Der Mönch und die Nonne zu Eisenberg

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Mönch und die Nonne zu Eisenberg
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. Anhang: Die Sagen des Herzogthums Sachsen-Altenburg, S. 321–323
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[321]
19) Der Mönch und die Nonne zu Eisenberg.
S. Back a. a. O. Bd. II. S. 363 fgg.

Jedermann hat zur Zeit Herzog Christians gewußt, daß ein Mönch und eine Nonne allnächtlich im Schloßgarten Umgang gehalten haben. Damals war der Schloßgarten noch ganz anders beschaffen als jetzt. Der sogenannte Balthasarsche Garten war ein Waldgehege, wo der Fürst zahmes Wild hielt, unter andern ein weißes Hirschpaar, so zahm, daß es der fürstlichen Frau aus der lilienweißen Hand fraß und sie oft auf ihren Gängen begleitete, oder das auch allein in der Stadt herumlief, weil Alle die fürstlichen Lieblinge kannten. Dichtbelaubte Obstbäume, einige Eichen, wilde Kastanien, Buchen und Ahorn, untermischt von ein paar Fichten, bildeten fast von der Mitte des Gartens bis an den Bogengang des Lustgartens einen kleinen Wald, während oben am Bergabhange hin, von dem Pförtchen in der Schloßhofsmauer an bis zum Laboratorium ein schmaler Fußsteig unter Obstbäumen hinführte. Auf diesem Wege wandelten, sobald die eilfte Stunde vom Thurme ertönte, eine Nonne in grauem Gewande und ein Mönch mit seiner Kutte schweigend und still durch die Nacht; das Mauerpförtchen öffnete sich geräuschlos [322] und nach einigen Schritten nach dem Schlosse zu waren Beide verschwunden, als ob die Erde sie verschlungen habe. Niemand traute sich das Geisterpaar anzureden, Niemand ihm ein Hinderniß in den Weg zu legen. Die Wache am Portal schlug ein Kreuz, wenn sie die Nachtwanderer kommen sah und drückte sich hinter die hohen steinernen Säulen des Altans oder in die Nische der Mauer. Nie verließ die Nonne den erwähnten Weg, während der Mönch auch zuweilen außerhalb des Schlosses, in dem Gäßchen nach dem Laboratorium hin, in der Wasser- und hintern Schloßgasse, am Neuenthore, hinter der Münze und an der Reitbahn gesehn wurde. Am ärgsten trieben diese Geister ihr Wesen zur Zeit des Herzogs Christian, dem sie sich oft im Garten, wenn er nach dem Laboratorium ging oder von da des Nachts ins Schloß zurückkehrte, zeigten und auf den sie es besonders abgesehen zu haben schienen. Mehrere glaubwürdige Personen haben sie gesehen und es läßt sich an ihrer Identität nicht zweifeln. Gleichwohl zweifelte Dr. Kaiser, des Herzogs geheimer Secretär, gar sehr an ihrer Körperlosigkeit, denn er soll sogar einmal den kühnen Gedanken gehabt haben, beide einzufangen, aber durch die feige Flucht seines Begleiters daran gehindert worden sein. Nach Christians Tode sah man die Nonne nicht mehr, der Mönch jedoch trieb nach wie vor sein Wesen und soll noch, nachdem auch die Herzogin gestorben und Niemand mehr im Schlosse wohnte, in den öden Gängen des Gartens herumgewandelt, sich auch oft namentlich im obern Theile des Schlosses gezeigt haben und dort still und geräuschlos herumgeschlichen sein. Man glaubt, daß der noch lebend schon im Geisterreiche herumwandelnde Fürst, von dem weiter unten noch mehr die Rede sein wird, zum Abfall seines Glaubens und zur Rückkehr zum Katholicismus von bezahlten Betrügern verlockt werden sollte.

Die erwähnten zahmen Hirsche kamen später wieder in den Wald, nahmen ihre ursprüngliche Wildheit wieder an, wurden aber von allen Jägern geschont, nicht allein wegen ihrer Farbe, sondern weil sie die Lieblinge des allgeliebten [323] Fürstenpaares gewesen waren. Ein zu Anfange dieses Jahrhunderts im Mühlgrunde geschossener Hirsch soll das Wappen Christians und die Jahrzahl 1704 eingebrannt geführt haben.

Ob diese Sage mit dem unterirdischen Gange, der das Nonnenkloster in der Altstadt mit einigen Gebäuden der neuen Stadt verband, wie man jetzt entdeckt hat (s. Back Bd. II. S. 397 fgg.), zusammenhängt, kann ich nicht sagen.