Bergmännisches vom Tatin

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Autor: Adolph Hübner
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Titel: Bergmännisches vom Tatin.
Untertitel: Briefliche Mittheilung des Bergingenieurs Adolph Hübner an die Redaction.
aus: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Fünfter Band. S. 198–204
Herausgeber: Wilhelm David Koner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Dietrich Reimer
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Scans auf Commons Google
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[198]
Bergmännisches vom Tatin.
Briefliche Mittheilung des Bergingenieurs Adolph Hübner an die Redaction.


Ansiedlung am Tatin, den 14. August 1869.

Der Hammer ruht nun endlich in der Tasche, nachdem er so manchen unschuldigen Quarzblock zerpocht hat, der „Steinesschatz der theure“ ist wohl verpackt und etiketirt in der Kiste, die Wunden, die Hände und Gesicht von den neidischen Dornen erhielten, fangen an zu heilen, und getrost darf die Feder walten. Den Tatin und zwar seine Goldfelder soll sie schildern! Endlich etwas aus Süd-Afrika! so höre ich Manchen ausrufen, der eingedenk des alten Ausspruchs des Plinius: „semper aliquid novi Africam adferre“ etwas ganz besonders Interessantes von mir erwartet. Ja Neues kann ich allerdings berichten, aber leider nichts Gutes; daß ich’s kurz mache: mit den Goldfeldern sieht es recht bös aus. Quarz ist hier in Menge und auch etwas Goldquarz ist darunter, aber in diesem wieder das Gold nur in solchen Quantitäten, daß es nur ein erfahrener Golddigger entdecken kann. Gestatten Sie mir, Ihnen die Haufen Quarzstücke, die auf den Halden der bis jetzt betriebenen 4–5 Schächte liegen, vor Ihr geistiges Auge zu führen, zehn faustgroße Stücke herauszunehmen und Ihnen erst im zehnten in einer obscuren Ecke einige Pünktchen Goldes zu zeigen, so werden Sie einen Begriff davon bekommen, was man bei uns im Erzgebirge „Pochgänge“ nennt, bekanntlich jene armen Erze, die erst nach gründlichem Malträtiren im Pochwerk und gehörigem Waschen das edle Gut, was in ihrem Tiefinnersten verborgen schlummert, fahren lassen. Ja, wenn wir nur erst unser Pochwerk fertig haben, dann werden wir sehen, was der Durchschnittsgehalt ist, jetzt kann man es dem Quarz noch nicht ansehen, so trösten sich die Digger; das ist allerdings wahr, aber die zwei Nullen hinter dem Dezimalstrich werden sie doch nicht wegpochen können. Doch gehe ich auf die Lage der Dinge näher ein.

Die Wissenschaft findet auch allhier ihre Bestätigung, indem, wie es an so vielen Punkten der Erde schon beobachtet wurde, Talk- und Chloridschiefer die Träger des Goldes sind: auf der Route von Durban bis hierher, wo ich nirgends Spuren von Gold fand, beobachtete ich sie an keiner Lokalität; hier treten sie zuerst auf, wenn man von der Küste herkommt, und mit ihnen erscheinen auch die goldführenden Quarzgänge. Leider kann ich nur wenig über die Ausdehnung der Schiefer sagen; so weit ich ihr Gebiet kenne, ist es hier am Tatin eingeengt durch Sandsteine nach Nordost, durch eisenglanzhaltigen Thonschiefer nach Ost und Gneiß nach Süd; in diesem letzteren bildet der Chloridschiefer untergeordnete Einlagerungen, die man am zwei [199] Stunden entfernten Shashi verfolgen kann; nach West verfolgte ich die fragliche Formation 10 engl. Meilen.

