Der Föhn

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Textdaten
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Autor: Carl Vogt
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Titel: Der Föhn
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Der Föhn.
Von Carl Vogt in Genf.

„Es wird wohl schlechtes Wetter geben, Herr, der Föhn drückt von oben,“ sagt zuweilen der Führer in den Alpen, indem er Morgens beim Ausmarsche nach allen vier Windrichtungen ausschaut und den Kopf schüttelt.

„Warum nicht gar, Hans! der Himmel ist ja ganz klar, und die paar Nebelstreifchen, die dort unten stehen, werden wohl bald von der Sonne verscheucht werden.“

„Sie mögen’s glauben oder nicht,“ antwortet der Mann, „es ist das so, der Föhn drückt, und es sieht ganz so aus, als ob er es gewinnen wolle und die Bise fliehen müsse. Sehen Sie nur das Gras an – es ist ganz trocken – kein Thautröpfchen daran! Vielleicht kann’s aber die Bise noch gewinnen – wir wollen aber beim Wetterloch sehen!“ In der That steckt der Mann, nachdem man eine Zeitlang bergan gestiegen ist, die Hand in eine unscheinbare Ritze am Felsen, die aber augenscheinlich in einen tiefen Spalt führt, der das Gebirge bis in’s Innere zerklüftet. „Fühlen Sie nur selbst her,“ sagt er dann, „es bläst ganz warm heraus! Er kommt! Halten wir uns nicht zu lange unterwegs auf! Es ist besser, unter Dach zu sein, wenn der Föhn da ist!“

Wie in allen Gebirgsgegenden, so ist auch in der Schweiz die Beobachtung der herrschenden Winde und der Wetterveränderungen, die daraus hervorgehen, die erste Bedingung für den Landmann wie für den Hirten, für den Jäger wie für den Fremdenführer. Das Volk hat seine eigenen Namen sowohl für die mehr allgemeinen, wie für die besonderen Localwinde, die aus der Beschaffenheit der Gegend selbst hervorgehen. Sehen wir uns ein wenig näher in diesem luftigen Gebiete um.

Die tief eingeschnittenen Gebirgsthäler, auf beiden Seiten von hohen Felsmauern eingefaßt, deren schmale Thalsohle oft ganz von dem Bache ausgefüllt ist, welcher sie durchströmt, gestatten meist nur zwei Windrichtungen, den Oberwind und den Unterwind. Jede Luftströmung, welche von der Seite her auf den oberen Thalkessel oder die untere Thalmündung trifft, fängt sich in dieser Oeffnung und lenkt nun der Thalrichtung entlang ab. In dem einen Thale kann der Unterwind, in dem andern der Oberwind der Regenwind sein, je nach der Rund Beschaffenheit des Thales – verschiedene allgemeine und locale Winde können, durch die Gestalt des Thales gezwungen, dieselbe Richtung annehmen, und es kann dann nur der mit der Oertlichkeit seit Jahren Vertraute aus anderen Anzeichen, als der bloßen Windrichtung, bestimmen, welchen Einfluß der jeweilige Wind auf das Wetter haben wird. Thäler dieser Art sind zum Studium der Winde also durchaus nicht geeignet.

Desto mehr aber die sogenannte ebene Schweiz und die breiteren Gebirgsthäler. Dort herrschen hauptsächlich nur zwei allgemeine Winde: der trockene, aber kalte Nordost, die Bise, der Byswind, und der meist warme, aber feuchte Südwest, der Luft, in der französischen Schweiz le vent geheißen, während dort la bise vollkommen eingebürgert ist. Der Nordost kommt über die trockenen und kalten Ebenen Rußlands und Sibiriens vom Eismeere her; er löst die Wolken auf, macht besonders das Barometer steigen und bringt im Winter trockene, scharfe Kälte bei heiterem Himmel, im Sommer wenigstens kühle Nächte und im Frühjahre leicht Fröste. Der kalte Luftstrom erzeugt leicht im Sommer im Gebirge durch locale Verdichtung Morgennebel, die Bysnebel,

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Die Gartenlaube (1863) b 213.jpg

Die Verheerungen eines Föhnsturmes.
Originalzeichnung von H. Jenny in Solothurn.

