Bothwell

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Textdaten
Autor: Emanuel Geibel
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Titel: Bothwell
Untertitel:
aus: Gedichte und Gedenkblätter, S. 69–70
Herausgeber:
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: J. G. Cottasche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Commons
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[69]

 Bothwell.

Wie bebte Königin Marie,
Als durch’s geheime Pförtlein spat
Mit ungebog’nem Haupt und Knie
In ihr Gemach Graf Bothwell trat!

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Ihr schön Gesicht ward leichenweiß;

Sie zuckt’ und sah ihn fragend an;
Er wischte von der Stirn den Schweiß
Und sagte dumpf: „Es ist gethan.“

„Es ist gethan, dein süßer Mund

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War nicht für Buben solcher Art,

Heut Abend um die achte Stund’
Hielt Heinrich Darnley Himmelfahrt.“ –

Sie schrie empor: „Verzeih dir Gott!
Nimm all mein Gold, nimm hin und flieh!“

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Da lacht’ er laut in grimmem Spott:

„Was soll mir Gold für Blut, Marie?

[70]

Ich liebe dich, und wenn ich mich
Der Höll’ ergab zu dieser Frist:
So war’s um dich, allein um dich,

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Weil du der schönste Teufel bist.


Die Hand, die einen König schlug,
Greift auch nach einer Königin.“
Er rief’s, und Grau’n in jedem Zug,
Starr wie ein Wachsbild sank sie hin.

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Er hub sie auf: sie fühlt’ es nicht,

Daß ihr in’s Fleisch sein Stahlhemd schnitt;
Ihr lockig Haupthaar wallte dicht
Um seine Schulter, wie er schritt.

Er stieß den Ring an ihre Hand,

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Er schwang sie vor sich fest auf’s Roß,

Und jagt’ ins wetterschwüle Land
Hinaus mit ihr gen Dunbar-Schloß.

Schwarz war die Nacht, als wäre rings
Erloschen jeder Stern des Heils;

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Nur manchmal in den Wolken ging’s,

Gleichwie das Blitzen eines Beils.