Das Ende der dritten Northern Territory-Expedition

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Autor: Henry Greffrath
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Titel: Das Ende der dritten Northern Territory-Expedition
Untertitel:
aus: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Fünfter Band. S. 205–215
Herausgeber: Wilhelm David Koner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Dietrich Reimer
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Erscheinungsort: Berlin
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[205]
VIII.
Das Ende der dritten Northern Territory-Expedition.
Mitgetheilt von H. Greffrath.


Ich schloß meinen letzten Bericht über die dritte Northern Territory-Expedition im IV. Bande S. 454 ff. dieser Zeitschrift (1869) mit der Meldung, daß die südaustralische Regierung den Schooner Gulnare, befehligt vom Capitän Sweet, am 29. Juni vorigen Jahres von Port Adelaide aus nach Port Darwin mit Proviant u. s. w. hatte abgehen lassen. Der Schoner erreichte am 5. August Coepang auf Timor, wo er eine Woche lang liegen blieb, theils um auf die Ankunft der Post zu warten, theils um Ziegen, Buffalos und Schafe für die Expedition einzunehmen, und traf, nach einer weiteren Fahrt von 12 Tagen, endlich am 24. August an seinem Bestimmungsorte ein. Die Gemüsesendung, zumal die Kartoffeln, kam sehr erwünscht, da sich bereits Symptome von Scorbut eingestellt hatten, die aber nun bald wieder verschwanden.

Die Gulnare, welche am 28. September die Rückreise antrat, lief am 15. November in Port Adelaide ein und brachte außer dem Surveyor-General Mr. G. W. Goyder noch zehn Feldmesser und andere Beamte, so wie 24 Arbeiter zurück. In Port Darwin selbst verblieben im Ganzen 101 Personen, welche unter den Befehl des Arztes, Dr. Peel, gestellt wurden und die, nach bestimmten Instructionen des Mr. Goyder, allerlei Bauten, wie Hafenanlagen, Straßen u. s. w., ausführen sollten.

Der Surveyor-General hat der südaustralischen Regierung seinen officiellen Bericht vorgelegt, der, wie sich erwarten läßt, viel Interessantes darbietet[WS 1], und ich werde im Nachfolgenden nicht blos aus demselben, sondern auch aus anderen mir vorliegenden authentischen Nachrichten das Wichtigste zusammentragen.

Mr. G. W. Goyder hat seine Aufgabe in der kaum glaublich kurzen Zeit von sieben Monaten – am 2. Februar traf er mit seiner Gesellschaft in Port Darwin ein und am 28. September verließ er den Platz – ausgeführt[1], und hat ein Areal guten Landes vermessen, [206] dessen Ackerzahl über die ihm ursprünglich aufgegebenen 500,000 weit hinausgeht. Neben der Qualität des Bodens leitete ihn bei der Auswahl des zu vermessenden Terrains die stete Rücksichtnahme auf Compactheit, leichte Communication und Wasserfronte, und es ist ihm gelungen, diese wichtigen Momente, soweit es irgend möglich war, in Uebereinstimmung zu bringen. Selbst die größten Sanguiniker, deren es freilich bei Abgange der Expedition sehr wenig gab, hätten ein so glänzendes Resultat nie und nimmer erwartet. Mr. Goyder ist jetzt – mit Recht – der bewunderte Mann in ganz Australien und sein Name wird in den Annalen der Colonie Süd-Australien stets eine hervorragende Stellung einnehmen.

Die Gesammtsumme des vermessenen Landes beträgt, mit Einschluß der Wege und Reserven, im Ganzen 665,866 Acres, und zwar:


1) Hauptstadt auf Fort Point.

