Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart/X.

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X. Wissenschaftliche und Kunst-Sammlungen.


Wie an Schulen und Anstalten für den Elementar-, technischen und gelehrten Unterricht, deren letztere von Auswärtigen fast eben so stark, als von Einheimischen besucht werden, so ist Stuttgart auch| reich an Sammlungen, welche der Bildung des Verstandes und Geschmackes und des Kunstfleißes förderlich sind.
A. Wissenschaftliche Sammlungen.

Die Königliche Handbibliothek (Privat-Bibliothek[1] in den Schloßnebengebäuden (oben S. 159), in ihrer jetzigen Aufstellung gegründet von dem verewigten König Friedrich im J. 1810, gehört zur Königl. Krondotation und enthält, mit Einschluß der dem katholischen Convicte zu Tübingen lehnungsweise überlassenen Werke theologischen Inhalts (10.000 Bände), über 54.000 gedruckte Bücher und gegen 800 Handschriften, wovon etwa 260 auf Pergament und mehrere von hohem Alter und seltenem Werthe. Die Sammlung ist alphabetisch und nach Wissenschaften geordnet und in 174 großen Glasschränken aufgestellt und zeichnet sich aus durch eine große Zahl seltener und kostbarer Werke, vornehmlich aus den Gebieten der Länder- und Völker-Kunde, der Natur- und Kunst-Geschichte, der Geschichte im Allgemeinen und der Kriegswissenschaften. Ihre Benützung hängt von Königlicher Erlaubniß ab. – Die andern gleichfalls zur Kgl. Krondotation gehörigen und mit der Bibliothek in Verbindung stehenden Sammlungen sind: 1) die Kupferstich-Sammlung, die, dem Museum der bildenden Künste geliehen, in dessen Localen aufbewahrt wird, und 2) das Karten- und Plan-Cabinet mit etwa 1800 Nummern, das – in den Schloß-Neben-Gebäuden aufgestellt – unter der Direction des ersten Adjutanten Sr. Maj. des Königs steht.

Die Kgl. öffentliche Bibliothek in dem S. 171 erwähnten Gebäude wurde von dem Herzog Carl Eugen 1765 in Ludwigsburg gestiftet, 1775 nach Stuttgart verpflanzt und hier durch die Aufnahme der Bibliotheken mehrerer Collegien, 1785 durch Erwerbung der aus 25.000 Bänden bestehenden Bibliothek des Consistorialdirectors Frommann etc. beträchtlich erweitert. Die gedruckten Bücher füllen zwölf, an Größe und innerer Einrichtung ziemlich gleiche Säle und drei Zimmer im zweiten Stock des Mittelbaues, in dessen erstem Stock sich auch der Handschriften-Saal befindet. Gleichfalls im ersten Stock des Mittelbaues ist der Lesesaal, an welchen die für den Bibliothekdienst bestimmten Zimmer anstoßen.

Die Zahl der Bände gedruckter Werke beträgt 200.000 (worunter gegen 2300 Incunabeln u. 8700 Bibeln). Die Zahl der Handschriften beläuft sich auf beinahe 3600, die der Dissertationen und kleinen Schriften auf 120.000, zusammen über 330.000 Nummern. Einzig in der Christenheit ist die Bibelsammlung, deren Grundstock (5000 Bibeln in über 6000 Bänden) der Herzog Carl 1781 in| Kopenhagen von dem dortigen Pastor Lork erkaufte. Seltenheiten ersten Ranges sind das Fust- und Schöffer’sche Psalterium von 1457, das Gutenbergische Catholicon von Johannes Balbus 1460, die Fust’schen Ciceronis officia et paradoxa 1466 auf Pergament, der Schöffer’sche Mammetrectus 1470 – alle diese vier Incunabeln in Mainz gedruckt –, Buch der Byspel der alten Weisen (auf Veranstaltung Eberhards im Bart um 1480 von Conrad Fyner zu Urach gedruckt), Beschreibung der römischen Königswahl Maximilian I. Stuttgart (wohl 1486, erster Stuttgarter Druck), der 4. Band von Rudbeck Atlantica, ferner, wenigstens auf dem Continent, die ältesten Parlaments-Verhandlungen bis zu 1776 herab in 63 Folio-Bänden. Eine Sammlung von 81 zum Theil äußerst seltener Ausgaben und Übersetzungen Petrarca’s (12 aus dem 15. Jahrhundert) ist wohl sonst nirgends vereinigt.

Die Anstalt ist an jedem Werktage von 10–12 und 2–5 (im Winter von 2–4) Uhr, die Samstage Nachmittag ausgenommen, sowohl zum Lesen, als zum Entlehnen und Zurückgeben der Bücher geöffnet. Wer Bücher zu entlehnen wünscht und nicht durch seine amtliche Stellung, wie die in Stuttgart wohnenden Beamten der sieben ersten Rangstufen, Geistlichen und Professoren, von selbst berechtigt ist, hat sich an die Direction zu wenden oder kann, sofern er in Stuttgart wohnhaft ist, unter Bürgschaft eines Berechtigten Bücher beziehen.

Von größeren, einzelnen Staats-Behörden zugehörigen, Bücher-Sammlungen sind zu erwähnen: diejenige der Central-Stelle für Landwirthschaft, etwa 8500 Bände aus den Fächern der Naturwissenschaften, der Landwirthschaft, landwirthschaftlichen Technologie etc.; diejenige der Central-Stelle für Gewerbe und Handel mit etwa 1900 Werken, hauptsächlich volkswirthschaftlichen, technologischen und naturwissenschaftlichen Inhalts; und diejenige des statistisch-topographischen Bureau. Außerdem besitzen die Landstände, der Geheimerath, die Ministerien und Collegial-Stellen mehr oder minder große Bücher-Sammlungen. Diejenigen der Lehr-Anstalten und der Vereine sind bei diesen erwähnt.

Die Leih-Bibliotheken sind S. 248 genannt.

Die K. Münz- u. Medaillen-, auch Kunst- u. Alterthümer-Sammlung verdankt ihre ersten Anfänge, was die Römer-Denkmale betrifft, dem Herzog Ludwig, welcher mehrere derselben in dem neuen Lusthause (S. 121) aufstellte. Später erwarben die Herzoge Friedrich und dessen Nachfolger Johann Friedrich manche Alterthümer und Münzen. Der Hauptgründer einer jetzt erst mit diesem Namen auftretenden Kunstkammer ist aber Herzog Eberhard III. bei der Wiederaufnahme des Landes nach dem dreißigjährigen Kriege. Ein reicher Zuwachs von Münzen und Medaillen kam im Jahre 1729 durch das Cabinet der Neuenstadter Nebenlinie, welches Herzog Eberhard Ludwig erkaufte.

| Die Münz- und Medaillen-Sammlung ist jetzt zu einer Zahl von 17.000 Stücken angewachsen; darunter befinden sich 5300 Württembergische Münzen. Letztere Abtheilung bildet den Glanzpunkt; es sind hier fast alle bekannten Münzen und Medaillen des württembergischen Hauses vereinigt und auch bei Neu-Württemberg finden sich nicht viele Lücken. Eine sehr bedeutende Vermehrung erhielt dieses Fach 1839 durch den Ankauf der Hofrath Binder’schen Sammlung und 1847 durch Erwerbung einer Thalerreihe aus dem Nachlaß des Geheimen-Raths von Schwab. Der ansehnliche Vorrath griechischer Münzen bekam 1842 und 1843 einen Zuwachs durch Ankäufe aus der Hofrath Linckh’schen Sammlung.

Die Kunst- und Alterthümer-Sammlung enthält Reliquien des Herzogs Eberhard im Bart (seinen Rosenkranz, Reisekalender), geschliffene und geschnittene Steine, Goldschmids-Arbeiten, Geräthschaften außereuropäischer Völker, alte Rüstungen, zum Theil Beuten württembergischer Prinzen aus den Türkenkriegen, kostbare Crystall-Gefäße, Holz- und Elfenbein-Schnitzereien, großgriechische, römische und altdeutsche Gefäße, antike und neuere Bronzen, endlich über 100 größere römische Steindenkmale. Die letzteren, meist erst seit dem J. 1834 vereint, sind der Hauptsache nach theils Götterbilder, theils Inschriften, diese namentlich von Kriegern der 8. und 22. Legion; so weit die Jahre der Fertigung auf mehreren Inschriften durch die Consuln bezeichnet ist, stammt die älteste aus dem Jahre 148 nach Christus, die jüngste aus dem Jahre 226. Einen Anhang zu diesen Römer-Denkmalen bilden ägyptische Steintafeln und einige mittelalterliche Steinbildwerke.

Diese Sammlungen sind in der Neckarstraße Nr. 10 aufgestellt mit Ausschluß der römischen Stein-Denkmale, welche das hintere Erdgeschoß des Museums der bildenden Künste (S. 172) einnehmen. Besuchende haben sich an den Inspector der Sammlung zu wenden; das Local der römischen Stein-Denkmale ist in den Sommermonaten Sonntags von 11–12 dem allgemeinen Zutritt geöffnet[2].

Der Sammlungen des Alterthums-Vereins ist S. 242 gedacht.

