Dem Kaiserstuhle

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Textdaten
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Autor: Eduard Lynker
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Titel: Dem Kaiserstuhle
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 273–275
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
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[273]
Dem Kaiserstuhle.[1]

Du grüner Berg mit deinen sanften Hügeln,
Den abendluftgewiegten Wellen gleich,
Wo theurer Freunde Bilder mich umflügeln,
Den Blick gefesselt hält dein Wunderreich;

5
Ich lege treu mein Herz an deinen Busen,

Das manchen Trost in deinem Schutz erfuhr,
Du bist mein Freund, dir weih’ ich meine Musen,
Du lohnst sie mit den Schätzen der Natur!

Schön sind der Alpen Häupter anzuschauen,

10
Wo lieblich tönt der Hirten Morgensang,

Erhaben ist’s, wenn ihre Scheitel thauen,
Kaskaden stürzen über Felsenhang;
Und manches Röslein duftet ob den Gründen,
Und stirbt am Busen einer Sennerin, – –

15
Doch nimmer mag ich dort die Rose finden,

Die ewig blüht dem treuen Sängersinn. –

Parnaß, Olymp und Helikon stehn ferne,
Mein Auge sah das große Hellas nie;
Dort wandeln leuchtend unerreichte Sterne,

20
Begeisternd aller Dichter Phantasie;
[274]

Bescheiden blick’ ich auf nach ihrem Ruhme,
Der selbst Jahrtausenden nicht unterlag,
Doch dort auch sproßt mir nicht die zarte Blume,
Die nur auf niederm Beete blühen mag.

25
Wie viele Berge, die zum Himmel ragen,

Sind arm an liebeschaffender Natur!
Sie können nur das Aug’ zur Ferne tragen,
Und steif und nackt bleibt ewig ihre Flur.
Doch deine Höhen streben gleich dem Dome

30
In üppig wechselnd reicher Pracht empor,

Erquickend mit der Lüfte lindem Strome
Des Wandrers Auge, Herzen, Mund und Ohr.

Hat wilder Flammen Wuth Vulkan’ gestillet,
Erstarrt zu hartem Stein der Lava Glut,

35
Tief dir im Innern kochts, die Adern füllet

Mit raschem Feuerstrom ein edles Blut;
Süß fließt es nun durch grüne Rebenranken,
Und löst das Räthsel deines Daseyns auf,
Ob du’s Vulkan, ob du’s Neptun zu danken,

40
Dein heißer Saft gibt den Entscheid darauf.


Welch ein entzückendes Gedicht zu lesen
Von deinem Gipfel, wenn im Purpurstrahl
Die Sonne tauchet hinter die Vogesen,
Von Abendglocken tönet Thal für Thal!

45
Wenn sich der Rhein gleich einer Silberschlange

An deine wonnevollen Hügel schmiegt; –
O wie dann auf zu deinem Lobgesange
Des Dichters Herz in deinen Himmel flieht!

Eduard Lynker.

  1. [274] Das Gebirg hat ohngefähr zehn Stunden im Umfange, zwei im Durchschnitte und vier in die Länge. In der letztern Richtung bietet es fast nur Fußpfade. Es steht ganz isolirt, außer Zusammenhang mit einer andern Gebirgskette. Der Hauptstock erhebt sich ohngefähr eine Stunde vom Rhein, während seine Vorhügel das Ufer des Flußes bilden. Auf mehreren Punkten des Kaiserstuhls sind vulkanische Spuren sichtbar, unter andern findet man daselbst ein sehe poröses, schwarzgraues Gestein deßgleichen auch bei andern Vulkanen angetroffen wird, den sog. Mandelstein. [275] Man hält dafür, der Krater sey in der Nähe von Bickensol gewesen. Das Gebirg selbst besteht aus 40 bis 50 größeren und kleineren Bergen und ist von ungemeiner Fruchtbarkeit. Es liefert vielen und guten Wein, treffliche Futterkräuter, Hanf, alle Arten von Feld- und Baumfrüchten etc.