Die Außenmündung des als eine „Perfection of a shipping-place“ beschriebenen Port Darwin wird zwischen zwei hervorragenden Landspitzen, East und West Points benannt, eingezwängt, innerhalb welcher die continuirliche Reihenfolge von Baien schon beginnt. Ist man bei diesen Points vorbei, so nimmt die Verengung der Wasserstraße noch weiter zu und erreicht zwischen Point Emery (östlich) und Talc Head (westlich) ihr Maximum; ist aber Fort Point zur Linken passirt, so breitet sich das große, weite Bassin des Hafens aus. Fort Point heißt der östliche Winkel eines doppelköpfigen Caps, Point Emery dagegen der westliche, und in ersterem ist die Hauptstadt dieser neuen nordwestaustralischen Colonie angelegt[2]. Das Cap blickt nach Süden und hat eine solche Lage, daß man von dort aus die ganze Breite des inneren Hafens, sowie seine drei Arme – den East, South und West – völlig überschauen kann[3].

[207] Die Hauptstadt enthält nur:

999 Allotments von je ½ Acre 499½ Acres
Straßen und Wege 1160 -
Reserven 27 -
Parkland 730 -
Friedhof und Reserve 90 -
Total 2506½ Acres.

Bei Fort Point hat man bereits eine feste Mole aus Felsblöcken in die See gebaut, an deren Verlängerung noch gearbeitet wird und die in der Länge von 160 Fuß bis zu einem Punkte geführt werden soll, wo die See bei niedrigstem Wasserstande immer noch 6 Fuß Tiefe mißt, bei Hochfluth aber für Schiffe von 15 Fuß Tiefgang zugänglich ist. Die Mole braucht dann nur auf Schraubenpfeilern, screw piles, weitere 100 Fuß fortgeführt zu werden, um es solchen Schiffen zu jeder Zeit zu ermöglichen, Cargo ein- und auszuladen.

Von der Mole ab zieht sich an beiden Seiten des Bluff herum eine Straße hin, um sich in der hinter demselben gelegenen Niederung zu vereinigen. Hier beginnen die Stadt Allotments. Dicht dahinter liegen das Parkland und der Friedhof, und daran schließen sich dann unmittelbar die Land-Sectionen.


2) Landstadt am Flusse Blackmore.

Der südliche Arm des Hafens wird von drei Flüssen, welche sich durch vortreffliches Land hinschlängeln, gespeist. Der östliche heißt der Berry River und kann bis zu der die Wasserscheide zwischen demselben und den Nebenflüssen des Adelaide River bildenden Hügelreihe verfolgt werden. Der mittlere ist der Darwin R., welcher in südlicher Richtung auf die Quellen des Finniss R. zuführt. Der westliche ist der Blackmore R., der sich nicht weit von seiner Mündung in die aus einem holprigen, hügeligen Terrain herabkommenden Lagoon und Peel Creeks spaltet. Dort, wo diese Theilung eintritt, befindet sich die Stadt. Der Plan ist dieser:

335 Allotments von je ½ Acre 167½ Acres
Straßen und Wege 31 -
Reserven 8 -
Parkland 252 -
Friedhof und Reserve 40 -
Total 498½ Acres.

[208]
3) Landstadt am Flusse Elizabeth.

Die Fortsetzung des östlichen Armes von Port Darwin ist der Elizabeth River, und nicht weit von seiner Mündung liegt in einem Winkel und zwar da, wo sich der Well’s Creek mit dem Elizabeth R. vereinigt, die Stadt. Anfänglich war dieselbe etwas südlicher angelegt, man entdeckte aber, als leider die Vermessung schon zu Ende war, daß dort bei der niedrigsten Ebbe Felsen im Flusse sichtbar wurden. Deshalb ward die erste Vermessung cassirt und die Stadt zwei Miles nördlicher verlegt, bis wohin Fahrzeuge mit einem Tiefgange von 6 Fuß zu jeder Zeit gelangen können.

Der Plan weist aus:

313 Allotments von je ½ Acre 156½ Acres
Straßen und Wege 76 -
Reserven 8 -
Parkland 363 -
Friedhof und Reserve 25 -
Total 628½ Acres.