Die allgemeine naturhistorische Sammlung oder das Königliche Naturalienkabinet[3] nimmt in den beiden oberen Stockwerken des S. 171 erwähnten Gebäudes 16 Säle ein. Das Publicum hat Sonntags von 11–1 Uhr, Mittwochs und Freitags von 2–3 Uhr freien Zutritt; auf besondere Anmeldung kann es auch an andern Tagen von 11–12 und 2–3 Uhr, zu jeder Zeit aber von solchen| Personen, welche besondere Studien machen wollen, besucht werden. – Ursprünglich mit dem Kunst- und Alterthums-Cabinet vereinigt, war es Fidei-Commißgut der fürstlichen Familie, erhielt sodann bei Errichtung der hohen Carls-Schule (1775) eine abgesonderte Aufstellung in dem Academie-Gebäude, wurde jedoch unter König Friedrich nach Aufhebung jener Anstalt in die ehemalige katholische Kirche im alten Schloß versetzt, von wo es 1827 in das jetzige Gebäude verlegt wurde. Jene ursprüngliche herzogliche Sammlung wurde bald durch den Ankauf einer Reihe inländischer Säugethiere und Vögel von Bürgermeister Scherpf in Urach, sodann durch die von Dr. Köstlin aus Elba mitgebrachten Naturalien und ein Geschenk der Kongsberger Silbererze von dem König von Dänemark vermehrt. Dazu kamen unter der Regierung des Königs Friedrich die Sammlungen von Petrefakten und Mineralien aus dem Kloster Zwiefalten, nach Aufhebung der K. Menagerie (1817) eine Reihe seltener Thiere und Skelete[4], und 1817 die 20.000 Nummern starke Sammlung des Professors Storr (S. 104) von Zoophyten, Conchylien und Mineralien. Zu der weiteren Ausdehnung haben mehrere Geschenke, meist von patriotisch gesinnten Württembergern, wesentliche Beiträge geliefert; im zoologischen Fache vornehmlich der 1847 verstorbene Freiherr von Ludwig in der Kapstadt und Dr. von Barth in Calw, ferner die Herren Herzog Paul von Württemberg, Prof. Dr. Griesinger in Tübingen, sowie der frühere Leibarzt des Pascha von Egypten, Clot-Bey, der K. K. Vicekonsul Dr. von Heuglin, Baron von Schertel, Baron von Müller, Prof. von Blume in Leyden, Kaufmann Uhde in Mexico, Partikulier Glocker in Bahia, Partikulier Kappler in Surinam, Geheimerath von Hauer in Wien, Prof. Dr. Krauß in Stuttgart, Prof. von Klippstein in Gießen, Richard Owen in London etc.; für die Mineralien- und Petrefakten-Sammlung dagegen hauptsächlich Hofrath André, Prof. Dr. von Glocker in Breslau, sodann Freiherr von Reichenbach in Wien, Bergrath Dr. Hehl, Obrist von Scholewskoi aus Petersburg und Staatsrath von Roos. Der Zuwachs vom Jahr 1836 bis 1853 betrug allein 18.670 Nummern. Seitdem ist die Sammlung in allen Zweigen zeitgemäß vermehrt worden, und besonders hat die Petrefakten-Abtheilung durch die in neuester Zeit übergebene Dr. Fraas’sche Sammlung| Württembergischer Petrefakten, namentlich aus der Juraformation, einen sehr schätzbaren Zuwachs erhalten.

A. Säugethiere. In dem mittleren Stockwerk sind aufgestellt: Ichthyosauren und ausgestopfte Meer-Säugethiere, worunter ein Manati von Surinam, ein Paar Delphine von Freih. von Ludwig (namentlich Delphinus capensis), ein Paar Wallrosse und eine Reihe von Seehunden von Labrador und Norwegen von Dr. von Barth und Baron von Schertel, sowie ein von Commerzienrath v. Jobst geschenktes Exemplar der Morunga elephantina Gray; ein Elephant (aus der Menagerie), Elenn, Rennthiere, Eisbär, Nashorn (Rhinoceros bicornis), eine ziemliche Zahl von Affen und Halbaffen, ein junger Orang von Borneo, ein junger Schimpanse von Sierra Leone, durch Missionar Schmidt geschenkt, Colobus guereza, Temminkii, Stenops tardigradus, von welchen manche aus der ehemaligen Menagerie stammen. Ferner die Edentaten, darunter mehrere Manis, namentlich die seltene Manis Temminkii, Schnabelthiere, ein Pracht-Exemplar des Riesengürtel-Thiers und die größeren Faulthier-Arten von Surinam in mehreren Abänderungen, sowie ein Paar Orycteropus vom Kap, von Ludwig und Barth geschenkt. Darauf folgen die Nagethiere, darunter der größte Nager Hydrochörus capybara von Surinam, Hystrix dorsata, durch seine Größe ausgezeichnet, Pteromys typicus vom Kap. Sodann die Beutelthiere, Halmaturus giganteus aus der Menagerie, Hypsiprymnus potoru und Halmaturus fruticus und Beutelratten; die Fledermäuse, darunter die seltene Taphozous lepturus Geoffr. von Surinam und kleinere Insektenfresser, Macroscelides typus Sm., Centetes ecaudatus von Madagaskar, ferner von Raubthieren zwei americanische Bären, Ictides benturony, Galictis Barbara (schwarze und weiße Varietät), Ictycyon venaticus aus Surinam, die Ryzaena capensis, Nycteractes viverrinus, Nasua u. s. w., die Hunde-Arten (schönes Exemplar des Canis variegatus vom Kap), die verschiedenen Arten von Hyänen, Proteles Lalandii, die Katzen-Arten (darunter ein schwarzer Leopard und der 1846 bei Wiesenstaig erlegte Luchs). Alsdann die Dickhäuter und Wiederkäuer, darunter drei Arten von Hyrax, ein junger africanischer Elephant, eine Zebraart (Equus Burchelli), eine Anzahl Antilopen, sowie ein Paar Gnu mit den Jungen, ein Paar von Capra sibirica, ein Alpaco und mehrere Hirsche aus den Königl. Parks, und der 1852 von dem Kaiser von Rußland geschenkte Auer-Stier. Endlich ein prachtvolles Löwenpaar, Geschenk des Dr. von Barth.

B. Die Vögel. Die systematische Aufstellung derselben beginnt mit einer schönen Auswahl von Tag- und Nacht-Raubvögeln, darunter der Kondor aus den Cordilleren, Vultur auricularis, mehrere andere Geyer, ein Paar Goldadler (Falco imperialis) aus Nord-Africa, Geschenk des Baron von Müller, Aq. rapax, pennata, Serpentarius ranivorus (Secretär) in verschiedenen Altern, Morphnus guianensis, Harpyie (Aquila destructor Dand.); aus der Familie der Nacht-Raubvögel die Schnee-Eule von Labrador, die Erd-Eule (Strix cunicularia) von Chili, die Athene lineata Shaw. von Surinam; unter den Schuhus der Bubo lacteus vom Kap, der dem europäischen Schuhu in Größe fast gleiche Bubo virginianus, mehrere Abänderungen der Schleier-Eule (Strix flammea) aus Württemberg, Nord- und Süd-Africa und sogar aus Chili. Die Sammlung der sogenannten sperlingsartigen Vögel (Passeres) von dem Würger (Lanius) bis zu den Drosseln (Turdus), enthält manche durch Form und Färbung| ausgezeichnete oder seltene Vögel, wie die von der Expedition A. Smith’s in’s Innere von Africa stammenden Prionops plumatus und Talosoma u. s. w. Unter den übrigen Vögeln dieser Ordnung enthalten die Oriolus, die Caprimulgus, die Nashornvögel manche Seltenheit, wie Macrodipteryx longipennis, Buceros bicornis und lunatus, Coronica fuliginosa, die Colibri, die Eisvögel, die Ploceus, die Raben. Sodann kommt die Ordnung der Klettervögel, Papageien, Trogon, Bucco, Micropogon sulphuraceus Sm., Corythaix, Cuculus und insbesondere die zahlreiche Familie der Spechte mit vielen seltenen Arten. In der Familie der hühnerartigen Vögel zeichnen sich die Tauben verschiedener Welttheile, z. B. Columba dilopha aus Neuholland, Pfauen, Tragopan, Satyr, Lophophorus aus Indien aus. Die zwischen den hühnerartigen Vögeln und Stelzenläufern stehende Ordnung der Laufvögel (Brevipennes) enthält 5 Straußen verschiedenen Alters (darunter ein Exemplar nur acht Tage alt) aus Africa, einen aus America, Casuar, 9 Arten von Trappen, darunter Otis caffra, caerulescens und rhaad; sofort folgen meist nach Familien geordnet, die eigentlich sogenannten Stelzenläufer oder Strandläufer, unter denen wegen seiner Seltenheit der Wallfischschnabel (Balaeniceps Rex Gould), ein Geschenk des Dr. v. Heuglin, obenan steht; sodann die Kraniche, darunter die Kronenkraniche, zwei Exemplare verschiedenen Alters, der seltenere Grus carunculata aus dem Kafferlande von Freih. v. Ludwig, die seltene Ardea epphiopiorhyncha aus Nord-Africa in drei Abstufungen (Geschenke von Clot-Bey und Dr. v. Heuglin), Ardea goliath; die kleineren Reiher und Rohrdommeln, Ibis, Regenpfeifer, Wasserhühner in verschiedenen Kästen bis zu der Chionis, Glareola und drei Arten Flamingo. – Die Ordnung der Schwimmvögel enthält mehrere zum Theil seltene Exemplare von Pelicanen, Albatrossen, Sturmvögeln, Pinguinen, Tauchern und Enten aus dem Norden und in Württemberg geschossen, darunter mehrere Eistaucher und die überhaupt sehr seltene Rothhals-Gans (Anser rubricollis). Die Sammlung von Eiern und Nestern ist nicht sehr zahlreich.

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C. Die Reptilien-Sammlung enthält einige seltenere Land-Schildkröten aus Cephalonien und Natal, Trionyx aus dem Nil, mehrere große See-Schildkröten (Chelonia, Caonona und Midas Schweig aus Surinam, Chelys fimbriata). Die Saurier sind durch mehrere ausgestopfte und in Weingeist aufbewahrte Crocodile, ein riesenmäßiges und ein kleines Exemplar des Gavialis gangeticus, Geschenke des Dr. v. Barth, Warn-Eidechsen, sowie mehrere Iguane, darunter Uromastix spinipes Dand. aus Nord-Africa, Lophiurus Bellii Dum. aus Vorder-Indien, Phrynosoma orbiculare Wiegm., Hypsibates agamoides Wagler aus Surinam, unter den Chamäleonten Ch. dilobus kuhl von Natal, Ch. senegalensis von Sierra Leone, unter den Scincoiden der Ablepharus pannonicus Fritz aus Ungarn u. s. w. vertreten. Unter der nicht unbedeutenden Zahl von Schlangen aus allen Welttheilen findet sich eine 20 Fuß lange Python natalensis, Geschenk von Prof. Krauß, Trigonocephalus rhombeatus, Elaps surinamensis von ungewöhnlicher Größe, Wasserschlangen, Hydrophis nigrocincta Schleg. und mehrere andere von der Sunda-Straße, sowie mehrere Exemplare der in Württemberg vorkommenden Vipera berus. Die Batrachier haben hauptsächlich aus Surinam Zuwachs erhalten, darunter die große Agua-Kröte, die Pipa americana, aus der Familie der Salamandrinae die seltene americanische Menopoma giganteum Harl., Menobranchus lateralis, Ampbiuma tridactylum, Sirodon mexicanus Cuv.| (Geschenk des H. Uhde), der in den unterirdischen Seen von Kärnthen lebende Proteus (Hypochthon Laurentii).

