Der Teufel holt ein Mädchen zu Roßwein

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Teufel holt ein Mädchen zu Roßwein
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 318-319
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[318]
360) Der Teufel holt ein Mädchen zu Roßwein.
S. Knauth. Th. VII. S. 130 sq.

Im Jahre 1586 hat sich zu Roßwein eine sogenannte Schleiermagd, die schwangern Leibes gewesen, bei ehrlichen Leuten eingemiethet, die anfangs ihren Zustand nicht kannten. Als sie nun in die Wochen kam und das Gewissen aufwachte, da hat ihr der Teufel solche Sünde weidlich aufgemutzt und hätte sie gern um Leib und Leben gebracht. Deswegen ist sie in große Traurigkeit verfallen, also daß allem Gesinde bange dabei worden und die Wirthin an ihr genug zu trösten gehabt. Ueber etliche Tage stirbt das Kind und nun hält der Teufel desto heftiger bei ihr an. Einstmals steht sie des Nachts auf und geht zur Thür hinaus: da nimmt sie der Teufel alsbald, wie ihr es gedäucht hat, bei seiner weichen Hand und führt sie stracks zum Brunnen im Hofe. Die Wirthin, die solches gehört, steht auf und geht in die Stube, sieht in das Bett, findet aber die Wöchnerin nicht. Sie redet also das Gesinde hart darum an. Diese nehmen alsbald ein Licht zur Hand und gehen hinaus, um sie zu suchen, rufen und schreien, finden aber Niemand. Sie gehen also in den Hof, finden das Lieth (d.h. Laden) über dem Brunnen weit aufgethan, leuchten mit dem Lichte hinein, sehen aber nichts, [319] machen also den Brunnen zu und suchen noch ferner im Hause herum. Wie sie aber das Mädchen nirgends finden und es gegen Morgen geht, setzen sie sich über ihre Arbeit, beten und seufzen zu Gott. Ueber eine Stunde hören sie eine Stimme gleichsam mit undeutlichem Schreien zwei- oder dreimal: „Mutter, Mutter!“ rufen, sie laufen also mit dem Lichte zum Brunnen, worauf sie dieselbe zu ihrer größten Verwunderung über dem Wasser stehen sehen, als lehne sie sich an die Mauer, schreiend: „o helft mir um Gottes Willen!“ Man läßt ihr den Eimer hinunter, in den tritt sie, aber wie man sie um die Hälfte emporbringt, fällt sie rücklings aus dem Eimer und schießt in’s Wasser hinein, daß es über ihr zusammenschlägt und man nichts mehr von ihr sehen kann. Darauf gehen sie also von dannen; allein nicht lange hernach hören sie abermals schreien wie zuvor und finden sie wiederum an der Mauer lehnen und um Gottes Willen bitten, man solle ihr helfen. Da lassen sie den Eimer zum andern Male hinunter, nebst einer starken Leine, und befehlen ihr, sie solle sich damit an die Kette knüpfen, fest anhalten und Gott vertrauen, ziehen sie also heraus, ganz bleich und eiskalt, daß man sich ihres Lebens nicht eine Stunde versehen. Darauf hat man sie in die Stube geführt, mit warmen Tüchern umgeben, ihr aus Gottes Wort vorgesagt, und sie vor Sünden gewarnt. Sie hat dann fleißig zugehört und Gott ihr Gnade gegeben, daß sie in Kurzem wieder zu ihrer Gesundheit gekommen, viele Jahre lang gelebt, auch einen Mann genommen und mit ihm Kinder gezeugt hat.