4) Landstadt bei Fred’s Pass.

Das beste des in der Nähe des Adelaide River vermessenen Landes grenzt an die Daly Ranges von Fred’s Pass herab bis zu den Manton und Stanley Creeks. Bei Fred’s Pass ist ungefähr 2 Miles vom Adelaide R. die entfernteste Inland-Stadt angelegt.

Der Plan ergiebt:

207 Allotments von je ½ Acre 103½ Acres
Straßen und Wege 18 -
Reserven 1 -
Parkland 649 -
Friedhof und Reserve 23 -
Total 794½ Acres.

Ferner folgen:

5) 1708 Blocks (Grundstücke) von je 320 Acres 546,560 Acres
6)  208 - - von je 160 Acres 33,280 -
7)  330 - - in gradlinigen Win-
keln ausgelegt
73,964 -
8) Wege 7554 -
9) Reserven 80 -
Total 661,438 Acres.
Ueberhaupt wurden vermessen 665,866      -

[209] Die ganze Vermessung repräsentirt einen unregelmäßigen Halbzirkel, welcher von Shoal Bay bis Anson Bay reicht und zu dem der südliche Arm des Hafens, der genau auf den Mittelpunkt gerichtet ist, den Radius abgiebt. Am dichtesten liegen die Sectionen zwischen den Adelaide und Finniss Rivers.

Im Anfange war das lange dicke Gras ein großes Hinderniß bei der Arbeit, und zwei Mann mußten stets voraufschreiten, um den Weg frei zu legen; als aber die Sommermonate vorschritten und das Gras dürre ward, konnte man dasselbe durch Abbrennen beseitigen. Auffällig war die Beobachtung, daß das Gras selbst bei dem heißesten Wetter immer sehr bald wieder ausschlug, was wohl die Folge des heftigen Thaues ist, welcher des Nachts fällt.

Mit Ausnahme von Fort Point nähert sich kein Theil des vermessenen Landes auf mehr als 1 Mile der Seeküste. Um den East Arm mußte ein großer Gürtel von Mangroves und auf der Halbinsel zwischen den South und East Arms ungefähr 8 Miles übergangen werden müssen. Zwei Blocks stehen in gar keinem Zusammenhange mit dem Flußsysteme des Port Darwin. Der eine, und zwar westliche, ist ein unregelmäßiger Strich von Sectionen, die sich nach der Küste von Anson Bay hinziehen. Der andere, südliche, lehnt sich an das nördliche und südliche Ufer, sowie an die Quellen des Finniss R. an. Hier herrscht ausgezeichneter Boden.

Die Vermessung, welche, in Folge der Configuration der Küste und des Laufes der Flüsse, viel Irregularität aufweist, erstreckt sich, von Fort Point aus gesehen, westlich und südwestlich, den Krümmungen der Küste folgend und von Mangroves häufig unterbrochen, bis Fog Bay und Point Blaze (nördlich von Anson Bay); nach Süden hin, über die Daly Ranges schweifend, bis zu den südlichen und östlichen Quellen des Finnis R., in der Länge von 58 Miles; im Osten bis an das östlich vom Adelaide R. befindliche Moorland, und im Norden hört sie bei den Mangrove-Sümpfen auf, welche sich wenige Miles vor Shoal Bay ausbreiten. Oestlich, südlich und südwestlich von Mount Charles, wie unter 13° südl. Br. eine hervorragende Position zwischen dem Upper Finniss R. und dem Upper Adelaide R. benannt wurde, überblickt man eine Prairie von wenigstens einer Million Acker Land von durchschnittlich guter Qualität. Manches davon ist außerordentlich reich, anderes hingegen wieder arm und sandig. Der größte Theil desselben ist jedoch für die Gewinnung tropischer und semitropischer Produkte, wie Zucker, Baumwolle und Reis, ausserordentlich passend, und das ganze Areal überhaupt, reichlich begrast und wohl bewässert, eignet sich vortrefflich für den Betrieb von Viehzucht. In dieser Richtung dürfte auch die neue Colonie ihre weitere Ausdehnung [210] zu suchen haben, da sich hier das beste des noch nicht vermessenen Landes befindet. Bei Mount Charles wurde ein eingehegtes Grasland (Paddock) von 20,000 Acres des besten Weidelandes für den überseeischen Pferdehandel reservirt.[4] Kleinere Reserven für denselben Zweck sind auch fünf Miles von Fort Point in Blocks von je 1000 Acres angelegt worden.

