Das Aschenweibchen zu Zittau

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Das Aschenweibchen zu Zittau
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 215–217
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[215]
822) Das Aschenweibchen zu Zittau.
Novellistisch beh. v. E. Willkomm, Sagen und Mährchen a. d. Oberlausitz. Hann. 1845. Bd. I. S. 253 sq.

In der Neujahrsnacht des Jahres 1756 und um die [216] Mitternachtsstunde der folgenden Tage haben eine Anzahl Personen ein verkrüppeltes und verrunzeltes altes Frauenzimmer vor der Johanniskirche und auf vielen Straßen mit einem Besen eifrig den gerade gefallenen Schnee zusammenkehren sehen. Einige, welche sich ein Herz faßten, fragten sie, was sie da mache und wer sie sei, und sie antwortete: „ich bin das Aschenweibchen der Stadt und kehre die Asche zusammen, aller Orten wo welche liegt: ich habe noch lange zu thun, denn sie liegt bergehoch und auf allen Gassen, doch hier (vor der Johanniskirche) gerade zumeist.“ Da sich nun diese Erscheinung täglich wiederholte, und die ganze Stadt in Schrecken setzte, beschloß ein hochedler Rath, der Sache ein Ende zu machen und die Landstreicherin, denn dafür hielt man sie, einzufangen. Die Stadtsoldaten, mehrere Rathsherrn an der Spitze, lauerten ihr auch eines Nachts auf, sie erschien auch wie gewöhnlich, man rief sie an, allein sie ließ sich in ihrem Kehren durchaus nicht stören und als man nach ihr schlug und griff, verschwand ihre Gestalt in Luft. Sie kehrte aber darauf die nächsten Nächte nach wie vor fort, doch wagte sich Niemand mehr an sie, und so konnte man sie jede Nacht eifrig kehren sehen, bis am 23. Juli des Jahres 1757 die mit den Sachsen verbundenen Kaiserlichen die von einigen 100 Preußen besetzte Stadt auf einmal bombardirten und zum größten Theile in Asche legten. Eine der ersten Bomben schlug in die St. Johanniskirche und zündete, und überall, wo das graue Mütterchen sich früher hatte sehen lassen, waren glühende Kugeln gefallen und hatten die Gebäude in Brand gesteckt. Während des Brandes aber sah man eine graue Gestalt über die glühenden Trümmer schweben und mit einem Besen Wolken von Asche vor sich herfegen. Nun begriff man die warnende Erscheinung des grauen Mütterchens, aber leider zu spät. Seitdem schwebt es in der Sylvesternacht und am Vorabend des sogenannten Brandfestes. (22 Juli) wie ehedem fegend durch die Straßen der Stadt und ruft dadurch allen leichtfertigen Bürgern die Lehre zu: „Seid wachsam und hütet Euch, daß das Unglück [217] nicht noch einmal unerwartet über Euch komme und Euch ganz vernichte.“