Der Phönix (Franz Herzfeld)

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Textdaten
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Autor: Franz Herzfeld
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Titel: Der Phönix
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 412–414
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[412]
Der Phönix.[1]
Von Franz Herzfeld.

Hamburgs Flotte liegt in der Bucht von Cadix.
Sie umdrängt den Phönix, die Kriegsfregatte,
Die ihr Schutz gewährt vor der Türken-Nachten
      Enger Belag’rung.

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Rings auf hohem Meere der Feinde Flotte

Möchte gern das reiche Geschwader plündern,
Doch es sperrt die Bucht der gewalt’ge Phönix
      Mächtig gewaffnet.

Auf dem Deck des Schiffs, zu den Masten blickend,

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Steht der Admiral mit den Officieren:

„Was doch will das Kreischen des blut’gen Vogels
      Hoch auf den Raaen?“

Sieh! Was huscht dort leis von dem Borde seewärts?
„Ha! Ein Brander! Ließ ihn die Wache nahen?

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Eine Salve drauf! Zu den Innenräumen

      Folgt mir ein Fähnlein!“

Da mit Keuchen schreit der Kajütenwächter:
„Feuerjo! Es brennt in des Schiffes Bauche!“
Alles stürzt von dannen – am Holze knuspern

20
      Grinsende Flammen –


Alles schwingt die Eimer – Kommandorufe –
Hilfebrüllen glühender Schiffskartaunen –
Ruf nach Booten - - da mit gezücktem Degen
      Unter das Schiffsvolk

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Tritt der Admiral: „Wer vom Platz sich rühret,

Ist des Tods! Wo bleibt Euer Eid, Ihr Schurken?“
Neubelebet regen sich hundert Hände –
      Aber vergeblich!

Bohlen krachen, Böller und Anker schmelzen!

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Feuersäulen steigen zum Firmamente!

Todte Möven taumeln aus Purpurwolken
      Nieder in Blutgischt.

Jetzt des Führers eiserne Knie’ umklammern,
Wild gepackt vom Grausen, die Officiere:

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„Weh! Schon naht das Feuer der Pulverkammer –

      Rette die Mannschaft!“

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Die Gartenlaube (1886) b 413.jpg

Untergang des Phönix.
Originalzeichnung von Johs. Gehrts.

[414]

Doch er ruft: „Ihr Memmen! Die Pulverkammer
Ist geschützt durch mächtige Eisenplatten –
Wasser drauf zur Kühlung! Der Phönix darf nicht
      Sinken! Verloren

Wär’ die ganze Flotte durch uns’re Feigheit!
Löscht! Und gafft nicht! Löscht, bis die Eimer brennen!
Oder selber werf’ in die Pulverkammer
      Ich eine Lunte!“

Doch des Vaters eiserne Knie’ umklammert
Nun sein Sohn: „Gedenke des stillen Hauses,
Das Du füllen willst mit der Wittib Klagen,
      Ach! und der Waisen!“

Da aus Feuerbrausen die sanfte Alster
Sieht er schimmern – doch er zerdrückt die Thräne:
„Fort mit Dir! Wie darfst Du es wagen, Knabe,
      Mich zu erweichen!

Weißt Du nicht, daß ernster, als Weiberklagen,
Schallt der Pflicht erhabener Ruf dem Manne?
Hier zu stehen, hab’ ich gelobt den Bürgern –
      Hier will ich fest stehn!

Dieser Bord war wiege dem Schifferkinde,
Diese Segel seien mein Leichenlinnen –
Dieses Feuer preise mit tausend Zungen
      Männliche Treue!“

Doch dem Jüngling winken die blauen Augen
Seiner Braut, der holden, vom Heimatstrande -
„Sei’s denn!“ruft er, „Noth vor Befehl, Ihr Männer
      Senkt die Schaluppe!“

Hundert Kehlen schreien dem Kühnen Beifall!
Alles drängt und hastet zum Rettungsboote.
Doch der Admiral mit erbob’ner Rechten
      Tritt vor den Sohn hin:

„Stirb, Rebell! Du hast Dir den Tod ertrotzet!!“
Seine Waffe saust – der Getroff’ne stürzet
Hoch vom Bord – o weinet, ihr blauen Augen
      Fern in der Heimat!

Da durchbrauft die Rotten ein drohend Murren,
Wüthend schwillt es: „Stoßet den Mörder nieder!“
Ein Matros, um Diebstahl gezüchtigt, rennt den
      Stahl in die Brust ihm.

Und er stürzt! Wie kniet um ihn her so Mancher
Seiner wetterfesten, ergrauten Freunde!
„Rettet Euch,“ so stöhnet er. „ich doch rette
      Mehr noch – die Ehre!“

Nun verlassen, schaut er mit matten Blicken,
Wie ein wilder Knäuel zum Boot sich wälzet,
Um den Eingang ringt – die Schaluppe kentert -
      Alle versinken!

Alle traf ein gräßlich Gericht des Aufruhrs!
Doch der Alte wankt zu der hohen Brücke,
Rings umrauscht vom Blähen des Feuersegels,
      Wie von der Fahne!

Doch der Alte ragt auf der hohen Brücke.
Stark die nerv’ge Faust ans Geländer klammernd.
Nun erglüht’s – da sinkt seine Hand – es sinkt des
      Sterbenden Wimper.

Weh! Welch abgrundspaltendes Donnerkrachen
Drob äonenjährige Felsen zittern?
’s war die Pulverkammer. Den stolzen Phönix
      Schauet kein Aug’ mehr.

Und ein Sturm zerstreute die Türkenflotte.
Ungeschädigt segelten Hamburgs Schiffe
Heimwärts, schwarz beflaggt um des Phönix Ende
      Und seines Führers.

Nein! Nicht sank das Schiff, ob die Planken barsten!
Nein! Ein Phönix, stieg’s aus der Gluthenwiege
Geisterhell empor und den todten Helden
      Trägt’s durch die Sturmnacht!

Wo die Meerschlacht tobt, da erscheint’s den Streitern,
Und der Alte winkt mit den Feuerhänden –
Und auf Meeresgrund ein erschlag’ner Wiking
      Schlägt an den Erzschild.

Segle, sel’ger Geist, durch die Seen des Weltrunds,
Wenn mit Macht die deutschen Kanonen donnern,
Und der Mannschaft rausche dein Flammenmantel
      Todesbegeist’rung!

  1. Nach einem Bericht in Gustav Freytag’s: „Aus dem Jahrhundert des großen Kriegs“.