Südlich vom Finniss R., in der Richtung nach den Flüssen Daly und Victoria, scheint der Boden in Charakter und Qualität ebenfalls zu gewinnen, sowie die Flüsse und Creeks zahlreicher werden. Doch konnte Mr. Goyder seine Untersuchung, die schon gegen drei Wochen andauerte, nicht weiter ausdehnen, um sich des Näheren zu vergewissern, da seine Anwesenheit bei den Vermessungen sich vernothwendigte und überdies auch die Pferde zu sehr von den Strapazen mitgenommen waren.

Das occupirte Land ist Districten entnommen, welche bisher vier verschiedenen Stämmen der Eingebornen angehörten und die Namen Woolner, Woolner Larakeeyah, Larakeeyah und Warnunger führen. Es liegt innerhalb der Grenzen von 16 größeren Districten, deren Areal zwischen 120–196 Miles variirt, und von denen manche Strecken noch unvermessenes Kronland bilden.

Das Land in der Nähe von Fort Point besteht größtentheils aus Tafelland, welches 60–150 Fuß über dem Meeresspiegel liegt und das sich, abgesehen von einigen klippenreichen Küstenstrichen zwischen Fort Point und Point Emery, nach der See zu allmälig niedersenkt. Die Klippen, mit Ausnahme von Fort Point und Point Emery selbst, wo das Land frei und offen liegt, sind in einer Breite von 5–20 Yards mit einem kaum passirbaren Dickicht aus verschiedenem Gehölz besetzt, welches durch Bambus, Convolvulus und allerlei Schlingpflanzen und Gebüsch undurchdringlich wird. Auf dem niedrigen Küstenlande, zumal so weit es in den Bereich der Fluth fällt, stehen dicht gedrängte Mangroves von zwei bis drei Varietäten. Diese verschwinden jedoch, so wie das Land ansteigt, und an ihre Stelle treten peperbark, zum Theil von mächtigem Wuchse, Palmen (fan und fern), screw-pines, ironbark, gum, stringybark, fig, cedar, cotton und eine große Anzahl anderer Bäume und Sträucher, welche einen offenen Wald bilden. Das Gras, von holcus bis zu den feinsten Arten, wächst fast überall in größter Ueppigkeit. Der Boden ist meist gut und von dunkelbrauner Farbe, und mit kleinen Steinchen aus eisenhaltigem Sandstein [211] bestreut, die sich jedoch an manchen Stellen so massenhaft ansammeln, daß zwar ein Baum noch durchzubrechen vermag, aber jede andere Vegetation fehlt. In der Nähe der See, und zwar gewöhnlich da, wo ein Wasserlauf einmündet, stößt man auf sumpfige Ebenen, reich an riesigen Bäumen und üppiger Vegetation, die indeß, weil sie zur Regenzeit überschwemmt sind, von der Vermessung ausgeschlossen wurden.

