Der Spruch auf der Burg Windeck

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Albert Ludwig Grimm
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Spruch auf der Burg Windeck
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 464–465
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[464]
Der Spruch auf der Burg Windeck.

Das Mauerwerk schon fertig stand;
Es rührt der Zimmermann die Hand,
Und aufgeschlagen steht der Bau;
Das Thurmdach ragt ins Himmelsblau,

5
Und wo die Sparren sich verbinden,

Da steckt der Strauß, ein Spiel den Winden.

Die Bänder wehn von Tannenstrauß
So lustig lockend weit hinaus;
Den Burgweg strömt das Volk hinan,

10
Es hörte gern den Spruch mit an.

Der Bauherr kommt von Lorsch geritten,
Abt Diemo in der Brüder Mitten.

Es ist ein Fest für Jung und Alt,
Und Alles nach Burg Windeck wallt;

15
Die Ritter nah’n und Edelfrau’n,

Des Festes Lust mit anzuschau’n;
Und was der Hof vermag zu fassen,
Wird freundlich auch hereingelassen.

[465]

Der Knabe steigt zum Thurm hinaus;

20
Jetzt steht er bei dem Tannenstrauß,

Und als das Volk erwartend schweigt,
Er dreimal sich bescheiden neigt,
Beginnet laut und ohne Zagen
Den frommen Zimmerspruch zu sagen.

25
Und drauf er mit dem Becher winkt,

Den er auf’s Wohl des Bauherrn trinkt.
Man schenkt den Becher wieder voll:
„Dem Ritter, der hier wohnen soll,
„Dem Kloster sei er Schutz und Wehre,

30
„Dem Ritterstande Ruhm und Ehre!“


Die Bänder flattern um den Strauß;
Der Wind reißt manches mit hinaus.
Der Knabe sieht’s und bei sich spricht:
„Nimm alle, nur das eine nicht,

35
„Das blaue Band, das Sie gegeben,

„Ich lass’ es nur mit meinem Leben.“

„Zum dritten Male schenkt mir ein!
„Der Becher gilt der Liebsten mein!
„Und wenn sie mich nicht minnen will,

40
„Bleib’ ich doch treu, und minne still.

„Stehn auch zu hoch des Himmels Sterne,
„Labt doch ihr Blick in tiefer Ferne.“

Der Knabe spricht bewegt das Wort;
Da reißt der Sturm das Band ihm fort,

45
Es fliegt vorbei, – er hascht darnach, –

Er beugt sich vor, – er stürzt ihm nach,
Im Sturze will er’s noch erfassen –
Er kann es nur im Tode lassen.

(Aus Grimm’s Werke: „Die Bergstraße etc.“)