Die Gegend in der Nähe des alten Elephantenjägerweges, der in das Reich der Matabele führt, mußte natürlich zuerst durchforscht werden, und so kam es, daß Mauch der erste war, der nahe der Drift, wo der Weg über den Tatin führt, goldhaltigen Quarz entdeckte. Hunderte sind seitdem hier gewesen, haben die Gegend wohl 6–10 engl. Meilen im Umkreis gründlich untersucht, und sind nach einigen Wochen oder Monaten enttäuscht zurückgekehrt. Man hat im Flusse (bekanntlich ein intermittirender) vergeblich gewaschen, 15 Fuß tief gegraben, bis man auf eine Thonschicht kam, unter der man nichts vermuthete, man hat ferner in einem Seitenthal ½ Dutzend Schächte von 10–20 Fuß Tiefe abgeteuft, ohne auch nur eine Spur von Alluvialgold zu finden, und nur einige „Parties“ haben sich mit anerkennungswertber Energie darauf gelegt, die Quarzgänge gründlicher zu untersuchen. Sie wurden durch „alte Baue“ zu ihren Versuchen ermuntert, und es ist keine Frage, daß die Berichte von alten Gruben der ersten Entdeckung eine solide Basis verliehen. Man schloß, daß, wenn rohe Wilde früherer Jahrhunderte im Stande gewesen waren, Golderze abzubauen, man es jetzt um so viel mehr mit unsern vervollkommneten maschinellen und chemischen Hülfsmitteln könne.

