Der Quitzow’en Fall und Untergang

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Autor: Theodor Fontane
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Titel: Der Quitzow’en Fall und Untergang
Untertitel: Nach dem Alt-Märkischen
aus: Gedichte, Seite 244–247
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger
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Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
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Quelle: Scans auf Commons
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[244]
Der Quitzow’en Fall und Untergang.

1414.
(Nach dem Alt-Märkischen.)

Und Christ im Himmel erbarmte sich:
Da gab er zum Trost uns männiglich
Unseren Markgraf Friederich,[1]
     Einen Fürsten lobesamen.

5
Das ist ein Fürst von eigner Art,

In ihm sind Kraft und Muth gepaart;
Ob Laien oder wohlgelahrt,
     Alle preisen seinen Namen.

Zu loben ihn uns wohl ansteht,

10
Ihn, den so lange die Mark erfleht:

Gott selber in seiner Majestät
     Hat ihn uns erwecket.

Seit Kaiser Karl[2] zu Prag uns starb,
Das Land verkam, das Land verdarb,

15
Bis Friedrich uns’re Mark erwarb,

     Das hat die Räuber erschrecket.

Und die ihm wollten widerstehn,
Wie der Kuckuk waren sie anzusehn,
Er war der Adler, sie waren die Krähn,

20
     Er zerstäubte sie geschwinde.


 * * *

[245]
Die Quitzowschen[3] schwuren einen Eid:

„Wir machen ihm das Land zu Leid“
Und dazu waren sie wohl bereit
     Mit ihrem Ingesinde.

25
„Was soll uns der Nürrenberger Tand?

Ist Spielzeug nur in uns’rer Hand,
Wir sind die Herren in diesem Land
     Und wollen es beweisen.

Und regnet’s Fürsten noch ein Jahr,

30
Das macht nicht Furcht uns und Gefahr,

Er soll uns krümmen nicht ein Haar,
     Nach Hause soll er reisen.

Und kommt zu Fuß er oder Pferd,
Mit Büchse, Tartschen oder Schwert,

35
Uns dünkt es keinen Heller werth,

     Er muß dem Land entsagen.

Und will er nicht, es thut nicht gut,
Wir stehen muthig seinem Muth,
Zehn Schlösser sind in uns’rer Hut,

40
     Er soll uns nicht verjagen.“


Als das die Fürstenschaft vernahm,
In Hasten alles zusammenkam;
Einem jeden wär’ es Schimpf und Scham,
     Wär’ er da nicht gekommen.

45
Der Bischof von Magdeburg war zur Hand,

Günther von Schwarzburg[4] war er genannt,
Nach Plaue hat er sich gewandt
     Und die „Grethe“ mitgenommen.

[246]
Dann zog heran ein Sachsen-Hauf,
50
Herzog Rudolf[5] allen vorauf.

Nach Golzow nahm er Ziel und Lauf
     Und stellte sich vor die Veste.

Da ließ er schwenken seine Fahn’:
„Ich denke, rasch ist gut gethan,

55
Laßt uns an ein Stürmen gahn

     Und jeder thue das Beste.“

Burggraf Freidrich aber vor Friesack zog,
Der Graben war tief, die Mauer war hoch,
Aber die Franken stürmten sie doch,

60
     Alle wollten sie Ritter werden.


Ein Hagel von Pfeilen sie flugs empfing,
Da schützte nicht Schiene, nicht Panzerring,
Mancher Pfeil bis in das Herze ging
     Und viele sanken zu Erden.

65
Ja, Pfeile flogen und Kugel und Stein,

Da riefen die Franken: „Tritt für uns ein,
Maria, woll’ uns gnädig sein,
     Auf daß der Hochmuth erliege.“

Die heilige Jungfrau, sie war es gewillt,

70
Sie lieh den Stürmenden ihren Schild,

Ein jeder sah ihr Himmelsbild,
     Und so schritten sie zum Siege.

Das Wetter war kraus und ungestalt,
Es regnete, schneite und war kalt,

75
Die Schlösser kamen in unsre Gewalt,

     Weil Gott im Himmel es wollte.

[247]
Friesack, Plaue, Rathenow,

Und Golzow und Beuthen ebenso,
Sie huldigen Friedrich, und alle sind froh,

80
     Daß Recht Recht bleiben sollte.


Die Fürsten lenkten heimwärts ein,
Desgleichen die Städte, groß und klein;
Viele waren geschossen durch Hüft und Bein
     Und hinkten nach Haus an Krücken.

 * * *

85
Ach, reicher Gott, den Fürsten gut,

Nimm ihn gnädig in Deine Hut
Und woll’ ihn durch Dein heilig Blut
     Erquicken und beglücken.

Auch seiner edlen Fraue zart,

90
Sei’n Deine Gaben aufgespart,

Dann sind allbeide wohlbewahrt
     In Deinem Himmel droben.

In Deinem Himmel, nach dem wir schau’n
Auf den wir all in Hoffnung bau’n,

95
Um willen Uns’rer lieben Frau’n,

     Die wir rühmen und preisen und loben.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Friedrich I. von Brandenburg
  2. Kaiser Karl IV.
  3. Adelsgeschlecht Quitzow
  4. Erzbischof Günther von Schwarzburg
  5. Herzog Rudolf III.