Das verwunschene Schloß

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Textdaten
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Autor: Edgar Allan Poe
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Titel: Das verwunschene Schloß
Untertitel:
aus: Ausgewählte Gedichte
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Verlag des Bibliographischen Bureaus
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Hedwig Lachmann (1865–1918)
Originaltitel: The Haunted Palace
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
S. 62–64
Kurzbeschreibung:
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[62] Das verwunschene Schloß.

Inmitten einer lieblichen Au,
Die sonniges Licht übergoß,
Erhob sich einst ein stattlicher Bau,
Ein schönes, strahlendes Schloß.

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Das Reich, wo es sich luftig erhob,

War des Königs „Gedanke“ Land,
Und Seraphschwingen waren darob
Unsichtbar ausgespannt.

Goldgelbe Banner aus Damast,

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Gebadet in Sonnengluth,

Wallten schimmernd herab vom Palast
Wie eine goldne Flut.
Und jeder schmeichlerische Zephyr,
Der mit den Blüthen dort

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Gekost, flog aus dem Zauberrevier

Als Wohlgeruch wieder fort.

[63] Die Wandrer blickten in jenem Thal
Durch Fenster aus leuchtendem Glas
In einen hohen blendenden Saal,

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Wo des Reiches Gebieter saß.

Sein Thron mit purpurnem Baldachin
War ganz aus Edelgestein
Und Genienschaaren umschwebten ihn
Zu lieblichen Melodei’n.

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Mit Perlen und Rubinen besät

War des Palastes Portal,
Durch dieses flatterte früh und spät
Ein Echoschwarm ohne Zahl
Vor den König hin, indem es ihm,

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Seiner hohen Weisheit zum Preis,

Einen Chorus sang wie Seraphim,
So süß und träumerisch leis.

Doch wüstes Volk in der Sorge Gewand
Nahm Thron und Reich in Beschlag.

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Weh, nie mehr dämmert in jenem Land

Der Tag, weh, nimmer ein Tag!
Und alles, alles, was dort umher
Gepranget an Herrlichkeit,
Ist jetzund eine traumhafte Mär’

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Aus lang begrabner Zeit.


[64] Jetzt zeigen sich des Wanderers Blick
Gestalten knöchern und starr
Und schwingen sich zu toller Musik
In Reigen wild und bizarr.

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Dieweil gleich einem lautlosen Strom

Sich in die ewige Nacht
Zur Thür hinausstürzt Phantom um Phantom
Und nimmermehr lächelt – doch lacht.