[214] welche bald unter dem Einfluß der Sonne schwinden und für das sicherste Anzeichen schönen Wetters und heller Fernsicht für die Tagesmitte gelten. Nur im Beginnen ihres Auftretens bringt die Bise zuweilen Regen oder im Winter gern Schnee, wenn sie in die erwärmte, mit Dünsten gesättigte Atmosphäre hinein bläst; – dauert sie länger (und der Volksmeinung zu Folge hält sie 3, 9 oder 27 Tage an), so wird der Himmel unausbleiblich hell. Im Augenblicke, wo ich dieses schreibe (1. März 1863) haben wir in Genf seit mehr als fünf Wochen beständig hellen Himmel ohne Spur von Wolken, warmen Sonnenschein, aber empfindliche Kälte, besonders gegen Morgen bei gelindem Bisezug.

Anders der Südwestwind, der Wind oder der Luft. Ueber den Ocean vom Aequator herstreichend, trifft er auf die kälteren Hochebenen, die kühlere, sie umgebende Atmosphäre. Es entstehen Wolken, die stets dunkler und schwerer werden, über den Himmel von Südwesten her gegen Nordost vorschreiten; es wird wärmer im Winter, kühler dagegen im Sommer, weil der Himmel sich bedeckt, Regen und Schnee fallen, häufig in bedeutender Menge. Fast jeder Ort hat sein Wetterloch, wonach man ausschaut. Sieht der Genfer Morgens, gegen Frankreich zu, im Einschnitte des Fort de l’Ecluse kleine Wölkchen sich ballen, so nimmt er seinen Regenschirm für den Abend. Hält aber der Südwind lange genug an, um die ganze Atmosphäre um die Berge herum erwärmen zu können, so wird es endlich heiter und warm – nur giebt es dann im Sommer häufige Gewitter und Hagelschläge. Daher das Sprüchwort, daß das Wetter am schönsten ist, wenn es beim Luft heitert.

Die Bise hebt die Ausdünstungen in die Höhe – der Luft wälzt sie dem Boden entlang – die Bise gleitet über die Seen weg und wühlt sie nur da auf, wo das Land Widerstand leistet oder der Weg sich zukeilt, wie bei Yverdon und Genf – der Luft dagegen wirft große und gefährliche Wellen. Die Pfahlbauer aus der Steinzeit wußten das schon vor Adam und den Patriarchen – ihre Ansiedelungen am Ufer sind stets so gewählt, daß sie der Bise ausgesetzt, vor dem Winde aber möglichst geschützt sind.

