Der Hauenstein

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Textdaten
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Autor: Ludwig I. von Bayern
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Titel: Der Hauenstein
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 146–147
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[146]
Der Hauenstein.

Sehet dort auf jenen Höhen,
An des Klausners Zelt vorbei,
Trümmerndes Gemäuer stehen,
Ragen in die Lüfte frei.

5
Gräßlich thut’s dort oben hausen,

Dumpfes Stöhnen wird gehört;
Schauervoll vernimmt man’s sausen,
Wo das Bergschloß liegt zerstört![1]

Lang in dieses Schlosses Mitte,

10
Hohen Muthes, ungeschwächt,

Treu der alten, wackern Sitte,
War ein ritterlich Geschlecht.

Lebte froh und lebte bieder,
Bis, von Habsucht arg gefaßt,

15
Die zwei letzten, welche Brüder,

Mordbegierig sich gehaßt.

[147]

Unfern von den grünen Wiesen,
Die hindurch ein Bach sich schmiegt,
Sich die Brüder niederstießen,

20
Wo die schmale Stelle liegt.


Drum verweilet tiefe Trauer,
Weilet immer grausend da, –
In den Lüften Geisterschauer,
Wo die blut’ge That geschah.

25
Jährlich an demselben Tage

Flammen werden zwei gesehn;
Mit dem mitternächt’gen Schlage
Gräulich hört man dort es gehn.

Und die Flammen kommen wieder

30
Wo geschah der Brudermord,

Bis sich gegenseitig Brüder,
Retten einst das Leben dort.

König Ludwig von Bayern.

  1. Wer bewundert nicht die grausenhafte Majestät dieser Strophe!!