Das Todtengericht

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Das Todtengericht
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung) S. 47–48
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Bild
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Bearbeitungsstand
fertig
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Das Todtengericht.


Minos, der gerechte Richter der Todten, erkennt mit großem Scharfsinn den menschlichen Verbrechen ihre Strafen zu. Oft gehn die Seelen aus dieser Welt ungestraft hinunter; sobald sie aber vor ihm erscheinen, sieht er an ihren Flecken, was jede verübt hat, und spricht sein Urtheil. Die Mächtigen werden gemeiniglich den ungeduldigsten Herren zu Theil, und lernen gehorchen. Vielwissende Schwätzer verstummen, bis sie von Weisheit bersten. Hochmüthige gerathen in den Koth; Lügnern werden die Zähne sehr unsanft entnommen; Wohllüstige peinigt ein ewiges Eis, Verläumder ein ihnen verhaßter Glanz; Neidige müssen bei Glücklichen wohnen und sich an ihrer Seligkeit quälen; Geizige nagt ein unersättlicher Hunger; Neugierige irren in ewiger Nacht; Heuchler peiniget die lautredende Wahrheit. Und wer könnte jede Art der Strafen erzählen? Gnug: jede Ausschweifung wird durch ihr Gegentheil gestraft.

Dies hörte ein Rechtschaffener und sprach: So lohnt es denn auch, Gutes zu säen, damit wir Gutes ernten: denn wie jedes Laster durch sein Gegentheil gestraft wird, so lohnt jede Tugend sich durch sich selbst.