Aber der Föhn? fragt der Leser. Nun gut, wir kommen dazu. Er ist weder ein sogen. Localwind, noch ein so weit herkommender Wind, wie Bise und Luft – er ist der Continentalwind der Schweiz, der heiße Wüstensohn der Sahara, der Samum der Araber, der Scirocco der Italiener. Aus der glühenden Sandebene des nördlichen Afrika erhebt sich die heiße Luftströmung, streicht über das Mittelmeer, übersteigt die Alpenkette und stürzt sich nun durch die Thäler und Schluchten des Gebirges gegen die Ebene fort, auf der sie allmählich erstirbt. Gewöhnlich geht dem Föhn eine kurze, starke Bise voraus – vielleicht ein Resultat der Aspiration, welche durch das Aufsteigen der heißen Luftsäule hervorgebracht wird. Der Föhn braust Anfangs hoch oben in der Luft, die Bise unten; beide Winde kämpfen sichtlich mit einander; feine, leichte Wolken jagen übereinander hin in entgegengesetzten Richtungen. Das Barometer sinkt tiefer und tiefer, es kündet den Sturm voraus – das Thermometer steigt. Personen mit erregbaren Nerven, die während der Bise sich mehr in aufgeregtem, gereiztem Zustande befinden, werden schlaff, abgespannt, träge – man hört überall Klagen über Kopfschmerz, Migräne, allgemeines Unwohlsein, Trägheit des Körpers und des Geistes. Die Sonne wird bleich, ihr Licht weiß – ein eigenthümlicher feiner Dunst hüllt die Höhen ein – auf der Nordseite der hohen Gipfel zeigen sich leichte Nebel – der Montblanc raucht seine Pfeife – der Mond hat einen verschwommenen, leuchtenden Hof – die Sterne flimmern auffallend mit schwachem Lichte. Dabei wird im Sommer die Hitze drückend, die Luft schwer – während bei der Bise die Vorräthe austrocknen und Brod fast augenblicklich sich spachert, faulen sie beim Föhn mit überraschender Schnelligkeit. Ich erinnere mich, daß ein botanisierender Freund uns Forellen brachte, wohl eingepackt zwischen frischen Kräutern und Pflanzen, die er gesammelt und deren Fange aus den frischen Wassern der Reuse im Traversthale er beigewohnt hatte. Es herrschte drückend schwüler Föhn. Zwei Stunden nach dem Fange begann das Fleisch sich schon von den Knochen zu lösen!

In den westlichen Cantonen, so wie in Bünden, wird der Föhn selten zum Sturm und ist im Frühjahre fast überall ein gern gesehener Gast. Die Wärme, die er dann mitbringt, wirkt noch nicht erschlaffend, und ihre Wirkung auf das Schmelzen des Schnees und das Hervorlocken der Vegetation ist wirklich überraschend. „Der Herrgott und die liebe Sonne können Nichts, wenn der Föhn nicht kömmt.“ sagt ein Sprüchwort der Centralschweiz. Freilich lockern sich dann häufig die Schneelehnen mit einem Male, und die Lawinen stürzen zu Thal, um so verderblicher, je größer die Schneemasse war, die im Winter gefallen ist - wo aber dies nicht zu fürchten ist, da thut der Föhn in einem Tage mehr, als 14tägiger Sonnenschein bei Bise, und unmittelbar sprießen unter seinem Hauche die Schlüsselblumen, Veilchen und Wald-Anemonen. Ebenso erhält er im Herbst die Wärme länger und scheint besonders zu den schönen Tagen mitzuwirken, die im December, wo Nebel das Thal deckt, auf den Höhen Sonnenglanz und Wärme verbreiten.

Vielleicht könnte man einen oberen, hohen und einen niederen Föhn unterscheiden. Der erstere streicht hoch, ist weniger mit Wasserdampf gesättigt – der letztere hält sich tiefer, sättigt sich über dem Mittelmeer mit Wasserdunst und schlägt ihn dann an den Alpen nieder. Beide Föhne aber bringen Platzregen, Schneewirbel (sogenannte Guxeten – franz. tourmentes) am Anfang und am Ende ihrer Herrschaft, wenn der kalte Nordstrom in der Luft mit dem heißen, dunstigen Südstrom kämpft. Oft sieht man dann auf höheren Pässen, z. B. dem Gotthard, der Grimsel, den Kampf unmittelbar vor sich. Der Nordwind wälzt schwere Wolken heran, die sich über den Paß hinüber ergießen. Drüben liegt das Thal im glitzernden, warmen Sonnenschein – jeder Ballen, der eindringt, löst sich auf, wie der Dunstballen, den eine Locomotive ausstößt - bis auf den Paß ist es schauderhaftes Wetter, Sturm, Kälte, Nässe – drüben ist der Himmel blauer als je, die Luft gewitterschwül, warm. Hält der Föhn mehrere Tage an, so wird der Himmel tiefblau, und die Tinten der Landschaft erhalten eine außerordentliche Frische und Sättigung. Föhntage im October geben die schönsten, wunderbarsten Gebirgsansichten, von deren Pracht und Farbenglanz der Tourist sich keine Vorstellung machen kann, der die Alpen nur in dem staubigen, grauen Sommergewande gesehen hat.

