De bekehrde Vörwalter

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Textdaten
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Autor: Ernst Moritz Arndt
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Titel: De bekehrde Vörwalter
Untertitel:
aus: Mährchen und Jugenderinnerungen. Zweiter Theil. S. 74–76
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1843
Verlag: G. Reimer
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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[74]


De bekehrde Vörwalter.

An Gott schall de Minsch nümmer vörzagen, denn he alleen is schuld, wenn Gott sick van em wendt. Wer Gott söcht, de ward en finden, ludet et in der Schrift. In Divitz, wo nu de Baron Krassow wahnt, was vör langer langer Tid, woll vör een vier Stieg Jåhren, as min Vader noch een lütter Jung was, een Vörwalter, dat was een wilder duller Kerl, de van Gott un sinem Wurt nicks weten wull, un Supen un Slampampen un Dubbeln un Paschen un Flöken un Sweren un alle dullen un woisten Dinge — dat was sin Lewen. De meiste Tid äwerst lag he up der Jagd, so lang dat Dag was, un ströpte dör Rusch un Busch üm, un des Nachts ret he up’t Spill ut, un was gewöhnlich up der Landstrate, wenn de ordentlichen Minschen slepen. Denn müßte sin Rapp galoppiren dör Dick un Dünn un was keene Nacht so düster, datt he nich to Hus ret; denn bi all siner Wildheit was he een grausamer Huswirth un was des Morgens mit der Sünn jümmer wedder up den Platz. As he nu mal nah Middernacht, as’t een bisterlich un stockdüster Wäder was, ut Barth to Hus riden kam un an

[75] der Brügg was, wo de Schede is tüschen dem Barther un Divitzer Feld, schuwde sick sin Perd unner em un sprung sidweges un störtede mit em in den Graben un brok den Hals. Då föll dem wilden Jäger dat olde Loischen in van dem wilden Rüter un de Vers

Tüschen dem Himmel un tüschen der Erd
Wurd he noch selig unner dem Perd,

un he dachte mal wedder an Gott, as he so in dem Graben lag in Slamm un Water un van dem dooden Perde terquetscht un fastholden; un he dachte, hier müßt du vörfrieren un den bittern Waterdood starwen, un fung an bitterlich to weenen un to beden, Gott mügte doch sine arme Seel so nich wegnehmen in sinem jungen mit Sünd un Jammer beladnen Lewen. Denn he kunn nich anners glöwen, as dat em’t an’t Lewen gahn würd; denn wer schull woll to so deeper nachtslapender Tid in der langen düstern Harwstnacht kamen un en losmaken un heruthelpen? Un nu föll em all sin dulles rökloses Wesen un sin wildes Lewen in, un de hellen bittern Thranen rullden em äwer de Backen. Doch reep he in siner Noth: Gott, du büst gnädig un barmhartig un wetst alles am besten. Un as he glöwde hier up Erden sin letztes Vaderunser to beden un kum noch Athem halen kunn und em alle Gleder in dem kolden Water starr wurden, då kemen twee Soldaten van Wobbelkow, de nah Barth wullen, wo den annern Morgen Munsterung wesen schull. Un se hürden sin jämmerlich Stenen un lepen to un wölterden dat doode Perd van em un halden Lüde un eenen Wagen ut Divitz, datt se den Mann to Hus bröchten.

[76] Un de Vörwalter wurd wedder frisch, un was nah dissem Fall een Minsch so fram sachtmödig un christlich, datt alle Lüd sick dåräwer vörwunderden un ehre Froid an em hedden. He let sich äwerst mit güldenen Bookstawen den Versch äwer der Dör malen

Tüschen dem Himmel un tüschen der Erd
Wurd he noch selig unner dem Perd.

Un he lewde noch veele Jåhr nah dissem Fall in den Graben un plag to vörtellen un vörtellde et gern, wat Gotts Allmacht grote Gnad un Barmhartigkeit an em geringen Mann dhon hedd, datt he en dör so een Teken in Fründlichkeit to sick locken wull; un he sede denn mit Thranen in’n Oogen: Wenn de Minsch man will, Gott will ümmer.