D. Die Fische, zum kleineren Theil in trockenen, wenig gut erhaltenen Exemplaren bestehend, im Übrigen mit Ausnahme einiger größeren Fische (Hammerfisch), einer Reihe von Sägen des Sägefisches, Pleuronectes maximus, eines größeren Polypterus bischir in Weingeist aufbewahrt, enthält die meisten – in dem großen Werke über Egypten von Geoffroy beschriebenen Fische des Nils und des rothen Meeres, namentlich die Siluroiden, Geschenke von Ludwig, Clot-Bey, Prof. Griesinger und Dr. Heuglin, mehrere Fische von Natal durch Prof. Krauß, worunter ohne Zweifel manche neue; ferner aus America von Kappler und Glocker, aus Grönland von Dr. v. Barth, darunter Mallotus villosus, der blinde Fisch (Amblyopis spelaeus) aus der Höhle von Kentucky von Gustav Schwab durch Dr. Jäger, sodann mehrere durch Tausch aus dem mittelländischen Meere erhaltene, und von Venedig durch Canzleirath v. Martens geschenkt.

Die Sammlung der wirbellosen Thiere ist am Reichhaltigsten in den Crustaceen, Insekten, Mollusken, Echinodermen und Polypen; die übrigen Classen sind schwach vertreten.

E. Die Crustaceen sind auf Pappdeckel oder Holztäfelchen aufgeheftet und in Tischkästen aufgestellt; ein Theil, und besonders die kleinen Arten, sind in Weingeist aufbewahrt. Die alte Storr’sche Sammlung lieferte hiezu nur wenige Arten, darunter die seltene Parthenope horrida Fabr.; dagegen haben Freiherr v. Ludwig aus der Tafelbay, G. v. Martens aus Venedig, Ferd. Glocker aus Bahia, Dr. v. Barth aus Grönland diese Classe mit schönen Arten beschenkt, allein sie gewann erst durch die sehr sorgfältig und naturgetreu präparirten Stücke, welche Dr. F. Krauß aus Natal und vom Kap mitbrachte, an Ausdehnung, und dadurch, daß die bekannten wie die neuen Arten als Beleg zu dessen Schrift über die südafricanischen Crustaceen dienten, auch an wissenschaftlichem Werth. Später wurden sie durch Kauf und Tausch, wie z. B. aus Japan mit den seltenen Limulus moluccanus, Scyllarus Dehaanii, Palinurus trigonus und Ranina dentata Lam. noch mehr vermehrt, so daß diese Classe zu den schönsten und reichsten der Anstalt gehört.

F. Die Insekten sind in 1′ langen und 61/2–13″ breiten Kapseln mit Glasdeckel und, die Coleopteren ausgenommen, auch mit Glasboden versehen, in Schubladen aufbewahrt. – Mit dem Ankauf der durch Mehlsheimer gesammelten Arten erlangte die Sammlung in Absicht auf inländische Insekten erst einige Bedeutung , und sie vermehrte sich schnell auch an ausländischen, und namentlich Kap’schen Insekten durch die reichen Geschenke des Freiherrn v. Ludwig, daher denn auch die Sammlung für die südafricanische Fauna mit Inbegriff der von Dr. F. Krauß erworbenen Natal-Insekten besonders hervorzuheben ist. Ferner schenkten Dr. v. Barth Insekten aus Westafrica, darunter prachtvolle Goliathus Druryi Hope und Omacantha gigas Fabr., und aus West- und Ost-Indien, Ferd. Glocker aus Bahia, Missionär Schmidt aus Sierra Leone, Dr. Clot-Bey, Baron J. v. Müller und Dr. v. Heuglin aus Nordafrica. Unter den einzelnen Ordnungen sind die Käfer und Schmetterlinge verhältnißmäßig am Reichsten, unter den ersten, nahe an 5000 Arten in mehr als 12.000 Exemplaren stark, sind hauptsächlich die Anthien, die Lamellicornen mit neuen Arten von Atenchus, Copris, Ontophagus und mit schönen Scarabäen, die Melanosomen, z. B. Moluris, Machla, und die Curculioniden, wie namentlich die Brachycerus- und Bronchus-Arten; unter den Schmetterlingen die von Prof. Dr. Seyffer erworbenen inländischen| und die von A. Kappler gekauften prachtvollen surinamischen Arten hervorzuheben. Bei den Orthopteren dürften die Mantoiden und Pneumoren aus Südafrica, bei den Hymenopteren die großen Spheginen vom Kap, bei den Hemipteren die Cicaden und Fulgorinen aus Surinam zu erwähnen sein.

G. Die Arachniden sind arm an Arten und haben außer ein Paar ungewöhnlich großer Vogel-Spinnen nichts Besonderes aufzuweisen.

H. Die Mollusken sind in langen Pultkästen und auf Baumwollen-Watt liegend aufgestellt. Die alte Storr’sche Sammlung lieferte hiezu, namentlich zu den Meeres-Conchylien, einen sehr bedeutenden, zum Theil schätzbaren Beitrag, wie z. B. Helix zodiaca Fér., H. zonalis Fér., Achatina Priamus Lam., Trochus imperialis Chemn., Conus cedonulli Brug., C. prometheus Hwass., die Voluten, Crenatula und die seltene Villorita Gray. Beschenkt wurde diese Classe mit ausländischen Arten aus allen Welttheilen, namentlich durch Freiherrn v. Ludwig, ferner mit einer schönen Suite Muscheln aus dem Ohio durch Apotheker Rehfuß in Cincinnati, mit Meeres- und Land-Conchylien durch Ferd. Glocker in Bahia und mit syrischen Schnecken durch Hofrath Dr. Veit. Außerdem wurde sie durch Tausch und Kauf vielfältig vergrößert, so daß sie jetzt beinahe 3500 Arten mit mehr als doppelt so vielen Exemplaren zählt, worunter als Seltenheiten eine sehr große Carinaria gracilis Reeve, Helix ungulina L. und Mycetopus soleniformis d’Orb. anzuführen sind. Überdieß sind auch von den meisten Gattungen die Thiere in Weingeist aufbewahrt, und unter diesen Carinaria mediterranea Péron, Chitonellus striatus, Pyrosoma giganteum Pér., Tiedemannia, viele Salven und Pterotracheen, ferner die in Natal gesammelten seltenen Arten: Umbrella indica Lam., Onchidium Peronii Cuv., Dolabella Rumphii Cuv., Pupillea aperta Grag; in neuester Zeit kamen noch werthvolle Cephalopoden, namentlich das Männchen von Argonauta Argo L., der Hectocotylus von Octopus Carenae, die Gattungen Tremoctopus, Histioteuthis, Verania, Rossia etc. hinzu.

I. Die Echinodermen sind auf dieselbe Weise wie die Crustaceen aufgestellt und unter den Echiniden die Gehäuse einiger Gattungen zum Studium des inneren Baues in ihre einzelnen Theile zerlegt. Bei den Holothurien sind Mülleria echinites Jäger, Bohadschia marmorata und einige neue Arten aus Natal, bei den Seeigeln der merkwürdige, in ausgehöhlten Felsen wohnende Echinus lithodomus kr. aus Natal, bei den Seesternen Stellaster Childreni Gray und Luidia maculata Müll. zu erwähnen.

K. Von Quallen sind die mittelländischen Siphonophoren und Discophoren in sehr schön erhaltenen Exemplaren, darunter Praya maxima Geg., Physophora Philippii köll., Vogtia pentacantha köll., Bongairillea köllikeri Geg., vorhanden.

L. Die Polypen sind terrassenförmig und die trockenen Exemplare auf Postamenten aufgestellt. Die schönen großen Madreporinen, Tubiporen und Gorgonien stammen meist aus der Storr’schen Sammlung, doch sind auch in neuerer Zeit aus diesen und anderen Familien durch Freih. v. Ludwig, Dr. v. Barth und Kanzleirath v. Martens Geschenke gemacht worden.

Die osteologische Sammlung füllt zwei Säle; jedoch sind manche Skelette noch nicht aufgesetzt. Die Sammlung von Skeleten und Schädeln entspricht großentheils den in der zoologischen Sammlung aufgestellten Thieren und sind zumal bei den Säugethieren jenen entnommen, nachdem sie vorher in Gyps abgeformt wurden, und also ohne Beeinträchtigung des ausgestopften Exemplars in diesen entbehrt werden können. Außerdem sind| anzuführen: das Skelet eines Nubiers, die Schädel mehrerer Menschenrassen, Schädel von Orangutang von Borneo, alt und jung, interessant durch Vergleichung mit dem nebenanliegenden Schädel eines hirnarmen Kindes. Von der übrigen osteologischen Sammlung ist im Allgemeinen zu bemerken, daß sie Skelet oder wenigstens Schädel und einzelne Knochen des Skelets der meisten Gattungen von Wirbelthieren oder wenigstens verwandter Gattungen enthält. Von einigen Raubthieren sind sogar ganze Reihen von Schädeln und auch Skelete vorhanden, wie z. B. von Hunden und deren verschiedenen Arten und Rassen, Bären, ferner von Schädeln des Wallrosses und mehreren Seehunden, darunter der des Stenorhynchus leptonyx, ferner 3 Schädel des africanischen Elephanten verschiedenen Alters, ebenso von Hippopotamus, 1 von Rhinoceros africanus und sondaicus; Pferdearten, Kameel, Hirschen, Bos caffer, Skelete der Giraffe von Dr. v. Heuglin, des Büffels, Auers, gewöhnlichen Stiers und einiger verschiedenen Rassen mit und ohne Hörner, Skelet des Zebustiers, des Bos sondaicus, durch Geschenk des Königs, zwei Schädel des Bison aus America, von Herzog Paul Wilhelm mitgebracht, Schädel von Dugong, Skelete des Manati, mehrerer Delphine, des Delphinapterus albicans, der eines 20′ langen Wallfisches, Pterobalaena minor Eschr., Schädel und einzelne Stoßzähne des Narwhal. – Die Skelete der Vögel sind in neuerer Zeit bedeutend vermehrt worden, so daß wenigstens alle Familien und die meisten Gattungen dieser Classe repräsentirt sind. Seltenheiten sind die Skelete des Condor, Strauß, Flamingo, des Pinguin (Aptenodytes demersa) mit der durch eine Scheidewand getheilten Luftröhre. Von Reptilien sind die Skelete und Schädel der Schildkröten, das eines 10′ langen Alligator, einer großen Python-Schlange (Python natalensis) unter mehreren Skeleten giftiger und nichtgiftiger Schlangen, sowie die der Aguakröte anzuführen. – Unter den Fischen sind der Schädel eines 90 Pfd. schweren Wels aus dem Bodensee, und die Skelete mehrerer americanischen Fische, namentlich Malthe longirostris von Bahia, Hypstomus placostomus[s 1] von Surinam; indeß hat, wie in der zoologischen, so auch in der osteologischen Sammlung, die Classe der Fische verhältnißweise noch die meisten Lücken.

