Das Lindenkirchlein (Schreiber)

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Textdaten
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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Das Lindenkirchlein
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 139–140
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Das Lindenkirchlein.

An der Landstraße, die nach Basel führt, nicht weit vom Hubbade und der Burg Windeck, liegt eine freundliche Wallfahrtskirche, „zur Linden“ genannt. Diesen Namen hat sie von einer uralten Linde, die wenige Schritte von ihr entfernt steht. In grauen Zeiten soll das Muttergottesbild, welches jetzt auf dem Hauptaltar der Kirche aufgestellt ist, in einer Blende des Baumstammes gestanden haben. Es geschah nun, daß ruchloses Kriegsgesindel die Gegend überschwemmte und die Kirchen nebst ihren Geräthschaften und Bildern zerstörte; da wuchs die Rinde der Linde über die Blende des Madonnenbildes, so daß es dicht in den Baumstamm eingeschlossen und jedem Auge verborgen blieb, bis Frieden und Ordnung im Lande wieder hergestellt war.

Ein Hirtenmädchen, das in der Nähe der Linde seine Heerde hütete, vernahm eines Abends einen lieblichen Gesang, der aus dem Baume zu klingen schien. Dies wiederholte sich am zweiten und dritten Tage darauf, und nun erzählte sie diese wunderbare Sache ihrem Vater. Dieser meinte, so was könne nur ein Zauberwerk seyn, das von einem bösen Geiste herrühre, und machte sich mit seiner Holzaxt auf, um die Linde zu fällen; [140] als er aber kaum die Rinde berührte, fiel der Theil derselben ab, welcher die Blende überwachsen und verborgen hatte, und das Muttergottesbild lächelte ihm daraus entgegen. Die Wundermäre verbreitete sich rasch in der ganzen Umgegend und alles Volk strömte herbei, das Wunder zu sehen und dem Bilde seine Gebete darzubringen. Die Edlen von Windeck erbauten auf diesen Anlaß hin neben der Linde eine Kapelle, in welcher das Bild aufgestellt wurde.

(Siehe Al. Schreiber’s „Sagen“ etc. 1839.)