Die 3–4 Schächte auf dem Black Hill sind alle auf alten im Laufe der Zeit (oder wohl eher absichtlich aufgefüllten) zusammengestürzten „Schürfen“ von den Engländern drives genannt, niedergebracht; ich habe mich persönlich von deren Existenz überzeugt und namentlich einen größeren derartigen „alten Bau,“ der sich 10 engl. Meilen oberhalb der „Ansiedlung am Tatin“ befindet, genauer studirt. Dort kann man ihn ca. 250 Schritt lang verfolgen; dem Laien erscheint er wie ein 3–4 Fuß tiefer Bach, man sieht aber deutlich Anfang und Ende, und in seinen Krümmungen kann man die launischen Windungen verfolgen, die so viele Gänge auszeichnet. Bis jetzt haben sich zwei Parties auf die Ausbeutung dieses alten Bergbaues geworfen, und mit leidlichem Erfolg. Die Party von Herrn Charley hat zuerst einen Schacht 15 Fuß tief in den Schutt- und Geröllmassen niedergebracht, da die Herren aber denselben wegen Mangels an Brettern nicht verschalen konnten, so zogen sie es vor, einen zweiten hart daneben im anstehenden Gestein abzuteufen. Mit diesem fanden sie nun aus, daß „das Reef“ bis auf 30 Fuß Tiefe abgebaut ist, woselbst es sich verdrückt, so daß man vermuthen muß, daß dies „die Alten“ verhinderte tiefer zu gehen. Beim weiteren Abteufen zeigte es sich aber, daß sich dasselbe keineswegs auskeilt, sondern fortsetzt und sogar bald mächtiger wird; bei meiner Anwesenheit war es ½ Fuß [200] mächtig. Was aber die Hauptsache ist, der Quarz führt Gold, und berechtigt der fragliche Quarzgang unter allen den bis jetzt am Tatin abgebauten wohl zu den meisten Hoffnungen, freilich nicht im Stile australischer oder californischer Ausbeute. Der Quarz ist weder zuckrig noch porös, wie es der reiche Goldquarz so oft aufweist, er ist vielmehr glasig und graublau, hierin unterschieden von dem, der in der Ansiedlung abgebaut wird und der dicht und weiß ist. Von zehn beliebig aus dem Haufen herausgenommenen Stücken zeigen höchstens zwei Spuren von Gold in Gestalt kleiner Körnchen; lasse man nun auch das 3–4fache an Gold im Quarz unsichtbar vorhanden sein, was durch das Quecksilber angesammelt wird, so bleiben die Golderze höchst arme und ganz besonders undankbare, wenn man die Schwierigkeiten erwägt, unter denen der Abbau erfolgt. Es ist von hier bis zur Küste eine Reise von wenigstens zehn Wochen, und die Tonne Materialien kann unter 24 Pfund Sterling gar nicht bis hierher vom nächsten Hafenplatz transportirt werden; dazu kommt, daß die Wege während der nassen Jahreszeit gar nicht und selbst während einiger Wochen der trockenen nur schwierig zu passiren sind. Ausserdem müssen die Provisionen und namentlich das Mehl von Transvaal importirt werden, da die Eingebornen nur das schwer verdauliche Kaffirkorn bauen und auf dieses selbst kein Verlaß ist, indem sie bei ihrer Indolenz sich nicht durch Anlegen von Vorräthen gegen die Landesplage, die Heuschrecken, zu schützen wissen. Ist alles dies schon geeignet, selbst reiche Erze sehr im Werthe herabzuziehen, so muß es die bis jetzt hier aufgefundenen als völlig werthlos erscheinen lassen. Es ist somit Jedermann anzurathen, fern von diesen Gefilden zu bleiben, da überall anderswo Intelligenz und Arbeitsamkeit ganz andere Belohnung versprechen, das Glückmachen aber durch Goldgraben in Australien, Neuseeland etc. noch ganz andere Chancen hat. Man wird einwenden, daß ein bis jetzt durchforschtes Gebiet von 12–20 Meilen im Durchmesser keineswegs ein Urtheil erlaubt über Erzregionen, die oft einen hundertmal größeren Flächenraum einnehmen; meine Aufgabe aber ist nicht, Ihnen über die Erzgebiete zwischen Limpopo und Zambesi zu schreiben, sondern über die mit so vielem Pomp ausposaunten Goldfelder am Tatin. Immerhin kann man auch auf den Werth der angrenzenden noch nicht durchforschten Gebiete schließen, wenn man berücksichtigt, was für eine Sorte Leute es waren, die den Bergbau allhier vor vielleicht mehreren Jahrhunderten betrieben. Ohne Zweifel waren es Eingeborne (man glaubt, es seien die Machonas gewesen, die früher von den Matabeles aus hiesiger Gegend vertrieben wurden, und es liegt die Vermuthung nahe, daß sie ihre Golderze an Portugiesen verkauften. Zu wenig mit der Geschichte der hiesigen Völkerschaften [201] bekannt, kann ich nicht näher auf die Umstände eingehen, die gerade jene goldgrabende Nation zu ihrem Geschäft aufforderten, es liegt mir nur daran zu beweisen, daß es keine Weißen waren, die hier gruben. Einmal würde die Geschichte oder würden wenigstens Traditionen von einem nicht unbedeutenden Bergbau sprechen, der außerdem noch vielfach durch die Ueberlieferung vergrößert worden sein würde, dann aber müßte man doch noch Spuren von civilisirten Ansiedlern finden, die, aus den Dimensionen der alten Schürfe zu schließen, Jahre hindurch hier gehaust haben müßten. Nichts von alledem, weder finden sich Ruinen in hiesiger Gegend, noch Instrumente oder überhaupt Objecte europäischer Cultur in den Bauen. Ganz