Aus der anatomischen Sammlung sind schon vor längerer Zeit die ausgestopften thierischen Mißgeburten an die K. Thierarznei-Schule und vor Kurzem die schon in früherer Zeit angelegte Sammlung menschlicher Mißgeburten an die Hebammen-Schule zu Stuttgart, und die Mehrzahl (worunter einige Unica) an die Universität in Tübingen, nebst den vorhandenen pathologischen Gegenständen abgegeben worden, da sie in beiden Anstalten den praktischen Zwecken näher gebracht werden können. Ebenso sind von den trockenen und in Weingeist aufbewahrten anatomischen Präparaten manche schon früher an die Universität abgegeben worden, zu deren mehrfacher Erwerbung insbesondere die früher hier bestandene Menagerie Gelegenheit gegeben hatte. Die noch vorhandenen Präparate sind in dem südwestlichen Eck-Saale aufgestellt.

Die botanische Abtheilung ist bis jetzt die am Wenigsten ausgestattete; sie besteht in einem Herbarium und in einer Sammlung von Früchten und Hölzern. Das allgemeine Herbarium, welches nach Meisner’s natürlichem System geordnet ist, enthält Pflanzen aus Sibirien durch Martini gesammelt, aus Grönland und den Nilgherrie-Bergen durch Dr. v. Barth geschenkt und aus Nordamerica, Nordafrica, Spanien und dem Kaukasus vom Eßlinger Reise-Verein. Neben diesem ist noch eine eigene Sammlung| Kap’scher Pflanzen, in großem Format, als Geschenk von Freih. v. Ludwig und ein Fascikel mit Nepenthes aus Borneo und Sumatra, von Prof. v. Blume gesammelt, als Geschenk unseres Königs vorhanden. – Unter den Hölzern sind die vom Kap, in Querstücken von 1/2′ Länge, am Reichsten, außerdem befinden sich in einem eigens hiezu verfertigten Kasten einige hundert geschliffener Hölzer und Wurzeln. – Die Früchte stammen meist aus der Storr’schen Sammlung her und enthalten mehrere Originalien des Gärtner’schen Früchtewerkes, z. B. Nelumbium speciosum Willd., Aubletia echinata Schreb. und A. Tibourboa Aubl., Pithecoctenium Aubletii Splitz. Später wurden auch Früchte aus Java durch Prof. v. Blume, aus Bahia durch Ferd. Glocker, und aus West- und Ost-Indien durch Dr. v. Barth zum Geschenk gemacht.

Die mineralogisch-geognostische Abtheilung ist in den drei Galerie-Sälen des oberen Stockes aufgestellt und zerfällt in die oryctognostische und geognostische Sammlung.

Die oryctognostische Sammlung, der Zahl nach viel reicher als die geognostische, besteht aus dem herzoglichen Mineralien-Cabinet und aus der Storr’schen Sammlung, wozu noch die reichen Geschenke von russischen, vesuvianischen und anderen Mineralien durch die Königin Catharina, von Silberstufen aus Kongsberg durch den König von Dänemark, von Kap’schen Mineralien durch Freih. v. Ludwig, von mährischen, schlesischen und anderen Mineralien durch Prof. v. Glocker und Prof. Zipser, von kostbaren russischen Mineralien durch Obrist v. Sobolewskoi, und als Vermächtniß von Hofrath André in Stuttgart eine schöne Sammlung mährischer und ungarischer Mineralien hinzugekommen und später die Lücken durch Ankäufe ausgefüllt worden sind. Die Mineralien sind in folgender Weise aufgestellt: Die Haupt-Sammlung, welche nur reine, charakteristische und schön krystallisirte Stücke enthält und hauptsächlich zum Studium aufgestellt ist, befindet sich in Pultkästen. Ihr gegenüber und mit den Mineral-Familien correspondirend, sind in Wandkästen auf der einen Seite die Schaustücke von größerem Format, auf der anderen die Ergänzungs-Stücke zur Haupt-Sammlung, bei welchen namentlich auf die Fundorte Rücksicht genommen ist. An Mineralien sind besonders zu erwähnen: schöne Berg-Crystalle und darunter alle Stufen zu dem gekrümmten, aus mehreren Exemplaren verwachsenen Krystall aus Chamony, prachtvolle Drusen von Quarz-Krystallen aus Bulach, reine Natrolithe in großen Stücken von Hohentwiel, herrliche Berylle und Topase und darunter ein ausgezeichnet schöner Topas-Krystall von 2″ 3‴ Durchmesser aus Mursinsk, Neuenbürger Glaskopfe, zum Theil in mächtigen Drusen, sehr deutliche Krystalle von gediegenem Kupfer aus Eagle Harbour in Michigan, prachtvolle russische Malachite und Krystalle von Rothkupfererz, seltene Kupferlasure, Malachite und Grünbleierze vom Schwarzwald, reiche Silberstufen aus dem württ. und badischen Schwarzwald, Silberstufen krystallisirt, zahn- und drahtförmig in ausgezeichneten und zahlreichen Stücken aus der alten Grube von Kongsberg, mehrere schöne Antimonsilber vom Schwarzwald, ein werthvolles Stück von gediegen Gold aus Californien und ein 1 Pfd. 17 Loth schweres Stück gediegenen Platin aus den Demidoff’schen Platinwäschen im Gouvernement Perm.

Die geognostische Sammlung besteht a) aus württembergischen Gebirgs-Arten, von welchen Bergrath Dr. Hehl 1832 eine Suite aus ganz Württemberg zum Geschenk gemacht hat; ferner ist eine Lokal-Suite aus dem Steinsalz-Gebirge von Sulz durch Hütten-Verwalter Zinner gesammelt und durch den Finanzminister v. Weckherlin geschenkt, eine sehr vollständige| und genaue von Wilhelmsglück bei Hall durch Salinen-Verwalter v. Osten und eine desgleichen von Wilhelmshall bei Schwenningen durch Bergrath v. Alberti, aus der mittleren Keuperkohle von Eßlingen durch Bergrath Dr. Hehl, und eine aus dem Jura von Wasseralfingen durch Bergrath Faber du Faur und Hütten-Verwalter v. Weberling gestiftet worden: und b) aus ausländischen Gebirgs-Arten. Hievon ist eine an Stücken reiche allgemeine Sammlung vorhanden, welche aus den Geschenken der Königin Catharina und des Prof. Dr. v. Glocker, aus Exemplaren der alten (Storr, Pasquay, Hanauer Lieferung) Sammlungen und aus Beiträgen von v. Martens, v. Klippstein, Voltz, Bruckmann und Krauß zusammengesetzt ist, während die aus etlichen hundert Stücken bestehende allgemeine Sammlung des Heidelberger Mineralien-Comptoirs in Schubladen aufbewahrt ist. Von Lokal-Sammlungen befinden sich in der Anstalt: eine Suite vesuvianischer Gebirgs-Arten von unserem König, eine reiche Suite aus Südafrica, meist die durch Dr. A. Smith in dem Betschuanen-Lande gesammelten Stücke enthaltend, aus China und Neuholland durch Freih. v. Ludwig, eine Sammlung aus Mähren und Schlesien durch Prof. Dr. v. Glocker, eine ebendaher durch Freih. v. Reichenbach und eine aus Ungarn durch Prof. Zipser in Neusohl, welche alle dem Cabinete zum Geschenk gemacht wurden. Ferner wurden durch Tausch und Kauf erworben eine Suite aus dem Odenwalde, der Wetterau und Eifel durch Prof. v. Klippstein, aus Schweden und Norwegen, und eine vollständige Suite mit Petrefacten des Küstenstriches von der Tafelbay bis zum Natallande durch Prof. Dr. Krauß, aus dem Siebengebirge durch Berghauptmann Dr. v. Nöggerath und aus den westlichen Alpen durch Prof. Studer.

