Der Magenkrampf

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Textdaten
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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: Der Magenkrampf
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 456-458
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[456]
Bausteine zu einer naturgemäßen Selbstheillehre.
IV. Der Magenkrampf.


Die schönsten Jahre des Lebens verbittert gar häufig, vorzugsweise dem weiblichen Geschlechte, der Magenkrampf; kein Uebel wird aber auch durch verkehrte Behandlung, ebensowohl von Seiten des Arztes wie des Patienten, so in die Länge gezogen als gerade dieses und gar nicht selten steigert man dasselbe künstlich bis zu einem solchen Grade, daß es sogar tödtlich endet. – Mit dem Ausdrucke „Magenkrampf“ bezeichnet man nun aber nicht etwa eine bestimmte Krankheit, gegen welche ein bestimmtes Mittel angewendet werden kann, sondern immer nur eine, blos vom vom Patienten selbst wahrzunehmende Erscheinung, welche mehreren und zwar ganz verschiedenen Krankheiten zukommen kann und sich als krampfender oder raffender, schnürender, bohrender, glühender, nicht selten bis zum Rücken sich ausdehnender Schmerz in der Magen- oder Herzgrube äußert. Dieser Schmerz tritt bald bei nüchternem, bald bei vollem Magen ein, nicht selten kehrt er in ganz unregelmäßigen Perioden wieder, am gewöhnlichsten erscheint er jedoch einige Zeit nach dem Essen und besonders nach kaltem Getränke. Sehr häzufig gesellt sich zu demselben Appetitlosigkeit, Verdauungsstörung, Aufstoßen, Erbrechen und selbst Blutbrechen. Stets wird der Kranke bei längerem Bestehen dieses Schmerzen in Folge der geringern Nahrungsaufnahme, blutärmer und deshalb blässer, magerer und kraftloser. Bisweilen ist es aber auch umgekehrt und es tritt Magenkrampf erst zu der schon bestehenden Bleichsucht hinzu.

Die Ursache des Magenkrampfes ist in den allermeisten Fällen eine wunde Stelle im Magen oder das sogenannte Magengeschwür, dessen Entstehen dem Arzte aber noch ganz dunkel ist und von dem er nur weiß, daß es in der Regel eine zirkelrunde Gestalt hat (deshalb auch rundes Magengeschwür genannt wird), daß es nur sehr langsam zuheilt (deshalb auch chronisches Geschwür genannt) und bisweilen so in die Tiefe der Magenwand dringt, daß es dieselbe vollständig durchbohrt und auf diese Weise schnellen Tod unter heftigen Leibschmerzen herbeiführt (deshalb auch durchbohrendes Geschwür genannt). Dieser Tod, in Folge der Durchlöcherung des Magens wird meistens durch dumme Quacksalbereien hervorgerufen und hat seinen nächsten Grund stets in einer weitverbreiteten Bauchfellentzündung oder in Verblutung nach Zerstörung größerer Blutgefäße. Gewöhnlich [457] verheilt aber dieses Geschwür, nicht selten sogar bei der unsinnigsten Behandlung des Uebels, und hinterläßt, gerade wie ein zugeheiltes Geschwür auf der Haut, eine Narbe, die sich nach der Größe und Tiefe des Geschwüres richtet und manchmal den Magen zusammenzieben und sogar bedeutend verengern kann. In den meisten Fällen verschwinden sofort mit der Vernarbung des Magengeschwüres die Magenbeschwerden, vorzugsweise der Magenkrampf, und nur wenn eine recht große und tiefe Narbe zurückblieb, kommt die Magenverdauung sehr langsam oder auch niemals wieder in die gehörige Ordnung. Daß aber ein Magengeschwür die allergewöhnlichste Ursache des Magenkrampfes ist, läßt sich darum mit so großer Sicherheit sagen, weil fast stets heim Oeffnen (Section) solcher Verstorbenen, die während des Lebens an diesem Uebel litten, das beschriebene Geschwür oder, wenn der Magenkrampf gewichen war, die Geschwürsnarbe gefunden wird. – In solchen Fällen, wo nicht ein Geschwür oder überhaupt eine wunde Stelle die Ursache des krampfhaften Magenschmerzes war, da findet sich als solche entweder eine große Blutarmuth oder eine Entartung der Magenwand; beide Leiden verlangen dieselbe Behandlung wie das Magengeschwür und sollen hier deshalb nicht genauer beleuchtet werden.