in der Nähe der alten „Pits“ oberhalb am Tatin finden sich Gräber, die aber entschieden Eingebornen zukommen, was man aus der Unregelmäßigkeit der sie bezeichnenden formlosen, keine Spur von Bearbeitung verrathenden Gesteinesstücke schließen kann; ruhten unter diesen Steinen, von denen je einer einer ein Grab zu bezeichnen scheint, weiße Mineure, so würde dies wenigstens ein einfaches Kreuz anzeigen. Man hat viel von einem Goldschmelzofen gefabelt, vielleicht um ein weiteres verführerisches Argument für die Aussichten des hiesigen Goldbergbaues zu gewinnen; ich habe aber den Berg, wo er sein sollte, untersucht und gefunden, daß sich dort Reste einiger kleinen Eisenschmelzöfen vorfinden, wie deren sich die Kaffern noch jetzt bedienen. Die Schlacken, die dort herumliegen, sind unverkennbare Eisenschlacken, und der Ofen hat einzig und allein zum Eisenschmelzen gedient. Um arme Golderze zu verschmelzen, dazu müßten die Eingebornen Bleierze (oder Kupfererze, was jedoch höchst unwahrscheinlich) gehabt haben, um somit das Gold in Blei anzusammeln, die Schlacken müßten dies sofort ausweisen, nicht allein durch ihr Ansehen an und für sich, sondern durch beigemengte Theilchen Bleistein. Ich habe die Ofenruinen aufgenommen, und hoffe über sie andern Orts speciell zu berichten[WS 1]. Sie befinden sich auf dem langgestreckten Bergrücken innerhalb einer ringförmigen Mauer von 1 bis 1,7 Meter Höhe und 1 Meter Dicke, welche eine unregelmäßige Kreisfläche von 56 Meter Durchmesser umschließt, sie liegt etwa 10 Fuß tiefer als eine ganz ähnliche benachbarte Ringmauer, die eine Kreisfläche von nur 30 Meter Durchmesser eingrenzt. Beide sind aus regelmäßig gespaltenen Bruchsteinen desselben eisenglanzhaltigen Thonschiefers aufgeführt, der den Berg bildet und der sich leicht in plattenähnlichen Stücken gewinnen läßt. Der Berg beherrscht die ganze Landschaft, wenigstens kann man von ihm dieselbe überschauen, so daß die Mauern nur einem fortificatorischen Zwecke gedient haben können. Sie fallen durch die Regelmäßigkeit der Bruchsteine auf, die allerdings, ohne [202] durch ein Bindemittel verbunden zu sein, lose auf einander liegen und nicht einmal durch Zwicksteine dichter gemacht sind, sie sprechen aber entschieden für Wilde als ihre Erbauer, weil anderweitige Culturreste, die weiße Ansiedler zurückgelassen haben müßten, nirgendswo zu finden sind; allerdings standen die Wilden, die sie aufführten, auf einer höheren Stufe, als die jetzt umwohnenden Eingebornen. Wenn es also ausschließlich Schwarze waren, die hier Gold gruben, so darf man zweierlei vermuthen, einmal, daß sie selbst arme Erze für abbauwürdig finden konnten, und dann, daß sie im weitesten Umkreis die Gegend sorgfältig untersuchten, reiche Golderze natürlich sofort abbauend. Fremde, namentlich Weiße, würden doch gewiß darauf angewiesen gewesen sein, möglichst schnell sich Geld zu erwerben, um so eine ungewohnte, dabei nicht ungefährliche Lebensweise bald wieder verlassen zu können, sie würden in der Lage gewesen sein, nur reiche Erze dem Felsen zu entreißen; ganz anders aber verhielt es sich mit den Eingebornen. Diese lebten da wo die Golderze vorkamen, sie konnten dieselben ganz nebenbei gewinnen, da sie nicht einzig und allein auf den Ertrag ihrer Goldminen angewiesen waren. Dabei hatte aber doch das Gold einen großen Werth, einen größeren als es jetzt haben würde, wo das Land von reisenden Händlern schwärmt, denn es setzte sie in den Stand, die seltenen Artikel europäischer Manufactur einzutauschen, gleichviel, ob sie dieselben nun direct oder erst aus zweiter, dritter Hand von den Portugiesen erhielten. Sehr natürlich suchten sie sich die reichsten unter den armen „Reefs“ aus, so daß die Digger bezüglich aller unverritzter Quarzgänge es nur mit dem zu thun haben, was die „Alten“ übrig ließen, mithin nur die allerärmsten Erze vor sich haben. – Ich sah eine jener Granitkugeln von 1½ Decimeter Durchmesser, deren man bereits mehrere in den Bauen gefunden hat, und die wahrscheinlich zum Zermalmen des Goldquarzes gedient haben, wie es noch jetzt die hiesigen Eingebornen verstehen, denselben so fein wie Mehl damit zu zerreiben; es ist dies auffallend, insofern als dies auf eine nasse Aufbereitung (Concentration der Erze durch Waschen) hinweisend gedeutet werden kann. Von Quecksilber hatten sie keine Ahnung, wohl aber wußten sie vielleicht die goldhaltige Trübe durch Laufenlassen über präparirte Felle, wenn auch unter großen Verlusten, zu concentriren. Spuren, die darauf hindeuten, hat man bis jetzt noch nicht gefunden. Eine andere Deutung jener Kugeln wäre die, daß die Portugiesen nur Goldstaub als Tauschartikel annahmen, da sie dessen Werth leichter beurtheilen konnten; mochte ihre Probirmethode noch so roh sein, sie mußte ihnen viel genauere Resultate geben, wenn sie eine Durchschnittsprobe [203] von einem pulverförmigen Gut, als von einem Haufen Goldquarzstücke wegnahmen.