Betrachtet man eine Karte der Alpen, so findet man leicht, daß in Folge der eigenthümlichen, hakenförmigen Krümmung dieses gewaltigen Gebirgszuges ein von Süden kommender Luftstrom gerade in der Gegend des Gotthard am härtesten antreffen und dort auch gewissermaßen sich sacken muß, ganz so wie die Bise bei Genf in dem Winkel zwischen Jura und Alpen sich sackt und deshalb dort heftiger wird, als irgendwo in der Schweiz. Es giebt fast alljährlich in Genf Tage, wo man kaum wagen kann, über die Bergues-Brücke zu gehen, und wo das ganze hebräische Alphabet, das die Genfer in Gestalt von Blechröhren auf ihre Kamine zu setzen pflegen, Flügel zu bekommen scheint. Ganz so geht es mit dem Föhn in der Centralschweiz. Er rast am heftigsten durch die Thäler in der Nähe des Gotthard, in den Cantonen Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarns. Dort gelten die alten Feuerordnungen noch, wonach die Feuer gelöscht werden müssen, wenn der Föhn sich erhebt; und den Föhn schildert die wunderschöne Stelle aus Schiller’s Wilhelm Tell:

                         Wenn der Sturm
In dieser Wasserkluft sich erst verfangen,
Dann ras’t er um sich mit des Raubthiers Angst,
Das an des Gitters Eisenstäbe schlägt!
Die Pforte sucht er heulend sich vergebens;
Denn ringsum schränken ihn die Felsen ein,
Die himmelhoch den engen Paß vermauern.

Die Gewalt solcher Föhnstürme, die besonders auf dem Urner- und Wallensee hausen, erreicht diejenige der indischen Wirbelstürme. Durch einen heftigen Föhn wurde der Flecken Glarus vor zwei Jahren in Asche gelegt. Ein Föhnsturm hauste auf dem Wallensee an dem Tage, wo Heinrich Simon sein Leben verlor. Ein noch viel stärkerer Sturm durchraste in der ersten Woche des Januar die Ostschweiz, entwurzelte und knickte die unbelaubten Bäume und richtete unendlichen Schaden an Gebäuden, Wohnungen und Stallungen an. In dem kleinen Halbcanton Appenzell-Innerrhoden allein wird jetzt der Schaden, den der Föhnsturm vom 7. Januar an Wäldern, Obstbäumen und Gebäuden anrichtete, amtlich auf mehr als hunderttansend Thaler (400,000 Franken) geschätzt.

Föhnstürme, welche im Winter kommen, laden auf der erkältenden Quermauer der Alpen ungeheure Schneemassen ab. Dies war in dem heurigen Winter der Fall. Daher die Unglücksfälle im Tessin, im Bedretto-Thale, in Locarno, im Misox, wo die Dächer von den wuchtenden Schneemassen eingedrückt und zahlreiche Menschen erschlagen wurden. Ueberhaupt aber bildet die [215] durch den Föhn vermittelte Zuführung warmer Wasserdünste, welche an den Alpen sich als Schnee niederschlagen, den Grund jener auffallenden Erscheinung, daß auf der Südseite der Alpen mehr Schnee fällt, als aus der Nordseite, daß die Schneefelder und Gletscher dort, trotz der stärkeren Sonnenwärme, tiefer hinabsteigen, die Linie des ewigen Schnees gegen Italien hin also um einige hundert Fuß tiefer sich hinzieht, als auf der deutschen Alpenseite.

