Das von Hexengeld aufgebaute Dorf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Jodocus Donatus Hubertus Temme
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das von Hexengeld aufgebaute Dorf
Untertitel:
aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen. S. 318–319
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1840
Verlag: Nicolaische Buchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[318]
271. Das von Hexengeld erbaute Dorf.

Das Dorf Connerow im Kreise Greifswald ist von purem Hexengelde aufgebaut. Das hat sich auf folgende Weise zugetragen: Nachdem nämlich das Dorf im dreißigjährigen Kriege gänzlich zerstört und niedergebrannt war, und die armen Leute sich in elenden Strohhütten aufhielten, wo sie besonders viel von den Ratten und Mäusen zu leiden hatten, kam eines Tages einer dieser armen Menschen nach Wolgast zu einem Bäcker, um sich ein Brod zu erbitten. Dem Bäcker klagte er auch seine Noth, die er mit den Ratten und Mäusen habe. Da bot der Bäcker ihm einen schwarzen Kater an, mit den Worten, den solle er mitnehmen, der werde ihm das Ungeziefer wohl vertilgen, ihm auch sonst noch zu Diensten seyn. Der Bauer nahm den Kater mit Dank an. Wie er nun mit demselben in seine Hütte kam, da fing der Kater auf einmal an zu sprechen und fragte, was er nun thun solle? Der Bauer befahl ihm darauf, er solle ihm alle Ratten und Mäuse wegfangen, und sie auf einen Haufen bringen. Das that der Kater alsbald, und dann fragte er weiter, [319] was er nun thun solle? er könne Alles. Da sagte der Mann zu ihm: Wenn du Alles kannst, so bring’ mir Geld! Das that der Kater gleichfalls, und er brachte ihm Geld die Menge, so viel der Bauer haben wollte. Als er genug hatte, gab er den Kater an die anderen Bauern des Dorfes, die nun auch so viel Geld bekamen, als sie sich nur wünschten. Darauf bauten sie ihr Dorf wieder auf, schöner und besser, als es vorher gewesen war.

Wie sie damit fertig waren, konnten sie aber den Kater nicht wieder los werden, da er ihnen doch verdächtig vorkam, und es ihnen ängstlich bei ihm wurde. Sie gingen deshalb zu dem Bäcker in Wolgast, und fragten, wie sie es zu machen hätten, daß sie des Katers wieder ledig würden. Der rieth ihnen, sie sollten nur eine Kiepe nehmen, und zu dem Kater sagen: Kater in die Kiep! dann werde er hineinspringen, und dann sollten sie ihm das Thier nur wiederbringen. Also thaten sie auch.

Die Bauern zu Connerow sind von der Zeit reich und wohlhabend geblieben, so daß sie später ihrem Könige Carl XII. Geld in die Türkei schicken konnten, wie wir oben schon erzählt haben.

Mündlich. Vgl. oben Nr. 55.