Diese allgemeine Beschreibung gilt für alles Tafelland, so weit es sich südlich bis Fred’s Pass hin erstreckt, nur daß dabei die Abhänge und Thäler immer den besseren Boden aufweisen und auch frei von Steinen sind. Von Mount Daly westlich bis zum Blackmore R. trifft man denselben offenen Wald und dasselbe wellenförmige flache Land. Von der am Blackmore R. liegenden Stadt bis zu den Tumbling Waters (ungefähr 4½ Miles vom Landungsplatze am South Arm) verändert sich der Boden auf der Ostseite aus dunkelbraunem in sehr hellen Lehm, so daß er fast wie Sand aussieht, aber er enthält in der That 95 pCt. Erde und nur 5 pCt. Sand. Von da ab bessert sich der Boden allmälig[WS 2] nach Süden, Südost und Südwest zu, ausgenommen wo Hügelketten vorherrschen und die Stärke der Bäume (mit Ausschluß an den Wasserläufen) abnimmt. Der Korkbaum wächst bei Mount Charles sehr kräftig und in großer Menge, und die Rinde scheint von vorzüglicher Qualität zu sein.

Die Felsen in den verschiedenen Buchten, welche man auf den ersten Anblick für Granit halten möchte, erweisen sich bei genauerer Untersuchung als Schieferthon, Schieferstein oder glimmerartiger Sandstein. Das Gestein auf dem Rücken der meisten Berge ist harter grauer krystallinischer Quarz, mit Glimmer und Sandstein. Wenige Miles nördlich und eine beträchtliche Strecke südlich vom Finniss R., so wie an seinen östlichen und südlichen Quellen trifft man zwei Arten von Granit, die eine grau und die andere, in welcher der Feldspath vorherrscht, fleischfarben. Die graue Varietät ist compact und von feiner Qualität, und massenhaft vorhanden. Kalkstein hat man bis jetzt nicht aufgefunden, so daß man, falls derselbe überhaupt nicht vorkommen sollte, auf die Muscheln und Korallen, welche an der Küste in beliebiger Menge zu finden sind, als Surrogate angewiesen wäre.

Es mag hier noch einer geologischen Merkwürdigkeit erwähnt werden, auf die man an der Küste zwischen Port Darwin und Schoal Bay stieß, und welcher man den Namen Dripstone Caves gab. Diese bestehen aus sich schlängelnden Einzackungen in den Felsen, welche anfänglich offen sind, dann aber sich zu Arcaden vereinigen und mit einer malerischen Decke aus Kalksinter bekleidet sind, durch welche [212] das Wasser in solcher Menge herabträufelt, daß man es mit einer Douche vergleichen könnte. Mr. Goyder wurde hier durch ein Bad vom Prickly heat (röthlicher Hautauschlag der Tropen) geheilt.

Die Mineralien, welche aufgefunden wurden, sind Eisen, Zinn, Kupfer und Gold. Eisen ist sehr verbreitet und Kupfer findet sich am Finniss R. Für die Zeit von ungefähr Mitte Juli bis Ende August wurde eine Partie unter Führung von Mr. Burton, einem erfahrenen Victoria-Digger, auf Goldexploriren ausgeschickt. Sie bereisten ein weites Terrain, konnten aber, der kurzen ihnen zugemessenen Zeit wegen, nur eine oberflächliche Untersuchung im Alluvium vornehmen. Man fand Spuren von Gold (sogenannte Specks) an den Tumbling Waters, an den Flüssen Blackmore, Finniss und Darwin u. s. w., hauptsächlich aber am Charlotte Creek, wo 15 Dwts = ¾ Unzen, im Werthe von 20 Thlr., gewonnen wurden.

Das Klima ist in den Monaten Mai, Juni, Juli, August und September sehr schön und gewöhnlich angenehm, d. h. am Tage gerade nicht zu warm und des Nachts kühl. Mit October ändert sich das Wetter, die Atmosphäre wird feuchter und die Hitze intensiver. Der Regen prädominirt von October bis April. Von Mai an hatte man kaum irgend welchen Regen. Die Gesellschaft konnte, im Ganzen genommen, das Klima recht wohl vertragen, und der Gesundheitszustand ließ durchschnittlich nichts zu wünschen übrig. Anfänglich stellten sich ein hitziger Hautausschlag, so wie Schwären der Hände ein, und gelegentlich traten auch einige Fälle von Dyssenterie und Augenentzündung auf.