Diese gewaltsamen Aeußerungen der entfesselten Naturkraft bilden die Kehrseite des Föhns, der sonst im Ganzen eine wohlthätige Einrichtung genannt werden müßte, wenn überhaupt bei solchen Dingen von einer Absicht für den Menschen die Rede sein könnte. Denn dem Föhn verdankt die Schweiz vorzugsweise die verhältnismäßige Milde ihres Klimas, das frühere Eintreten des Frühlings, sowie die baldige Befreiung der Ebene von Schnee. Bleibt der Föhn im Frühjahre aus, so giebt es einen späten und schlechten Sommer. Nicht mit Unrecht hat Escher von der Linth, der verdienstvolle Geologe, darauf aufmerksam gemacht, daß einer der Factoren, unter welchen die Eiszeit schwand und die Gletscher, welche früher die ebene Schweiz deckten, sich in ihre jetzigen Grenzen zurückzogen, im Föhn zu suchen sei. Als die Sahara noch ein Binnenmeer war – und sie war es vor nicht langer Zeit, nämlich noch in der letzten geologischen Epoche – konnte kein Scirocco, kein Föhn entstehen. Damals deckten Gletscher die Schweiz bis zum Jura, krönten Gletscher die Höhen der Vogesen und des Schwarzwaldes. Als aber mit der Austrocknung der Sahara eine ungeheuere Wüstenfläche geschaffen war, die, einer erhitzten Ofenplatte gleich, Ströme heißer Luft nach Norden entsandte, welche sich Bahn brachen über die Alpen, schmolzen unter dem Hauche des Föhn die alten Gletscher und zogen sich in ihre Berge zurück. Nun erst konnte der Mensch sich in der Schweiz ansiedeln, die anfangs noch, wie Auerochs und Rennthier es beweisen, ein strengeres Klima hatte als jetzt. Ob der Mensch auch schon vor dieser Eiszeit in der Schweiz hauste, ist freilich eine andere Frage – jedenfalls ist soviel gewiß, daß der Föhn erst die seit voradamitischen Zeiten begonnene und bis in die neueste Zeit ununterbrochen fortgesetzte Ansiedelung ermöglichte.

Unsere Abbildung ist von der Hand eines Künstlers, an dessen Augen über hundert solcher Stürme mit all ihren Schrecken vorübergegangen. Was er uns auf dem beschränkten Raume zeigt, ist nur ein kleines Stück von dem Bereiche, über das der Föhn seine wahrhaft unermeßliche Kraft der Zerstörung ausbreitet. Gegen sie verschwindet aller menschliche Widerstand; die Flucht aus seinem Wege ist des Menschen einzige Rettung. Felsen und Schneemassen reißt er mit sich fort und fegt mit ihnen den zitternden Boden. Selbst die festest gebauten Alpenhütten schützen nicht, die fortgerissenen Dachsteine und Balken gefährden nur die Flucht; die stärksten „Schirmtannen“, die den Kampf mit mancher Lawine bestanden, knickt er. Da hat er sie vor uns auf die „Prügelbrücke“ geschleudert und versperrt den einzigen Pfad der fliehenden Familie, als ob er sie so lange hemmen wolle, bis er sie unter den Trümmern ihres eigenen Hauses begraben habe. Alles sucht sein Liebstes zu retten, die Tochter die alte Mutter, die junge Frau ihre Kinder, das Kind seine Puppe und der Vater mit kräftigem Arm den einzigen Fluchtweg für die Seinen und seine beste Habe, seine Thiere zu bahnen; aber der Föhn hat kein Erbarmen. – Zwei Zeugnisse seiner Thaten zeigen uns die beiden Eckbildchen: dort, links, graben die Geretteten die Leichen ihrer Lieben aus dem Schnee unter den Trümmern ihres Hauses; und hier, rechts, hat die vom Föhn zerrüttelte Kirche St. Antonio zu Locarno die zum Himmel flehenden Gläubigen mit dem eigenen Gestein erschlagen. Das Bild erzählt Alles, was der Föhn Schreckliches verbrechen kann.

D. Red.