De vulgari eloquentia/I. Buch – Elftes Kapitel

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aus: De vulgari eloquentia
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[113]
Elftes Kapitel.
Es wird gezeigt, daß einige in Italien eine häßliche und schmucklose Sprache haben.


Da die lateinische Volkssprache in vielen Veränderungen mistönt, wollen wir die zierlichere und edle Sprache Italiens aufsuchen, und um einen durchsichtigen Pfad für unsern Weg zu gewinnen, wollen wir zuerst die verwachsenen Gesträuche und Dornen ausreuten aus dem Walde. Sowie nun die Römer glauben, daß sie Allen vorgezogen werden müssen, wollen wir auch bei dieser Ausmerzung oder Aussonderung nicht mit Unrecht sie Allen voranstellen, indem wir betheuern, daß sie bei der Betrachtung der Volksberedtheit gar nicht in Betracht kommen. Wir sagen demnach, daß die Sprache der Römer nicht eine Volkssprache, sondern vielmehr von allen Volkssprachen der Italer das häßlichste Kauderwelsch sei, und das ist nicht zu verwundern, da sie auch an [114] ungestalten Sitten und Gewohnheiten vor allen ekelhaft zu sein scheinen. Denn sie sagen: Mezure quinto dici. Nach ihnen wollen wir die Einwohner der Mark Ankona aussondern, welche sagen Chignamente scate siate; und mit ihnen verwerfen wir auch die Spoletaner; auch ist nicht zu übergehen, daß zur Verhöhnung dieser drei Völkerschaften mehrere Kanzonen erfunden sind, unter welchen wir eine wichtig und vollkommen abgefaßt gesehen haben, welche ein gewisser Florentiner mit Namen Castra gemacht hatte; denn sie fängt an:

Una ferina va scopai da Cascoli
Cita cita sengia grande aina.

Nach ihnen wollen wir die Mailänder und Bergamasken und ihre Nachbaren ausgäten, zu deren Verhöhnung wir uns erinnern, daß Jemand gesungen hat:

Ente l’ora del Vesperzio
Cu del mes dochiòver.

Nach ihnen wollen wir die Aquilejer und Istrianer sieben, welche Ces fastu mit grausamer Betonung ausstoßen. Und mit ihnen wollen wir hinauswerfen alle Berg- und Bauersprachen, welche von den Bewohnern der Städte in der Mitte des Landes durch eine Maßlosigkeit der Betonung immer abzuweichen scheinen, wie die Kasentiner und Pratenser; auch die Sarder, welche nicht Lateiner sind, aber mit den Lateinern verbunden werden zu müssen scheinen, wollen wir verwerfen, insofern sie allein keine besondere Volkssprache zu haben scheinen, indem sie der Grammatik nachahmen, wie die Affen den Menschen, denn sie sprechen:

Domus nova und dominus meus.