Manche Creeks trockneten freilich während des Sommers ein, aber es blieb immerhin noch ein großer Ueberfluß an Wasser, und zwar von viel besserer Qualität, als man in Süd-Australien gewöhnlich vorfindet. Nur ein einziges Mal traf man auf Wasser, welches brakig war.

Die Herren Schulze und Sohn haben per Gulnare wieder 34 Kisten enthaltend Bälge von Thieren, Fische, Schlangen, Crustaceen, Insekten, Pflanzen, Schwämme, Corallen, sowie auch lebende Thiere – im Ganzen über 8000 Specimina – eingeschickt. Mr. Goyder spendet dem unermüdlichen Eifer dieser Herren großes Lob.

Todesfälle kamen zwei vor. Der Koch Richard Hazerd, ein Farbiger, starb am 9. August an der Schwindsucht und an Rheumatismus. Dann wurde leider ein talentvoller junger Mann, Mr. J. W. O. Bennett, der Kartenzeichner war, von den Eingebornen ermordet. Derselbe hatte bereits der ersten Expedition unter Colonel Finniss angehört und zeigte stets ein besonderes Interesse für die Erlernung der Sprache [213] der Eingebornen, die er auch ziemlich gut verstand und zu der er ein Vocabularium verfaßt hat. Aus diesem Grunde mischte er sich, entgegen der bestimmten Anordnung des Mr. Goyder, gern unter die Eingebornen, ohne die nöthige Vorsicht anzuwenden, zumal da es schien, als hätten sie ihn sehr lieb. Am 24. Mai ward dieser Mr. Bennett, als er in seinem Zelte mit Kartenzeichnen beschäftigt war und nur noch ein Arbeiter sich im Lager befand, während das Gros der Abtheilung auf Feldmessen gegangen war, plötzlich und unvermuthet von einer Horde von Wilden überfallen und mit Speeren dermaßen verwundet, daß er am 25. Mai den Geist aufgab. Sein Gefährte, welcher ebenfalls schwere Wunden davon trug, konnte jedoch geheilt werden.

Die Eingebornen, schreibt Mr. Goyder, sind und bleiben treulos und verrätherisch, und ihr ganzes Streben geht nur auf Raub und Mord aus, wozu sie sich um so viel mehr berechtigt glauben, als das Land ihnen gehört, welches wir gekommen sind, ihnen zu entreißen. Der Mord des unglücklichen Bennett läßt eben eine doppelte Betrachtung zu, und Mr. Goyder, der ein entschieden ruhiger Denker ist, willfahrte nicht denen, welche zu einer exemplarischen Wiedervergeltung, die sich sehr leicht hätte ausführen lassen, geneigt waren. Er befahl vielmehr, die Lager zu befestigen und die Eingebornen fern zu halten.

Im Uebrigen wird noch berichtet, daß die Wilden unmittelbar an den Küsten entlang die „most miserable specimens of humanity“ seien, dagegen weiter im Lande feine kräftige Gestalten repräsentiren, die nicht selten über 6 Fuß messen. Ja, man traf einen Eingebornen, welcher eine Größe von sechs Fuß neun Zoll hatte.

Der Schooner Gulnare wurde schon wieder Ende November mit Lebensmitteln und andern Bedürfnissen nach Port Darwin abgeschickt. Unter den Passagieren befanden sich ein Corporal und acht leicht berittene Polizeisoldaten. Auch überbringt der Schooner zwei Haubitzen, mit deren Canonade man den Eingebornen Respect beibringen will. Ein zweites von der südaustralischen Regierung gechartertes Schiff, genannt Kohinoor, wird Ende December mit weiteren Vorräthen nachfolgen und den Rest des in Port Darwin noch verweilenden Personals der Expedition nach Port Adelaide zurück bringen. Nur 45 Personen sollen dort im Dienste der Regierung verbleiben, theils zum Schutze der nachfolgenden Ansiedler, theils zur Weiterführung der nöthigen öffentlichen Arbeiten. An Stelle des mit dem Kohinoor zurückkehrenden Dr. Peel wird Dr. Millner als Acting Government-Resident eintreten.

