Der Perückenkampf in der Hoflößnitz

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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Der Perückenkampf in der Hoflößnitz
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 323–324
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB Dresden und Wikimedia Commons
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142. Der Perückenkampf in der Hoflößnitz.

Es war an einem heiteren Augusttage des Jahres 1813, als Kosaken auf ihren kleinen, flinken Pferden zwischen Meißen und Dresden am rechten Elbufer schwärmten und in den nahegelegenen Weinbergen der Lößnitz nach Beute und Lebensmitteln, auch, wie sich einzelne vernehmen ließen, nach einem Schluck „Wodki“, dem „Lebenselixier“ der Söhne der Steppe, Umschau hielten. Lange hatten sie in den verlassenen Landhäusern, die zwar überall offen, aber größtenteils leer und ohne Fenster und Türen waren, vergeblich gesucht. Da stießen sie auf ein noch recht gut erhaltenes Gartenhäuschen. Die Türe war verschlossen, und die Kosaken hofften, hier endlich das Gewünschte zu finden. Unter den Fäusten und Kolbenschlägen der Krieger gab die Türe bald nach, und alles drängte voller Erwartung hinein.

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Steinbruch in Zadel.

In dem Häuschen stand ein unscheinbarer Kasten, der schleunigst geöffnet wurde. Aber die Kosaken fanden nichts von „Wodki“ und Lebensmitteln, sondern eine Menge Perücken aus den verschiedenen Zeitaltern. Der Besitzer des Weinberges hatte, wie sein Vater und Großvater, den damals verbreiteten Glauben gehegt, daß abgelegte Perücken weder verschenkt noch vernichtet werden dürften, weil dies sonst dem bisherigen Träger Schaden an Leib und Gesundheit bringe. So hatten mehrere Generationen der Familie des betreffenden Weinbergbesitzers ihre abgelegten Perücken in jenen Kasten geworfen, der dort in dem jetzt von den Kosaken erstürmten Weinbergshäuschen stand. Die Enttäuschung der Kosaken war groß. Sie sahen sich einander verwundert an und lachten dann laut auf. Die aufgefundenen Perücken aber steckten sie aus Uebermut auf die in der Nähe stehenden Weinbergspfähle. – Drüben am linken Ufer der Elbe standen die Franzosen. Sie bemerkten auf einmal, wie hinter den dichtbelaubten Weinreben des jenseitigen Ufers eine ganze Doppelreihe Häupter hervorlugten. Die Franzosen meinten, den Feind entdeckt zu haben. Sogleich richteten sie ihre Gewehre dorthin. Ein heftiges Granatfeuer entstand. Da dieses aber nichts fruchtete, und der vermeintliche Feind nach wie vor seine Stellung unverändert einnahm und kein einziger Mann gefallen war, gab der französische Kommandant zur Ueberschreitung des Elbstromes sofort Befehl; denn nun stand es fest, daß der entdeckte Feind sich in den gegenüberliegenden Weinbergen [324] festsetzen wolle, um einen Uebergangspunkt zu gewinnen. Auf einer Anzahl Kähne setzte leichte Infanterie über, die in Gefechtslinie gegen den betreffenden Weinberg vordrang. Als die Angreifer keinen Widerstand fanden, überstiegen sie mutig die Mauer.

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Alte Kirche und Pfarrhaus zu Coswig.

Da standen die Franzosen nun dem furchtbaren Feinde Auge in Auge gegenüber. Sie hatten sich arg täuschen lassen und waren wütend. Die Franzosen wurden es aber noch mehr, als sie das schadenfrohe Lachen der aus ihrem Versteck davoneilenden Kosaken zuletzt noch vernehmen mußten. Sie sandten den Höhnenden Kugeln nach, die aber ihr Ziel verfehlten.