Cromwell’s letzte Nacht (Fontane, 1905)

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Textdaten
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Autor: Theodor Fontane
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Titel: Cromwell’s letzte Nacht
Untertitel:
aus: Gedichte, Seite 180–181
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger
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Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Peter Lely - Portrait of Oliver Cromwell - WGA12647.jpg
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Cromwell’s letzte Nacht.


     Mir sagt’s nicht nur des Arztes ernste Miene,
Selbst fühl’ ich’s, meine Stunden sind gezählt …

     Ein wüster Traum war’s! Wüßt’ ich, diese Nacht
Wird mir der Schlaf ein gleiches Schreckniß bringen,

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So möchte diese Stunde noch der Tod

Statt jenes Stuart[1] an mein Lager treten.
Ernst stand er vor mir; um den nackten Hals
Trug, statt des Schmucks, er einen rothen Streifen,
Und als er wie vordem, zu leichtem Gruß

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Nach dem Barett auf seinem Haupte faßte,

Nahm er den Kopf von seinem blut’gen Rumpf.
Mein Auge schloß sich; als ich’s scheu geöffnet,
Sah wieder ich den purpurfarbnen Streifen,
Er winkte mit dem Finger mir zu folgen,

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Und schwand dann, rückwärts schreitend, in der Thür.


     Was schreckt das Traumbild mich des todten Mannes
Und weckt in mir den alten Aberglauben
An eines Königs Unverletzlichkeit?
Das Schwert des Henkers wär’ wie Glas zersprungen,

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Wenn Gottes Will’ ihn unverletztlich schuf.

Der kühne Normann, der bei Hastingsfield
Den König Harald in den Staub geworfen,
Was war er Bessres als der Cromwell heut,
Der jenen Carl bei Marston-Moor geschlagen?

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Es soll nicht mehr dies blutge Haupt mich schrecken!

Daß ich mein Thun mit seinem Tod besiegelt,
Es war Nothwendigkeit; er mußte sterben,
Es war sein Blut der Mörtel meines Bau’s.

     Ich sah das Schiff, vom Sturm umhergeschlagen,

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Der Klippe nah, an der es scheitern mußte

Und sprang hinzu, – von seinem Platze drängt’ ich
Den schwachen Steurer, und mit fester Hand
Bracht’ ich das Schiff, geborgen, in den Hafen.
Es war noch immer, wo es galt zu retten,

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Das Recht des Stärkern nicht das schlechtste Recht.


     Wenn in die Sendung, die an mich ergangen,
Sich Selbstsucht, Stolz und Eitelkeit gemischt,
So weißt Du, Gott, der meine Nächte kennet,
Wie für die Schwachheit bitter ich gebüßt.

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Mein Leben war das Leben des Tyrannen;

Ob nimmer auch in Blut ich mich gebadet,
Haß fand ich dort, wo festen Arms ich drückte,
Und Eifersucht, wo milden Arms ich hob.

     Erfüllt ist, was ich mußte; Gott, ich wollte

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Des Mannes Blut wär’ nicht an meinen Händen!

Hab ich gefehlt, sei mir ein gnäd’ger Richter, –
In Deine Hand befehl’ ich meinen Geist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Karl I.