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Die paläontolgischen Sammlungen, durch die in neuester Zeit erfolgte Einverleibung der Dr. Fraas’schen aus mehr als 10.000 Stücken bestehenden Petrefakte und Säugethiere-Überreste nunmehr wesentlich bereichert und ergänzt, ist ausschließlich in dem oberen Stockwerk so aufgestellt, daß sowohl die Jura- und Kreide-Formation, als die älteren Formationen vom Jura, sowie die Tertiär- und Diluvial-Periode auseinander gehalten sind. Aus den älteren Formationen ist die silurische hauptsächlich durch eine schöne Reihe von Trilobiten und Orthoceratiten, die devonische durch die Bergkalk-Petrefakte von Visé und anderen Gegenden Belgiens, die Steinkohlen-Gruppe durch schöne Pflanzenstämme und Farrnkräuter aus Schlesien und Saarbrück, sodann durch die interessanten Saurier (Archegosaurus Decheni) und Fische ebendaher vertreten. Aus der Kupferschiefer-Formation sind schöne Fische (Palaeoniscus) aus Thüringen, aus dem Zechstein nur Weniges vorhanden. Die Trias, in den unteren Partien des bunten Sandsteins sehr arm an organischen Resten, ist in dem oberen bunten Sandstein der Vogesen durch Bottzien, Calamiten u. dgl., der Muschelkalk ziemlich reichlich durch Ceratiten, Gervillien und Encriniten repräsentirt. Aus der Lettenkohle sind die Fisch- und Reptil-Reste von Gaildorf, Crailsheim und Hoheneck reichlich vorhanden, z. B. ein vollständiger Kopf von Mastodonsaurus salamandroides, durch Fabrikant Dieterich in Gaildorf geschenkt, die Ceratodus-Zähne von Hoheneck, die Grenzbreccie von Crailsheim mit den zahlreichen Fisch- und Saurier-Überresten. Die Saurier- und Pflanzen-Überreste des Stuttgarter Keupers bilden einen Hauptschmuck der Sammlung und sind in ebenso zahlreichen als manchfaltigen Exemplaren aufgestellt. Die Juraformation, in Schwaben besonders regelmäßig entwickelt, hat durch die Fraas’sche Sammlung den namhaftesten Zuwachs, ja das Beste aus dieser Abtheilung, besonders aus| den Plattenkalken von Nusplingen erhalten. Dieselbe ist um so werthvoller, als bei Allen der Fundort und die Lagerstätte genau angegeben ist, so daß dieselben überall die betreffenden Schichten charakterisiren. Wir heben namentlich die schönen Ammoniten aus dem unteren und mittleren Lias (Arieten, Capricornen, Falciferen), die zahlreichen Belemniten und Sepien, die schönen Bivalven und Gasteropoden, sowie die Crinoideen hervor, unter letzteren besonders schöne Pentakriniten (P. subangularis) aus der älteren Sammlung. Die Saurier aus den Posidonien-Schiefern von Boll und Ohmden sind in sehr schönen Exemplaren (Ichthyosaurus intermedius, tenuirostris, Mystriosaurus etc.) aufgestellt. Von Plesiosaurus dolichodeirus ist nur ein Gypsabguß aus Lime Reyis, ein Geschenk von Cuvier, vorhanden. Aus dem braunen Jura sind die Vorkommnisse der Thoneisensteinflötze von Aalen und Wasseralfingen, die Macrocephalen- und Ornaten-Thone des Albrandes besonders schön durch die betreffenden Ammoniten und Belemniten repräsentirt. Aus dem weißen Jura sind die Spongitenkalke der Lochen mit ihrer Umgebung; die Korallenkalke durch die schönen Petrefakte von Schnaitheim und Nattheim ausgezeichnet; die Plattenkalke von Nusplingen, welche dem sonst nicht sehr reichlich vertretenen Solenhofer Schiefer entsprechen, mit ihren zahlreichen Krebsen, Fisch- und Pflanzen-Überresten bemerkenswerth. Unter letztern sind die Reste des ersten schwäbischen Pterodactylus, die zwei Meerengel (Squatina) und eine schöne Reihe von Sepien und Fucoiden hervorzuheben. – Aus der in Schwaben nicht vorhandenen Kreide-Formation sind nur die Pflanzen des sächsischen und schlesischen Quadersandsteins, die Ammoniten und Seeigel, sowie der Gypsabguß des Mosasaurus von Mastricht, sodann die Iguanodon-Reste aus England von Dr. Mantell anzuführen. – Aus der Tertiär-Periode sind die Nummuliten-Schichten vom Kressenberg und Sonthofen durch die darin vorkommenden Seeigel und Krebse, ganz besonders aber die Bohnerze der Sigmaringer Alp und der Umgebung von Tuttlingen durch die zahlreichen Zähne und Knochen von Paläotherien, Anoplotherium, und die seltenen Vogel- und Reptil-Reste, im Ganzen über 3000 Stücke, worunter ein restaurirtes Exemplar von Palaeotherium minus und mehrere Kiefer bemerkenswerth. Einen schätzbaren Beitrag zu Vergleichung derselben mit den ähnlichen Vorkommnissen in dem Pariser Gyps liefern die vorhandenen schönen Gypsabgüsse der letzteren, ein Geschenk von Cuvier. Auch der französische Grobkalk, die einheimischen tertiären Süßwasserkalke von Ulm, Steinheim und Zwiefalten, sowie die oberschwäbische Molasse sind durch die Rhinozeros-, Schildkröten- und Fisch-Reste, die Gasteropoden, Austern und anderen Bivalven, sowie durch eine fast vollständige Suite der Land- und Süßwasser-Mollusken die Tertiär-Ablagerungen des Mokaktan-Gebirges in Unter-Egypten durch eine Reihe Petrefakten, von Dr. v. Heuglin mitgebracht, und diejenigen der Magellan-Straße von Apotheker Lechler eingesandte Schalthierreste vertreten; die Pflanzen-Abdrücke des Öninger Süßwasserkalks, durch Dr. Bruckmann gesammelt, bilden einen namhaften Beitrag zu der fossilen Flora dieser Periode. – Das Diluvium, in Schwaben sehr deutlich entwickelt und daher auch gehörig untersucht, hat theils aus den Bohnerzgruben des nördlichen Albplateaus, theils aus den Kalktuff- und Lehm-Ablagerungen der Umgegend von Canstatt und Stuttgart sehr schöne Beiträge, besonders an Säugethierresten, geliefert. Die von O.-Medicinalrath Dr. v. Jäger beschriebenen Reste von Mammuth, Nashorn (Rhinoceros tichorrhinus), Pferd, Höhlenbär etc. sind beinahe alle hier aufgestellt, darunter sehr vollständige Schädel und Kieferstücke,| Theile der Wirbelsäule etc. der beiden Erstgenannten, Manches aus der nächsten Umgebung oder dem Grund und Boden der Residenz selbst herstammend. Bemerkenswerth sind ferner einige fossile Eier von Sumpfvögeln und Abdrücke von Federn, wahrscheinlich Schwimmvögeln (Enten oder Gänsen) angehörig, aus dem Süßwasserkalk von Münster und Canstatt, wozu auch viele wohl erhaltene Blätter-Abdrücke aus denselben Formationen sich gesellen. Von besonderer Wichtigkeit sind die schönen Gypsabgüsse der fossilen Wirbelthiere aus den Schwemmlanden der Sivalikberge, nach den Originalien des brittischen Museums gefertigt, ein Geschenk der ostindischen Compagnie. – Aus der Alluvial-Periode sind mehrere schöne Fische (Mallotus villosus) in Mergelknollen eingeschlossen, die einzigen Proben neuentstandener Versteinerungen von Wirbelthieren aus Grönland und die Überreste des Auers (Bos primigenius) aus dem Torf von Sindelfingen bemerkenswerth.

Die Sammlungen des S. 241 erwähnten Vereins für vaterländische Naturkunde, bis jetzt noch in dem Gebäude des der Centralstelle für die Landwirthschaft zugehörigen Versuchsgarten, unterhalb des Königsbades, befindlich, bestehen aus den 1850 dem Verein von der K. Centralstelle in Aufsicht und Verwaltung übergebenen, 1818 angelegten naturhistorischen Sammlungen und den seit jener Zeit von dem Verein selbst, theils durch Geschenke, theils durch Kauf erworbenen Gegenständen. Sie sind vom 1. Mai bis 1. October jeden Mittwoch und Samstag Nachmittags von 2–4 Uhr dem Publikum geöffnet. Den Grundsätzen des Vereines gemäß enthalten sie nur werthvolle vaterländische Naturalien, aber diese in möglichster Vollständigkeit.

Die Säugethiere und Vögel sind, in Glasschränken aufgestellt, so viel als thunlich in allen Altersstufen und Spielarten gesammelt, im Ganzen gegen 300 Arten mit mehr als 600 Exemplaren, größtentheils Geschenke der Vereinsmitglieder, die neuerworbenen sämmtlich von dem Vereinsmitgliede Plouquet (Präparator an dem K. Naturalien-Cabinet) zubereitet, welcher auch viele Vögel dem Verein zum Geschenk gemacht hat. Als Seltenheiten befinden sich unter den Säugethieren der gelblichweiße Hausmarder (Mustella foina L. Var. albo-flava); der Biber (Castor fiber L.), in der Iller bei Ulm 1820 gefangen und von Herzog Heinrich v. Württemberg gestiftet; der Berghase (Lepus variabilis L.) im November 1853 bei Biberach erlegt und von Forst-Verwalter Tritschler daselbst gestiftet; der weiße Feldhase (Lepus timidus L. Var. alba) von Posthalter Gundlach in Blaufelden geschenkt. – Unter den Vögeln, die sich durch ihre Altersstufen und Aufstellung besonders auszeichnen: die Mantelkrähe (Coracias garrula L.) 1823 bei Gmünd erlegt; die Trappe (Otis tarda L.), das Männchen bei Heilbronn, das Weibchen 1850 bei Balingen geschossen und von Umgelds-Commissär Knapp geschenkt; der Nachtreiher (Ardea nycticorax L.), Weibchen, 1852 bei Ilsfeld erlegt und von Bierbrauer Dang daselbst gestiftet; die Eiderente (Somateria molissima), Männchen, 1852 bei Heidenheim erlegt; die Scharbe (Graculus carbo), das Männchen 1852 bei Ludwigsburg erlegt und von Verwalter Bertsch auf dem Seegut geschenkt, das Weibchen bei Friedrichshafen| geschossen. – Von Reptilien die schwarze Kreuzotter (Vipera terus, Var. nigra), von Freudenstadt durch Graf v. Mandelslohe, von Isny durch Dr. Nick und aus Mühlheim durch Prof. Nördlinger geschenkt.– Von Fischen: den Kaulbarsch (Acerina cernua Cuv.) aus dem Neckar; den Wels (Silurus glanis L.) 89 Pfd. schwer aus der Schussenmündung 1851; den Hausen (Acipenser Huso L.) aus der Donau bei Ulm, 1822; die Flußpricke (Pitromyzon fluviatilis L.) aus dem Neckar bei Heilbronn, 1837. – Von Weichthieren befindet sich eine ziemlich vollständige Sammlung der einheimischen Conchylien in der Anstalt. – Von Insekten enthält die Sammlung etwa 4000 Species, meist von Pfarrer Kunkel in Wißgoldingen gestiftet. Zu einer neuen Sammlung haben bereits Director v. Roser, Hofrath Saucerotte, Forstrath Hahn und Prof. Krauß Beiträge geliefert. – Von Crustaceen erwähnen wir den Blattfuß (Apus cancriformis Letr.) aus einer Pfütze der Gänshaide, von Prof. Krauß geschenkt. – Von Eingeweidewürmern sind nur 14 Arten vorhanden, meistens durch Medicinalrath Hering gestiftet.

Die Sammlungen aus dem Pflanzenreich bestehen gegenwärtig: a) in einer nahezu vollständigen Sammlung der einheimischen Phanerogamen, etwa 1200 Arten, nach dem Linnéischen System geordnet, worin die Original-Exemplare von v. Martens und Schüblers Flora von Württemberg (Tübingen 1834) niedergelegt sind; b) einer Sammlung der meisten Kryptogamen des Landes, die Grundlage einer künftigen flora cryptogamica, etwa 1200 Arten, hauptsächlich aus dem Schwarzwald durch Buchhalter Rösler und Oberamtsarzt Dr. Köstlin bereichert; c) ein nach dem natürlichen System (Koch’s Synopsis florae germanicae) geordnetes, neu angefangenes Herbarium, wozu alljährlich neue Beiträge eingehen, bereits über 1000 Phanerogamen und 300 Cryptogamen enthaltend; d) eine neue Frucht- und Samen-Sammlung aus dem Gebiete der vaterländischen Flora hat durch die Bemühungen des Canzleiraths v. Martens bereits einen schönen Anfang genommen; e) Stammdurchschnitte und Mißbildungen von physiologischem Interesse, größtentheils Geschenke des Forstraths v. Gwinner.

