Beschreien – berufen –

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Textdaten
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Autor: Heinrich Gottlob Gräve
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Titel: Beschreien – berufen –
Untertitel:
aus: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 123–124
Herausgeber:
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: F. A. Reichel
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Erscheinungsort: Bautzen
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Quelle: MDZ München, Commons
Kurzbeschreibung:
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[123]
LI. Beschreien – berufen –

wahrscheinlich eine aus dem Orient herstammende Sage.

Wenn nämlich Frauenzimmer oder Mannspersonen – besonders mit rothen, triefenden Augen – einen andern Menschen – vornämlich Kinder – ansahen und lobten und nicht „Gott behüte!“ sagten; so wurde der Gelobte – wenn er nicht gleich unter gewissen Sprüchen mit einem Absud von Frauenflachs (antirrhinum linaria) gewaschen [124] wurde – krank, oder bekam wenigstens Flechten, Geschwüre, Warzen u. dergl.

Man wird sich hierbei jener morgenländischen Sage erinnern, nach der es Menschen geben soll, die das sogenannte Zauberauge besitzen, d. h. wodurch sie, wenn sie einen Andern nur anblicken, ihn krank zu machen, ja sogar zu tödten vermögen.

In der Niederlausitz soll es sonst viel dergleichen Menschen gegeben haben, auch hier und da noch geben, ja, diejenigen, welche von einem Thierauge entlehnte Namen, z. B. Ochiolupo – Gansauge, Fischauge etc. führen, können vermuthen, daß ihre Altvordern dergleichen Zauberer gewesen sind.