S. Hering: die K. württ. Thierarznei-Schule. Stuttgart 1847.
Berichtigungen und Ergänzungen
  1. Korrigiert nach Seite VI: Dasselbe hätte dem K. Gymnasium S. 380 angereiht werden sollen.


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