Das Reiterlein

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Conrad Ferdinand Meyer
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das Reiterlein
Untertitel:
aus: Gedichte S. 323–325
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von H. Haessel
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[323]
Das Reiterlein.

Das Bächlein nimmt nach der Loire den Gang,
An beiden Seiten
Auf und ab, die Ufer entlang
Spähn sie und reiten.

5
Sie sind sich so nahe! Sie sind sich so fern!

„Bon jour! meine Herrn!“
Grüßt keck eine Stimme.

Ein feurig, unbändig Reiterlein
Springt ab behende,

10
Setzt rechts ein Bein und links ein Bein

In beide Gelände:
„Groß ist der Sonne Glut –
Herrn, meint Ihr’s gut,
Schafft eins zu trinken!“

15
Rechts kommt ein Pokal und links ein Pokal

Von verschiedener Helle,
Der: schäumender Champagnerstrahl
Der andere: Purpurwelle –
„Katholik? Calvinist?

20
Hier ein Christ! Dort ein Christ!“

Er schlürft aus beiden Bechern.

„Mit streitender Theologie
Mach’ ich mir nichts zu schaffen,
Den Guisen überlaß ich sie,

25
Den Weibern und den Pfaffen!

Pred’gerrock? Meßgewand?
Stich und Schuß! Mord und Brand!
Ins Meer geschwemmte Leichen!

[324]
Bekennt mir, Herren, frei und frank:
30
Wie thut ihr, wann Ihr dürstet?

Ihr setzt Euch rittlings auf die Bank
Und ruft nach Wein und bürstet!
Zug und Schluck! Schluck und Zug!
Noch ein Trunk! Nie genug!

35
Die Einen wie die Andern.


Genießt Ihr wonn’ge Minnelust
Nach Dogmen oder Schulen?
Kost alle nicht Ihr Brust an Brust
Mit Euren trauten Buhlen?

40
Thört Ihr nicht? Trügt Ihr nicht?

Schwört Ihr nicht? Lügt Ihr nicht?
Die Einen wie die Andern.

Drum lassen wir auf sich bestehn
Die Lehren die uns trennten,

45
Da wir erbaulich einig gehn

In allen Elementen:
Erntefest! Winzertanz!
Aehrenkranz! Traubenkranz!
Feldruhm und edle Waffen!

50
Spricht’s und es fährt ein elektrischer Schlag

Rundum und setzt Alles in Flammen:
Frankreich hoch! Freudetag!
Heut wächst es zusammen!
Sie springen ins Wasser, sie waten im Fluß,

55
Sie spitzen die bärtigen Lippen zum Kuß,

Sie fallen sich all in die Arme.

[325]
Der Kleine drückt und küßt und herzt

Sie alle wie alte Bekannte.
„Wie aber, Herren, steht es,“ scherzt

60
Er, „mit dem Proviante?

Alles her! Fleisch oder Fisch!
Ihr seid geladen heut zu Tisch
Bei Heinrich von Navarra.“