Die mineralogischen Sammlungen sind bei Weitem am Reichsten ausgestattet, und erhalten, Dank der Thätigkeit einzelner Mitglieder, jährlich neue, zum Theil bedeutende Beiträge. Die Felsarten und Petrefakten sind größtentheils unter der Mitwirkung des vieljährigen Präsidenten der Centralstelle, des verstorbenen Geheimen Raths v. Hartmann, durch Prof. Dr. Plieninger theils durch Geschenke, theils durch Kauf zusammengebracht worden. Die Hauptbestandtheile sind: a) von einfachen Mineralien, 1) eine Sammlung von Kalkspath, Gyps, Quarz und verschiedenen Erzen aus der alten Sammlung, 2) eine Sammlung ausgezeichneter Silber-, Kupfer-, Blei- und Eisen-Erze vom Schwarzwald, Vermächtniß des Dr. v. Gärtner in Calw und des Inspectors v. Fleischmann in Stuttgart; b) von Felsarten und geognostischen Suiten: 1) eine Übersichts-Sammlung von Württemberg, Geschenk von unserem Kronprinzen; 2) zwei Suiten des Muschelkalks und Salzgebirges von Wilhelmsglück; 3) eine Reihe von Bohrmehlproben und Geschieben; 4) die Gesteine der einzelnen Formationen, sammt den wichtigsten darin befindlichen Petrefakten, über 3000 Exemplare; 5) geschliffener Marmor aus Württemberg 172 Exemplare. Dazu kommen die neuangelegten geognostischen Schichtenreihen mit ihren Petrefakten, wozu Ingenieur Binder, Generalstabsarzt Dr. v. Klein, Inspector v. Fleischmann, Dr. Oppel und Andere bereits sehr dankenswerthe Beiträge| geliefert haben; c) die Petrefakten-Sammlung enthält: Säugethiere und Vögelreste 233 Numern, Saurierreste 240, Fischreste und Breccien 48, Krebse 24, Sepien 16, Cephalopoden (Belemniten, Ammoniten und Nautilus) 310, Gasteropoden 184, Brachiopoden 84, Zweischalige 376, Echinodermen 104, Zoophyten 298, Pflanzenreste a. d. Keuper 588, desgl. von Canstatt 248. Dazu kommen noch einzelne Schaustücke von Sauriern, Fischen, Pentakriniten, versteinerten Stämmen. Von Ersteren ist ein vollständiger Schädel des Mastodonsaurus Jaegeri, ein ganzes Skelet von Ichthyosaurus tenuirostris, von Crinoideen ein ausgezeichnetes Exemplar des Pentacrinites subangularis, Geschenk des Dr. Berge, bemerkenswerth.

Die mit den Unterrichts-Anstalten verbundenen Sammlungen sind bei diesen erwähnt.

Specielle naturhistorische Sammlungen befinden sich folgende im Privat-Besitz:

a) Zoologische: Die Insekten-Sammlung des Dir. v. Roser enthält europäische, nord- und südamerikanische und afrikanische Insekten aus allen Ordnungen in zahlreichen Species. Die Insekten-Sammlung des Elementar-Lehrers Kolb enthält besonders zahlreich die einheimischen Käfer und namentlich die Abtheilung der Pselaphiden und Carabiden, etwa 12.000 Exemplare. Die Schmetterlings-Sammlung des Juwelier Trinker enthält hauptsächlich deutsche und südeuropäische Lepidopteren, worunter namentlich die kleineren Gattungen (Microlepidopteren) recht hübsch vertreten sind. Die Conchylien-Sammlung des Kanzleiraths Benz, gegen 2500 Spec. besonders schöne Meer-Conchylien enthaltend. Die Conchylien-Sammlung des Oberbauraths v. Bühler, reich an einheimischen Land- und Süßwasser-Conchylien. Die Conchylien-Sammlung des Finanzraths Eser repräsentirt hauptsächlich die Gattungen (Genera). Auch besitzt derselbe eine Insekten-Sammlung, worin namentlich die Käfer vertreten sind. Die Conchylien-Sammlung des Generalstabsarzt Dr. v. Klein enthält hauptsächlich Süßwasser-Konchylien aus allen Theilen der Erde. Die Conchylien-Sammlung des Prof. Dr. F. Krauß ist besonders reich an Conchylien des Kaplandes, und enthält die Belege seiner Schrift: über die südafrikanischen Mollusken. Stuttgart 1848. Die Conchylien-Sammlung des Prof. Dr. v. Kurr ist besonders reich an seltenen Gattungen, sowie an Land- und Süßwasser-Conchylien; sie enthält etwa 4000 Species. Die Conchylien-Sammlung des Grafen v. Seckendorf, etwa 2800 Spec. enthaltend, ist besonders reich an seltenen Land-Conchylien, darunter die Einheimischen vollzählig sind. Die Conchylien-Sammlungen des Kanzleiraths v. Martens und seines Sohnes Dr. Eduard v. Martens enthalten hauptsächlich mittelländische, italienische und deutsche Schalthiere. Auch besitzt ersterer eine Anzahl präparirter Fische und Stelleriden aus Venedig und Neapel. Die Sammlung des Prof. Volz enthält die einheimischen Conchylien in besonders reichlicher Anzahl. Von ausgestopften Säugethieren und Vögeln, und theilweise in Gruppen aufgestellt, hat Präparator Plouquet immer eine sehenswerthe Anzahl vorräthig.

In dem dem Publikum geöffneten zoologischen Garten des Gastgebers Gust. Werner (Sophien-Straße 35), ist stets eine Sammlung lebender Affen, Marder, Vögel aller Abtheilungen, besonders von Papageien, Reisvögeln, Kormeranen, Wasserhühnern etc. zu sehen. – Stadtrath Denninger hat in seinem Garten bei der Weißenburg eine Volière mit mehreren sehr interessanten Vögeln, z. B. Anas sponsa, Gold-, Silber- und Kupfer-Fasanen u. dgl.

| b) Pflanzen-Sammlungen: Obermedic.-Assessor Demmler besitzt die deutsche und alpinische Flora in sehr schönen und vollständigen Exemplaren, auch das Herbarium normale germanicum von Reichenbach. Stadtdirektionsarzt Dr. Duvernoy besitzt ein Herbarium, hauptsächlich aus deutschen und italienischen Pflanzen bestehend. Finanzrath Eser besitzt die Flora von Württemberg und der Schweiz in ziemlicher Vollständigkeit. Prof. Dr. v. Kurr besitzt außer einem allgemeinen Herbarium von etwa 8000 Spec., worunter besonders die Pflanzen vom Reise-Verein, eine Flora von Norwegen, Grönland, Labrador, eine Sammlung von offizinellen, Gewürz- und Handels-Pflanzen, eine sehr reiche Sammlung von Farrnkräutern, Algen, Flechten und Laubmoosen. Kanzleirath v. Martens hat die Pflanzen des Reise-Vereins, eine Flora von Württemberg, eine sehr reiche Sammlung von Algen und viele italienische und alpinische Pflanzen. Prof. Dr. Krauß besitzt ein Herbarium der deutschen und Schweizer Flora. – Des ehemaligen botanischen Gartens ist S. 161 gedacht.

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c) Mineralien- und Petrefakten-Sammlungen: Oberreal-Lehrer Blum hat eine Petrefakten-Sammlung, hauptsächlich den Keuper, Lias und Korallenkalk repräsentirend; Oberbaurath v. Bühler besitzt eine sehr große Petrefakten-Sammlung, durch einzelne Prachtstücke und ganze Suiten aus allen Formationen des Inlandes und der französischen Tertiär-Formation ausgezeichnet. Ober-Medicinal-Assessor Demmler besitzt eine sehr schöne Mineraliensammlung, worin besonders die Harzer- und ungarischen Erze vertreten sind. Finanzrath Eser besitzt außer einer kleinen Mineralien-Sammlung eine Reihe von geognostischen Suiten und Petrefakten aus allen Formationen, worunter die einheimischen, alpinischen und Tertiär-Formationen verschiedener Länder besonders schön vertreten sind[5]. Prof. Dr. Krauß eine kleine oryktognostische und eine geognostische Sammlung, sowie eine Suite vom Kap und Natalland, worin die von ihm beschriebenen und abgebildeten Exemplare. Prof. Dr. v. Kurr eine oryktognostische und Edelstein-Sammlung, sowie geognostische Suiten aus Norwegen, Frankreich, Deutschland, besonders aus dem Keuper- und Jura-Gebirge Schwabens; aus dem Keuper sind die Pflanzen- und Saurier-Überreste vorzüglich hervorzuheben. Dr. Oppel hat außer einer oryktognostischen eine durch Pracht-Exemplare ausgezeichnete Sammlung von Petrefakten aus Schwaben, England, Frankreich, den Rheingegenden, worunter namentlich die Ammoniten und Terebrateln der Jura-Formation in seltener Vollständigkeit. Prof. Dr. Plieninger besitzt eine umfangreiche Sammlung hauptsächlich württembergischer Petrefakte und Gebirgsarten. Handlungs-Vorsteher Reiniger hat außer einer hübschen Mineralien-Sammlung auch die württembergischen Petrefakte in schönen und zahlreichen Exemplaren, darunter das riesenmäßige Skelet eines Sauriers (Belodon ?) aus dem oberen Keuper, und eine schöne Reihe von Ceratodus-Zähnen und Knochenresten aus dem Lettenkohlenkalk von Hoheneck; Kammerherr Graf v. Seckendorff eine schöne oryktognostische Sammlung nebst mehreren einheimischen Petrefakten. Direktor Seyffer hat eine kleine oryktognostische Sammlung und manche sehr interessante Petrefakten. Apotheker Weismann besitzt eine schöne Sammlung hauptsächlich württembergischer Petrefakte, worunter die Saurier- und Fisch-Reste, sowie die Encriniten des Muschelkalks in ausgezeichneten und seltenen Exemplaren. Außerdem haben auch die Dr. Andler, Dr. Hoffmann, v. Hövel Petrefakten-Sammlungen, hauptsächlich aus dem mittleren Flötz-Gebirge Württembergs.

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B. Kunst-Sammlungen.

