Der dumme Hans (Meier)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Ernst Meier
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der dumme Hans
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 72-75
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons, E-Text nach der Erstausgabe, digitale-bibliothek Band 80
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[72]
21. Der dumme Hans.

Ein Wirth hatte einen einzigen Sohn, der hieß Hans, der mochte nichts arbeiten und nichts lernen und blieb in allen Dingen dumm. Da sagte sein Vater zu ihm eines Tages: „Hör’ mal, Hans, Du bist nun groß und stark, verstehst aber noch nichts; Du mußt jetzt fort von hier und in der Welt Dich umsehen und wandern, damit Du auch gescheidt wirst.“ „Ja Vater,“ sagte Hans, „das will ich thun; gib mir nur Geld, daß ich leben kann!“ Das versprach ihm der Vater; sagte aber, daß er vor der Abreise erst noch beichten müße.

Nachdem Hans nun gebeichtet hatte, gab ihm der Pfarrer folgende vier Punkte als Buße mit auf den Weg: erstens, er solle sieben Jahre lang keinen Wein trinken; zweitens, sieben Jahre lang kein Fleisch eßen; drittens, sieben Jahre lang in keinem Federbett liegen, und viertens, diese [73] sieben Jahre hindurch bei keinem Mädchen schlafen. – Darauf füllte ihm sein Vater einen Beutel mit Geld und dann wanderte er wohlgemuth in die Welt hinaus.

Es dauerte aber gar nicht lang, da war der Geldbeutel leer, und Hans konnte in kein Wirthshaus mehr einkehren und sah sich genöthigt, die Klöster aufzusuchen. – So kam er eines Abends auch ganz ermüdet und hungrig in ein Kloster und bat um ein Unterkommen und um ein Nachteßen. Da holte ihm die Klosterfrau sogleich eine Flasche Wein her und sagte, er solle sich daran einstweilen erquicken. „Ach,“ seufzte Hans, „der Pfarrer hat mir als Beichtbuße für sieben Jahre den Wein verboten!“ Sprach die Klosterfrau: „hat er Dir auch Champagner verboten?“ „Nein,“ sagte Hans, „den hat er mir nicht verboten.“ „Nun gut,“ sagte die Frau, „so trink Du nur in Gottes Namen, denn das ist Champagner!“

Darauf holte sie einen Braten, zerschnitt ihn und nöthigte Hansen zum Eßen. „Ach,“ sagte Hans wieder, „der Pfarrer hat mir als Beichtbuße auferlegt, sieben Jahre lang kein Fleisch zu eßen!“ – Fragte die Frau: „Hat er Dir auch Braten verboten?“ „Nein,“ sagte Hans, „bloß Fleisch hat er mir verboten.“ „Nun,“ sagte die Klosterfrau, „so laß Dir in Gottes Namen den Braten schmecken!“

Als es endlich Zeit war, zu Bett zu gehen, führte ihn die Klosterfrau in eine Kammer an ein schönes Bett. Wie Hans das aber sah und anfühlte, seufzte er und sprach: „ach, der Pfarrer hat mir als Beichtbuße auferlegt, sieben Jahr lang in keinem Federbett zu liegen!“ „Hat er Dir,“ [74] fragte die Klosterfrau, „auch verboten, auf Flaumen zu schlafen?“ „Nein,“ sagte Hans, „das hat er mir nicht verboten.“ „Nun, so leg’ Dich in Gottes Namen hinein! denn dieß ist ein Flaumenbett.“

Nachdem Hans sich ausgekleidet und in das weiche Bett gelegt hatte, kam die Klosterfrau noch einmal zu ihm in die Kammer und fragte, ob er schon schlafe. „Nein,“ sagte Hans, „noch nicht; aber ich war eben daran, einzuschlafen.“ „Nun,“ sagte die Frau, „so rück ein wenig an die Seite und laß mich bei Dir schlafen! das Bett hat Platz für uns beide; denn wenn zwei bei einander liegen, so wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden? sagt der Prediger Salomo.“ (Kap. 4, 11.) „Ach,“ seufzte Hans wieder, „der Pfarrer hat mir als Beichtbuße aufgelegt, sieben Jahre lang bei keinem Mädchen zu schlafen.“ „Hat er Dir auch verboten, bei einer Klosterfrau zu schlafen?“ fragte die Frau. „Nein,“ sagte Hans, „das hat er mir nicht verboten,“ und ließ die Klosterfrau getrost an seiner Seite schlafen.

Das Leben im Kloster gefiel dem Hans aber so gut, daß er gar nicht forteilte, und da die Klosterfrau ihn ebenfalls gern bei sich behielt, so blieb er da, aß Braten und trank Champagner und schlief bei der schönen Klosterfrau bis die sieben Jahre herum waren. – Da gab er vor, er müße seinen Vater einmal besuchen, worauf ihm die Klosterfrau ein schönes Reitpferd mitgab und ihm den Geldbeutel füllte, und so ritt er hin vor das Wirthshaus seines Vaters; der aber erkannte ihn nicht und sagte: „wenn so doch auch einmal mein Hans aus der Fremde heimkehrte! aber der [75] wird alles verputzt und wenig verdient haben.“ – Wie aber die Mutter hereintrat, erkannte sie ihren Hans sogleich wieder, und nun waren alle vergnügt mit einander. Auch der Pfarrer wurde gerufen, und dem mußte Hans viel von seiner Reise erzählen. Zuletzt erinnerte der Pfarrer ihn noch, daß er jetzt auch wieder beichten müße.

Als Hans am nächsten Sonntag zum Pfarrer gieng, um zu beichten, fragte ihn dieser: „Nun Hans, sag mir einmal aufrichtig: hast Du alles gehalten, was ich Dir auferlegt habe? Hast Du in diesen sieben Jahren keinen Wein getrunken?“ „Nein,“ sagte Hans, „keinen Tropfen Wein, sondern immer nur Champagner.“ „Ei, um Gottes willen,“ rief der Pfarrer, „das ist ja noch schlimmer! das ist ja der vornehmste Wein! – Aber Fleisch wirst Du doch nicht gegeßen haben?“ fragte er weiter. „Nein,“ sagte Hans, „kein Bröckele Fleisch, sondern immer nur Braten.“ – „Ei, das ist ja das vornehmste Fleisch!“ sprach der Pfarrer. – „Aber in Federn hast Du doch nicht geschlafen?“ „Nein,“ sagte Hans, „in keinen Federn, sondern immer nur in Flaumen.“ „Ei, das sind ja die vornehmsten Federn! – Aber bei keinem Mädchen wirst Du hoffentlich geschlafen haben?“ „Nein,“ sagte Hans, „ich habe niemals bei einem Mädchen, sondern immer nur bei einer Klosterfrau geschlafen.“ „Um Gottes willen,“ rief der Pfarrer, „das ist ja das Allerschlimmste! die Klosterfrau ist ja unsers Heilands Schwester!“ „Ei, so ist der Heiland ja mein Schwager,“ sagte Hans, „der wird mir schon weiter helfen.“

Anmerkung des Herausgebers

[304] 21. Der dumme Hans. Mündlich aus Bühl und Owen.