Der Oybin

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Titel: Reise-Erinnerungen. II. Der Oybin
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 476, 477-478
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch die Themenseite Oybin
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Die Gartenlaube (1859) b 476.jpg

Der Oybin vom Hausgrund aus.

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Reise-Erinnerungen.
II. Der Oybin.
(Mit Abbildungen.)
Die Gartenlaube (1859) b 477 1.jpg

Innere Ansicht der Kirchenruine.

Viele Leser der Gartenlaube haben wohl schon öfters den Namen „Oybin“ nennen hören, sehr Wenige aber ihn selbst besucht. Und doch gehört der „Oybin“ zu einem der interessantesten und amnuthigsten Aussichtspunkte, die unser schönes Vaterland besitzt, und ist mehr als viele anderen lautausposaunten Ruinen und Bergpartien des Besuches werth.

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Aeußere Ansicht der Kirchenruine beim Ausgang des Kreuzganges.

Der Oybin, ein Bergfelsen im südlichsten Theile der sächsischen Oberlausitz, zwei kleine Stündchen von Zittau, ist schon seiner Formation nach ein Naturwunder und wird noch interessanter durch seine prachtvollen Ruinen, die seinen Kegel schmücken. In einem amphitheatralisch von höhern felsigen Bergen eingeschlossenen Thale erhebt sich von drei Seiten ganz freistehend, auf der vierten nur durch einen schmalen Rücken mit dem nahen Gebirge verbunden, dieser Felsen in glockenartiger oder kolbiger Kegelgestalt 1697 Fuß über die Meeresfläche, zusammengethürmt aus ungeheuren Sandsteinmassen, theils zackig, theils abgerundet und mit Nadelholz schattirt. Südwestlich sind die verschiedenen Terrassen durch Treppen in mancherlei Biegungen zugänglich, und von der Gipfelebene, zu welcher zuletzt wieder eine ziemlich hohe Treppe führt, [478] genießt man eine prachtvolle Aussicht in das romantische Thal und über Zittau hinaus in die Gegend von Görlitz.

Von überraschender Wirkung sind die auf dem Haupte des Felsens prangenden malerischen Ruinen des alten Raubschlosses und des Klosters, die mit zu den großartigsten gehören, welche Mittel- und Norddeutschland aufzuweisen haben. Namentlich zeichnen sich die Kloster-Ruinen durch die Herrlichkeit echtdeutscher Architektur, durch Kühnheit in den freigeschwungenen Bogen und durch Schönheit der noch hier und da zu bemerkenden Kreuz- und Rosenverzierungen aus.

Vor dem Jahre 1200 war der Oybin mit seiner ganzen Umgebung ein wüster, wilder Waldberg- Fast 56 Jahre später fand ein Jäger des Chval von Leippa, Oywin, daher der Name des Berges, bei Verfolgung eines Bären, den er jagte, den Felsen und veranlaßte seinen Herrn, dort eine kleine Burg zu erbauen, deren ursprünglicher Zweck wohl kein anderer gewesen ist, als zur Erquickung und Bewirthung der Jäger zu dienen.

Bereits 1280 aber setzten sich die vom Burgberge vor Zittau hier fest und plünderten die Kaufleute, welche auf der damals zwischen den Oybiner und Jonsdorfer Bergen hinlaufenden Straße Handel trieben.

Die Zittauer Bürger, des Unwesens müde, zogen mit gewaffnet Hand aus und zerstörten die Burg, die zweifelsohne damals von Holz war, ohne großen Widerstand. Eine lange Zeit, die Chronik sagt 30 Jahre, stand der Berg leer; 1312 aber bauten die Herrn von Leippa ein neues steinernes Gebäude dahin und fingen das Räuberhandwerk von Neuem an, ärger als früher, so daß Fuhrleute und Reisende durch Bedeckung geleitet merken mußten, bis endlich 1349 Karl IV. das Raubschloß eroberte und zerstörte. Jedenfalls hat er noch vor Gründung des Klosters sich das Schloß auf dem südlichen Gipfel des Berges, dessen Trümmer noch zu sehen sind, erbaut, denn 1360, meldet die Chronik, hatten die Herwigsdorfer Bauern Holzfuhren zu thun, und noch heute bezeichnet die Burgstraße einen Weg zwischen Oybin und Herwigsdorf. Das Cölestiner-Kloster wurde 1369 gestiftet. Seinen Bau leitete des Kaisers Hofbaumeister, Peter Arler von Gemünd, dessen Bild auf der Domgallerie in Prag hängen soll.

Die prächtige Kirche wurde am 6. November 1384 durch den Erzbischof und Reichskanzler Johann von Jenzenstein eingeweiht. Von nun an wuchs die Besitzung des Klosters. Andächtige aus Zittau vermachten oft ihre ganze Habe, so 1394 Margaretha Gresser und Andere.

Im Hussitenkriege wurde das Kloster 1420 und 1429 bedroht, aber nicht erobert, wohl aber sein Besitzthum so arg verwüstet, daß der Wohlstand je mehr und mehr sank, bis die Reformation des Klosters Ende herbeiführte. Karl V. veräußerte 1544 die Kleinodien desselben. Die wenigen Mönche bezogen ein Jahr darauf das früher erkaufte Haus in der Stadt, den Väterhof, und 1574 brachte der Stadtrath den Oybin sammt allen dazu gehörigen Gütern käuflich an sich.

Am 24. März 1577 schlug bei einem entsetzlichen Gewitter der Blitz in die leeren Klostergebäude, die Pulverkammer der Burg fing Feuer, und nach achttägigem Brande war der schöne Bau in eine Ruine verwandelt, an der ein unweit der Kirche 1681 vorgekommener Felseneinsturz noch mehr Verwüstungen anrichtete.

Was die Stätte an Holz, Eisen, Blei, Kupfer noch darbot, ward von den herumstreifenden Horden im 30jährigen Kriege geraubt. Einzelne Bewohner der Stadt besitzen noch Alterthümer, unter denen die Stücke von alten Oefen merkwürdig sind, weil sie die Kleidertracht von 1500 in den Bildnissen aufbewahren.

In dem Kriegsjahre 1813 suchten die Landleute in den Klüften des Oybin Schutz für sich und ihr Eigenthum.