Der Magen beim Magenkrampfe (im Durchschnitte).
Die Gartenlaube (1853) b 457.jpg

a. Ein frisches Magengeschwür. b. Wunde und leicht blutende Stellen. c. Geschwürsnarben. d. Eingang in den Magen (Magenmund). e. Ausgang (Pförtner). f. Milz.

Wie ist der Magenkrampf zu heben? Gewiß wird auf diese Frage jeder Leser sofort antworten, daß wenn ein Geschwür die Schuld vom Krampfe trägt, dieses zum Zuheilen gebracht werden muß. Allerdings! aber wie ist dies zu ermöglichen? So ziemlich auf dieselbe Weise wie die Heilung eines Geschwüres auf der Haut; nämlich durch Reinhaltung und die größte Schonung des Geschwüres, sowie überhaupt desjenigen Theiles, an welchem dasselbe seinen Sitz hat. Daß ein inneres Arzneimittel beim Magengeschwüre eine solche Heilung zu bewerkstelligen im Stande sein sollte, ist geradezu unmöglich und nur der abergläubische Arzt, der bisweilen nach diesem und jenem Mittel den Schmerz auf einige Zeit verschwinden sieht, meint, daß dadurch auch das Grundübel, nämlich das Geschwür, geheilt werde. Doch dem ist nicht so! Dennoch bleibt die Anwendung eines schmerzstillenden Mittels, besonders des Opiums, für den Kranken von großem Vortheil, insofern er durch dasselbe die hauptsächlichste Beschwerde seines Leidens los wird. Die Vernarbung des Geschwüres, also die Radicalheilung, kommt jedoch nur auf diätetischem Wege zu Stande. Hierbei ist zuvörderst der Magen mit allen kalten, reizenden, blähenden und unverdaulichen Speisen und Getränken zu verschonen. Deshalb vermeide man vorzüglich Pfeffer, [458] Senf, Spiritus, Schwarzbrod, Hülsenfrüchte und Gemüse, ganze Kartoffeln, geronnenes Eiweiß, geräucherte und gepökelte Fleischspeisen und selbst die Milch, weil diese im Magen zu Käse gerinnt. Dagegen ist gute Fleischbrühe, flüssiges Ei (Eiweiß und Dotter), Brei, frisches, zartes, saftiges Fleisch und warmes Getränk zu empfehlen. Aber auch diese Nahrungsstoffe dürfen nie in zu großer Menge, sondern stets nur in kleinen Portionen und lieber öfterer des Tages genossen werden, so daß nach ihrer Aufnahme in den Magen kein Schmerz entsteht. Von großem Vortheile ist es, das Geschwür täglich einige Male durch Trinken warmen (nicht lauen) Wassers zu reinigen, sowie durch Anwendung äußerer Wärme (in Gestalt von warmen Umschlägen, Magenpflastern, Bauchbinden und dergl.) in seiner Vernarbung zu unterstützen. Beengende Kleidungsstücke, besonders Schnürleibchen und Unterrocksbänder, sowie stärkere und häufige Bewegungen, scheinen die Heilung zu verzögern. Nun glaube man aber ja nicht etwa, daß bei diesem Verfahren das Magengeschwür schon in einigen Tagen verheilen kann, dies wäre gegen alle, im menschlichen Körper herrschenden Gesetze; stets ist die angeführte Diät längere Zeit fortzuführen, wenn der Magenkrampf nicht wiederkehren soll. Von den vielen gegen Magenkrampf empfohlenen Hausmitteln schweige ich, weil alle diese Mittel nichtsnutzige und meistens schädliche sind, vorzüglich warne ich vor dem beliebten, mit Pfeffer versetzten Kornbranntwein, vor Kalmusschnaps, starkem Kaffee mit Rum und dgl., weil solche Mittel recht leicht Durchlöcherung des Magens und Tod herbeiführen können.

(B.)