Das Glück von Edenhall (Knoop)

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Textdaten
Autor: Otto Knoop
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Titel: Das Glück von Edenhall
Untertitel:
aus: Zeitschrift für Volkskunde, 1. Jahrgang, S. 392
Herausgeber: Edmund Veckenstedt
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Alfred Dörffel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google-USA*, Commons
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Das Glück von Edenhall.
Eine polnische Sage
von
O. Knoop.

In dem zu Padniewo (Kreis Mogilno) gehörigen Walde liegt nicht weit von einem See in einem Tale ein ziemlich bedeutender Felsblock, an den sich eine Sage knüpft. Auf einer Höhe im Walde, so heisst es, lag einst ein grosses, schönes Schloss, in dem ein sehr böser Fürst wohnte. Dieser hatte zwei Töchter. Einmal ging die ältere von ihnen in den Wald und fand dort einen kranken Greis, der bat sie, ihn ins Schloss zu führen. Sie that es. Am folgenden Tage verliess der Greis das Schloss wieder und gab der Fürstentochter beim Abschied eine wunderbare Feder, indem er ihr zugleich auftrug, dieselbe wohl zu bewahren, denn an die Feder knüpfe sich das Geschick ihres Vaters und ihres ganzen Hauses; auch solle sie keinem Menschen etwas davon sagen. Schon längere Zeit hatte das Fräulein die Feder sorgfältig aufbewahrt, da geschah es eines Tages, dass der Vater sie zu Gesichte bekam. Er fragte die Tochter, woher sie die Feder habe, und nach langem Widerstreben erzählte sie alles. Der Fürst lachte darüber und sagte, er wolle sehen, ob das wahr sei, was der Alte gesagt habe; er nahm die Feder und warf sie ins Feuer. Aber in demselben Augenblick erfolgte ein ungeheurer Knall: das ganze Schloss mit seinen Bewohnern versank plötzlich und wurde in einen grossen Stein verwandelt. Die Fürstentochter aber soll in einer Grotte schlafen, bis einer kommt, der sie aus derselben erlöst.

(Der Erzähler, ein Pole, ist in Padniewo aufgewachsen und hat die Sage wiederholt von polnischen Leuten erzählen gehört, so dass an der Echtheit derselben nicht zu zweifeln ist. Später wurde mir noch eine andere Erzählung mitgeteilt. Sie lautet:) Einst ging ein Bauer aus dem Dorfe Witaszyce bei Jarotschin im Frühjahr auf das Feld, um seinen Acker zu graben und zu bestellen. Nachdem er mehrere Stunden gegraben hatte, fand er in der Erde das Bild des heiligen Nepomuk, das er mit sich nach Hause nahm und in seiner Wohnung aufhängte. Man sagt von diesem Bilde, wenn es zerbrechen würde, so würde das Haus seines Besitzers abbrennen. Deshalb wurde es von dem Bauer und seinen Nachkommen in hohen Ehren gehalten, und noch jetzt soll es sich in seiner Familie befinden.


Anmerkung. Als ich im vergangenen Sommer in der Tertia (Gnesen) Uhlands „Glück von Edenhall“ besprochen und darauf die vom Dichter poetisch behandelte englische Geschlechtssage hatte zur Darstellung bringen lassen, fragte ich die Schüler, ob ihnen ähnliche Erzählungen bekannt seien. Meine Absicht war, ihnen Sagen wie die Puttkammersche Familiensage bei Temme, die Volkssagen aus Pommern und Rügen S. 240, und Knoop, Volkssagen aus dem östlichen Hinterpommern S. 76, mitzuteilen. Nachdem ich dieselbe erzählt, meldete sich zu meiner Überraschung ein Schüler, der mir die oben mitgeteilte Sage vortrug.