Der Köhler von Klingenthal

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Köhler von Klingenthal
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 45–46
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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640) Der Köhler von Klingenthal.
Metrisch beh. v. Hager a. a. O. H. II. S. 13.

Vom Kirchhofe zu Klingenthal bis an den naheliegenden Wald geht jede Nacht um die zwölfte Stunde ein gespenstiger Schatten eine Leuchte in der Hand. Das Volk erzählt sich hierüber folgende Geschichte. Es soll einst im Dorfe Klingenthal ein Köhler gewohnt haben, der jede Nacht von der Seite seiner treuen Hausfrau aufstand, um angeblich im Walde nach seinem Meiler zu sehen. Die wahre Ursache war aber, daß er im Busche zu einer dort wohnenden Concubine schlich. Einst ging er auch in finsterer Nacht die Leuchte in der Hand den wohlbekannten Weg, da folgte ihm sein Weib, die er schlafend glaubte, und warf ihm geradezu sein Vergehen vor. Er wollte es zwar anfangs leugnen, allein bald gab ein Wort das andere, er ward heftig, schlug seine rechtschaffene Frau nieder und begab sich zu seinem Kebsweibe. Als er mit dieser im besten Kosen begriffen war, öffnete sich plötzlich die Thür und sein Weib stürzte herein und traf die Schuldigen auf offener That. Jetzt halfen keine Vorstellungen mehr, er mißhandelte sie abermals und warf sie zur Thür hinaus mit der Drohung, sie in den brennenden Meiler zu [46] schleudern, wenn sie ihm wieder zu nahe komme. Sie aber verfluchte ihn und rief: „Der Meiler werde Dir selbst zum Grab, mögest Du lebendig verbrennen!“ Des lachte der Köhler; als er aber nach seiner Gewohnheit den Meiler erklomm, um sich umzuschauen, stürzte dieser plötzlich zusammen und der Frevler versank in seinen feurigen Schlund.