Allgemeines Deutsches Kommersbuch:112

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 222, 223
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[222]

in den Fe=dern, doch ins Kol=leg, da
führt kein Weg, ist mir zu le=dern!

     2. Geh die Straßen hin und her, kreuz und quer, ob da was zu
schauen wär. |: Aber da ist nichts zu sehen, als daß im Dreck an jeder
Eck Philister stehen. :|

     3. Kommt da einer angerennt. Sapperment, macht der Kerl ein
Kompliment! „Herr, bezahlen Sie die Sohlen!“ Ja, morgen früh, da
kommen Sie, das Geld zu holen!

     4. Kommt da einer wieder schon! „Herr Baron, zahlen Sie den
Pferdelohn!“ Meister Zeune, komm Er morgen! auf Cerevis, ich zahl
gewiß, er braucht nicht sorgen!

     5. „Lieber Herr von Bibice, ach Herrje, 's thut mir in der Seele
weh. Aber das muß ich Sie sagen, bis morgen früh, da zahlen Sie,
sonst muß ich klagen!“

     6. Auf der Rose welch ein Bier! Fuchs, ponier! O wie rosig kneipt
sich's hier! Ha, schon seh ich's Fäßchen blinken, Fuchs, nicht gelumpt,
hier wird gepumpt! drauf laß uns trinken!

     7. Dann mit Rottecks edlem Tier fort von hier zum Speciellen
spritzen wir. Die sonst niemals Geld besitzen, da sind sie gleich an
Thalern reich, wenn’s gilt zu spritzen.

     8. Kommt Herr Kahle uns zu früh, immer jüh! kneipen wir als
Attici. Brüder, bis zum nächsten Morgen, bei diesem Bier vertreiben
wir moralsche Sorgen.

     9. Hat der Bursch nun ausstudiert, promoviert, wird er auch
noch relegiert: nun so schnallt er den Tornister, und geht hinaus ins
Vaterhaus und wird Philister.

Aus Jena.


          245.     Nachklang.

     Singw.: In einem kühlen Grunde ec.

     1. Bist einsam nun geworden, du alter Bursch, sag an, |: hast
manches Leid erfahren, ein stiller, ernster Mann. :|

     2. Leis klingt aus jungen Träumen manch Lied mit süßem Laut
und lockt dir vor die Seele viel Bilder lieb und traut:

     3. Das war in deinen Tagen ein fröhlich frisch Geschlecht, mit
manchen flotten Burschen hast wacker du gezecht.

[223]

     4. Mit Sporenklang und Hussa ward flink die Stadt durchlärmt
und für manch blondes Mägdlein in Züchten hold geschwärmt.

     5. Leicht war von kühnem Hoffen dein junges Herz geschwellt, dir
blühten tausend Blumen, dein war die ganze Welt.

     6. Nun hat auch dich getroffen des Lebens rauhe Hand, bang
fragend in die Zukunft ist trüb dein Blick gewandt.

     7. Wo seid ihr lichten Sterne der goldnen Burschenzeit? O traute
Jugendfrohlust, wie liegst du nun so weit!

G. H. Schneideck.


          246.     Guter Rat.

     Singw.: Sitz ich beim vollen Glase Wein ec. oder Wohlauf, die Luft geht frisch ec.

     1. Bring nur den holden Leichtsinn mit, die Freude am Genießen,
dann werden dir auf Schritt und Tritt die schönsten Blumen sprießen.
Und ob auch wild die Brandung schwellt, dich wird sie nie gefährden,
es wird die Welt, die weite Welt ein trautes Heim dir werden!

     2. Sieh, wenn auch in der Welt nur Ruh und Frieden würden
walten: ein offner Sinn gehört dazu, die Freude festzuhalten. Und
bleibt das Herz so starr und tot, wird sie sich nie erschließen: kann
denn ein Röslein frisch und rot aus dürrem Felsen sprießen?

     3. Das Glück verteilt die Gaben karg, es mag sie nicht vergeuden:
allein die Welt ist nicht so arg, sie hat viel tausend Freuden. Und es
ist leicht, auf Schritt und Tritt den Schatz des Glücks zu heben:
Bring nur den holden Leichtsin mit und Lust am vollen Leben!

R. v. Wilpert.


          247.     Freiburger Bummellied.

     Singw.: Wütend wälzt sich einst im Bette ec. oder Überall bin ich zu Hause ec.

     1. Brüder, ist das nicht ein Leben, flotter als im Paradies: Lieder,
Bier und Saft der Reben und ein Mädchen überdies! Ja, wo Liebe,
Lied und Wein, kehren wir stets durstig ein!

     2. Will die Stadt uns nicht behagen, die Philisterei zumal, lassen
wir von Lust uns jagen singend über Berg und Thal! Ja, wo Liebe ec.

     3. In den Thälern, auf den Hügeln laden uns die Orte ein;
könnten wir die Schritte flügeln, überall zugleich zu sein! Ja, wo Liebe ec.

     4. Waldkirch ist der starke Pfeiler, der die lustge Woche stützt,
Montags drauf von Littenweiler kehren wir etwas bespitzt. Ja, wo
Liebe ec.

     5. Dienstag dann nach Sankt Georgen, Mittwoch auf das Jäger=
haus tragen wir die schweren Sorgen durch den grünen Wald hinaus!
Ja, wo Liebe ec.