Der Wasserfall bei Todtnauberg

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Textdaten
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Autor: Johann Jakob Schneider
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Titel: Der Wasserfall bei Todtnauberg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 240–242
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
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Der Wasserfall bei Todtnauberg.

Chensch das Lied vom Dengeligeist in Hebels Gedichte?
S’chunnt e Stell drin vor – i bruch mi nit lang druf z’bsinne:
„Vo de heiligen Engle mit schöne, blauen Auge,
Die in tiefer Nacht in stille Dörfere wandle,

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An de Feustere lose, und – höre sie lieblige Rede,

Gegenenander lächlen und an de Husthüre sitze
Un die frumme Lüt im Schlof vor Schade biwahre!“
Allimohl freut’s mi, wenn i dra denk un wenn’s mer in Sinn chunnt.
Sez di zue mer in’s Gras, i will der öppis verzehle

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Wo me schönen Engel mit blaue, liebligen Auge;

Hör mer ordli zue, un schwäz mer nit zwischen ine!
S’duurt nit lang, de chasch no zitli gnue wieder heim cho!

Wo ni no jung gsi bi, i mein fast no nit gar zwänzgi,
Han i e Reisli gmacht dur’s Wiesethal und uf der Feldberg;

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S’isch e lieblige Weg vo Schopfen uf Zell und uf Todtnau.

In ere milde Summernacht bim helleste Monschin,
Gang i mis Wegs furt mit allerhand guete Gidanke
Un voll Herzesfreud, die himmlische Ussicht bald z’gnieße. –
Wo ni go Todtnau chumm, so lüte d’Glocke grad Betzit,

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Un der Morgestern het glitzert über em Feldberg.

Müed bin i no nit gsi, und betet hani ungheiße.
Z’Todtnau wend’ i mi links un gang dur’s Thäli zum Fall hi,
Wo der Wiesebach vom hoche Felsen in’s Thal stürzt;
Sez mi uf e Stei im bet e still Vaterunser.

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Bald druf chunnt der Schlof, so sanft und süß wie no selte.

Eb i dra denkt cha he, so bin i halt richtig vertschlofe;
’s Tose vom Wasserfall, der Duft vo de Bluemen und Chrütre
Het in Orgelton und Rauchwerk zletzt sich verwandlet,
D’Gegnig in e Chilche, – im Schlofen isch’s mer so vorcho.

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Wo ni uf d’Chanzle lueg, so stoht e heiteren Engel

Statt em Pfahrer druf, i ha ne herzlichi Freud cha –
Prediget het er, lueg, de chasch nit glaube, wie prächtig!
Gschraue het er nit, wie sust viel Heren es mache,
Nei, ganz sanft und fründli; i mueß mi Lebtig dra denke; –

[241]
35
Druf do luegt er mi a, der Engel, so ernst un so lieblig,

I vergiß es nit, es isch mer dur d’Seel dure gange;
Seit druf zue mer: „Weisch, wo de bisch? i will der’s erkläre:
In der Chilche bisch, denn d’Erden isch jo ne Chilche,
Wenn der Früehlig chunnt, und d’Vögel verwachen un d’Blueme;

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Isch es denn nit wohr? Isch d’Welt nit e heiteri Chilche?

D’Sunne isch’s ewig Liecht un d’Sterne die himmlische Wächter,
Hörsch, wie sie singen im Chor das: Ehre sey Gott in der Höhe! –
Un das Siebegestirn singt lieblig: Frieden uf Erde!
Un der Morgestern, er lütet so fründli zuer Frühmeß!

45
Weisch, ’s isch Sunntig hüt! lueg um di und obsi, was siehsch denn? –

Do der Wasserfall, er bruust wie d’Schopfemer Orgle!
Wie ne Halleluja so tönt’s im heitere Thäli,
Siehsch de Felse do, druf stand i wie ne Her Pfahrer
Uf de Chanzle stoht, un leg der während dim Schlummer

50
Gschwind e Wörtli an’s Herz, un denk dra, wenn de verwacht bisch! –

Lueg jez obsi, was siehsch? en eifach Chrüz uf em Bergli,
Drüber der Morgestern am reine heitere Himmel! –
Los, was i sag: de wirsch im Leben öfters e Chrüz ha;
Nimm’s vom liebe Gott, es leitet di zue de Sterne –

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Bis geduldig un frumm, un häng di Herz nit an’s Weltli;

S’lohnt si nit der Müeh, un wenn der öbbis gar schwer macht,
Beth zum liebe Gott, und lueg zum heitere Himmel,
B’halt di G’wisse rein, un blieb barmherzig un güetig;
S’chunnt e Stündli, de wirsch di freue, daß de mer gfolgt hesch!“ –

60
Seit der Engel zue mer; druf seit er mit liebligem Lächle:

„Wenn das Stündli chunnt, so gsiehsch mi wieder, i füehr di
Zue de Sternen empor, un zeig der e himmlische Ussicht, –
Schöner as die uf em Berg un schöner as Alles uf Erde,
In e himmlisch Land un zue dim himmlische Vatter

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Füehr i di derno! O wenn de numme scho dört wärsch!

Bhüet di Gott der Her, un denk dra, wenn de verwacht bisch!“ –
Seit der Engel zur mer und luegt mi a un verschwindet.

[242]

Gli druf bin i verwacht und d’Morgesunne het g’schiene,
Un die ganze Natur het gfiert e heilige Sunntig!

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Wie’s mer gsi isch um’s Herz, i cha der’s wäger nit sage,

Aber denkt han i dra, un ha’s no nie halt vergesse;
S’isch mer au scho wunderli gange, un Chrüz isch uf Chrüz cho,
S’isch mer nützli gsi, Gott het mer Giduld geh und Friede!
Jez isch’s bald verbi, bald chumm i zuem himmlische Vater,

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Herzli freu i mi druf, den Engel wieder z’erblicke,

Wenn das Stündli chunnt, vo dem er mit Lächle jo gseit het!
Mach’s jez au ne so un denk dra, was der verzehlt ha,
Wenn de Wasserfall siehsch im stille Thäli bi Todtnau.

J. J. Schneider, Pfarrer.