Die Kunst-Sammlungen des Staats in dem S. 172 erwähnten Museum der bildenden Künste sollen theils dem Unterricht und der Selbstübung, theils der Anschauung und dem Genusse des Publikums, und der allgemeinen Geschmacks-Bildung dienen. Sie bestehen 1) in einer an Abgüssen sehr reichen Sammlung von Antiken und Werken der modernen Plastik von Thorwaldsen, v. Dannecker, Canova, Rauch, Schwanthaler etc. mit Einschluß von 148 Antikaglien 479 Gegenstände enthaltend, und großen Theils von unserem Könige der Anstalt überlassen; und 2) in der aus Werken älterer und neuerer Zeit zusammengesetzten Gemälde-Sammlung, bis 1853 an 600 Numern zählend, welche theils von den Ausstattungen der Königlichen Schlösser, namentlich desjenigen in Ludwigsburg etc. herrühren, theils der, in Venedig auf Rechnung der Königl. Civilliste angekauften, im J. 1852 von dem Könige als Fidei-Commiß gestifteten Gemälde-Sammlung Barbini-Breganze angehören, die aus 244, meist der Venetianischen Schule angehörigen Gemälden vom 15. bis 18. Jahrhundert besteht; 3) in einer 124–130.000 Stücke zählenden, durch jährliche Anschaffungen sich erweiternden, erst kürzlich durch einen Ankauf von 2640 Blättern auf einmal bereicherten, Sammlung von Kupferstichen, Kupferwerken, Steindrücken und Handzeichnungen, gleichfalls großen Theils ein Geschenk unseres Königs. – Dem Zutritt des Publikums ist 1) die plastische Sammlung jeden Sonntag von 11–1 Uhr geöffnet. Einzelnen und Gesellschaften, welche den Zutritt außer den öffentlichen Besuchszeiten zu erhalten wünschen, wird derselbe auf Anmelden von dem im Gebäude wohnenden Galerie-Inspector täglich Vormittags von 10–12 Uhr, und Nachmittags von 2 Uhr an gestattet. 2) Die Gemälde-Sammlung ist jeden Sonntag, Mittwoch und Freitag je von 11–1 Uhr geöffnet. Der Zutritt 3) zur Kupferstich-Sammlung steht jeden Mittwoch und Samstag, im Sommer Vormittags von 10–12 Uhr, im Winter von 2–4 Uhr erwachsenen Personen offen. Für die Fortsetzung, Unterhaltung und Verwaltung dieser dreierlei Sammlungen, welche übrigens theilweise im vorbehaltenen Eigenthumsrecht der Königl. Kron-Dotation stehen, sind auf dem Staats-Etat der Anstalt besondere Mittel vorgesehen.

Von den in den Katalogen näher verzeichneten Bildwerken gehören in der plastischen Sammlung folgende Gypsabdrücke nach Antiken unter die bemerkenswerthesten: Die Gruppe der Niobe; sodann von den Sculpturen des westlichen Giebels des Parthenon (Tempels der Athene in Athen): die Statuen des Ilyssus, des Theseus und zwei Frauengruppen, wovon einzelne Theile des Frieses und Metopen vom Parthenon; ferner die Statue des| Dornausziehers; die Knöchelspielerin; Silen mit dem jungen Bacchus auf dem Arme; Polyhymnia; Venus von Medicis; Adonis; die Laokoon’s-Gruppe; Antinous; ein Faun mit dem jungen Bacchus; ein betrunkener Faun; die capitolinische Venus; Apollo von Belvedere; der Scheibenwerfer (Discobolus); der borghesische Fechter; der Torso von Belvedere; Germanicus; Achilles; Diana (von Versailles); Venus von Milos; der Hermaphrodit; die Ägineten; Venus Vietrix; Pallas von Velletri; Flora; Agrippina; ferner verschiedene Anticaglien bestehend aus Ornamenten, Schüsseln, Lampen, Candelabern, Trink- und andern Gefäßen, Altäre, Leuchter, Laubwerk, Vasen, Becher, Tischfüße etc. – Von Abgüssen mittelalterlicher Sculpturwerke sehen wir die der dritten Hauptthüre des Baptisteriums zu Florenz von Lorenzo Ghiberti mit den Darstellungen der Schöpfung, des Tod’s Abels, Noah’s und der Sündfluth, Isaak’s Opfer, Moses mit den Gesetzestafeln, der Segnung Jakobs, Joseph’s und seiner Brüder, des Auszugs der Kinder Israel, David und Goliath, des Königs Salomo und der Königin von Saba. Ferner die zwölf Apostel am Sebaldus-Grab zu Nürnberg mit dem hl. Sebaldus und ihrem Meister, sowie die zwölf Kirchenväter und vier Kinder auf Consolen an demselben Grabmal von Peter Vischer. – Die neuere Plastik ist insbesondere durch eine große und bedeutsame Sammlung von Gypsabgüssen nach Thorwaldsen’s Werken vertreten. Da finden wir von Statuen: Christus und die Apostel, Simon, Paulus, Petrus, Philippus, Jacobus, den Jünger Johannes. Ferner: Ein knieender Engel mit dem Taufbecken; Thorwaldsen’s Büste, von ihm selbst modellirt; Merkur; Venus; Victoria; Amor und Psyche; der Schäfer; Ganymed; Ganymed mit dem Adler; Psyche; Hebe; der triumphirende Amor; eine Karyatide; eine Tänzerin; ein Taufaltar mit Reliefs; einige Portraitsstatuen, worunter seine eigene und eine Menge der herrlichsten Basreliefs, vor Allem der prachtvolle Alexanderszug in 27 Stücken; ferner: Amor und Hymen; Amor und Ganymed; Jupiter, Juno und Amor; Amor und die Grazien; Hylas; Amor und Psyche; Anakreon und Amor; Bacchus und Amor. Gypsabgüsse nach den Werken anderer bedeutender Meister sind vorhanden: die berühmte Gruppe der drei Grazien und das Portrait Napoleons nach Canova; zwei Victorien, Statuen, und ein Relief von Rauch in Berlin, eine Nymphe, Statue von Schwanthaler. Endlich noch eine Reihe von Gypsabgüssen, nach Werken Danneckers, worunter namentlich anzuführen die Statuen: Johannes, der Evangelist; Amor; Hektor; und die Büsten: Lavater’s, Zumsteeg’s, Friedrich des Siegreichen, des Fürsten Metternich, Gluck’s, des Erzherzog’s Carl von Österreich, vor allen aber die geistvoll aufgefaßte und mit unvergleichlicher Meisterschaft ausgeführte kolossale Marmorbüste Schiller’s.

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Die Staats-Galerie zählt Werke von Meistern ersten Ranges von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart, namentlich aus der alten Galerie: ein Portrait von Velasquez; die Einkleidung der h. Clara als Nonne von Zurbaran; der Herzog von Olivarez und sein Gärtner von Velasquez; ein h. Hieronymus betend von Herrera; die Krönung der h. Jungfrau von Fra Bartolomeo; die h. Jungfrau mit dem Kinde und dem h. Joseph, von Perugino; die h. Familie, von Palma vecchio; Portrait des Malers Campi, von Andrea del Sarto; der sterbende h. Sebastian von Guido Reni. Ferner eine büßende Magdalena und Achilles unter den Töchtern des Lykomedes auf Scyros, von P. P. Rubens; der todte Heiland, von Maria Magdalena, Johannes und einem Engel beweint; und einige Genrebilder von Tenier, Brouwer, van der Werff; sodann mehrere treffliche Portraits von van Dyck, van der Helst, Rembrandt,| Mierevelt, Metzu, C. Netscher, Jan van der Baan, Fr. Hals, Fr. Pourbus, H. Holbein, Lucas Kranach, Denner, Kupetzky; einige schöne Landschaften von Everdingen, van der Neer, dann Breughel, Waterloo, Pynaker, Beich, Bemmel: u. s. w., etliche ausgezeichnete Viehstücke von Honte Köter und Berghem. Diesen Werken schließen sich noch einige Bilder und Bild-Schnitzereien der oberdeutschen Schule des 15. Jahrhunderts an, von denen besonders erstere sehr interessant sind. Zu den bedeutendsten Gemälden der meistens aus Bildern venetianischer Meister bestehenden Galerie Barbini-Breganze gehören: mehrere Darstellungen aus der christlichen Geschichte von Giov. Bellini, Martino da Udine, Girolamo di Santa Croce, Marco Basaiti, Vittore Carpaccio, Bartolomeo Montagna; mehrere Portraits von Giorgione; die Jungfrau mit dem Kinde, dem h. Antonius und einem Knaben von Seb. del Piombo; einige treffliche kirchliche Bilder von Palma vecchio, Rocco Marconi und Lorenzo Lotto. Von dem Hauptmeister der venetianischen Schule, von Tizian, besitzt sie fünf Bilder, unter denen einige: eine Magdalena, Maria mit dem Kinde (einige Mal derselbe Gegenstand in anderer Auffassung und Darstellung) von unübertrefflicher Schönheit sind. Mehrere allegorische und christliche Darstellungen haben Bonifacio Veneziano und Andrea Medolla zum Urheber. Einige schöne Bildnisse rühren von Geronimo Savoldo, Moretto, Moroni. Paris Bordone her. Andere meisterhafte Bilder sind: Judith von Pordenone, ein Porträt von Tintoretto, einige Darstellungen aus der christlichen Geschichte und Legende und ein Bildniß von Paul Veronese; der Apostel S. Andreas von Zelotti; eine Anbetung der Hirten von Bassano; die Eitelkeit von Lod. Carracci; die h. Barbara von Ann. Carracci; Andromeda von Dominichino; die Taufe Christi und eine Charitas von Fr. Albani; eine h. Barbara und ein Amor von Guido Reni; das Bildniß eines Gelehrten von Guercino; eine Madonna mit dem Kinde von Sassoferrato; ferner die Mutter Gottes, das Jesuskind von Carlo Dolce; Hercules am Scheidewege und Rebecca am Brunnen von Pietro da Cortona. Endlich verwahrt die Galerie Barbini Breganze noch mehrere ausgezeichnete Bilder von Michel Angelo Caravaggio, Ribera, Strozzi, Salvator Rosa, Luca Giordano, Allessandro Varotari, Turchi, Tiepolo, Solimena und Canaletto. – Von den Werken der neuern Meister sind die ausgezeichnetsten: David, vor Saul die Harfe spielend, und Apoll unter den Hirten von G. Schick (oben S. 109); Hiob, der singende Bacchus und Herkules am Scheidewege von E. v. Wächter; Cornelia, von Hetsch (S. 105); ruhende Nymphen, von Prof. Leybold (S. 110), (ein Geschenk der Stadt Stuttgart); Christus und die Jünger zu Emaus, von Prof. Dietrich; die Erweckung des Jünglings zu Naim, von B. v. Neher; die Weiber von Weinsberg, von Al. Bruckmann; Romeo und Julie, von Carl Müller; Wallenstein und Seni, von C. Rahl; Medea von Riedel. Ferner unter den Landschaften: das Elysium, von Prof. von Steinkopf; Gegend von Epidauros von C. von Rottmann; Parthie an der Elbe. von Morgenstern; Hochstraße in Tyrol von Bürkel, und eine Winterlandschaft von F. Salzer.

