Der Recensent (Uhland)

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Textdaten
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Autor: Ludwig Uhland
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Titel: Der Recensent
Untertitel:
aus: Gedichte von Ludwig Uhland, Seite 123–124
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
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Originalherkunft:
Quelle: MDZ München = Commons.
Kurzbeschreibung:
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[123]
Glossen.


1. Der Recensent.


Süsse Liebe denkt in Tönen,
Denn Gedanken stehn zu fern;
Nur in Tönen mag sie gern
Alles, was sie will, verschönen.

Tieck.



Schönste! du hast mir befohlen,
Dieses Thema zu glossiren;
Doch ich sag’ es unverhohlen:
Dieses heißt die Zeit verlieren,

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Und ich sitze wie auf Kohlen.

Liebtet ihr nicht, stolze Schönen!
Selbst die Logik zu verhöhnen,
Würd’ ich zu beweisen wagen,
Daß es Unsinn ist, zu sagen:

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Süsse Liebe denkt in Tönen.


Zwar versteh’ ich wohl das Schema
Dieser abgeschmackten Glossen,
Aber solch verzwicktes Thema,
Solche räthselhafte Possen

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Sind ein gordisches Problema.

Dennoch macht’ ich dir, mein Stern!
Diese Freude gar zu gern.
Hoffnunglos reib’ ich die Hände,
Nimmer bring’ ich es zu Ende,

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Denn Gedanken stehn zu fern.
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Laß, mein Kind! die span’sche Mode,
Laß die fremden Triolette,
Laß die wälsche Klangmethode
Der Kanzonen und Sonette,

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Bleib bei deiner sapph’schen Ode!

Bleib der Aftermuse fern
Der romantisch süßen Herrn!
Duftig schwebeln, luftig tänzeln
Nur in Reimchen, Assonänzeln,

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Nur in Tönen mag sie gern.


Nicht in Tönen solcher Glossen
Kann die Poesie sich zeigen;
In antiken Verskolossen
Stampft sie besser ihren Reigen

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Mit Spondeen und Molossen.

Nur im Hammerschlag und Dröhnen
Deutschhellenischer Kamönen
Kann sie selbst die alten, kranken,
Allerhäßlichsten Gedanken,

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Alles, was sie will, verschönen.