Der Koch zu Eberstein

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Textdaten
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Autor: Albert Preuschen
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Titel: Der Koch zu Eberstein
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 291–294
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[291]
Der Koch zu Eberstein.

Am offenen Fenster im Mondenschein
Steht der Meister Koch auf dem Eberstein.

Ueber Thal und Gebirg ein mattes Licht
Gießt der Mond, der durch die Wolken bricht.

[292]
5
Längst träumt im Schlosse der müde Graf,

Die Knechte liegen im tiefen Schlaf.

Der Koch allein an dem Fenster wacht,
Seine Wangen kühlet der Hauch der Nacht.

Er schaut von dem hohen Herrenhaus

10
Weit über die silbernen Tannen hinaus.


Und wie er blickt in die Mondnacht kühl,
Gewahrt er plötzlich ein bunt Gewühl.

Wo der Wachtelbrunnen so helle rinnt,
Ein lustiges Hüpfen und Tanzen beginnt.

15
Es weben den Reigen viel Männer und Frau’n,

Wie gaukelnde Elfen im nächtigen Thau’n.

Der Koch, der traut seinen Augen kaum,
Ist’s Wahrheit, ist es ein neckischer Traum?

Da durchwühlt ein eisiger Wind sein Haar;

20
Wohl wacht er, wohl sieht er ja hell und klar,


Wohl sieht er, wie näher dem Schlosse tritt
Die hüpfende Schaar in gemeßnem Schritt.

Kein Pfeifer flötet, kein Fiedler geigt,
Der Mund der Tänzer, der Frauen, schweigt,

25
Und bleich wie der Mond bei der Sonne Licht

Ist der Männer, der Frauen Angesicht;

Und ernst, wie von tiefem Leid bewegt,
Ist die bunte Schaar, die sich tanzend regt.

Und der Männer viele und viel der Frau’n

30
Erkennt er, die seine Augen schau’n.


In Gernsbach, im Städtlein, sind Alle zu Haus,
Was lockt sie zur Mitternachtstunde heraus?

[293]

Was treibt die Greise zur nächtlichen Fahrt?
Was die züchtigen Frauen, die Mägdlein zart?

35
Da starret sein Blut und es sträubt sich sein Haar, –

Er sieht sich selbst in der tanzenden Schaar!

Sich selber tanzen im Festesgewand,
Eine bleiche Frau an der welken Hand.

Er sieht sich tanzen voll Ernst und stumm,

40
Mit der schweigenden Schaar um das Schloß herum;


Sieht wandeln sich fort in bewegter Ruh
Mit den stillen Tänzern dem Siechhof zu! –

Durch den Himmel schweifet ein blutiger Stern,
Auf der Erde lastet die Hand des Herrn.

45
Der Herr hat ergossen die Schaale des Zorns:

Gift wurde die Luft und die Welle des Borns.

Der Herr läßt strömen den Hauch der Pest
Nach Nord und Süden, nach Ost und West.

Aus jeder Hütte, aus jedem Haus

50
Tönt Aechzen und Jammern und Heulen heraus.


Von früh bis das letzte Sternlein erscheint,
Die Todtenglocke wimmert und weint.

Im Friedhof zu Gernsbach wächst Grab an Grab,
Die Tänzer sie sanken alle hinab.

55
Es schläft inmitten der sandigen Reih’n

Der, der sie belauschet im Mondenschein.

Gerhard Helfrich.

Die Sage spielt im Jahr 1518, wo das große „Landssterbendt“ (Pest) herrschte. Der sogenannte Wachtelbrunnen wurde überhaupt als ein von Gespenstererscheinungen heimgesuchter Ort betrachtet.

Die meisten Städte des Landes wurden seit dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts durch die Pest entvölkert. Das gesegnete Baden, das seine Thore geschlossen und die heißen Quellen losgelassen haben [294] soll, blieb jedoch verschont. Bis zur sogenannten Drei-Eichenkapelle, nicht weiter, soll dort die schreckliche Seuche gedrungen seyn.

(Siehe Ed. Brauers „Sagen und Geschichten von Baden etc.“ S. 168.)