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Auch die zum Museum der bildenden Künste gehörige Kupferstich-Sammlung ist verhältnismäßig sehr reich ausgestattet. Namentlich sind darin die sogenannten kleinen Meister ausgezeichnet vertreten, besonders Albr. Dürer im Kupferstich, wie im Holzschnitt. Überdies besitzt sie die bedeutendsten Radirungen der niederländischen und italienischen Meister. Auch die trefflichsten neueren Meister sind würdig repräsentirt, und darf in dieser Hinsicht außer sehr guten Abdrücken der Hauptblätter unserer Landsleute| J. G. v. Müller und dessen Sohn Fr. Müller, nur an die Kupferstiche der größeren italienischen Meister, Morghen, Longhi und insbesondere den genialen Toschi erinnert werden, dessen Stiche sämmtlich in der Sammlung enthalten sind. Ferner besitzt dieselbe die bedeutendsten Galeriewerke, u. A. die der Münchner, Dresdener und Wiener Galerie, des Museums zu Florenz und des Musée français. Auch die Architektur findet sich in mehreren trefflichen älteren Werken vertreten. – Außerdem ist hier das Cabinet der Handzeichnungen, eine reiche Auswahl sehr schöner Stücke, insbesondere altdeutscher Meister.

Die in dem K. Residenzschlosse, in dem Schloßgarten, in der Kronprinzlichen Villa und in den Kirchen befindlichen Kunstschätze sind bei diesen angegeben.

Unter den hiesigen Privat-Kunst-Sammlungen stand bisher diejenige altdeutscher Gemälde des Obertribunal-Procurators Abel schon um deßwillen oben an, weil sie größtentheils aus Werken alter schwäbischer Meister und zwar aus solchen besteht, die zu den ausgezeichnetsten Leistungen der altschwäbischen Malerkunst überhaupt gehören. Dieselbe ist aber in neuester Zeit in dem Königl. Schlosse zu Ludwigsburg aufgestellt worden. Eine andere höchst interessante Sammlung altschwäbischer Bilder, im Besitze des Grafen Wilhelm von Württemberg, befindet sich ebenfalls außerhalb Stuttgart auf der demselben gehörigen Burg Lichtenstein. Werthvollere Gemälde besitzen auch: Kaufmann Gavard, Buchhändler Liesching und Maler Maurer; sie sind aber zu sehr dem Wechsel des Besitzes unterworfen, als daß hier weiter darauf eingegangen werden könnte. Dagegen blieb im Besitze des Ober-Kriegsraths v. Landauer eine kleine aber ausgesuchte Sammlung seit Jahren stabil.

Die meisten und bedeutendsten Gemälde der Landauer’schen Sammlung gehören der italienischen Schule an; es sind darunter namentlich: eine Magdalena von Leonardo da Vinci, eine h. Familie von Salaino, ein Portrait von Fra Sebastiano del Piombo und eine Ölskizze von demselben Meister nach einer Zeichnung von Michel Angelo; ein Portrait von Giorgione; Christus am Kreuze von Fra Bartolommeo; ein h. Sebastian von Dominichino u. s. w. Aber auch treffliche niederländische und deutsche Meister zählt die Sammlung. So sehen wir u. A.: Saul und David, von P. P. Rubens; einige Portraits von Rembrandt, van der Helst und Gerhard Dow; ein vortreffliches Viehstück von P. Potter. Sodann zwei Landschaften von Claude Lorrain und ein ausgezeichnetes weibliches Bildniß von H. Holbein.

C. Technologische Gegenstände.
Das 1850 errichtete Musterlager (Königs-Straße Nr. 74) hat die Bestimmung, zu Förderung der Gewerbs- und Handels-Thätigkeit beizutragen. Es besteht aus zwei auch räumlich getrennten, jedoch unter Einer Verwaltung stehenden, Sammlungen, die eine ausländische, die andere württembergische Gewerbs-Erzeugnisse umfassend. Die| Sammlung von Mustern ausländischer Gewerbs-Erzeugnisse hat den Zweck, die Gewerbetreibenden des Landes mit neuen Rohmaterialien, Gewerbs-Erzeugnissen, Werkzeugen und Maschinen des Auslandes und mit deren Preisen bekannt zu machen, sie dadurch zu veranlassen, auf die Erzeugung gediegener und gesuchter Fabrikate einzugehen, den Geschmack zu bilden, und überhaupt damit auf eine der gesteigerten Anforderung der Neuzeit entsprechende Fabrikation einzuwirken. Diese Sammlung, welche einen tüchtigen Grundstock durch die auf der Londoner Industrie-Ausstellung im Jahre 1851 gemachten Ankäufe erhalten hat, ist seither stets durch Ankäufe vermehrt worden, und immer ist das Absehen darauf gerichtet, sie mit weiteren Erzeugnissen des fremden Gewerbefleißes, welche Württembergs Gewerbetreibenden noch nicht bekannt sind, deren Bekanntwerden aber von Werth für sie ist, zu versehen. Die ganze Sammlung ist nach den verschiedenen Industriezweigen geordnet und steht den inländischen Gewerbetreibenden jederzeit zur Besichtigung offen. Es wird denselben dabei durch die Verwaltung, soweit sie dazu im Stande ist, Auskunft über die Preise, Bezugs- und Absatz-Quellen und sonstige Fabrikations-Verhältnisse ertheilt. Es wird nicht nur das Abzeichnen der Muster gestattet, sondern es werden die letzteren auch an Gewerbetreibende, welche sie nachahmen wollen, unentgeldlich ausgelehnt. Bis jetzt zeigt der Katalog dieser Sammlung über 7000 Numern, ungerechnet die in 84 Bänden gesammelten Gewebemuster, von welchen Probeabschnitte aus sämmtlichen Zweigen der Weberei unentgeldlich abgegeben werden, um die Industriellen dieses Fachs insbesondere mit den hier so schnell wechselnden Ansprüchen der Mode bekannt zu machen. Dazu kommen 161 Zeichnungswerke, welche ebenfalls zur Einsicht für die Gewerbsleute aufgestellt sind. – Die Sammlung der württembergischen Gewerbe-Erzeugnisse hat den Zweck, die Fortschritte der Landes-Industrie dem Gewerbestand wie den Behörden anschaulich zu machen, außerdem auch Fremden eine anschauliche Übersicht über die tüchtigeren Gewerbe-Erzeugnisse des Landes zu bieten, um hiedurch die Fabrikation und den Absatz zu befördern. In die Sammlung sollen nur solche Fabrikate aufgenommen werden, welche anerkannter Maßen durch Schönheit oder Neuheit der Form, durch Solidität der Ausführung u. s. w. sich auszeichnen, oder als für das Land neue oder belangreiche Erfindungen anerkannt werden. Die Einsender der Fabrikate bleiben Eigenthümer derselben; sie können daran neben ihrer Firma die Preise anheften und die Gegenstände jederzeit zurücknehmen; diese werden auf drei, längstens aber auf fünf Jahre in die Sammlung aufgenommen, nachher aber, soweit sie nicht wegen eines historischen Werths für die| Sammlung angekauft oder an diese abgetreten und von ihr übernommen werden, zurückgegeben. Der Zutritt zu dieser Sammlung ist allen Denjenigen gestattet, deren Besuch den obigen Zwecken förderlich ist, und welche, sofern sie nicht persönlich bekannt sind, durch einen bekannten Mann eingeführt werden. Der Katalog dieser Sammlung zeigt bis jetzt 3265 Numern; es beginnt jedoch auch diese Sammlung mehr und mehr in einzelnen Zweigen ein ziemlich getreues Bild von dem Stande der Industrie in Württemberg zu zeigen. – Die Benützung der beiden Sammlungen steigerte sich gleichlaufend mit deren Erweiterung und Vervollständigung stetig. Die Zahl der Besucher betrug im Jahre 1853 über 2600 und im Jahre 1854 etwa 3600.

An diese Sammlungen schließen sich zwei weitere Einrichtungen an, welche in ähnlicher Weise zu Unterstützung der Gewerbetreibenden dienen und häufig die Aufgabe haben, die durch die Mustersammlung angestrebten Zwecke weiter zu verfolgen, nämlich die chemische Anstalt der Centralstelle für Handel und Gewerbe, in welcher Analysen für einzelne Gewerbetreibende gegen billige Vergütung besorgt werden, und zwei von derselben Centralstelle angestellte Webermusterlehrer, welche neben ihrer Hauptaufgabe, der Ertheilung von Unterricht in den verschiedenen Zweigen der Weberei, einzelnen Gewerbetreibenden bei neuen Einrichtungen im Gebiet der Weberei an die Hand zu gehen haben.


  1. Von dem Vorstande derselben, Hofbibliothekar Hofrath Dr. Klumpp.
  2. Von obigen drei Sammlungen handelt Chstph. F. Stälin Zur Geschichte und Beschreibung alter und neuer Büchersammlungen im Königreich Württemberg, insbesondere der K. öffentl. Bibliothek in Stuttgart und der mit derselben verbundenen Münz-, Kunst- und Alterthümer-Sammlung, in den Württ. Jahrbüchern, Jahrg. 1837, 293–387; auch besonders abgedruckt. Es sind hier sowohl die in der Hand-Bibliothek und öffentlichen Bibliothek enthaltenen seltenen Druckschriften und merkwürdigen Manuscripte, als die Schätze der letzterwähnten Sammlungen des Näheren verzeichnet. Über die Stein-Denkmale ist ein bei dem Bibliothekdiener käufliches „Verzeichniß“ erschienen.
  3. Nach den Mittheilungen des O.-Med.-R. Dr. v. Jäger, Prof. Dr. Krauß, und Dr. Fraas. Von Prof. Dr. v. Kurr.
  4. Die von König Friedrich angelegte Menagerie (in den S. 386 erwähnten Localitäten) hatte einen europäischen Ruf und zeichnete sich hauptsächlich durch eine Sammlung von 52 Affen in 17 verschiedenen Arten aus. Sie wurde im Winter 1816/17 aufgehoben. Näheres s. Memminger Stuttgart und Ludwigsburg mit ihren Umgebungen S. 352.
  5. Der ältere Theil dieser Sammlung ist in dem sechsten Jahresbericht über die Realanstalt in Ulm von Dr. Ch. Reuß, Ulm 1850, katalogisirt.
Anmerkungen Wikisource
  1. Es handelt sich höchstwahrscheinlich um Hypostomus plecostomus.


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