Der schwarze Ritter (Uhland)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Ludwig Uhland
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der schwarze Ritter
Untertitel:
aus: Gedichte von Ludwig Uhland, Seite 185–187
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: MDZ München = Commons.
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[185]
Der schwarze Ritter.


Pfingsten war, das Fest der Freude,
Das da feiern Wald und Haide.
Hub der König an zu sprechen:
„Auch aus den Hallen

5
Der alten Hofburg allen

Soll ein reicher Frühling brechen!“

Trommeln und Trommeten schallen,
Rothe Fahnen festlich wallen.
Sah der König vom Balkone;

10
In Lanzenspielen

Die Ritter alle fielen
Vor des Königs starkem Sohne.

Aber vor des Kampfes Gitter
Ritt zuletzt ein schwarzer Ritter.

15
„Herr! wie ist Eur Nam’ und Zeichen?“

„Würd’ ich es sagen,
Ihr möchtet zittern und zagen,
Bin ein Fürst von großen Reichen.“

Als er in die Bahn gezogen,

20
Dunkel ward des Himmels Bogen

Und das Schloß begann zu beben.
Beim ersten Stoße
Der Jüngling sank vom Rosse,
Konnte kaum sich wieder heben.

[186]
25
Pfeif’ und Geige ruft zu Tänzen,

Fackeln durch die Säle glänzen;
Wankt ein großer Schatten drinnen.
Er thät mit Sitten
Des Königs Tochter bitten,

30
Thät den Tanz mit ihr beginnen.


Tanzt im schwarzen Kleid von Eisen,
Tanzet schauerliche Weisen,
Schlingt sich kalt um ihre Glieder.
Von Brust und Haaren

35
Entfallen ihr die klaren

Blümlein welk zur Erde nieder.

Und zur reichen Tafel kamen
Alle Ritter, alle Damen.
Zwischen Sohn und Tochter innen

40
Mit bangem Muthe

Der alte König ruhte,
Sah sie an mit stillem Sinnen.

Bleich die Kinder beide schienen,
Bot der Gast den Becher ihnen:

45
„Goldner Wein macht euch genesen.“

Die Kinder tranken,
Sie thäten höflich danken:
„Kühl ist dieser Trunk gewesen.“

[187]

An des Vaters Brust sich schlangen

50
Sohn und Tochter; ihre Wangen

Thäten völlig sich entfärben.
Wohin der graue,
Erschrockne Vater schaue,
Sieht er eins der Kinder sterben.

55
„Weh! die holden Kinder beide

Nahmst du hin in Jugendfreude:
Nimm auch mich, den Freudelosen!“
Da sprach der Grimme
Mit hohler, dumpfer Stimme:

60
„Greis! im Frühling brech’ ich Rosen.“