Schließlich noch einiges Technische über das, was von einzelnen Diggerparties oder von Compagnien bezüglich des Abbaues geschehen ist. Von den Compagnien ist die mit den reichsten Mitteln ausgestattete „London and Limpopo Mining Company“ am energischsten vorwärts gegangen, indem sie Alles, was zu nachdrücklicher Inangriffnahme eines Bergbaues erforderlich ist, hier aufgehäuft event. vorgerichtet hat. Eine zehnpferdige Locomobile ist mit bewundernswerther Energie während länger denn 3 Monate von Durban bis hierher in diese Wildniß geschleppt worden, bis jetzt wurde sie zum Holzschneiden (mit Zirkelsäge) benutzt, in diesen Tagen wird sie das Pochwerk betreiben, welches, allerdings nur zweistemplig, soeben fertig geworden ist; ferner hat man eine 120 Centner schwere Steinquetschmaschine (Macatamiser) hierher heraufgebracht, die das erstere mit nußgroß zerquetschten Quarzstückchen speist. Alles was zum ersten Abbau nothig ist, hat man in genügender Menge aufgestapelt, Eisen und Stahl für den Betrieb einer Schmiede, Sägen sowohl für Hand- als Maschinenbetrieb für die Zwecke der Zimmerung im Schacht als über Tage, einige hundert Ellen Förderseil, einige tausend Pfund Sprengpulver, dann hinreichende Provisionen etc. etc. Mit Abteufen hat sich die Compagnie noch nicht beschäftigt, es scheint, als wolle man abwarten, was die „Reefs“ der einzelnen Diggerparties (ich darf nicht sagen „schütten,“ wie es bei uns im Erzgebirge heißt) für Resultate ergeben. Unter den Parties in der „Ansiedlung am Tatin“ haben die der Herren Rocky und Bullows die meiste Energie entfaltet. Sie haben mehrere mit solider Geviertzimmerung ausgerüstete Schächte von 70 Fuß Tiefe niedergebracht und vielleicht 50 Tonnen Quarz zum Pochen bereits aufgefahren; die Gesellschaft von Rocky hat ein dreistempliges hölzernes Pochwerk bereits fertig, welches mit Ochsengöpel betrieben werden soll. Die bis jetzt errichteten zwei Pochwerke kann man wohl nur Probirpochwerke nennen, indem sie zuerst den Durchschnittsgehalt der Erze angeben sollen; es ist klar, daß mit derartigen schwachen Versuchen ein großer Gewinn bei solchen armen Erzen nicht abfallen kann, die nur dann bezahlen, wenn man sie in großen Quantitäten verarbeitet. Den durchschnittlichen Gehalt nach Schätzung anzugeben ist schwierig, und kann nur innerhalb gewisser Grenzen geschehen; nach meinem Dafürhalten, wenn ich die wenigen reichsten Specimina (die nicht reicher als 0,018 pCt. Gold sind), in all den bis jetzt aufgefahrenen Goldquarz einrechne, wird er nicht höher als 1 Unze pro Tonne = 0,00306 pCt. Gold [204] werden, so daß das Ausbringen der gesammten Goldminen, wenn man den bis jetzt gewonnenen Quarz zu 200 Tons annimmt, im ersten Halbjahre 1869 sich auf nicht mehr als 17 Pfund (Troy-Gewicht) engl. belaufen wird. So ist die Lage der Dinge jetzt, die Quarzgänge können allmälig in der Tiefe reicher werden und viel ändern, das liegt aber nicht im Kreise menschlicher Berechnung....... Ich überlasse es Freund Mohr, sich über die Ursachen etwas zu verbreiten, die es möglich machten, daß von den soeben geschilderten Goldvorkommnissen am Tatin so viel Geschrei gemacht werden konnte; wenn man ihnen nachspüren will, so muß man nach Natal gehen! Auch im Transvaal suchte man seinen Credit durch Erze etwas herauf zu bringen, aber man ging verschämter zu Werke, man log wenigstens nicht direct, sondern vermuthete blos die Metallmassen. – Wenn ich meine Blicke zurückschweifen lasse auf die monotonen metallleeren Grünsteine und Quarzithöhenzüge dieses Landes, an deren Fuß Orangen aus dunklem Laub hervorleuchten, Kaffee in den heißen Strahlen der Sonne von 22–27 Grad südl. Breite gedeiht und der Oleander duftet, und die jene schönen Lichteffecte Morgens und Abends zeigen, wie sie nur den Tropen zukommen, so drängt es mich, seinen Bewohnern, die sich der süßen Pfirsichen, der schönen Küchengewächse, des vortrefflichen Brotes und eines Stückes saftigen Bleßbockbratens, aber auch weiter Nichts, erfreuen, die Worte Wallenstein’s zuzurufen:

„Was die Göttlichen uns von oben senden sind nur allgemeine Güter,
Ihr Licht erfreut, doch macht es keinen reich, in ihrem Staat erwirbt sich kein Besitz,
Den Edelstein, das allgeschätzte Gold, muß man den falschen Mächten abgewinnen,
Die unterm Tage schlimm geartet hausen.“

Diese falschen Mächte aber scheinen ihr Quartier nicht innerhalb der Grenzen Transvaals aufgeschlagen zu haben.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: beberichten