Der Aberglaube und religiöse Fanatismus des Krieges

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Autor: J. Hg.
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Titel: Der Aberglaube und religiöse Fanatismus des Krieges
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 552
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen. Vom Kriegsschauplatze.
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[552] Der Aberglaube und religiöse Fanatismus des Krieges. Bei den in den Gefechten bei Dermbach im Eisenacher Oberlande gefallenen Baiern fand man meist kleine rotheingebundene gedruckte Bücher, welche allerhand Vorschriften enthielten, wie man sie namentlich vermittelst des Benedictus- und anderer Segen kugelfest machen könnte, daneben auch Amulete mit allerhand mystischen Zeichen. Es lag eine eigenthümliche Ironie darin, daß der Tod, den sie gerade besiegen wollten, diese Heiligthümer an’s Tageslicht brachte. Nur in einem Falle hatten sie die Probe bestanden, als die feindliche Kugel das Büchlein selbst getroffen und damit ihre Wirkung abgeschwächt hatte, ein Fall, der in dem Buche selbst nicht vorgesehen war. Aber auch noch in anderer Weise äußerte sich der Aberglaube, namentlich der religiöse, in diesem Kriege. So meinten bairische Soldaten allen Ernstes, die Preußen hätten rothe Leder um ihre Kugeln, weshalb sie stets träfen. Weit betrübender noch als dies ist dagegen der Umstand, daß der religiöse Fanatismus in diesem Kriege Deutscher gegen Deutsche eine nicht unbedeutende Rolle spielte und somit eine traurige Parallele mit dem dreißigjährigen Kriege zuließ. Einsender wohnt jetzt in einem Landstriche, wo katholische und protestantische Bevölkerung aneinander grenzen, und er hat die Erfahrung machen müssen, daß für jene Preußen und Protestanten Ein Wort bildete. Es ist ferner eine sogar actlich constatirte Thatsache, daß katholische Geistliche denen, welche eine gewisse Anzahl Preußen- oder Protestantenköpfe einlieferten, verheißen haben, sie kämen gleich, d. h. ohne das Fegefeuer durchmachen zu müssen, in den Himmel.

Nun fragen wir blos: was wäre geschehen, wenn diesem Fanatismus der Sieg geblieben wäre?
J. Hg.