Die Regierung hat, im Gefühl der Billigkeit, beschlossen, daß, [214] bevor die Auswahl des erstandenen Landes vor sich gehen darf, die land-order-holders in England benachrichtigt werden, damit sie ihre Agenten in Adelaide mit den nöthigen Instructionen versehen. Dies kann bis Anfang April geschehen sein, und dann mögen die Käufer ihre Auswahl treffen.


Nachschrift. Der Schooner war am 6. Januar, und das ihm nachfolgende Schiff Kohinoor am 21. Januar glücklich in Port Darwin eingetroffen. Mit dem Gulnare kehrte eine zweite Abtheilung der Goyder’schen Mannschaft (19 Personen) nach Adelaide zurück, während der Rest (60 Personen) mit dem Kohinoor, welcher schon am 3. Februar das Northern Territory verlassen sollte, zurückkehren wird.

Man hatte in Port Darwin der Ankunft dieser Schiffe mit ängstlicher Erwartung entgegengesehen, da der Proviant anfing zu Ende zu gehen, und das Mehl, in welchem sich der Wurm eingenistet, unbrauchbar geworden. Ueberdies konnte sich der Dr. Peel welcher, nach der Abreise des Mr. Goyder, die Leitung übernommen, in dieser Stellung schlecht behaupten, und allgemeine Unzufriedenheit und Insubordination hatten die frühere vortreffliche Disciplin verdrängt. Es war jedenfalls die höchste Zeit, daß der für einen solchen Posten besser befähigte Dr. Milner, welcher den Dr. Peel bis zur Ankunft des wirklichen Government-Resident abzulösen hatte, endlich am 21. Januar mit dem Kohinoor eintraf. Diesem gelang es sehr bald, die alte Ordnung wieder herzustellen.

Seit dem Weggange des Mr. Goyder war man vorzugsweise damit beschäftigt gewesen, die vom Hafen aus ins Innere der Ansiedlung führende Hauptstraße passirbar zu machen, doch konnte die Arbeit wegen Terrainschwierigkeiten noch nicht ganz zu Ende gebracht werden. Auch hatte man sechs bequeme Wohnungen, einen großen, sicheren Viehhof und einen Brunnen von 70 Fuß Tiefe, welcher ausgezeichnetes Wasser lieferte, hergestellt. Nach dem Adelaide River wurden mehrere Mann beordert, um wo möglich die von der ersten Northern Territory Expedition dort zurückgelassenen Pferde einzufangen. Es gelang dies wenigstens zum Theil nicht nur, sondern man stieß auch auf verwildertes Rindvieh, von dem mehrere Stück eingebracht wurden.

Eingeborne, dem Stamme des aus den früheren Expeditionen bekannten Häuptlings Mira angehörig, hatten sich in freundlicher Weise eingefunden, wurden aber mit Nachdruck zurückgewiesen. Von diesem Mira erfuhr man auch, daß ein sehr langer weißer Mann mit fliegendem grauen Barte sich bei Eingebornen, welche östlich vom Adelaide River wohnen, seit langer Zeit aufhalte, und daß derselbe [215] unlängst bei einem Streite einen seiner (Mira’s) Leute an der Schulter mit einem Speere verwundet habe. Es dürfte das wohl derselbe weiße Mann sein, von dem schon Capitän Cadell auf der zweiten N. Territory Expedition hörte. Man ist bei einer solchen Nachricht geneigt, immer wieder an den unglücklichen Dr. Leichardt zu denken.

