Der Soxhletsche Milchapparat für Säuglinge

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Titel: Der Soxhletsche Milchapparat für Säuglinge
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 219
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[219] Der Soxhletsche Milchapparat für Säuglinge. Wenn eine deutsche Hausmutter alten Schlages nur einen Blick auf die nachstehende Abbildung werfen, die vielen Flaschen, Gestelle, Büchsen, Pfropfen und Gläser sehen sollte, dann würde sie bedenklich den Kopf über die neumodische Sitte schütteln, welche gar ein ganzes chemisches Laboratorium in die Kinderstube bringt. Sie würde gewiß für den alten guten Brauch eintreten, bei dem sie selbst und ihre Kinder groß und kräftig geworden sind. Wenn die Hausmutter damit die natürliche Ernährung des Säuglings an der Mutterbrust meinen wollte, dann würden wie ihr von Herzen beipflichten, sonst aber müßten wir ihr die statistischen Tafeln der Kindersterblichkeit entgegenhalten und ihr erwidern, daß die künstliche Ernährung des Säuglings besser gehandhabt werden muß, damit nicht so viele schöne Hoffnungen der Eltern schon im Keime erstickt werden.

Nach vielen Versuchen ist die medicinische Wissenschaft zu dem Ergebniß gelangt, daß gute Kuhmilch den besten Ersatz für die Mutterbrust bildet und allen Kindermehlen und -Extrakten vorzuziehen ist. Gleichzeitig aber beschränkte sie den Satz dahin, daß wir unter einer guten Kuhmilch nur eine solche von gesunden Kühen und eine von allen Zersetzungskeimen freie Milch verstehen dürfen. Um die erste Bedingung zu erreichen, hat man sog. Säuglings-Kuhställe unter ärztlicher Aufsicht errichtet und damit sehr gute Erfolge erzielt. Aber selbst der idealste Kuhstall vermag nicht eine Milch zu liefern, die von Zersetzungskeimen frei ist, und darum ist es die Pflicht der Mutter, diese Keime unschädlich zu machen, bevor die Milch dem Säugling verabreicht wird. Ein genügendes Abkochen der Milch, die peinlichste Reinlichkeit der Saugflaschen und Saugstöpsel genügen an und für sich zur Tödtung und Fernhaltung der Zersetzungs- und Gährungskeime, und eine Frau, die verständig genug ist, die Bereitung und Verabreichung der Nahrung für den Säugling selbst zu besorgen, und sich die Mühe nicht verdrießen läßt, für die peinlichste Reinlichkeit unablässig zu sorgen, wird mit der Kuhmilch die besten Resultate erreicht haben und glauben, ein Apparat, wie wir ihn abbilden, sei überflüssig.

Es mag sein; denn hier und dort wird ein und dasselbe Princip befolgt; die Zersetzungskeime sollen durch die Siedehitze getödtet oder wenigstens abgeschwächt werden. Der Soxhletsche Apparat bietet jedoch unendlich mehr Sicherheit als das schärfste Mutterauge; wir werden dies schon aus einer flüchtigen Beschreibung desselben ersehen.

Die Abbildung zeigt uns den Apparat in seinen Einzeltheilen, als ob er auf einem Tische vor uns aufgestellt wäre.

Die Gartenlaube (1888) b 219.jpg

Der „Milchmann“ hat die Milch gebracht, und die Mutter tritt nun an ihr „Laboratorium“. Das Erste, was sie thut, ist, daß sie die Milch nach der Angabe des Arztes mit Wasser verdünnt. Dabei leistet ihr das rechts stehende Glas gute Dienste, dessen Inhalt durch eine Skala in Strichen angedeutet ist. Hierauf füllt sie die verdünnte Milch in die Flaschen, von denen 20 Stück dem Apparate beigegeben sind. Auch ein Gestell, auf welchem die gereinigten Flaschen aufbewahrt werden können, fehlt nicht. Eine jede der Flaschen faßt 150 Kubikcentimeter, und es müssen so viel Flaschen gefüllt werden, daß sie für einen Tagesverbrauch reichen. Die Flaschen werden mit besonders dazu beigegebenen Kautschukstöpseln verschlossen und in den Wassertopf (auf der Abbildung links) gestellt. Nachdem der Deckel auf den mit kaltem Wasser gefüllten Topf festgedrückt worden, läßt man das Wasser kochen. Nach etwa 5 Minuten öffnet man den Deckel und steckt in die Kautschukstöpsel kleine Glasstäbchen, wodurch die Flaschen luftdicht abgeschlossen werden. Jetzt kocht man bei festgedrücktem Deckel 35 bis 40 Minuten fort, hebt nach dieser Zeit die Flaschen aus dem Topf und läßt sie erkalten. Die so behandelte Milch hält sich bei Zimmerwärme 3 bis 4, und an einem kühlen Orte aufbewahrt 4 bis 5 Wochen, ohne zu gerinnen; gleichzeitig wird durch dieses Kochverfahren die Bildung der lästigen Milchhaut verhindert, welche die Saugvorrichtung verstopft und verunreinigt.

Soll nun eine Flasche dem Kinde gereicht werden, so stellt man sie in den kleineren mit Wasser gefüllten Topf auf den Herd oder auf eine Spirituslampe, bis die Milch trinkwarm wird, und erst unmittelbar vor der Verabreichung befestigt man die Saugvorrichtung an derselben.

Die Handhabung des Apparates ist, wie wir gesehen haben, keineswegs komplicirt, und doch sind dabei alle Bedingungen erfüllt, welche die Milch vor Zersetzung schützen, während bei den gewöhnlichen Aufbewahrungsmethoden der abgekochten Milch in Töpfen etc. die Mutter nie sicher sein kann, ob sich schädliche Keime der Milch beigemengt haben.

Professor Dr. Soxhlet hat die Fabrikation des Apparates der Firma Metzeler u. Komp. in München übertragen und denselben durch seinen Namenszug vor Nachahmungen geschützt; der Apparat ist vielfach geprüft worden, und die Erfolge sind von Autoritäten wie Professor Dr. F. Winkel „vorzüglich“ genannt worden. Auch wir empfehlen ihn den Müttern, die ihre Kinder selbst nicht stillen können.
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