Das kleine graue Männchen bei Kamenz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Heinrich Gottlob Gräve
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das kleine graue Männchen bei Kamenz
Untertitel:
aus: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 46–47
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: F. A. Reichel
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Bautzen
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: MDZ München, Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Volkssagen und volksthuemliche Denkmale der Lausitz 046.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[46]
VIII. Das kleine graue Männchen bei Kamenz.

Auf dem, eine romantische Aussicht darbietenden, südöstlich gelegenen, sogenannten Reinhardsberge bei Kamenz, soll eine mit Gold, Silber und andern Kostbarkeiten gefüllte, große Braupfanne vergraben seyn, welche ein kleiner grau gekleideter Kobold, der zu gewissen Zeiten erscheint und die Leute auf mancherlei Weise höhnt und neckt, bewacht.

Mehrere arbeitsscheue, goldgierige Spekulanten haben schon oft mit und ohne Herpentils, Kornreuters und Faust’s Höllenzwangs-Hilfe – aber leider vergebens – nachgegraben. Wahrscheinlich haben sie nur nicht die rechte Zeit zur Hebung dieses Schatzes getroffen. Da mir nun selbige ein weiser Mann anvertraut hat, und ich nicht so hart, wie der selige Asmus bin, welcher (das Beste für sich behaltend) sagt:

Der Mann mit Mondstrahl im Gesicht,
wird’s suchen und auch finden;
doch jeden Narren muß man’s nicht
gleich auf die Nase binden.

will ich sie gutmüthig und ohne Eigennutz verrathen.

In der Johannisnacht nämlich, wenn die Kirchthurmsglocke den letzten Schlag der eilften Mitternachtsstunde verkündet hat, ist der einzige Zeitpunkt, wo der tückische Gnome gütig und freundlich ist. Da finde man sich nun [47] an dem angegebenen Platze ein. Man wird ein kleines, bläuliches Flämmchen der Erde entsteigen sehen, das sich nach und nach zu einer menschenähnlichen Gestalt bildet, welche einen großen Schlüssel, der das Schloß der eisernen Thüre zum Gewölbe des unterirdischen Gemachs unterm Berge schließt, in der rechten Hand trägt. Still und stumm nähere man sich der Erscheinung, verlange pantomimisch den Schlüssel, den man beim Verschwinden des Männleins erhalten wird. Auf des Berges östlicher Seite wird sodann die Erde herab rollen und sich alte Trümmer mit einer Thüre, in welche jener Schlüssel paßt, zeigen. Man erschließe zutrauungsvoll die Thüre und wird sodann gleich die mit dem Schatze gefüllte Braupfanne erblicken; doch berühre man ja nichts von den Kostbarkeiten, sondern werfe irgend eine Kleinigkeit darauf, verwahre den Schlüssel wohl – denn das Schloß spottet jedes Schlossers Kunst – und eile rückwärts den Berg hinab, ohne sich vor den vorkommenden Schreckgestalten zu scheuen. Die Erde wird sodann wiederum den Berg bekleiden, – nur merke man sich genau den Platz, – grabe nach drei Tagen zur beliebigen Zeit nach und man wird die Thüre, welche besagter Schlüssel öffnet, so wie, einen Schatz finden, wofür das schönste Königreich auf der Welt zu kaufen ist.