Die unermüdlichen Herrn Schultze und Sohn (Botaniker und Zoologen) haben wieder eine große und werthvolle Sammlung von Pflanzen, Vögeln, Insekten u. s. w. zusammengebracht, welche sie in 35 Kisten an das Adelaide Museum per Gulnare abgeschickt haben. Darunter befinden sich nicht weniger als 249 neue Species von bisher unbekannten Pflanzen.

Die südaustralische Regierung hat jetzt definitiv einen Government-Resident für das Northern Territory ernannt. Die Wahl, welche allgemein als eine höchst glückliche bezeichnet wird, ist auf den Cpt. Bloomfield Douglas, früheren Präsidenten des Marine Board und gegenwärtigem Collector of Customs (General-Zolldirector), gefallen, welcher nicht blos als ein sehr intelligenter und energischer Mann gilt, sondern dem auch sehr reiche Erfahrungen im Navigationsfache etc. zur Seite stehen. Derselbe wird schon in nächster Zeit nach Port Darwin abgehen. An dem guten Erfolge der neuen Ansiedlung scheint jetzt Niemand mehr zu zweifeln. – Wie verlautet, dürfte das nächste Parlament wohl nicht abgeneigt sein, eine Belohnung von £ 1000 an denjenigen zu gewähren, welchem es gelingt, die ersten 5000 Schafe von südaustralischen Runs über Land nach Port Darwin zu treiben.

Endlich sei noch erwähnt, daß eine Telegraphen-Compagnie in London, deren Agent, der Cpt. Noel Osborn, schon mit der nächsten europäischen Post hier eintreffen wird, jetzt Port Darwin zum Ausgangspunkte für eine telegraphische Verbindung Australiens mit Indien, Europa und Amerika festgesetzt hat, und es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß dann später, mitten durch das Herz dieses Continents, eine direkte telegraphische Verbindung Port Darwins mit dem Port Augusta (eine Entfernung von 1300 Miles), welche für die Colonie Süd-Australien und Victoria die günstigste ist, sehr bald nachfolgen wird.

Anmerkungen

  1. Daß Mr. Goyder dies ermöglichte, lag zunächst darin, daß die Gesellschaft aus lauter von ihm selber ausgewählten und im Buschleben wohl erfahrenen Kernmännern, picked men, bestand, welche das unbedingteste Vertrauen in ihren Führer hatten und ihm mit Liebe und willigem Gehorsam anhingen. Keine Spur von irgend [206] einer Subordination kam vor, an der doch die erste Northern Territory-Expedition unter dem unwürdigen Colonel Finnis so reich war. Dann aber war es auch große Klugheit, daß Mr. Goyder das sogenannte Mileage-System einführte. Darnach fixirte er das Quantum Arbeit, welches die verschiedenen Abtheilungen pro Tag zu verrichten hatten, was sie darüber leisteten wurde extra bezahlt. So wurde das objective Interesse mit dem subjectiven vortheilhaft in Verbindung gebracht.
  2. Die Stadt wird wohl Palmerston genannt werden, indeß ist darüber noch keine officielle Bestimmung getroffen.
  3. Diese drei vom Hafen in’s Land sich erstreckende Arme wimmeln von Alligatoren und Crocodilen, von denen man einige schoß, sie sind aber durchweg außerordentlich scheu und furchtsam, so daß ihnen sehr schwer beizukommen ist.
  4. Es wird nämlich beabsichtigt, den Haupt-Pferdemarkt für Ostindien, welches Land seinen großen Bedarf an Pferden gegenwärtig zum großen Theil aus den südlichen Colonien Australiens entnimmt, in Port Darwin zu etabliren, weil sich die Kosten der Verschiffung von hier aus selbstverständlich um ein sehr Bedeutendes verkürzen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: darbietes
  2. Vorlage: allmälg