Der Landgraf

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Autor: Conrad Ferdinand Meyer
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Titel: Der Landgraf
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 305–306
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von H. Haessel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
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[305]
Der Landgraf.


Mir sitzt zu Hause jung gezähmt
Und leicht gelähmt
Ein Steinaar im Verließe,
Der martert sich den Hals zu drehn,

5
Ins Blau zu sehn,

Aus dem er gerne stieße.

So streck’ ich Landgraf ebenfalls
Den Kopf und Hals
Wohl durch das Kerkergitter,

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Ob etwas auf der Straße zieht

Für mein Gemüt,
Ein Schüler oder Ritter.

Der Kaiser, der vergichtet ist,
Drum gerne mißt

15
Die Kost der harschen Lüfte,

Vergaß wie schwer ein ganzer Mann
Entrathen kann
Das Jagdhorn an der Hüfte.

Ich wurde hinterrücks gefällt,

20
Ein Netz gestellt

Ward mir mit falschen Schriften!
Wer mir mit lächelndem Gesicht
Die Treue bricht,
Der kann mich auch vergiften!

25
[306]
Wär’ ich ein römisch blöder Mann,

Ich wähnte dann:
Damit hätt’ ich’s verbrochen,
Daß triumphirend ich hinaus
Zum Gotteshaus

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Schmiß Mühmchen Lisbeths Knochen![1]


Jüngst warf ich auf den Festungsrain
Ein Stüberlein
Dem Bettler hin, dem lahmen:
Den schlug der Spanier bis aufs Blut –

35
Mich fraß die Wuth –

Der Teufel hol’ ihn! Amen!

Wohl läg’ ich besser auf dem Feld –
„Ade, du Welt!“ –
Gewundet und erstochen!

40
Wie Meister Ulrich Zwingli lag,

Am grünen Hag,
Den hellen Blick gebrochen!

Nur tröstet mich das Eine doch:
Das päpstlich Joch

45
Ist in den Dreck getreten!

Wir dürfen ohne Clerisei
Und Heuchelei
Getrost zum Herrgott beten!


  1. Die Reliquien der heiligen Elisabeth.